Vorbereitung
Visum
Krankenhaus
Arbeit am Krankenhaus
Unterkunft und Kosten
Leute
Sydney
Fazit
VorbereitungIm Herbst 2001 begann meine Planung für Australien. Es sollte ein Uniklinikum sein, es sollte in Sydney sein. Durch Internetrecherchen fanden sich schnell die zwei größten Teaching Hospitals in Sydney, Royal Prince Alfred Hospital und Concord Hospital. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Lehrkrankenhäuser. Auf eine Emailanfrage bekam ich vom Concord Hospital schließlich eine sehr detaillierte Informationsbroschüre samt Bewerbungsunterlagen per Email. Jennifer Moore, die Ansprechpartnerin vom Office of Student Affairs, war stets sehr hilfreich und freundlich.
Für die Bewerbung braucht man einen Dean’s letter, einen Lebenslauf und die ausgefüllten Bewerbungsunterlagen. Aus Zeitgründen konnte ich diese ohne Probleme nach Sydney faxen. Concord hat fast alle Disziplinen zu bieten. Man sollte sich aber frühzeitig bewerben, da diese doch relativ schnell vergeben sind (laut Jennifer Moore sind manchmal über 30 ausländische Studenten gleichzeitig an der Klinik).
Ich hatte mich für Surgery–Upper GI entschieden, so eine Art Bauchchirurgie bis zum Appendix plus Leistenhernien. Nachdem ich einen Platz bekommen hatte, wurden mir weitere Informationen über Concord, den Stadtteil, den Weg vom Flughafen zum Krankenhaus etc. zugesandt. Darüber hinaus bekam ich auch eine Liste mit möglichen Unterkünften, vom Zimmer im Krankenhaus bis zu Zimmern bei Ärzten zuhause. Letztendlich kam ich bei einer Medizinstudentin im Haus unter, die 10 Minuten vom Krankenhaus entfernt wohnte.
Alles in allem war es eine sehr unkomplizierte und schnelle Organisation der Famulatur – dieser Eindruck bestätigte sich dann auch vor Ort.
VisumNachdem sicher war, dass ich nach Australien gehen konnte, musste nun ein Visum her. Die nötigen Unterlagen kann man sich im Internet unter http://www.australian-embassy.de/ herunterladen. Für eine einmonatige Famulatur sollte man sich für ein 'Businessvisum' bewerben, laut Botschaft ist es nicht nötig ein Studentenvisum zu beantragen. Das Businessvisum ist schnell ausgestellt (ca. 2 Wochen) und man muss nicht auf Formulare aus Australien warten. Etwas komplizierend wirkt der Umstand, dass man als Voraussetzung für ein Visum eine Röntgenthoraxaufnahme bei einem der Vertragsärzte der australischen Botschaft anfertigen lassen muss – Tuberkulose Screening – kostet ca. 30.- Euro . Einzelheiten dazu und auch die Adressen der Ärzte findet man im Internet bei der australischen Botschaft.
KrankenhausConcord Repatriation Hospital ist ein in einem Vorort von Sydney gelegenes Lehrkrankenhaus der Medical School der Universität Sydney mit ca. 550 Betten. Mit einer Geschichte, die bis zum 19. Jahrhundert zurückreicht, bietet das Krankenhaus eine umfassende Patientenversorgung. Das Zentrum des Geländes bildet das Haupthaus, welches von flachen Stationsgebäuden, Schwesternwohnheimen und einem Pflegeheim umgeben wird. Dadurch kann die morgendliche Visite schon mal zu einem kleinen Gewaltmarsch werden, da die Patienten nicht immer auf den chirurgischen Stationen untergebracht waren.
Angeschlossen an Concord ist ein kleiner Forschungskomplex für Verbrennungen, Sport- und Ernährungsmedizin. Concord liegt direkt am Ufer des Meeresarms, der Sydney fast überall Anschluss ans Meer bietet und in eine Nord- und eine Südhälfte unterteilt. In der Umgebung sind zwei Parks gelegen, an denen sich die Wohnhäuser des Stadtteils anschließen und ca. fünf Minuten entfernt der Bahnhof gelegen ist, von dem aus man in 20 Minuten in der Innenstadt ist.
