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Public Health, Voraussetzungen und Chancen

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Dr. Gerhard Polak leitet das Auslandsreferat der Ärztekammer für Wien und arbeitet als Facharzt für Anästhesie und operative Intensivmedizin in der Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien. Er hat am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut den Tropenkurs absolviert und mit internationalen Organisationen an Auslandseinsätzen teilgenommen. Sein besonderes Interesse gilt der Berufsentwicklung und Weiterbildung im Public-Health-Bereich. Er ist Herausgeber des Handbuches „Public Health“ / Springer Verlag und dem jährlich erscheinenden Kurskatalog „Medicine & Health“/ Going International Verlag, Wien.

Public Health, Voraussetzungen und Chancen
(Ein Interview mit Herr Dr. Polak, Auslandsreferent, Facharzt)

Wie definieren Sie den Begriff "Public Health" in Ihrem Buch?

Herr Dr. Polak:
Public Health verkörpert die gemeinsamen Bemühungen der Gesellschaft um die gesundheitliche Entwicklung und das gesunde Leben der Bevölkerung. Es steht für fachliche Grenzüberschreitung und für Pluralismus. Public Health zielt darauf ab, für jeden Einzelnen den bestmöglichen Gesundheitszustand sicher zu stellen. Wissenschaftlich betrachtet ist Public Health jene Wissenschaft, die sich lösungsorientiert damit beschäftigt, wie in Anbetracht vorhandener Mittel, der Umweltbedingungen und der genetischen Gegebenheiten für die größtmögliche Anzahl von Menschen der bestmögliche Gesundheitszustand zu erzielen ist.

„Public Health“ versteht sich als Plattform für alle Akteure im Gesundheitsbereich: Ärzte, Naturwissenschafter, Mitarbeiter aus den philosophischen Fachrichtungen, Psychologen und Soziologen, Gesundheitsökonomen, Juristen, Versicherer und natürlich auch die Fachpflegeberufe sowie die Mitarbeiter in den Basisgesundheitseinrichtungen. Dabei ist „Public Health“ nicht gleichzusetzen mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst.

Gibt man den Begriff "Public Health" in eine Internetsuchmaschine ein, so finden sich auf den ersten Rechercheseiten ausschließlich Hinweise auf amerikanische Quellen. Nehmen in den USA die Begriffe und die Institutionen des Bereichs "Public Health" eine wichtigere Stellung ein als hierzulande?

Der Begriff „Public Health“ hat seine Wurzeln im anglo-amerikanischen Raum und ist an anglo-amerikanischen Universitäten und öffentlichen Einrichtungen seit mehr als 100 Jahren verankert.
Die Public Health – Forschung, die Gesundheitsberichterstattung, das Festlegen von Gesundheitszielen und die Politikberatung haben im anglo-amerikanischen Raum eine lange Tradition, werden intensiv genutzt und wertgeschätzt

Gibt es spezielle Förderprogramme und Studiengänge an Universitäten?

Es gibt heute im gesamten deutsch-sprachigen Raum eine ständig zunehmende, bisweilen auch unübersichtlich werdende, Anzahl von Förderprogrammen, Studiengängen, Lehrgängen, Kurzkursen etc.

In Deutschland kann man sich über die Webseite der „Deutschen Koordinierungsstelle für Gesundheitswissenschaften“ (www.medsoz.uni-freiburg.de/dkgw) einen raschen Überblick über Public Health – Studiengänge verschaffen.

In der Schweiz gibt es für Public Health – InteressentInnen die „Koordinationsstelle des Interuniversitären Weiterbildungsprogrammes Public Health“ (www.public-health-edu.ch/zulass.html) mit umfassenden Auskünften über Kursangebote und Zulassungsbedingungen.

In Österreich erhalten Public Health – InteressentInnen auf der Webseite der „Österreichischen Gesellschaft für Public Health“ (www.oeph.at) einen breiten Überblick über Kongresse, Seminare, Tagungen, neue Publikationen und Studiengänge.

Das Auslandsbüro der Ärztekammer für Wien bietet für ÄrztInnen, aber auch für Fachpflegeberufe, eine Beratung zur Public-Health-Ausbildung im deutsch-sprachigen Raum und überregional an (www.aekwien.or.at).

Nennen Sie mir doch bitte einige Beispiele potentieller Arbeitsgebiete und Arbeitgeber und welches sind die typischen Arbeitsbereiche in „Public Health“?

Für Public Health – Absolventen bieten sich viele und verschiedene Arbeitsgebiete. Public Health – Absolventen arbeiten an Universitäten (Forschung, Epidemiologie, Gesundheitsökonomie, Gesundheitsberichterstattung, Planung von Studien etc.), in der Industrie (Pharma, Medizinprodukte und Technik), Versorgung (Gesundheitsversorgung und – management), in der Wirtschaft (Bedarfserhebung, Ökonomie, Gesundheitsförderprogramme, Wellness- und Life-Style Einrichtungen), in den öffentlichen und privaten Medien (Radio, TV, Printmedien, Internet, als Journalisten, Berater), bei Versicherungen (öffentliche und private Versicherungen), im öffentlichen Dienst, auf Regierungs-, Bundes-, Landes- und Regionalebene, in den Planungs- und Versorgungseinrichtungen sowie in zunehmendem Maße direkt im Spitalsbereich (Krankenanstaltenverbünde, Kompetenzzentren).

