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Vor Beginn des Praktischen Jahres wollte ich noch unbedingt eine Famulatur im englischsprachigen Ausland absolvieren. Nachdem mir schon von vielen meiner Freunde so viele tolle Dinge über Australien erzählt wurden und mir die Aussicht auf eine sich der Famulatur anschließenden Rundreise durch das Land gefiel, stand mein Entschluss fest: Auf nach „Down under“. Vorbereitung & Organisatorisches
Unterkunft & Finanzielles
Das Krankenhaus
Arbeit im Hospital
Land & Leute
Mein Fazit
Vorbereitung & Organisatorisches Darling Harbour |
| Besonders Sydney, die Metropole des Landes, hatte es mir angetan und so recherchierte ich diesbezüglich im Internet etwa ein Jahr im Voraus. Ich hatte schon ein paar Anschriften von Lehrkrankenhäusern der University of Sydney rausgesucht, als schließlich aus dem Bekanntenkreis der entscheidende Tipp bezüglich des Concord Repatriation General Hospitals kam. Über die Webseite des Krankenhauses erhielt ich weitere Informationen, vor allem die Email-Adresse des für mein Anliegen wichtigen „Elective-Officer“. Diese Stelle ist mittlerweile neu besetzt worden.
Diese schrieb ich sofort an und erhielt prompt auch schon eine Antwort, in der mir mitgeteilt wurde, dass bereits die Formulare und Unterlagen zur Bewerbung auf dem Weg seien. Nach ein paar Tagen war das komplette Bewerbungspaket schließlich da. Aus einer Liste von Fächern sollte man maximal drei auswählen und zusammen mit den allgemeinen Bewerbungsunterlagen, einem Dekansbrief, einem Impfnachweisformular, einer Bescheinigung über eine Auslandreisekrankenversicherung, einer Berufshaftpflichtversicherung, einem polizeilichen Führungszeugnis und einem Scheck bzw. einer Kreditkartennummer zur Entrichtung der Bewerbungsgebühren in Höhe von 100 AUD (~60 EUR) zurück an das Krankenhaus schicken.
Außerdem enthielt das Paket auch eine Liste von Unterkünften, die von Privatpersonen, meistens Mitarbeiter des Krankenhauses, für Studenten angeboten wurden. Nach knapp einem Monat erhielt ich eine Reservierung meines Famulaturplatzes in der orthopädischen Chirurgie / Sportmedizin, für welchen ich nun noch zur Bestätigung weitere 550 AUD (~330 EUR) für das Krankenhaus und 100 AUD (~60 EUR) für die Universität zu entrichten hatte.
Nachdem der Famulaturplatz gesichert war, musste ich mich nun noch um das passende Visum kümmern. Auf der Webseite der australischen Botschaft erfuhr ich, dass ich das „Short Stay Business Visa (subclass 456)“ benötigen würde (Kosten 50 EUR). Dafür musste ich noch zusätzlich zu den Antragspapieren (inkl. Bestätigung des Famulaturplatzes vom Krankenhaus) eine Röntgen-Thorax Aufnahme (~ 40 EUR) zum Tuberkulose-Ausschluss einschicken, welche nur von einem von der Botschaft anerkannten Radiologen gemacht und befundet werden durfte (Radiologenverzeichnis auf der Webseite). Eine Woche später erhielt ich meinen Pass mit dem Visum zurück und auch diese Angelegenheit war abgeschlossen.
Nun war nur noch der Flug zu buchen. Nachdem ich bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit „Emirates“ gemacht hatte, entschied ich mich erneut für diese Fluggesellschaft und wurde keineswegs enttäuscht, auch wenn es mit ~ 1.100 EUR nicht das günstigste Angebot war.
Unterkunft & FinanziellesBezüglich der Unterkunft verließ ich mich erneut auf die Empfehlung der oben erwähnten Quelle aus meinem Bekanntenkreis. Die Gastfamilie stand ebenfalls auf der Liste des Krankenhauses und bestätigte mir ein halbes Jahr im Voraus ein Zimmer (~ 70 EUR/Woche).
Sie wohnten zwar ein wenig weiter weg vom Krankenhaus, dafür aber etwas näher zur Innenstadt – außerdem konnte ich jeden Tag mit einem der beiden zur Arbeit fahren, da beide am Concord Repatriation General Hospital beschäftigt waren, wodurch ich enorm viel Zeit einsparen konnte.