Arbeit am KrankenhausAm erstem Tag am Krankenhaus wurden wir (sechs weitere deutsche Studenten waren angekommen) durch das Krankenhaus geführt, bekamen unseren Klinikausweis und wurden den einzelnen Abteilungen zugeordnet. Mein erster Tag in der Chirurgie begann natürlich im OP, wo ich die ersten Ärzte kennen lernte. Jeder Abteilung war nur ein ausländischer Student zugeordnet. Meist war auch ein einheimischer Student gleichzeitig anwesend. In Upper GI waren auch drei Interns, mit denen man zusammengearbeitet hat.
Die Woche war klar strukturiert. Es gab Tage, an denen Besprechungen und Meetings den ganzen Vormittag belegten. Eine gute Gelegenheit etwas zu lernen, denn die Residents – die Ärzte in der Weiterbildung – wurden anhand von Fallpräsentationen geprüft und befragt. Da ich zwar Surgery gewählt hatte, es für die einheimischen Studenten Teil der Gastroenterology Rotation war, konnte ich auch an meetings der Gastroenterologen teilnehmen.
Der Dienstag zum Beispiel begann mit einer Fallpräsentation und anschließender Diskussion. Es folgte die Patientenbesprechung und anschließend die Radiologiebesprechung. Dies zog sich meist bis ca. 11.00 Uhr morgens hin, zumal kleine Kaffeepausen eingeschoben wurden, bei denen man die Gelegenheit bekam, in einem persönlichen Gespräch viele der Ärzte kennen zu lernen. Schließlich gab es auch eine Reihe von Vorlesungen bzw. Lerntreffen für die Studenten, in denen klinische Fälle vorgestellt und diskutiert wurden. Generell waren diese meetings sehr klinisch orientiert und wurden direkt von den Professoren oder Oberärzten des jeweiligen Fachs gehalten. Im Pathology-Meeting wurden z.B. nach der Fallbesprechung, die mit Signs und Symptoms begann, über Diagnose und Epidemiologie bei Therapie endete, meist Patho-Schnitte von Tumoren und das makroskopische Präparat gezeigt.
Ein Höhepunkt des Unterrichts in Concord waren die dienstags und donnerstags Tutorials bei meinem Chirurgie Professor zwischen den Operationen. Er nahm sich ca. eine bis anderthalb Stunden Zeit, um mit uns über jeweils ein Thema aus Upper GI zu sprechen, sei es obstructive jaundice oder stomach cancer. Dabei waren wir nur zwei Studenten, eine einheimische Studentin und ich. Ein weiterer Höhepunkt der Woche waren die 'Grand Rounds', die donnerstags gegen Mittag stattfanden. Im Innenhof des Krankenhauses waren dann kleine Essenstände mit verschiedenen Spezialitäten aufgebaut und vor dem großem Vorlesungssaal hatte immer eine Firma Sandwiches mit Tee, Kaffee und Saft gespendet. Nachdem man sich mit Essen versorgt hatte, nahm man im Vorlesungssaal zusammen mit fast der gesamten ärztlichen Belegschaft Platz und hörte sich eine meist außergewöhnliche Fallpräsentation aus den verschiedenen klinischen Disziplinen an. Zwischendurch wurden die Professoren oder Oberärzte verschiedener Fachrichtungen in einer Diskussion immer wieder befragt, was sie denken, ob sie anders gehandelt hätten etc..
Das eigentliche Arbeiten in Upper GI war sehr angenehm. Man wurde als Kollege angenommen und entsprechend behandelt. Es war möglich im OP sehr viel mit zu operieren. Zum Teil wurden große Operationen nur vom leitenden Oberarzt mit mir als Assistent durchgeführt. Auch auf den Stationen konnte man viel mitarbeiten. Meist zusammen mit den Interns war man für die Patienten verantwortlich.
Generell herrschte eine sehr freundliche und angenehme Atmosphäre. Trotz dicht gepacktem OP-Plan und vielen Patienten habe ich nie bei einem der Ärzte Anzeichen von Stress erlebt. Es war oft noch Zeit, zusammen Kaffee zu trinken. Insgesamt hatte das Krankenhaus einen hohen Grad an Organisation, obwohl die Infrastruktur sicherlich nicht mit deutschen Krankenhäusern vergleichbar ist. So sind Ultraschalluntersuchungen sehr selten. Die Stationen sind eigentlich große Räume, in denen ca. 30 Patienten liegen, die durch Vorhänge abgetrennt sind. Allerdings ist der durchschnittliche Aufenthaltszeitraum der Patienten nach einer Operation sehr viel kürzer und das australische Gesundheitssystem kennt noch nicht die Probleme, die europäische oder amerikanische Gesundheitssysteme haben.
