Erste Schritte
Bewerbung
Vorstellungsgespräch
Visum und notwendige Dokumente
Versicherungen
Unterkunft
Arbeit und Verdienst
Fazit
Erste SchritteLiebe Kolleginnen und Kollegen, anbei möchte ich meine Erfahrungen an Euch/Sie weitergeben, die ich im Laufe eines einjährigen Weiterbildungsaufenthaltes am Sydney Children`s Hospital in Sydney im letzten Jahr sammeln konnte und hoffentlich einige wertvolle Tips zu Bewerbungsfragen geben können.
Grundsätzlich sollte man sich circa sechs Monate Zeit nehmen, um alle mit der Bewerbung und den anschließenden Visa- wie berufsrechtlichen Formalitäten zusammenhängenden Arbeiten erledigen zu können.
Der erste Schritt besteht sicherlich darin, das geeignete Krankenhaus zu finden. Dabei scheint es grundsätzlich nicht sehr schwierig zu sein, überhaupt eine Stelle zu bekommen, schwieriger jedoch, eine für die Weiterbildung anrechenbare Anstellung zu finden. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, daß auch ohne spezielle universitäre Vorausbildung eine Bewerbung an den großen Universitätszentren erfolgreich sein kann. Diese wie alle größeren Kliniken vergeben grundsätzlich Einjahresverträge, die dann nochmals in dreimonatige Einsatzrotationen aufgeteilt sind, das heißt, man bleibt nicht für die gesamte Zeit auf einer Station, sondern rotiert in verschiedene Bereiche der Abteilung und wird häufig auch für einen 'term' (drei Monate) in ein peripheres Krankenhaus verteilt.
Wie komme ich an eine Stelle? Für jeden Fachbereich gibt es in Australien ein Specialist Medical College. Dieses wiederum verschickt auf Anfrage eine Liste an anerkannten teaching hospitals. Die Adressen der Colleges können im Internet unter der website des 'Australian Medical Council' (-> *Weiterführende Links), das auch viele andere Inforamtionen für overseas traines doctors bietet, gefunden werden. Dort sind dann auch die websites der entsprechenden Colleges mit entsprechenden Email Adressen zu finden, die zum Teil auch die Liste der Teaching Hospitals schon online anbieten.
Eine weitere hervorragende Anlaufadresse biete die website von 'overseas doctors'*, die, wenn man sie denn übersetzen würde, alle relavanten Informationen zu Bewerbung, Lebensbedingungen und Kontaktadressen bietet.
Für Allgemeinmedizinische KollegInnen ist die Website 'Requirements for Physician Training in Australia'* wärmstens empfohlen, chirurgische Interessierte finden viel auf der Website des 'Royal Australasian College of Surgeons'*, und die Abenteurer sollten auch die 'flying doctors'* nicht vergessen.
Grundsätzlich kann man sich auch an jedem peripheren Krankenhaus bewerben, jedoch sollte man dann genau erfragen, was es dort zu lernen gibt und ob dies in Deutschland anrechenbar ist (was die Weiterbildungsstellen der Landesärztekammern meistens in voraus nicht entscheiden können oder wollen). Eine vollständige Liste aller Krankenhäuser findet man in den yellow pages Australiens unter 'public Hospitals' (sind ungefähr 1000).
Zudem besteht die Möglichkeit, die großen australischen Zeitungen nach Anzeigen zu durchforsten. Mir wurde nur gesagt, daß jegliche Stelle auch im Sydney Morning Herald veröffentlicht wird (dies scheint jedoch nur an bestimmten Tagen im Jahr der Fall zu sein, ich jedenfalls bin nicht fündig geworden).
Auch bieten viele größere Krankenhäuser auf ihren homepages 'job vacancies' an, so daß sich das Durcharbeiten der websites durchaus lohnen kann. Ich habe unter dem Stichwort 'australian hospital listing' eine große Auswahl an homepages gefunden.