Vom generellen Preisniveau ist Australien mit Deutschland vergleichbar, obwohl ich gestehen muss, nach einigen Tagen das Umrechnen aufgegeben zu haben. Als Zahlungsmittel, empfehle ich entweder eine Kreditkarte oder ein Konto bei einer deutschen Bank mit passender EC-Karte, womit man (hierzulande sich vorher erkundigen) an allen „West-Pac“ Automaten, gibt es überall, keine Wechselgebühren zahlen muss und somit günstiger an Bargeld gelangt.
Das Krankenhaus Concord Repatriation General Hospital |
| Das Concord Repatriation General Hospital liegt ungefähr 15km westlich von der Innenstadt Sydneys entfernt und ist mit seinen 700 Betten ein mittelgroßes Haus der University of Sydney. Es bietet das gesamte medizinische Spektrum. Die Organisation ist analog des angelsächsischen Systems, d.h. jede Abteilung besteht aus einem oder mehreren „Interns“ (1. Berufsjahr), „Residents“ (Ärzte kurz vor bzw. in der Facharztausbildung), „Registrars“ (am Ende der Facharztausbildung bzw. Facharzt), „Consultants/Specialists” (Oberärzte mit eigener Praxis) und einem „Head of Department“.
Die Patienten liegen über verschiedene Stationen verteilt. Die Ausstattung mit Geräten ist auf einem ähnlichen Standard wie in Deutschland. Es handelt sich um ein öffentliches Haus. Etwas 50 Prozent der Australier sind privat versichert und gehen in eigene Privatkliniken.
Am ersten Tag musste ich mich beim „Elective-Officer“ melden und erhielt eine kleine Einweisung. Als nächstes wurde ich zum „Security-Officer“ geleitet, von dem ich meine Magnetkarte für meine Abteilung inkl. OP erhielt. Danach wurde ich dann meinem Betreuer Marcus, einem „Registrar“, übergeben.
Außerdem sei hier noch erwähnt, dass in den australischen Krankenhäusern besonders auf die Kleidungsetikette zu achten sei: Ärzte haben in Anzugshose, Hemd mit Krawatte und passenden Schuhen zu erscheinen – Ärztinnen in einer Hose oder langem Rock und einer Bluse. Jeans sind tabu! Dieses gilt auch für Studenten/Studentinnen.
Arbeit im Hospital Emergency Room |
| Ehrlich gestanden, wurden mir sehr viele Freiheiten gelassen, so dass ich mir den Tag relativ flexibel einplanen konnte. Mir wurde von Anfang an mitgeteilt, dass es mir überlassen sei, was und wie viel ich mitmachen wolle und ich die ganze Angelegenheit nicht als Pflicht, sondern eher als Spaß mit Lerneffekt ansehen sollte.In den ersten zwei Woche wählte ich meinen Schwerpunkt in der orthopädischen Chirurgie. Der Tag begann meistens so um 7.30 Uhr mit der Visite auf Station, welche etwa eine Stunde dauerte. Anschließend begleitete ich meinen Betreuer mit auf andere Stationen zwecks Konsil.
Danach begab ich mich in den OP und assistierte den „Specialists“ bei ihren Operationen (Hüft-TEP, Knie-TEP, Kreuzbandplastiken, etc.). Die Ärzte, vom Assistenten bis zum Chef, waren immer sehr nett, hilfsbereit und erlaubten mir wirklich viel mitzuoperieren - nicht vergleichbar mit dem Hakenhalterdasein in Deutschland, sodass ich mich in dem Team richtig integriert fühlte. Eine etwaige hierarchische Ordnung, wie sie hier in Deutschland zum Teil noch vorzufinden ist, gab es dort nicht, so dass auch der Chefarzt mal in die Cafeteria ging, um mir oder einem Assistenten einen Cafe mitzubringen, was mich zunächst doch sehr erstaunte, aber schnell zu würdigen wusste.
Mittags gesellte ich mich dann in den Studentenunterricht, der aus einer Vortragsreihe mit Dozenten aus den verschiedenen Abteilungen bestand. Der Unterricht war immer gut besucht von den australischen Studenten/Studentinnen, obwohl er nicht obligat war, woran die gratis Sandwiches wahrscheinlich auch ihren Anteil hatten.