Besonders hervorheben möchte ich das freundschaftliche Verhältnis, das eigentlich unter allen herrscht, die in diesem Krankenhaus arbeiten. Nicht nur, dass man sehr direkten Umgang mit den Ärzten bis hoch zum Professor hat, auch die Schwestern und Pfleger sind sehr freundlich gewesen.
Unterkunft und KostenIch war bei einer Medizinstudentin im Haus, ca. 10 Minuten vom Krankenhaus entfernt, untergebracht. Für ca. 135 AUD pro Woche hatte ich mein eigenes Zimmer, konnte die Küche samt Waschmaschine mitbenutzen. Andere Studenten aus dem Ausland waren direkt in der Klinik für ca. 40.- Euro die Woche untergebracht. Das Office of Student Affairs organisiert in der Regel die Unterkunft für ausländische Studenten. Schnell gewinnt man dadurch Anschluss an einheimische Studenten und macht zusammen Ausflüge in die Stadt und die Umgebung.
Mit folgenden Kosten muß man also rechnen:
Flug ca. 1.000.- Euro
Universität bzw. Studiengebühren 750 AUD ~ 400.- Euro
Unterkunft ca. 325.- Euro
Visum ca. 90.- Euro
LeuteAustralien ist ein sehr freundliches Land. Fast jeder interessiert sich dafür, woher man kommt, was man macht und wieso etc.. Selbst beim Döner-Essen in der Innenstadt von Sydney nachts um 2.00 Uhr kann man in ein nettes Gespräch mit dem Verkäufer verfallen. Im Krankenhaus erlebte ich dadurch ein sehr angenehmes Arbeitsklima. In der Stadt selbst hat man sich dadurch nie bedroht oder auch allein gefühlt. Sehr schnell entstehen Gespräche und man lernt Leute kennen. Es muss wohl am schönen Wetter liegen. Den eigentlichen Australier gibt es in Sydney kaum, da sehr viele Menschen erst um die Jahrhundertwende nach Sydney ausgewandert sind, bzw. erst in ihrer Generation zum Arbeiten nach Australien kamen. Überraschend ist auch der hohe Anteil asiatischer Menschen in Australien, neben Europäern und Amerikanern.
SydneySydney liegt an der Südostspitze von Australien direkt am Meer. Dadurch erhält es ein warmes aber abwechslungsreiches Klima. Eine Meereszunge erstreckt sich mitten durch Sydney, wodurch fast jeder Stadtteil Anschluss ans Wasser bekommt und viele Stadtteile auch durch Fähren erreichbar sind. Zwei Stadtteile von Concord entfernt befindet sich das Olympiagelände. In die andere Richtung gelangt man zur Innenstadt, welche mit einer interessanten Abwechslung von Wolkenkratzern und älteren viktorianischen Häusern aufwartet. Viele Hafenpromenaden mit Anschluss an die alte Hafenstadt 'The Rocks' umrahmen die Wolkenkratzer. Unterhalb der großen Harbour Bridge (die man erklimmen kann) liegt die Hauptanlegestelle der Fähren, mit denen man nach Nordsydney übersetzen kann bis nach Manly – der Hausstrand der Einwohner Sydney's. Sydney allein ist von ca. 250 Stränden umgeben.
Ein Muss ist die Rückfahrt von Manly nach Sydney in den Sonnenuntergang. Gleich neben der Anlegestelle liegt die Sydney Opera und der botanische Garten – beides einen Besuch wert. Sydney bietet soviel an Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, dass man es fast nicht schafft, am Wochenende auch die Umgebung von Sydney zu erkunden. Da wären z.B. die 'Blue Mountains', die ihren Namen dem Öl der Eukalyptuswälder verdanken, die einen blauen Dunst über die Berge legen.
FazitDie Famulatur in Concord ist eine ausgezeichnete Gelegenheit gewesen, ein anderes Gesundheitssystem kennen zu lernen, im Ausland zu arbeiten und eine andere Form der Lehre zu erfahren. Fachlich war es eine sehr intensive Arbeits- und Lernzeit.
Erfrischend und angenehm ist die Art der Australier zu arbeiten und miteinander umzugehen. Neben der fachlichen Erfahrung bietet Sydney genug Kultur und Sehenswürdigkeiten für mehr als einen Monat.
H., T. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Heidelberg, Oktober 2002
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