Welche Voraussetzungen/Anforderungen muss eine Bewerberin/ein Bewerber erfüllen?

Typischerweise sind Public Health – Studiengänge postgraduierte Lehrgänge für Menschen mit
Berufserfahrung im Gesundheitsbereich. Wie ich bereits erwähnte, finden sich viele verschiedene Kernberufe in einem Public Health – Studium ein. Wichtig ist, dass der Public Health Interessierte eine ausreichende Berufserfahrung mitbringt und sich mit dem Studium einen erweiterten Überblick über Interventionsmöglichkeiten, über Steuerung, über Management, über Projektentwicklung verschaffen und sich weiterbilden kann.

…und wie ist es mit den Auswahlkriterien/-verfahren?

Bei den Auswahlkriterien finden sich natürlich immer wieder Unterschiede von Universität zu Universität. Allgemein kann gesagt werden, dass gute Public Health – Lehrgänge sich dadurch auszeichnen, dass man versucht, für einen Lehrgang die Bestmotivierten, Erfahrendsten zusammenzubringen, um aus dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch in Verbindung mit neuem Forschungs- und Grundlagenwissen das bestmögliche Ausbildungsergebnis zu erzielen.
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Sehen Sie Hürden/Engpässe für die Bewerberin/den Bewerber?

Herr Dr. Polak:
Die eigentlichen Schritte zur Zulassung sind schnell aufgezählt und für die meisten Schools of Public Health ähnlich. Eine möglichst frühe Bewerbung ist zu empfehlen, da auch auf „First come – first serve“ – Basis entschieden wird.

- Neben dem Antragsformular und dem Curriculum Vitae wird oft ein „Career Statement“ erwartet, in dem der Quellberuf, die Motivation für den Kurs und die Berufspläne danach dargelegt werden.

- Die Unterrichtssprache ist nicht immer identisch mit der Muttersprache des jeweiligen Kurslandes. Meist aber ist die Kurssprache Englisch. Bei einer anderen Muttersprache des Bewerbers wird ein Nachweis entsprechender Sprachkenntnisse gefordert. Mehrere Tests sind hierfür international anerkannt: TOEFL (Test of English as a Foreign Language), IELTS (International English Language Testing System), GRE (General Record Examination).


- Ein Großteil der Universitäten verlangt als Zulassungsvoraussetzung ein abgeschlossenes Studium.

- Empfehlungsschreiben: In der Regel werden 2-3 Letters of Recommendation zur Bedingung gemacht.

Und die derzeitigen Chancen am Arbeitsmarkt?

Die Chancen am Arbeitsmarkt sind für Public Health – Absolventen ausgezeichnet. Das Angebot an interessanten Tätigkeiten ist groß, jedoch müssen gerade Ärzte lernen, dass sie aus einem quasi geschützten Arbeitsbereich im Spital oder dem Kassenvertrag in ein Berufsfeld einsteigen, in dem sie sich täglich neu bewähren müssen, in dem sie sich und ihre Kompetenz regelmäßig erweitern müssen und in einem kontinuierlichen Wettbewerb mit anderen Public Health – Experten in einem freien Markt agieren.

Wo sehen Sie Weiterentwicklungsmöglichkeiten in Betrieb und Berufsfeld, sprich, wie kann eine Karriere in "Public Health" aussehen?

Das Weiterbildungspotential eines jeden Einzelnen, der sich für einen Public Health – Lehrgang interessiert, wird wohl davon abhängen, ob in seinem betrieblichen Umfeld schon ein Interesse an einem Public Health – Experten oder an einer Public Health – Expertise besteht.

Sicherlich ist die Public Health – Ausbildung eine wertvolle Zusatzqualifikation und schafft im jeweiligen Betrieb Aufstiegschancen (viele Versicherungen und Verbände entsenden ihre Mitarbeiter zu Public Health – Lehrgängen und finanzieren diese auch). Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass viele Public Health – Absolventen nach ihrer Ausbildung, mit einem Mehr an Erfahrung durch den Kontakt mit Professoren und ihren Mitstudenten, sich ein neues Berufs- und Betätigungsfeld suchen und dieses auch rasch finden.

Lieber Herr Dr. Polak, ich danke Ihnen für das Interview.

Literatur-Hinweise:
1. Das Handbuch Public Health; Hrsg. Dr.Gerhard Polak, Springer Verlag, 1999
2. Kurskatalog „Medicine & Health“, Hrsg. Dr.Gerhard Polak, Going International Verlag, 2003
(jährlich)
3. Who is who in Public Health in Europe; Hrsg. Hoffmann-Markwald A., Reschauer, G.,
Troschke J.v., Schriftenreihe der Koordinierungsstelle Gesundheitswissenschaften/Public
Health an der Abteilung für Medizinische Soziologie der Universität Freiburg, 1996
4. Gesundheitswissenschaften. Handbuch für Lehre, Forschung und Praxis; Hrsg. Hurrelmann,
K., Laaser, U.; Weinheim 1993
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Herr Dr. Polak
Auslandsreferent, Facharzt, Ärztekammer und Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien, Wien, Österreich im September 2003
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