Chancen im AuslandChancen im InlandAlternative Berufsfelder

Chirurgie, All India Institute of Medical Sciences, Neu Delhi, Indien
(Ich freue mich sehr, dass ich dies erleben durfte., 21.08. - 21.09.2009)

  Sie sind hier:

Welcome to India! Indien ist faszinierend und anstrengend zugleich. Und wer dieses Land sowohl von der medizinischen Seite als auch von seiner Kultur her kennenlernen möchte, dem soll dieser Bericht ein erster Einstieg sein. Als Besucher taucht man ein in eine Welt, die unterschiedlicher zu unserer hierzulande kaum sein könnte.

Ein schon lange bestehender Wunsch
Organisatorisches
Meine Famulatur
Deutliche Unterschiede und persönliche Tipps
Unterkunft
Welcome to India!
Faszinierendes Indien
Mein Fazit

Ein schon lange bestehender Wunsch

Dass ich eine meiner Famulaturen in Indien machen wollte, stand für mich schon sehr früh im Studium fest. Indien deshalb, weil ich die medizinische Versorgung in einem Entwicklungsland miterleben wollte, aber auch, weil ich davon überzeugt war, dass dieses Land durchaus auch Hightech zu bieten hat.

Außerdem wollte ich die Kultur und die Menschen Indiens kennenlernen, die ich mir immer sehr freundlich, friedlich, sauber und fleißig vorgestellt hatte, und natürlich wollte ich auch das Land mit all seinen Sehenswürdigkeiten bereisen.

zurück nach oben

Organisatorisches


Leben und Treiben auf einer typischen Hauptstraße in Indien

  • Bewerbung

Somit kümmerte ich mich bereits im Februar 2009 um einen Famulaturplatz am All India Institute of Medical Sciences, kurz AIIMS genannt, in Neu Delhi. Von diesem Krankenhaus wusste ich, dass es das Größte und Bekannteste in ganz Indien sein sollte, die Lehre eine der Besten sei und die Kommunikation demnach auf Englisch sein würde. Dies war mir sehr wichtig, denn ich hatte weder vor noch während der Reise die Zeit, einen Hindi-Kurs zu belegen. Außerdem spricht man schon bereits 40km außerhalb von Neu Delhi einen neuen Dialekt. Das AIIMS ist zudem noch in Neu Delhi und bot damit schon die Möglichkeit, die Hauptstadt des Landes für vier Wochen kennenzulernen.
 
In vielen Erfahrungsberichten wird geschrieben, dass Bewerbungen schneller gehen, wenn man mit der Bezahlung lockt. Ich muss sagen, ich war froh über etwas mehr Vorlaufzeit!

  • Sprache

Da ich meine erste Famulatur in der Gastroenterologie in Deutschland absolviert hatte, wollte ich im AIIMS in die Chirurgie, zumal dies allgemein wegen des ähnlichen Fachvokabulars empfohlen wird. Ich bin auf keinen Fall ein Anfänger in der englischen Sprache, war im Nachhinein aber sehr froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Denn trotz guter Englischkenntnisse hatte ich anfänglich echt Sprachprobleme. Die Inder sprechen ihr Pidgin-Englisch, das für uns Europäer sehr gewöhnungsbedürftig ist, und auch die Schnelligkeit spielte eine Rolle. Manchmal musste ich schon zwei bis dreimal nachfragen. Hinzu kam noch, dass natürlich auch nicht jeder Patient Englisch spricht, gerade da das Krankenhaus die Anlaufstelle für alle Mittellosen ist, eine komplett kostenlose Behandlung durch staatliche Finanzierung existiert, und  man somit Patienten behandelt, die in der Mehrzahl aus der ungebildeten Unterschicht kommen.

  • Impfungen

Je nach Reiseregion sollte man vom Tropenmediziner geimpft sein gegen Diphterie, Polio und Tetanus, Masern, Hep A+B, Tollwut, Typhus, evtl. Gelbfieber und japanische Enzephalitis und  zudem Malarone als Stand-By-Medikation gegen Malaria dabeihaben.

  • Visum

Was das Bürokratische betrifft, so würde ich immer wieder ein Touristenvisum beantragen, denn das Studentenvisum ist sehr viel aufwändiger und gar nicht unbedingt nötig. (Anm. d. Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich im Vorfeld rechtzeitig bei der jeweiligen Botschaft des entsprechenden Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

  • Literaturempfehlungen

Ich hatte mir für die vier Wochen am All India Institute of Medical Sciences meinen „Müller“, Chirurgie in Praxis und Theorie, ein Arzneimittelpocket und ein medizinisches Wörterbuch mitgenommen. In den „Müller“ schaute ich oft rein, vor allem dann, wenn es für mich bei den OPs nichts zu tun oder zu sehen gab. Das Arzneimittelpocket brauchte ich nicht, da die Sprache fast nie auf die medikamentöse Therapie kam. Das englische Wörterbuch war allgemein sicherlich nützlich, v.a. als ich aufgefordert wurde, mittwochs auch ein Referat zu halten. Das Thema durfte ich hierbei frei wählen.

