Warum in die Schweiz & welches Fach?
Bewerbung
Wahl des Krankenhauses
Das Vorstellungsgespräch
Arbeitsklima in der Schweiz
Verdienstmöglichkeiten und Arbeitszeiten
Land, Sprache und Kultur
Fazit
Warum in die Schweiz & welches Fach? Samstag – endlich Wochenende |
| Ich hatte mich für eine Bewerbung als Assistenzarzt in der Schweiz entschlossen, da ich durch den Aufenthalt in der Schweiz während meines Praktischen Jahres (PJ) dieses Land und seine Arbeitsbedingungen sehr schätzen gelernt hatte.
Was das Fach betraf, so bewarb ich mich auf eine Ausbildungsstelle in der Allgemeinchirurgie mit Schwerpunkt Traumatologie. Aufgrund der niedrigeren hierarchischen Strukturen und der humaneren Arbeitsbelastungen, gerade hinsichtlich der Bürokratie, machte mir die Chirurgie wieder Spaß. In Deutschland waren mir diese doch häufig ein Dorn im Auge.
BewerbungIch bewarb mich hauptsächlich in der Zentralschweiz, da ich dort noch Familie habe und die Region kenne. Für die französische oder italienische Schweiz sind natürlich genügend Sprachkenntnisse in Wort und Schrift erforderlich.
Viele der deutschen PJ’ler, die als Unterassistenten ein PJ-Tertial in der Schweiz absolvieren, bekamen am Ende des Tertiales eine Stelle im Spital angeboten. Gerade die mittleren und kleineren Spitäler suchen Ärzte und nehmen gerne ehemalige Unterassistenten, da diese die Strukturen kennen und schnell eingearbeitet sind. Insofern ist die Erfahrung, die man als „Uhu“ (Unterassistent) in der Schweiz gesammelt hat, sicherlich von Vorteil bei der Suche nach einer Assistenzarztstelle an einem Schweizer Krankenhaus.
Insgesamt ist es ähnlich wie in Deutschland. Über Kontakte erfährt man schneller, wo eine Stelle frei wird und man bekommt eventuell einen Fürsprecher. Falls Ihr schon eine bevorzugte Fachrichtung habt, könnt Ihr Euch auf der Homepage der FMH, der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (Siehe Weiterführende Links) informieren, welches Spital wie lange eine Weiterbildungsberechtigung hat.
Etliche Spitäler bieten es nach dem Vorstellungsgespräch an, einen Hospitationstag zu absolvieren. Dabei könnt Ihr den kompletten Arbeitstag mit einem Assistenten erleben (OP, Visiten, Arbeitsklima). Falls Ihr Zeit habt, würde ich dies Euch sehr empfehlen, da kaum bessere Chancen bestehen, das Spital und die Arbeitsbedingungen im Voraus abzuschätzen. Die Arbeitgeber können im gleichen Zug Euch besser, auch im Hinblick auf die Teamfähigkeit, einschätzen. Falls das Arbeitsverhältnis, aus welchem Grund auch immer, nicht passt, sparen sich beide Seiten einiges an Ärger.
- Was sollte die Bewerbung enthalten?
Wie in Deutschland sollte die Bewerbung ein Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Kopien der wichtigsten Zeugnisse haben. Die Referenzen habe ich immer mit Direktwahlnummer am Ende meines Lebenslaufes aufgelistet. Fragt natürlich Eure Referenzen im Voraus, ob sie damit einverstanden sind.
Günstig ist es natürlich, so man, wie in meinem Falle, einen Teil seines PJ in der Schweiz als Unterassistent absolviert hat, dabei die Möglichkeit hat, seinen Chef zu fragen und somit eine Schweizer Referenz angeben kann. Ich habe mir nach meinen Tertialen jeweils ein oder zwei Bewertungen schreiben lassen, die ich neben aktuellen Fortbildungsbescheinigungen mit in die Bewerbungen gelegt habe.
Gedruckt habe ich, zumindest teilweise, wenn ich welches bekommen habe, auf 100g Papier; die Bewerbungsmappen haben im Schnitt so ca. 10-15 Franken gekostet. Bei Stellenabsagen habe ich die Bewerbungsmappen freundlicherweise wieder zurückgesandt bekommen.
