Chancen im AuslandChancen im InlandAlternative Berufsfelder

Pharmakologie, CHUV - Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, Lausanne, Schweiz
(Berufliche, finanzielle und private Aspekte bieten viele Anreize, 05.08.2005)

  Sie sind hier:
Warum gerade die Schweiz?
Bewerbung
Vorbereitungen
Arbeit am Universitätsklinikum CHUV
Verdienste
Lausanne und Umgebung
Mein bisheriges Fazit

Warum gerade die Schweiz?

Seit dem 1. Oktober letzten Jahres befinde ich mich als Assistenzarzt im ersten Jahr in Lausanne in der Schweiz, mit dem Ziel der Facharztausbildung. Die Entscheidung, nach meinem Studium als Assistenzarzt in die Schweiz zu gehen, hatte sowohl private als auch berufliche Hintergründe.

Privat insofern, dass ein französischsprachiges Land Voraussetzung war und die Schweiz aufgrund der bilateralen Abkommen einen unkomplizierten Zugang ihres Arbeitsmarktes für Europäer bietet. So ist der deutsche Studienabschluss in Medizin anerkannt und die Stellenvermittlung der Assistenzärzte nicht reglementiert. In Frankreich wäre dies so leicht nicht möglich gewesen, da hier zumindest für eine spätere Facharztausbildung der Weg über den “Concours d’internat” vorgeschrieben ist.

Die professionelle Motivation war, dass mir die Schweiz nach meinem Chirurgie Tertial in Zug bereits als Land mit einer gut strukturierten medizinischen Ausbildung bekannt war. Vor allem, die vorgesehenen häufigen Wechsel des Krankenhauses mit Ausbildungszeiten von jeweils sechs Monaten bis fünf Jahren je nach Kategorie des Krankenhauses und Fachrichtung (siehe auch Website zu Facharztausbildungsinformationen – Verbindung der Schweizerischen Ärztinnen und Ärzte -> "Weiterführende Links"). Darüber hinaus war zu meinem damaligen Bewerbungszeitpunkt die Schweiz eine sichere Wahl zur Vermeidung des AiP und bot zudem ein interessantes Gehalt.

zurück nach oben

Bewerbung

Ich habe nach dem 3. Staatsexamen begonnen, mich um eine Stelle als Assistenzarzt in der Schweiz zu bewerben (Mai 2004). Die Einstellungszeiten sind fast immer zum 1. Oktober oder April, mit jedoch wesentlich mehr offenen Stellen im Oktober. Die Vorstellungsgespräche finden dabei gegen Ende des Vorjahres oder im Frühjahr desselben Kalenderjahres statt. Gefragte Fachgebiete an den Universitätsklinika sind jedoch oft mehrere Jahre im Voraus belegt. Meine Bewerbung erfolgte damit sehr spät.

Meine Fach- und Ortsauswahl war daher sehr breit gestreut, mit Schwerpunkt auf meinen Interessensgebieten Neurologie und Pharmakologie bzw. der Inneren Medizin an den beiden Universitätskliniken der französischsprachigen Schweiz - Genf und Lausanne. Aber auch kleinere Kliniken und Fachgebiete, die mich weniger interessierten, waren in meinen Bewerbungen enthalten, mit dem Ziel, auf jeden Fall im Herbst 2004 als Assistenzarzt zu beginnen und eine evtl. kurzfristig freigewordene Stelle zu besetzen.

Die Bewerbungen können per Post oder Email eingereicht werden. Notwendig sind dabei vor allem das Anschreiben und der Lebenslauf. Oftmals werden auch Urkunden und Zeugnisse verlangt, die aber auch nachgereicht werden können.