Am ersten Tag wurde mir aber auch ein sehr gutes Buch von „meinem“ Professor geliehen, ein englisches Basisbuch der Chirurgie. In der Bibliothek schaute ich noch in den „Hutchison‘s Clinical Methods“ rein.

zurück nach oben

Meine Famulatur


Hochmoderne OP-Techniken (Roboter-OP)

  • Erste Eindrücke

Ich stellte mich also am ersten Tag bei einem Arzt vor, der gerade Brust-Sprechstunde hatte. Er saß mit einem Assistenzarzt an einem alten Schreibtisch, vier Frauen auf Stühlen im Raum, zwei stehend, eine weitere oben nackt hinter einem Vorhang auf der Liege. So kam es, dass ich bereits am ersten Tag mehrere Brüste abtasten durfte, entweder mit benignen Knoten oder mit Verdacht auf etwas Malignes. Die Mehrzahl der Frauen kam jedoch zur Nachuntersuchung, d.h. ich sah auch die eine oder andere operierte Brust mit einer riesigen Narbe.

Der erste Tag war ein Freitag, am nächsten Tag, dem Samstag, sollte es gleich weitergehen mit der Famulatur. Für deutsche Studenten etwas ungewöhnlich, sechs Tage in der Woche im Krankenhaus zu sein, aber im Vergleich zu den indischen Kollegen wirklich human. Sie arbeiten sieben Tage die Woche!

Also kam ich samstags wieder und traf meine Assistenzärzte auf Station: ein langer Flur mit vier offenen Sälen nach rechts, in denen jeweils sechs Betten standen. Hinten eine kleine HDU-Station, die „High Dependency Unit“. Schnell stellte sich für mich raus, dass es in Indien und gerade an einem öffentlichen Krankenhaus wie dem All India Institute of Medical Sciences so etwas wie Privatsphäre kaum gibt. Ich stellte mich also meinen neuen Kollegen vor und wurde auch ganz nett aufgenommen.

Allerdings kann ich an dieser Stelle schon erwähnen, dass Famulanten hier seit einiger Zeit sehr selten sind und die medizinische Ausbildung bzw. die Weitergabe von medizinischem Wissen an Studenten von der Assistenzseite her hier kaum stattfindet. Für meine Weiterbildung waren im Grunde nur die drei Professoren auf Station verantwortlich, die auch zum Teil die indischen Studenten unterrichteten.

  • Mein Arbeitstag

So gestaltete sich ein normaler Arbeitstag für mich folgendermaßen. Beginn war um 8.00 Uhr auf Station. Meist gingen die Assistenzärzte zuerst die Akten der Patienten durch und aktualisierten die Behandlungsstrategien. Dabei gab es für mich nichts zu tun. Erst als ich nach gewisser Zeit endlich selbst die Initiative ergriff, durfte ich bei 3-4 Patienten alleine Blut abnehmen. Es ist nicht so, dass man solche Aufgaben als Famulant nicht darf, die Assistenzärzte sind es einfach nicht gewohnt, so etwas an uns Studenten abzugeben. Sie machen es lieber gerade schnell selber. Man sollte hier also gleich direkt sagen, dass man so etwas kann und gerne übernehmen möchte.

Dann kam nach ca. ein bis eineinhalb Stunden ein „Oberarzt“, der mit allen Ärzten in Ausbildung die Visite durchführte. Dabei gingen wir von einem Bett zum nächsten, der Patient wurde vom betreuenden Arzt kurz vorgestellt, meist auf Englisch, sodass ich es auch teilweise verstand, aber Fragen an den Patienten waren natürlich auf Hindi. Da passierte es leider auch leicht, dass man bei dieser Sprache blieb und ich mir nur weiter die Krankendaten auf dem Papier anschauen konnte.