BewerbungWie sieht eine australische Bewerbung aus? Eigentlich ähnlich wie eine deutsche. Normalerweise besteht die Bewerbungsmappe erstens aus einem covering letter bzw. application form, die einem manche Krankenhäuser nach erster Kontaktaufnahme zuschicken. Der covering letter hat die üblichen Inhalte des „warum bewerbe ich mich, welche besonderen Qualifikationen besitze ich, zu wann und für welche Position bewerbe ich mich“.
Falls Euch keine spezifische Kontaktperson bekannt ist, schreibt man die Bewerbung an den Medical Superintendent bzw. Chief Resident`s Office des Krankenhauses.
Da die Weiterbildung in Australien doch recht anders als hier aufgebaut ist, ist es manchmal etwas schwierig, sich selbst richtig einzuordnen, für welche Position man in Frage kommt: als Daumenregel gilt: AIP`ler wären mit Residents gleichgestellt, Assistenten mit noch mäßiger klinischer Erfahrung mit junior Registrars, Altassistenten mit senior Registrars und Fachärzte, die in Subspezialitäten arbeiten möchten, mit Fellows. Ich selbst habe dem Krankenhaus überlassen, wie sie mich einordnen würden und daher, wie auch üblich, meine Erfahrungen und Kenntnisse detailliert im Lebenslauf geschildert.
Zweitens gehört ein ausführlicher Lebenslauf in die Mappe, jedoch ohne Photo. Der Aufbau besteht aus:
1.) personal details: Name, Adresse, wie zu erreichen, medical registration Nummer und Gesellschaft, bei der ihr Haftpflicht versichert seid; nicht dazu gehört die Kirchenzugehörigkeit;
2.) education: sprich Schulbildung und Studium mit praktischem Jahr, dann die eventuelle research Tätigkeit mit Doktorarbeit und Veröffentlichungen, falls vorhanden;
3.) Appointments: die bisherigen Anstellungen, und zwar von der Reihenfolge von der letzten zur ersten und mit einigen beschreibenden Sätzen, was für eine Klinik dies ist und was Ihr dort gelernt habt;
4.) work related further education: falls Ihr zusätzliche Kurse gemacht habt oder Spezialkenntnisse besitzt und als letztes
5.) Interests: was Ihr sonst noch so macht.
Abschließend muß man mindestens zwei references anführen. Dies sind die Adressen mit Kontaktnummer Eurer früheren Chefs, bei denen die Krankenhäuser weitere Informationen über Euch einholen können.
Drittens kann man durchaus schon Zeugnisse früherer Chefs dazulegen.
Und viertens sollte die Urkunde, daß Ihr als Arzt arbeiten dürft, in Kopie und übersetzt (muß zunächst nicht unbedingt beglaubigt sein, später muß man sie dann aber sowieso beglaubigt bei den 'medical boards', entsprechen den Landesärztekammern, einreichen) dabei liegen.
Vorstellungsgespräch Juhu, es scheint zu klappen! Ihr bekommt einen Anruf, meistens mitten in der Nacht, einen Brief oder eine Email, daß Ihr für ein interview (Bewerbungsgespräch) vorgesehen seid. Dies wird normalerweise telefonisch geführt. Da ich nur mein eigenes interview als Erfahrung vorweisen kann, bleibt mir nur zu sagen, daß es genauso wie in Deutschland abläuft: manchmal geht es nur um einen Eindruck, manchmal werden auch medizinische Dinge abgefragt, grundsätzlich ist es sicherlich sinnvoll, eine kleine Liste neben sich liegen zu haben, warum man selbst nun gerade so geeignet ist und warum Australien etc..
Abschließend wird man dann meistens auf ein bis zwei Wochen später vertröstet, bis man dann eine Zu- oder Absage erhält.
Visum und notwendige DokumenteUnd jetzt geht die Arbeit und das Geldausgeben los. Ihr braucht ein Visum, welches Visum Form 422, sprich ein Medical Practioner Visum ('occupational trainee') darstellt.
Die Australische Botschaft ist in Berlin zu erreichen oder auch im Internet. Dort kann sogar das Antragsformular direkt ausgedruckt werden. Natürlich wird auch eine Gebühr fällig.