Bevor Ihr eine Bewerbung an die jeweilige Stelle schickt, könnt Ihr mit dem Sekretariat telefonieren. So erfahrt Ihr eventuell im Voraus, ob es im Moment überhaupt Sinn macht, sich zu bewerben oder ob die nächsten zwei Jahre schon verplant sind. Ich hatte den Eindruck, dass die Spitäler ein bis zwei Jahre im Voraus die Stellen besetzen, wobei aber auch durch Absagen immer mal wieder kurzfristig Stellen frei werden. Die Absagen von deutschen Assistenzärzten waren in meinem Vorstellungsgespräch auch ein Thema!
Wahl des KrankenhausesIch habe mich zunächst auf eine Region festgelegt und über Homepages mir die verschiedenen Spitäler mit Internetpräsentationen ausgesucht. Viele Spitäler haben sehr gute Informationen zum Versorgungsspektrum, z.B. Jahresberichte, sodass Ihr Euch vor einer Bewerbung schon das ungefähre Profil eines Spitals erstellen könnt.
Welches Spital gerade Stellen frei hat, erfahrt Ihr eventuell über Mundpropaganda oder Ihr fragt einfach mal während Eurer Zeit im PJ in der Schweiz im Kollegium nach. Meist kennt der eine oder andere Assistenzarzt, Oberarzt oder Chefarzt ein Spital und kann Euch etwas darüber berichten, ja vielleicht sogar nach einer freien Stelle für Euch fragen. Dies für den Fall, dass Euch der Chefarzt nicht indirekt eine im „eigenen“ Spital anbietet.
Ich entschied mich für das Kantonale Spital Schwyz. Es ist ein Spital der Grundversorgung im Kanton Schwyz mit ca. 140 Betten. Es umfasst die allgemeinchirurgische (Unfallchirurgie, Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie, zum Teil auch die kleine Thoraxchirurgie) und die orthopädische Grundversorgung. Die Gemeinde Schwyz liegt in der Zentralschweiz am östlichen Ufer des Vierwaldstädter Sees am Mythen. Luzern ist ca. 25 Autominuten entfernt, Zürich 45 Autominuten.
Das VorstellungsgesprächFür das offizielle Vorstellungsgespräch ist seriöse Kleidung (Anzug) obligatorisch. Die Bewerbungsfotos (Porträt) sollten auch im Anzug abgelichtet worden sein. Zum vereinbarten Termin eher etwas überpünktlich sein, um rechtzeitig den Konferenzraum bzw. das entsprechende Zimmer zu finden. Ich habe mich immer an der Eingangspforte eines jeden Spitals gemeldet.
Die Chirurgie im Spital Schwyz wird von einem vierköpfigen Chefarztgremium unterschiedlicher chirurgischer Fachdisziplinen geleitet. Für mein Gespräch nahmen sich alle Chefärzte Zeit. Die Atmosphäre war sehr freundlich, aber Ziel gerichtet.
Fragen, die mir gestellt wurden, waren unter anderem folgende:
- Warum wollen Sie in die Schweiz und haben Sie vor in der Schweiz zu bleiben?
- Warum haben Sie das Fach Chirurgie gewählt und welche Erfahrungen haben Sie bereits in der Chirurgie sammeln können?
- Welchen Facharzt streben Sie an und haben Sie vor, den Schweizer Facharzt zu machen?
- Wie kommen Sie auf unser Spital und warum wollen Sie hier anfangen?
- Warum sollen wir Sie einstellen?
- Was sind ihre Stärken und welche beruflichen Schwächen haben Sie?
Hierbei wurden auch auf meine vorherigen Auslandsaufenthalte, Sprachkenntnisse und auf meine Hobbies eingegangen.
- In welchem zeitlichen Rahmen können Sie sich eine Anstellung vorstellen?
- Welche Fragen haben Sie an uns?
Auch wenn es sich für „Erstbewerber“ inquisitorisch liest, war die Stimmung beim Gespräch sehr freundlich, interessiert und konstruktiv.
Am Ende des Gespräches äußerten beide Seiten ihr Interesse an einem Arbeitsverhältnis und es musste lediglich ein passender Anfangszeitpunkt gefunden werden. Bedenken gab es über allzu schnelle Zusagen von Assistenten, die kurzfristig - wegen zeitlicher Kollisionen - wieder abgesagt werden mussten.
Insgesamt siegt auch hier die absolute Offenheit und konstruktive Vorschläge werden gerne besprochen!