Nach der Visite gab es ein tagesabhängiges Programm. Montags ging ein Großteil der Ärzte in die Ambulanz. Dort wurde unter Lokalanästhesie und halbsterilen Bedingungen solche Dinge wie Talgzysten, Lipome und Hydrozelen behandelt. Diese Arbeit gefiel mir immer sehr gut, weil ich hier jedes Mal einem Arzt assistieren durfte. Nach der 4. Hydrozele hatte ich den Eindruck, dass ich die nächste inzwischen selber durchführen könnte, so lehrreich empfand ich diese Art von Unterricht, denn hier konnte ich endlich alles direkt beobachten, direkt Fragen stellen, Klammern halten, schneiden, koagulieren und manchmal sogar nähen. Diese ambulanten Tage waren montags und freitags, jeweils nach der Visite auf Station.

Dienstags und donnerstags gingen wir ab 9.00 Uhr in den OP. Anfangs dachte ich, dass die ambulanten chirurgischen Zimmer für alle OPs genutzt werden, aber zum Glück stellte sich das anders heraus. Die indischen OP-Säle unterscheiden sich nicht sehr von den deutschen. Auch hier gibt es Schleusen für das Personal, man zieht sich um, zieht eigentlich seine OP-Schlappen an und findet einen OP vor, der zuvor gereinigt wurde - allerdings von Hand, von einem Putzpersonal, das auf Knien mit einem Lappen in der Hand auf dem Boden rumrutscht.
 
Die OPs, bei denen ich dabei war, waren hauptsächlich allgemeinchirurgischer Art. Sehr häufig auf dem Plan standen natürlich Brust-OPs, da sich der eine Oberarzt darauf spezialisiert hatte, Thyreodektomien, Lap-Gallen, Strumas, Abszessdrainagen und Hernien.
Je nach Eingriff und Operation durfte ich mit an den Tisch und assistierte, bei Brust-OPs und einer nekrotisierenden Faszitis sogar nicht nur Haken halten, sondern auch Hautnähte machen.

Mittwochs folgte für gewöhnlich auf die Visite eine Art Unterricht für die Assistenzärzte. Es wurden Referate gehalten, die anschließend diskutiert wurden. Samstags rotierte man mit OP und Lehre.

Die Krankheitsbilder, die ich zu Gesicht bekam und mich am meisten faszinierten, weil man sie wahrscheinlich nicht so schnell in Deutschland sehen kann, waren eine nekrotisierende Faszitis bei einem 20-Jährigen nach einem Treppensturz, ein diabetischer Fuß, bei dem immer wieder das abgestorbene Gewebe entfernt werden musste, ein Fall von starker Kachexie nach abdominellem Typhus  und eine Zehenamputation bei einem chronischen Raucher.

zurück nach oben

Deutliche Unterschiede und persönliche Tipps


Putztag auf Station
Ziemlich schnell hatte ich verstanden, dass die Privatsphäre der Patienten hier hinten ansteht. Laut Oberarzt sollten alle Assistenzärzte inklusive ich als ausländische Famulantin zu jeder Zeit eine DigiCam dabei haben, um interessante Fälle bildlich oder auch auf Video festzuhalten. Die Patienten wurden dabei nicht um ihr Einverständnis gefragt.

Bezüglich des Arbeitens auf Station gab es auch einige Unterschiede im Vergleich zum deutschen Alltag. Blut wurde nicht mit einem Stauschlauch abgenommen, sondern entweder staute der Angehörige, manchmal sogar der Angehörige eines anderen Patienten, das Blut oder ein Gummihandschuh wurde umfunktioniert. Außerdem werden die Vorschriften des Handschuhtragens, das Vermeiden von Recapping, das Hände-desinfizieren beim Patientenwechsel, nicht erfüllt. Dass ich mit meinem weißen Kittel auf Station kam, war auch schon sehr ungewöhnlich. Auf meiner Station trug man normale Straßenkleidung. Was den Arzt vom Besucher unterschied, war lediglich das Stethoskop um den Hals.

Als Europäerin wurde ich natürlich von den Patienten und ihren Familien besonders begutachtet, manche begrüßten mich sogar nach ein bis zwei Wochen mit einem Lächeln oder einem Kopfnicken. Andere waren eher etwas skeptisch, wenn ich beim Blutabnehmen nicht gleich beim ersten Mal erfolgreich war. Aber meist stellte sich dann heraus, dass die Ärzte auch mehrere Anläufe brauchten.

Zwei bis dreimal erlebte ich einen Studentenunterricht auf Station mit. Da lief dann eine Traube von jungen Studenten um den Professor rum. Sie beantworteten jede seiner Fragen nahezu perfekt und zückten bei zusätzlichen Infos des Professors synchron alle ihre Blöcke zum Mitschreiben. Ich glaube, im Vergleich studieren indische Medizinstudenten mehr als wir deutschen. Einmal wurden pathologische Organe im Glas besprochen. Da dies prüfungsrelevanter Stoff sein sollte, wurde natürlich besonders gut zugehört und möglichst versucht, anschaulich und praxisnah, mit konkreten Beispielen und Vergleichen zu unterrichten. Als die Stunde rum war, wurden schnell noch alle Gläser mit dem Fotohandy fotografiert und - da bin ich mir sicher, dass sich die Studis hier weltweit ähneln - ins Netz gestellt, dass alle nach diesen Bildern lernen können.