Dann müßt Ihr zu einer medizinischen Untersuchung, die auch selbst bezahlt werden muß und nur von dafür nominierten Ärzten durchgeführt werden darf. Zudem müßt Ihr das Krankenhaus in Australien bitten, eine sponsorship für Euch zu schreiben. Das ist ein Visumsantrag bei den entsprechenden australischen Behörden. Zudem muß man das Medical board im entsprechenden Staat Australiens (also New South Wales, Capital state, South or West Australia oder Queensland) kontaktieren, daß man als occupational trainee arbeiten wird.
Diese Landesärztekammern werden Euch dann schreiben, was Ihr alles einreichen müßt, was meistens aus folgendem besteht:
einem Antragsformular,
der beglaubigt übersetzten Arztzulassungsurkunde,
einem Paßphoto,
einer Bescheinigung der Landesärztekammer, die für Euch zuständig ist, daß Ihr dort arbeitet und keine Verfahren gegen Euch anhängig sind (Certificate of good standing),
Eurem Reisepaß,
zwei Zeugnisse von Menschen, die Euch mindestens ein Jahr kennen und die nicht aus der Familie stammen und ebenfalls
eine Gebühr (in New South Wales 335A$ pro Jahr).
Manchmal wird auch noch ein Sprachtest gefordert. Die meisten Dokumente konnte ich nach Ankunft in Australien direkt dort vorweisen und brauchte sie vorher nicht schicken.
Das Ganze wird circa vier Monate in Anspruch nehmen, geht aber im Endeffekt recht komplikationslos.
VersicherungenWas gibt es sonst noch zu bedenken?
Auslandskrankenversicherung
Haftpflichtversicherung
Rentenversicherung in Deutschland: theoretisch kann man weiter einzahlen, muß man aber nicht (bitte unbedingt beraten lassen).
UnterkunftUnd wenn man dann da ist? Super Wetter und etwas zerknautschtes Englisch werden die ersten Dinge sein, die auffallen. Die Australier sind zudem sehr kontaktfreudig und werden Euch die ersten Tage des Eingewöhnens leicht machen.
Meistens ist auch schon eine Unterkunft für Euch organisiert, meistens ein Wohnheim, manchmal aber auch Ärzte Apartments. Manchmal muß man sich dann auch was eigenes suchen. Von WG bis eigenes Haus ist alles möglich. Meist sind die Mietpreise jedoch um deutsches Großstadtniveau.
Arbeit und VerdienstDann stehen Krankenhausrundgang und Kennenlernen der Kollegen und letzte bürokratische Arbeiten an.
Arbeiten macht meist Spaß. Meistens, jedenfalls in Universitätszentren, ist auch mehr Personal als in Deutschland da, so daß das Arbeiten meist ruhig und vor allem im Team stattfindet. Auch werdet Ihr dann erfahren, in welchen Abteilungen Ihr eingesetzt werden werdet. Wundert Euch nicht, wenn manches etwas chaotisch anmutet, die "Aussis" improvisieren gerne.
Gearbeitet wird im englischen Stil, sprich Krawatte und Hemd für Männer und Rock/Hose plus Bluse für Frauen, aber insgesamt ist der Kleidungsstil relaxter als in England.
Der Verdienst ist gut. Insbesondere die Zuschläge für Wochenenden und Nächte lassen das Konto gut gefüllt bleiben. Und die Steuern sind niedriger als in Deutschland. Es empfiehlt sich, bei den Kollegen einen guten 'tax agent' ausfindig zu machen, der einem dann den Lohnsteuerjahresausgleich macht.
Und falls es Euch nach einem Jahr immer noch so gut gefällt, kann häufig der Vertrag verlängert werden. Als occupational trainee ist es erlaubt, bis zu drei Jahre im Land zu bleiben. Falls Ihr dauerhaft dableiben wolltet, müßtet Ihr die entsprechende australische Facharztprüfung ablegen, die meistens eher schwerer als in Deutschland ist.
FazitAustralien ist ein schönes Land. Arbeiten macht dort Spaß und das Leben - jedenfalls meines in Sydney - war göttlich. Viel Glück beim Bewerben.
M., L.
Hamburg, August 2001 |