Arbeitsklima in der SchweizDas Arbeitsklima, so mein Eindruck aus meiner PJ-Zeit in der Schweiz, ist insgesamt freundlicher, als ich es in Deutschland erlebt habe. Die Zusammenarbeit mit der Pflege und dem Sozialdienst war sehr verlässlich. Die Rechte und Pflichten der Assistenzärzte sind mit denen in Deutschland ein wenig vergleichbar. Morgendliche „Vampir-Stunden“ entfallen meist, da die Pflege mit wesentlich mehr Kompetenz ausgestattet ist. Blutentnahmen, i.v. Antibiosen, Analgesie wird an die Pflege delegiert. Die Zusammenarbeit kam mir wesentlich Patienten zentrierter und kompetenter vor.
Für die „Eintritte“ (Aufnahmen) sind meistens die „Uhus“, also die Unterassistenten zuständig. In Teamarbeit übernehmen diese unter Supervision aber auch viele andere Tätigkeiten auf Station wie Visiten, Entlassungsbriefe, Konsile, Wundkontrollen.
Der Tag beginnt mit einer Kurzvisite auf der Station, dann folgt der Frührapport - Röntgen- und Tagesablaufbesprechung. Nach dem Frührapport geht es in den OP. Nachmittags ist noch eine Röntgenbesprechung und einmal die Woche interne Fortbildung. Ab wann man OPs selber machen kann, hängt wie immer vom Operateur und seinem eigenen Engagement ab. Aus etlichen Gesprächen mit Altassistenten erfuhr ich, dass der jeweilige Operationskatalog für operative Fächer schneller als in Deutschland erfüllt werden kann.
Meist gibt es einen Rotations- und Dienstplan, den die Assistenten unter sich aufteilen konnten (Assistentensprecher).
Die hierarchischen Strukturen sind in der Schweiz viel weniger ausgeprägt und man kann sich als Anfänger wirklich viel Hilfe holen.
Verdienstmöglichkeiten und Arbeitszeiten Sonntag – endlich Wochenende |
| Ein Assistenzarzt verdient in der Schweiz in etwa 6.000 Schweizer Franken bei einer 50 Stunden Woche. Diese ist vertraglich meist festgelegt. Überstunden kommen vor und dürfen je nach Spital abgefeiert werden. Nach Bereitschaftsdiensten gab es frei - hier kann ich nur von meiner eigenen Beobachtung während meines PJ-Tertiales an diesem Schweizer Spital berichten. Teilweise gab es auch Schichtdienstmodelle für die Besetzung der Notfallambulanz. Urlaub durfte immer genommen werden.
Die Wohnungssuche gestaltet sich ähnlich einfach/schwer wie in Deutschland. Die Mieten sind in größeren Städten meist höher als vergleichbare in Deutschland. Insgesamt sind die Lebenshaltungskosten in der Schweiz höher, diese werden jedoch durch den Mehrverdienst meist ausgeglichen.
Land, Sprache und Kultur Blick vom Rigi |
| Die Schweiz ist auch das Land der Sprachen wie das „Schwytzerdütsch“ mit vielen regionalen Dialekten, hinzu kommen Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.
Um den Schweizer Deutsch-Dialekt sprechen zu können, wird man als Deutscher ein Leben lang brauchen und es am Ende nicht schaffen. Um ihn von einem Urschweizer Bergbauer zu verstehen, habe ich ca. 4-6 Wochen intensiven Zuhörens und Arbeitens gebraucht. Aber keine Angst, die meisten Schweizer sind sehr zuvorkommend und können unverständliches auf „Hochdeutsch“ erklären. Versucht nur nicht, Dialekt zu reden. Manchmal reagieren die gelassenen Schweizer dann beleidigt.
An manchen Orten wird es Euch und den Schweizern so vorkommen, als ob nur noch Deutsche Ärzte hier arbeiten. Dies ist regional unterschiedlich und auch darin begründet, dass die Schweiz selbst „zu wenig“ Ärzte ausbildet und gerne voll ausgebildete aus dem Ausland „einkauft“.
FazitFür mich war es nicht schwierig, einige Stellenangebote in der Schweiz zu bekommen. Die Gespräche waren sehr angenehm und konstruktiv und der Schweizer Markt ist eine sehr verständliche Alternative für einen deutschen Assistenzarzt.
Nach Berichten anderer Assistenzärzte aus Deutschland ist es allerdings nicht einfach, nach zwei Jahren an einem mittleren Spital eine Stelle an einem Maximalversorgungsspital (A-Spital) zu bekommen. Für die meisten Facharztprüfungen braucht man neben mindestens einem Jahr an einem A-Spital noch schriftliche FMH Prüfungen (genauere Infos Siehe Weiterführende Links).
L., R.
Münster, Oktober 2006 |
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