Letztendlich kann ich über meine Famulatur sagen, dass sie mir viel Spaß gemacht hat und auch lehrreich war, weil man doch viele Krankheitsbilder sieht, die in Deutschland nicht so häufig sind. Es war interessant zu sehen, wo die Schwerpunkte in einem indischen Krankenhaus liegen, hartes Arbeiten mit möglichst wenig Todesfällen - Nebenwirkungen, kosmetische Verunstaltungen und Schmerzen sind egal, und welche Rolle Angehörige spielen, denn sie ersetzen fast das Pflegepersonal. Ungewöhnlich war es, die hygienischen/sterilen Verhältnisse zu sehen. Einmal wurde Erbrochenes nicht schnell genug weggewischt und alle liefen durch. Ein anderes Mal sah ich einen Operateur barfuss operieren und generell kennen sie in Indien am sterilen OP-Tisch keinen Sicherheitsabstand von einem Meter.

Interessant war es, zu erleben, was es bedeutet, in Indien Arzt zu sein. Denn Ärzten stehen im Grunde alle Türen offen. Alle Schüler mit den besten Noten werden Arzt. Reicht es nicht zum Arzt, wird man Ingenieur und alles andere gehört danach zusammen in einen Pott.
Außerdem gibt es in Indien immer noch eine typische Frauenrolle. Weibliche Ärzte sind selten in der Chirurgie anzutreffen sondern eher auf der Gynäkologie oder in der Pädiatrie.

Allen, die sich auch für eine Famulatur in Indien interessieren, rate ich, sehr früh schon auf die Ärzte zuzugehen und darum zu bitten, eigenständige Aufgaben zu bekommen. Ich glaube nicht, dass sie es einem aus rechtlichen Gründen nicht anvertrauen, denn dafür ist es ein Lehrkrankenhaus bzw. Universitätsklinikum, aber die Assistenzärzte wissen einfach nicht, wie sie es anstellen sollen, die Famulanten in ihre Arbeit zu integrieren.

zurück nach oben

Unterkunft

Ich hatte das große Glück, über private Connections eine Unterkunft zu bekommen, aber ich weiß, dass die Universität für Studenten auf dem Campus (einfache) Zimmer vermietet - auch an ausländische Gäste, sofern Platz ist. Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit, bei der deutschen Botschaft in Delhi nach Zimmern zu fragen oder Aushänge in der Klinik zu berücksichtigen.

In der direkten Umgebung von AIIMS gibt es wohl nicht so viele Hostels, aber dank der vielen Autorikschas kommt man morgens auch ganz gut zur Arbeitsstelle.

zurück nach oben

Welcome to India!


Frauen beim Waschen in Udaipur
Wie schon gesagt, bewegte mich auch die Neugier auf die indische Kultur dazu, meine Famulatur in Indien zu absolvieren. Und durch das große Glück bei einer indischen Familie wohnen zu dürfen, erlebte ich im Grunde die Kultur und Traditionen hautnah mit.

Und dies war durchaus spannend. Arrangierte Ehen sind in Indien noch ganz gewöhnlich. Dass man ein Pärchen auf der Straße händchenhaltend sieht, kommt nicht vor - es sei denn, sie sind schon verlobt. Frauen sind zwar in der Oberschicht schon emanzipiert, sie gehen auch zur Schule oder Universität, aber gerade im Familienkreis hat der Vater als Oberhaupt das letzte Wort.

Oft genug war es der Fall, dass ich entweder noch nicht ausgeredet hatte, da wurde mir das Wort abgeschnitten oder aber ich wurde von manchen Männern überhaupt nicht beachtet. Stand ein Mann neben mir, war er automatisch Gesprächs- und Ansprechpartner. Aber auch daran gewöhnt man sich, genauso wie an die bettelnden Kinder auf der Straße, die aufdringlichen Straßenverkäufer, die immer wieder mit den gleichen Worten locken: „Yes Madam, come and see my shop“, „Excuse madam, you need bangles, souvenirs, dresses?“ usw. Auch an den lauten und belastenden Straßenverkehr und an die drückenden Temperaturen gewöhnt man sich mit der Zeit.

