Motivation
Bewerbung
Meine Tätigkeit am Princess Alexandra Hospital
Medizinische Ausbildung in Australien
Bibliothek und andere „Einrichtungen“ im Krankenhaus
Unterkunft, Verkehrsmittel etc.
Famulatur & Reise
Fazit
MotivationNachdem ich schon Teile meines Studiums in England absolviert habe und mir für die Zukunft vorstellen kann, im englischsprachigen Raum zu arbeiten, beschloss ich meine Famulatur in Australien zu leisten.
Unterstützt wurde diese Entscheidung vom Wunsch Australien zu besuchen. Mit einem Interesse an der Gesundheitspolitik erhoffte ich mir außerdem, Einblicke in ein weiteres Gesundheitssystem zu erhalten.
BewerbungSpätestens sechs Monate vor Famulaturbeginn muss die Bewerbung bei der „Postgraduate Medical Education Foundation of Queensland“ (PMEFQ) vorliegen. Es kann sich aber lohnen, sich schon vorher zu erkundigen und zu bewerben, da die Plätze in den Krankenhäusern nach einem „first come first served“ Prinzip verteilt werden, sofern alle Bedingungen erfüllt sind. Wer also in eine bestimmte Fachrichtung und/oder ein bestimmtes Krankenhaus will sollte sich möglichst früh bewerben.
Die Bewerbungsgebühr betrug 385A$, weitere Studiengebühren jedoch entfielen. Im Bewerbungsformular können Wünsche bezüglich des Krankenhauses und des Fachgebietes angegeben werden. Ich entschied mich für klinische Pharmakologie, da dies ein Bereich ist, in dem ich später evtl. arbeiten könnte.
Nach der Zusage, die ich etwa vier Monate vor Famulaturbeginn erhielt, muss man sich um ein Visum bemühen, was leider recht teuer und zeitaufwändig ist. Ich habe mich in England um das Visum beworben und kann daher keine Angaben über die deutschen Preise machen. Benötigt wurden von mir ein Röntgenthorax - bei von den Australiern anerkanntem Arzt, ferner HIV-, HepA- und HepB- Tests und Bewerbungsgebühren.
Meine Tätigkeit am Princess Alexandra HospitalFür die zwei Monate Famulatur im Princess Alexandra Hospital wählte ich klinische Pharmakologie/Allgemeinmedizin bei Prof. Pillans. Dies gab mir die Möglichkeit sowohl weitere klinische Erfahrungen zu sammeln, als auch eine Evaluation von intravenösen Antibiotika durchzuführen. Während meines Aufenthaltes erhielt ich die Namen aller Patienten, die mit Ticarcillin/Clavulanic acid (Timentin) behandelt wurden und untersuchte die Indikation der Behandlung. Des Weiteren erhob ich die Patient Demographics, die Dauer der Behandlung, Behandlung mit weiteren Antibiotika, Allergien gegenüber Penicillin und ob die Behandlung angemessen und in Übereinstimmung mit den internen Verschreibungsleitlinien bestand.
Das Projekt wurde durchgeführt, da die Behandlung mit Timentin teuer ist und vorherige Untersuchungen Hinweise darauf geliefert hatten, dass Timentin in vielen Fällen unangemessen verwendet wurde. Durch dieses Audit habe ich Einblicke in die Planung und Durchführung von drug utilisation evaluations erhalten und kann mir vorstellen, ähnliche Evaluationen während meiner späteren Tätigkeit durchzuführen.
Auch meine klinischen Erfahrungen konnte ich während der Famulatur vertiefen. Tägliche „Ward-Rounds“, zahlreiche Patienten - und nicht zu viele Studenten - sowie „Outpatient clinics“ und „Grand Rounds“ waren sehr lehrreich und gaben zusammen mit den Seminaren Anstöße zum selbständigen Studium. Im Anschluss an die Ward Round fand gewöhnlich ein Seminar mit dem „Senior Registrar“ statt, in denen einzelne Bereiche mehr im Detail behandelt werden konnten.
An dieser Stelle noch etwas zu sprachlichen Problemen. Die Australier haben einen Akzent, der dem Englischen recht ähnlich ist. Wer also englisch kann, sollte keine größeren Probleme haben. Die Australier kürzen allerdings gerne Wörter ab, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein kann. Die Ärzte sprechen recht deutlich, Schwierigkeiten kann es jedoch mit einigen Patienten geben.
Medizinische Ausbildung in AustralienDie University of Queensland hat ein „graduate medical degree“. Um an der Medical School angenommen zu werden, braucht man einen „Bachelor-Degree“, der jedoch in unterschiedlichen Studienrichtungen gemacht werden kann. Die Grundlagen der Medizinstudenten sind daher recht diverse und beinhalten beispielsweise Biologie und Sozialwissenschaften.
