Bewerbung
Formalitäten
Unterbringung
Arbeitszeiten und Bezahlung
Tätigkeit
Fazit
BewerbungDa ich schon als Studentin Praktika in Strasbourg absolviert hatte, kannte ich das Uniklinikum und bewarb mich durch ein direktes Vorstellungsgespräch bei Prof. Pöttecher auf eine Stelle als Faisant fonction d’interne, FFI. Dieses Gespräch fand Ende Oktober 2001 statt - ich hatte das 3. Staatsexamen am 20.10.2001 abgeschlossen. Beginn der Tätigkeit war danach der 1. November. Es ging also alles Schlag auf Schlag. Besser wäre es natürlich, sich langfristiger zu bewerben.
Wichtig: In Frankreich läuft die Ausbildung nach Semestern. Man kann also nur zum November oder zum Mai anfangen!
FormalitätenNachdem ich die mündliche Zusage von Prof. Pöttecher bekommen hatte, erledigte seine Sekretärin den Hauptteil der Formalitäten. Ich musste lediglich einige Papiere einreichen wie auch in Deutschland üblich: Personalausweis, Polizeiliches Führungszeugnis, Zeugnis des 3. Staatsexamens sowie AiP-Erlaubnis, alles in beglaubigter französischer Übersetzung. Ansonsten ist eine Tätigkeit im Rahmen der EU recht unkompliziert. Danach bekam ich den Arbeitsvertrag, befristet auf eine Dauer von sechs Monaten. Bleibt man länger, so muss man jedes Mal nach sechs Monaten verlängern. Man hängt also etwas „in der Luft“. Der Rest hängt von einem selbst ab. Prof. Pöttecher meinte, ich hätte gut gearbeitet und bot mir nach fünf Monaten eine Verlängerung des Vertrages an für den nächsten sechsmonatigen Zeitraum mit Option auf die gesamte Weiterbildung, falls ich Lust hätte.
Anerkennung: Alles wird voll anerkannt, sowohl als AiP-Phase als auch auf die Weiterbildung zum Facharzt. Trotzdem ist es ratsam, sich vorher mit den jeweils zuständigen Stellen in Verbindung zu setzen, um sicher zu gehen. Am Ende lässt man sich die Tätigkeit auf der Rückseite des AiP-Formulares bestätigen und ein kleines Zeugnis ausstellen ('rapport de stage’).
UnterbringungDie Unterbringung war in Strasbourg kein Problem, insgesamt dafür allerdings teuer (wegen Europaparlament etc.). Ich hatte das Glück, sofort ein Zimmer mit Bad im Personalwohnheim zu bekommen. Es war halt Wohnheimqualität, aber dafür preiswert und man hattte alles, sogar Putzfrauservice und Waschmaschine. Verantwortliche ist
Mme Yvette Tomczac
Internat des médecins
1, Avenue de Molière
67000 Strasbourg
Tel.: 0033-388-28006.
Arbeitszeiten und BezahlungFrankreich ist eines der wenigen Länder, die das EU-Urteil zu den Arbeitszeiten im Gesundheitssektor umsetzen. Dies bedeutet: 35-Stunden-Woche (max. 40 Stunden, wenn viel zu tun ist!). Beginn ist 8.00 Uhr morgens, Ende ca. 17.00 Uhr. Man hat 14 Tage Urlaub pro sechs Monate. Der Samstag gilt als Arbeitstag. Nach einem Nachtdienst darf man am nächsten Morgen um 9.00 Uhr nach Hause und hat den Tag frei.
Bezahlung: Das Grundgehalt waren brutto ca. 2.000 €. Davon werden obligatorisch ca. 20 % für Sozialleistungen abgezogen. Steuern bezahlt man in Frankreich wahlweise monatlich oder am Ende des Jahres - im letzten Fall also rechtzeitig ansparen bei längerer Tätigkeit!
Nachtdienste wurden vergütet mit ca. 100 €. Für Sonn- und Feiertage gab es einen Zuschlag. Insgesamt hatte ich ein Nettogehalt von ca. 1.600 €.
TätigkeitOffiziell als AiP gemeldet, galt ich in der Abteilung als „Interne“, also voller Assistenzarzt wie die Franzosen. Das bedeutet gleiche Rechte, aber auch gleiche Pflichten!! Eingesetzt war ich in der chirurgischen Intensivstation im Rahmen der Facharzt-Ausbildung Anaesthesie.
Zunächst war es ein Sprung ins kalte Wasser. Von Beginn an wurde erwartet, dass ich volle Verantwortung für die mir zugeteilten Patienten übernahm, samt Nachtdiensten. Nicht unbedingt einfach, wenn man gerade erst das Staatsexamen absolviert hat.
In unserer Abteilung sah der typische Tagesablauf folgendermaßen aus: morgens um 8.00 Uhr Visite und Besprechung mit den Ärzten von der Nachtschicht, dann kurze Kaffeepause. Anschließend hatte jeder seine Patienten zu untersuchen und den Behandlungsplan für den nächsten Tag zu erstellen. Da es sich um eine chirurgische Intensivstaion handelte, hatten wir viele Schädel-Hirn-Traumata, Polyfrakturierte, Patienten nach Operationen aller Arten, Autounfälle etc.. Auch viele jüngere Patienten. Das gesamte Spektrum, das an einer großen Uniklinik anfallen kann. Zum Teil sehr interessante Fälle, natürlich 90 % Routine, nachdem man sich einmal eingearbeitet hatte. Um 12.00 Uhr war „staff“, also Vorstellung aller Patienten vor allen Ärzten der Abteilung. Danach Mittagspause. Am Nachmittag je nach Auslastung zusätzliche Untersuchungen (CTs, Arteriographien). Manchmal hatte man auch Zeit, die Arztbriefe schon nachmittags zu erledigen. Abends kam um 17.00 Uhr der Nachtdienst. Man machte einen kurzen Rundgang zusammen und hatte dann frei.
Was habe ich gelernt? Dies hängt von der persönlichen Motivation ab. Zunächst muss man sich in die häufigsten Krankheitsbilder einlesen, Medikamente, Immunsuppression nach Transplantationen, maschinelle Beatmung, Ernährung usw.. Ich legte selbständig ZVKs aller Art, Pulmonaliskatheter, arterielle Katheter, Intubationen, Montage und Überwachung von Haemodialyse., Kurznarkosen für kleinere Eingriffe wie Tracheotomien.
Wenn man will, kann man viel lernen. So hatte ich mich z.B. besonders für die Haemodialyse und die maschinelle Beatmung interessiert. Was ich auch sehr interessant fand, war die Behandlung von Organtransplantatierten. Alles Weitere hängt davon ab, wie weit man sich einsetzen will.
Das Klima in der Abteilung fand ich sehr kollegial. Alle waren hilfsbereit und man war nicht alleine gelassen. Außer mit dem Professor duzt man sich mit allen.
FazitVoraussetzung ist guter Wille und Flexibilität, vor allem für die Zeit der Einarbeitung, sowie eine sehr gute Beherrschung der französischen Sprache in Wort und Schrift!
Man übernimmt von Anfang an volle Verantwortung für die Patienten und darf alles machen, was man will und kann! Am Anfang habe ich oft geschwitzt, aber insgesamt war die Tätigkeit sehr befriedigend, da man nicht als AiP, sondern als Assistenzarzt behandelt wurde. Ich glaube, dass ich viel mehr gelernt habe als während einer typischen AiP-Tätigkeit in Deutschland und werde auch weiter in Frankreich bleiben.
G., S.
Strasbourg, Juni 2002 |