Aber dafür entschädigt Indien einen mit seiner tollen kulinarischen Küche, die laut „Gastvater“ die größte Abwechslung aufweist, mit Frauen in bunten, wunderschönen Saris, einer Vielfalt an Landschaft, die wohl sonst kein anderes Land zu bieten hat (Wüsten, Berge, Flachland, Großstadt, kleine verlassene Dörfer, ...), mit tollen Sehenswürdigkeiten überall sowie mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen.

Obwohl im „Lonely Planet“ immer wieder vor Taschendieben etc. gewarnt wird, habe ich mich stets sicher gefühlt. Das Einzige, wo man betuppt wird, ist beim freien Handeln. Meist ist die Ware nicht mehr wert als die Hälfte des zu Beginn genannten Preises. Egal, ob beim Trinkgeld für den Hoteljungen, beim Taxifahrer oder Straßenverkäufer - alle verlangen zu Beginn mindestens das Doppelte vom eigentlichen Preis.

zurück nach oben

Faszinierendes Indien


Eine Zugfahrt in Indien - ein einmaliges Erlebnis
Die Plätze, die ich mir von Indien anschaute, waren Delhi, Jaipur, Agra, Amritsar, Jaisalmer, Udaipur und Bombay. Da ja die Famulatur auch samstags stattfand, waren Wochenendausflüge schwierig, aber trotzdem war es möglich, an den freien Sonntagen von Delhi aus nach Agra und Jaipur zu fahren. Das bedeutete dann, nicht wie gewohnt morgens um 6.00 Uhr aufzustehen, sondern zur Abwechslung mal um 4.00 Uhr. Und abends war man dann so zwischen 22.00 Uhr und 24.00 Uhr wieder zurück.

Aber dies hat sich echt gelohnt, denn nach der vierwöchigen Famulatur waren nur noch 12 Tage zum Reisen (Route von Delhi nach Bombay) übrig und diese braucht man mindestens für drei indische Städte. Es ist gar nicht so, dass die einzelnen Städte so viel zu bieten haben, aber das Reisen von A nach B dauert einfach schon sehr lange. Hinzu kommt, dass z.B. manche Busse oder Züge nur an bestimmten Wochentagen fahren und man sich danach richten muss. Zug- oder Busfahrten über 14-16h sind eigentlich in Indien nichts Ungewöhnliches. Man sollte davor aber auf keinen Fall zurückschrecken, denn es ist ein tolles Erlebnis! In indischen Zügen wird man z.B. bedient wie in europäischen Flugzeugen. Morgens gibt es ein Frühstück, mittags eine warme Mahlzeit, nachmittags einen Snack und abends Abendessen. Alles im Ticketpreis inbegriffen.

Busfahrten hingegen sind etwas gewöhnungsbedürftiger. Hier werden Sitz-, Liege- und Stehplätze verkauft und am Ende ist der Bus echt rappelvoll. Aber auch das hat seinen Reiz!

Ein letzter Tipp für alle, die einen indischen Studentenausweis von ihrem Krankenhaus bekommen - ist wahrscheinlich nur bei Universitätskliniken so. Durch einen solchen Ausweis erhält man an vielen Orten zu verbilligten Preisen Eintritt bei Sehenswürdigkeiten oder Ausstellungen. Bestes Beispiel hierfür war das Nationalmuseum von Delhi. Statt 300 Rps. für Ausländer zahlte ich lediglich 10 Rps. - den Preis für indische Studenten.

zurück nach oben

Mein Fazit


Der goldene Tempel in Amritsar
Die Zeit in Indien war super und ich freue mich sehr, dass ich dies erleben durfte. Vor allem finde ich es eine wertvolle Erfahrung, mal in einem Entwicklungsland nicht nur gereist zu sein, sondern auch die medizinische Seite und damit einen wichtigen Teil der Kultur kennengelernt zu haben.

Aus der Sicht der Lehre bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich nicht bei einer Famulatur in Deutschland mehr gelernt hätte, einfach weil keine Sprachprobleme da gewesen wären. Auf der anderen Seite werde ich das bei den nächsten Malen noch zur Genüge haben und empfehle deshalb jedem, der Spaß an neuen Ländern und Interesse an anderen Kulturen hat, ins Ausland zu gehen. Eine Famulatur eignet sich dafür meiner Meinung nach optimal!

Indien ist faszinierend und anstrengend zugleich. Würde ich beim nächsten Mal länger bleiben als sechs Wochen, würde ich schauen, dass ich zwischendurch immer wieder kleine Erholungsinseln einbaue, wo kein lauter Straßenlärm, keine verpestete Luft, keine aufdringlichen Händler und immer mal wieder gute hygienische Verhältnisse sind.

zurück nach oben

B., I.
Marburg, November 2009
News-Alarm