Das Medizinstudium selbst dauert dann „nur“ noch vier Jahre und ist dementsprechend oberflächlicher als das deutsche sechs Jahres Programm. Besonders die Grundlagenfächer - deutsche Vorklinik, inklusive Anatomie, BC und Physiologie - kommen hierbei kurz weg. Die Ausbildung ist jedoch recht klinisch orientiert und profitiert von kleinen Studentengruppen auf den „Wards“ und integriertem Bed-Side–Teaching.
Die Schwerpunkte in der Ausbildung liegen verglichen zu Deutschland mehr in der praktischen Anwendung von klinischem Wissen und organisatorischen Fähigkeiten, anstelle vom Erlernen detaillierten theoretischen Wissens. Während der Famulaturen wird man meist einer Rotation zugeteilt und hat somit die Gelegenheit, die regulären Seminare und Vorlesungen der Kommilitonen zu besuchen.
Bibliothek und andere „Einrichtungen“ im KrankenhausFamuli bekommen einen Bibliotheksausweis und können sich damit Bücher aus der Bibliothek am Princess Alexandra Hospital ausleihen. Die Auswahl ist o. k. Einen Internetzugang gibt es offiziell nicht, jedoch könnt Ihr Euch evtl. mit dem Passwort eines Kommilitonen einloggen. Genügend Computer sind vorhanden.
Es gibt eine Kantine im Krankenhaus, die aber nicht besonders einladend ist. Häufig - evtl. täglich - gibt es aber „free lunch“ (Grand round, pharmaceutical lunches, Registrar lunch, Internlunch…). Am besten anderen Studenten und Ärzten folgen. Es gibt außerdem einen großen „common room“ mit TV, Billard und persönlichen Schließfächern, sodass man nicht alle Bücher und Taschen mit auf die Stationen nehmen muss.
Unterkunft, Verkehrsmittel etc.Leider gab es im Princess Alexandra Hospital keine Studentenwohnheime für „visiting students“. Jedoch war es relativ leicht, vor Ort eine angemessene Unterkunft zu finden. Hierzu kann ich E.L Property Management empfehlen, die sich speziell auf „student accommodation“ konzentrieren. Nach Ankunft konnte E.L. Property mir drei verschiedene Wohnungen anbieten und schließlich habe ich mich dann für eine in „South Bank“ entschieden - für 85A$/Person und Woche.
Die öffentlichen Verkehrsmittel, in den meisten Fällen sind dieses Busse, fahren recht unregelmäßig und in großen Abständen. Zumindest sind die Busse aber recht schnell, da sie zum großen Teil eigene Spuren und Tunnel verwenden. Studentenrabatt gibt es für visiting students nicht und eine Zehnerkarte für zwei Zonen kostet 20A$. Die Lebenshaltungskosten in Brisbane waren den deutschen sehr ähnlich - eher etwas billiger als bei uns.
Vergesst nicht, Hemden und Krawatten bzw. Blusen und Stoffhosen einzupacken. Den Kittel könnt Ihr dafür zu Hause lassen - fragt vorher aber besser nach.
Famulatur & ReiseBrisbane ist ein guter Startpunkt, um die Ostküste Australiens zu erkunden. Zwischen der „Gold Coast“ und der „Sunshine Coast“ gelegen, sollte ein guter Strand nicht zu fern sein… In der Nähe und sicherlich sehenswert sind „Fraser Island“, „Moreton Island“ - sehr nett, kommt aber nicht an Fraser ran, der „Lamington National Park“ und die „Gold und Sunshine Coast“. Für weiter entfernte Ziele bieten sich dann schon bald Inlandsflüge an, die leider preislich nicht an „Ryanair“ und andere Billigflieger rankommen.
Brisbane hat auch einiges zu bieten und deren Website ist ein guter Start, um etwas über die Stadt und nahe gelegene Ausflugsziele zu erfahren. Die Highlights Brisbanes sind wohl die „EKKA“, eine Farmtiermesse, die eher einem Jahrmarkt nahe kommt, und das „River Festival“ mit großem Feuerwerk.
Wer besonders viel Zeit hat, sollte sich dringend überlegen, auf dem Weg nach Australien einen Zwischenstopp z.B. in Bangkok, Thailand einzulegen.
FazitDie Famulatur war für mich eine sehr spannende und interessante Zeit. Die offene und relaxte Art der Australier halfen mir, mich schnell heimisch zu fühlen. Jeder Famulant kann sich zudem selbst aussuchen, wie viel er arbeiten will, schließlich heißt es ja „elective“, richtig?
Und was ich auch von anderen deutschen Studenten gehört habe - genau, dieses Krankenhaus ist voll mit deutschen Famuli - bieten die „Consultants“ den Urlaub und verlängerte Wochenenden geradezu an. Ihr könnt also arbeiten oder reisen, je nach Interessenslage.
Abschließend kann ich Studenten nur dazu ermutigen, eine Famulatur in Australien zu leisten. Auf viele „BBQs“ kann sich jeder Bewerber schon einmal freuen.
R., J. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Frankfurt, November 2005
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