Nachmittags ging ich dann in die Ambulanz. Nachdem ich zwei Tage dort zugeschaut und die Untersuchungstechniken bezüglich Schulter, Hüfte und Knie gelernt hatte, erhielt ich am dritten Tag sogar mein eigenes Untersuchungszimmer, in dem ich ausgewählte Patienten/Patientinnen vor zu untersuchen hatte, um sie anschließend einem der Spezialisten vorzustellen. Die Zeit in der Ambulanz schätze ich im Nachhinein als besonders wertvoll ein, da ich zum einen richtig mit den Patienten/Patientinnen sprechen und so mein Englisch auffrischen und zum anderen in den doch ziemlich interessanten Nachbesprechungen mit den Ärzten meine Methodik verbessern konnte. In den letzten zwei Wochen wählte ich dann meinen Schwerpunkt in der Sportmedizin. Generell waren die beiden Abteilungen nicht strikt voneinander zu trennen, weil beide den gleichen Chef hatten und die Ärzte rotierten, so dass sich eigentlich nur die Patientenklientel veränderte. Nun behandelte ich semi-professionelle bis professionelle Sportler/Sportlerinnen.
Die Hauptarbeit bestand zum einen in der klinischen Untersuchung von Sportverletzungen, vergleichbar mit den Aufgaben in der Ambulanz in den zwei Wochen zuvor und zum anderen in der ärztlichen Optimierung des Trainings der Sportler hinsichtlich Vermeidung von Verletzungsrisiken durch Verbesserung von Bewegungsabläufen bis hin zur Ernährungsberatung. Außerdem durfte ich auch einen der „Specialists“ zu den Spielen, der von ihm betreuten Kricket-Mannschaft, begleiten und erhielt so neben dem Einblick in die Sportmedizin auch Einsicht in den Volkssport des Landes.
Freitags kamen alle Ärzte der beiden Abteilungen zu der gemeinsamen Patientenvorstellung zusammen, in welcher komplexere Fälle vorgestellt und hinsichtlich des weiteren Vorgehens besprochen wurden. Da ich der einzige Student war, der diese Veranstaltung besuchte, erlaubten sich die leitenden Ärzte, auch mich mal gerne einen Patienten vorstellen und vor den Anwesenden vor untersuchen zu lassen sowie meine Meinung bezüglich des weiteren Vorgehens zu erfragen, was mir ehrlich gesagt, nicht immer leicht fiel und manchmal für sehr unterhaltsame Momente sorgte.
Land & Leute Trip in die Blue Mountains |
| Die Australier und Australierinnen sind sehr lebensfrohe und gastfreundliche Menschen. Die Tatsache, dass ich in einer Gastfamilie lebte und nicht wie viele andere ausländische Studenten/Studentinnen im Personalwohnheim, ermöglichte mir einen viel engeren Kontakt.
Es gibt folgende Hauptbeschäftigungen: Kricket, „Lawn Bowling“, Surfen und Grillen. Nahezu zwei- bis dreimal die Woche grillte man im Garten mit Freunden und Verwandten, so dass ich doch reichlich mein Englisch trainieren konnte, wobei ich gestehen muss, dass es schon einige heftige Dialekte gibt.
Sydney ist eine Millionenstadt. So viele Menschen aus so vielen verschiedenen Nationen mit solch unterschiedlichem kulturellem Hintergrund lassen jeden sich sofort in dieser Weltmetropole wohl fühlen. Neben den typischen Touristenanlaufstellen, wie dem „Opera-House“ oder „Darling Harbour“, gibt es noch unheimlich viele andere attraktive Freizeitmöglichkeiten. Man könnte wochenlang nur am Strand herumliegen oder surfen, ohne dass es einem langweilig werden würde. Außerdem verfügt Sydney über ein ausgezeichnetes Verkehrssystem, das die Erkundung der Stadt auch finanziell deutlich erleichtert.
Mein Fazit Feuerwerk zum Treffen von Queen Mary 2 und Queen Elizabeth 2 |
| Sydney war für mich eine wertvolle Erfahrung, die mich sowohl aus medizinsicher als auch sprachlicher Sicht weitergebracht hat.
Außerdem habe ich viele Bekanntschaften gemacht und viele neue Freunde gewonnen.
R., M.
Freiburg, August 2007 |