Ich erhielt wenige positive Antworten für eine Stelle in 2004, glücklicherweise aber davon eine in der Pharmacologie clinique (PCL) der Uniklinik Lausanne (CHUV – Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, E-Mail-Kontakt -> siehe "Weiterführende Links"). Insgesamt war ich zu sechs Vorstellungsgesprächen in Lausanne und Genf eingeladen und habe diese auch wahrgenommen. Vor allem in der Chirurgie fanden sich kurzfristig freie Stellen.

zurück nach oben

Vorbereitungen

  • Organisatorische Formalitäten
Nach Zusage der Stelle in Lausanne, folgten die organisatorischen Formalitäten über die Sekretärin der Division und über die Personalabteilung. Diese sind in der Schweiz sehr erfahren bei der Einstellung von Europäern und helfen bei allen Fragen. Bezüglich der Ausreise aus Deutschland und den Umzug in die Schweiz gibt der Schweizer Zoll Auskunft. Insgesamt gilt es, jede Menge Formulare auszufüllen und administratorische Kosten zu begleichen.

Website mit Informationen zum Umzug in die Schweiz -> siehe "Weiterführende Links"
  • Französischkenntnisse
Mein Französischniveau war dank Schule, PJ-Tertial in Paris und meiner französischen Frau bereits sehr gut. Bei Vorhandensein eines mäßigen Grundniveaus sollte der Beginn in der französischsprachigen Schweiz aber kein Problem darstellen. Man lernt vor Ort sehr schnell und die Kollegen sind sehr verständig. Es ist sogar ein großer Vorteil in der Schweiz, fließend französisch und deutsch zu können, eine Eigenschaft, die leider vielen Schweizern fehlt.
  • Versicherungen
Bezüglich Versicherungen sollte man versuchen, eine deutsche, aber europaweit gültige, private Krankenversicherung beizubehalten. Je nach Kanton kann so eventuell die obligatorische schweizerische Versicherung, die oft sehr teuer und von geringer Leistung ist, für 1-3 Jahre vermieden werden.
  • Wohnungssuche
Die Wohnungssuche ist in den Ballungsräumen der Schweiz - Lausanne und Genf - generell sehr schwierig und das Preisniveau sehr hoch. Am besten ist es, zumindest für den Anfang eine Wohnung des Krankenhauses zu nehmen - in Lausanne möglich - und vor Ort mit der Suche nach einem Appartement oder Studio zu beginnen.

zurück nach oben

Arbeit am Universitätsklinikum CHUV


Uniklinikum CHUV, Lausanne
Das Centre Hospitalier Universitaire Vaudois CHUV (Website siehe "Weiterführende Links") ist ein großes, multidisziplinäres Universitätsklinikum und der größte Arbeitgeber im Kanton „Vaud“. Lausanne und Genf besitzen eine wichtige Stelle in der klinischen Forschung, sowohl im schweizerischen als auch im französischen Raum. Die medizinische und organisatorische Struktur ähnelt derer deutscher Unikliniken.

Die PCL ist eine kleine Abteilung und der Division der inneren Medizin zu gehörig. Bei meinem Beginn war ich der einzige Assistenzarzt, bei einem Chef und vier Oberärzten („medecin adjoint“, „chef de clinique“, „chef de clinique adjoint“). Die Stelle ist größtenteils durch Forschungsgelder klinischer Studien finanziert und nicht regelmäßig besetzt. Der Ablauf der Facharztausbildung ist durch die FMH, die Verbindung der schweizerischen Ärztinnen und Ärzte, geregelt, allerdings wird spätestens nach dem ersten Jahr Pharmakologie eine klinische Ausbildung gewünscht.

Mein “cahier de charges” sieht eine Arbeitsaufteilung mit 40% Studienbetreuung und 60% Konsultationen / Therapeutic Drug Monitoring (TDM) vor. In einem Jahr ist somit die Betreuung einer klinischen Studie möglich, da dies organisatorisch, medizin-technisch und analytisch oft sehr zeitaufwendig ist. Dafür ist man auch verantwortlich für den kompletten Ablauf der Studie, die eine gute Möglichkeit bietet, sich mit der gesamten Komplexität der klinischen Forschung vertraut zu machen. Die Analiese inklusive wissenschaftlichem Artikel kann als Promotionsarbeit genommen werden, interessant für Ärzte, die noch auf der Suche nach dem Doktortitel sind. In der Schweiz muss die Arbeit allerdings nicht verteidigt werden, eine Veröffentlichung reicht im allgemeinen aus.

Die nicht forschende Tätigkeit besteht in den Diensten der Pharmakologie, den Konsultationen und dem TDM. Unter ersterem versteht man den Bereitschaftsdienst innerhalb der Woche für krankenhausinterne Anfragen zu Medikamenteninteraktionen und Nebenwirkungen, sowohl allgemeiner Natur, vorwiegend jedoch Patienten bezogen. Dies sind vor allem sehr spezielle Probleme, die einer umfassenden Literaturrecherche und pharmakologischer Begutachtungen bedürfen. Betreut wird man dabei von einem Senior, d.h. Chef- oder Oberarzt, mit dem die Fälle ausführlich besprochen werden.

Der zweite Service, der TDM, ist die Dosisanpassung gewisser Medikamente gemäß ihrer Blutspiegel und Pharmakokinetik. Auch dies wird von einem Senior betreut und bietet eine gute Einarbeitung in die Pharmakokinetik. Beide Services teilt man sich mit den Pharmazeuten der Division im wöchentlichen Wechsel. Die Wochenend- und Nachtdienste werden von den Chef- und Oberärzten ausgeführt, nur bei den klinischen Studien sind irreguläre Arbeitszeiten häufig.

Die Fortbildungsveranstaltungen der Pharmakologie sind allerdings recht mager. Wöchentlich findet eine Besprechung der Konsultationen statt und einmal im Jahr eine Fortbildung zur Pharmakokinetik. Dafür stehen aber die gesamten Vorlesungen und Kurse der inneren Medizin und der restlichen Disziplinen offen und es besteht genügend Zeit, diese zu besuchen. Bei der geringen Größe der Abteilung findet die Ausbildung ohnehin hauptsächlich bei den Gesprächen mit den Oberärzten statt. Das Klima ist sehr angenehm und kollegial.

zurück nach oben

Verdienste

Die Verdienste in der Schweiz sind vom Jahr der Ausbildung und dem jeweiligen Kanton abhängig. Netto waren dies bei mir etwa 4.000 CHF, abzüglich der Versicherungen. Damit lässt es sich gut leben, wenn auch Miete (3-4 Zimmerwohnung etwa 1.500 CHF) und Nahrungsmittel in der Schweiz deutlich teurer als in Deutschland sind. Allerdings ist Frankreich nur 40 Minuten entfernt.


Lausanne und Umgebung


Genfer See bei Lausanne
Lausanne ist vor allem von seiner außergewöhnlichen Lage am Genfer See geprägt. Die Alpen und der Jura sind nur wenige Autominuten entfernt. Der Freizeitwert ist demnach sehr, sehr hoch. Die Stadt selbst ist schön und eine Mischung aus schweizerischem und französischem Einfluss (Website von Lausanne siehe "Weiterführende Links"). Die „Romandie“ (französische Schweiz) ist bekannt für Ihre größere Offenheit, auch wenn es sicher nicht immer leicht ist, als Ausländer in der Schweiz anerkannt zu werden und soziale Kontakte zu knüpfen.

zurück nach oben

Mein bisheriges Fazit

Zusammenfassend möchte ich alle (angehenden) Assistenzärzte ermutigen, für ein oder mehrere Jahre ihrer Ausbildung an die Uniklinik von Lausanne zu gehen. Die sprachliche Barriere ist schnell überwunden und der berufliche als auch der private und finanzielle Aspekt bieten viele Anreize. Die Stellensuche und Bewerbung sind unkompliziert und gerade die Pharmakologie bietet einen guten und angenehmen Einstieg zum hiesigen Arztberuf.

zurück nach oben

M., H.
Lausanne/Schweiz, August 2005
News-Alarm