Mal „draußen“ umschauen!
Bewerbung
Vorbereitungen
Das Krankenhaus
Meine Famulatur
Unterkunft
Klima
Sicherheitsaspekte vor Ort
Rarotonga
Fazit
Mal „draußen“ umschauen! Das Riff vor Rarotonga |
| Famulaturen alle in Deutschland? Warum? Mensch, Du hast doch DIE Gelegenheit, wohin auch immer zu gehen und Dir das als ein Praktikum anerkennen zu lassen. Also nimm Dir ein wenig Mut zusammen und schau doch mal nach, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht…
Viele Hochschulabsolventen, mit denen ich mich unterhalten habe, antworteten mir auf die Frage, was sie in Ihrem Studium bereut hätten, dass sie mehr oder überhaupt einmal hätten ins Ausland fahren sollen. „Christian“, sagte ich mir, „so viele Menschen können nicht irren. Wenn die alle sagen, man sollte mal über den Tellerrand hinausschauen, dann wird das wohl seine Richtigkeit haben!“
Ich selber hatte bereits ein Jahr in Kanada als Austauschschüler in einer Highschool verbracht und erinnerte mich, welch ein Erfahrungsgewinn dieses Jahr für mich war. Man bekommt neue Ideen, neue Sichtweisen über das Leben. Dinge, die für mich hier in Deutschland selbstverständlich sind, sind für jemand anders vollkommen fremd. Und andersrum gilt das Gleiche. Ein Erfahrungsaustausch im Ausland bereichert jeden und gibt einem die Möglichkeit sich weiter zu entwickeln. Man wird mit neuen Dingen konfrontiert, in unbekannte Situationen gestoßen, in denen man sich zurechtfinden muss – und das alles auch noch in einer Nicht-Muttersprache. Ich wusste, ich muss die Gelegenheit beim Schopfe packen und mich mal wieder „draußen“ umschauen.
Also fing ich an, mir in den Semesterferien im Sommer 2005 Gedanken zu machen, wo man denn mal hingehen könnte. Ich hatte verschiedene Ideen. Mir war klar: Ich wollte mal wieder „raus aus Europa“. Australien? Amerika? Neuseeland? Afrika? Oder wie wäre es mal mit den Vereinigten Arabischen Emiraten? Ich durchstöberte das Internet nach Erfahrungsberichten, versendete Bewerbungsemails und ließ die Telefondrähte heiß laufen. Aber irgendwann fiel mir ein, dass ich gerne einmal einsames Inselleben kennen lernen möchte. Die Tatsache, dass ich ohnehin den Winter am liebsten an einem warmen Ort verbringen wollte, passte dazu. Eine Insel weit weg vom Festland und Europa, das wäre doch mal was.
Schon häufiger habe ich mich, wenn ich mir unser schnelles Leben hier in der Zivilisation anschaute, gefragt: Wie lebt es sich eigentlich auf einer ruhigen Insel? Was ist der Unterschied, wenn man dort als Einheimischer wohnt und arbeitet, anstatt bloß als Tourist auf einer solchen Insel Urlaub macht? Geht einem als Bewohner das ständige Paradies auf die Nerven? Geht man da vielleicht sogar vor Langeweile kaputt? Was hat man für eine Weltanschauung? Was ist mit den so genannten Aussteigern, die vor unserer ruhelosen Welt fliehen? Haben sie ihr Glück gefunden? Und medizinisch betrachtet, würde es sicherlich auch viel zu entdecken geben: Mit welchen Schwierigkeiten hat die Gesundheitsversorgung an einem solchen Ort zu kämpfen? Was ist, wenn man dringend etwas braucht, was aber gar nicht so ohne weiteres erhältlich ist? Wird man weniger krank? Nach den ganzen Klagen der überarbeiteten Ärzte in der Uniklinik kam auch die Frage auf: Wie würde es den Ärzten auf einer solchen Insel gehen?
Schließlich fand ich im Internet einen Erfahrungsbericht von Andrea S., die zwei Monate auf den Cook Islands verbracht hatte. Genauer gesagt auf „Rarotonga“, der Hauptinsel der 15 Cook Inseln. „Cook Islands?“ Captain James Cook war mir ein Begriff. Dass ein ganzes Land nach ihm benannt worden war, war mir unbekannt. Ich schaute im Atlas nach. Und schließlich fand ich sie. Zumindest den Namen. Die Inseln selber waren nur als kaum sichtbare Punkte schwerlich zu erkennen - im Südpazifik, in der Mitte vom Nichts.
Ich spürte, dass diese Punkte auf der Karte meine offenen Fragen beantworten könnten und dass es faszinierend sein müsse, zwei Monate auf einer Insel zu verbringen, die gerade mal 32 km Umfang hat. Nachdem ich den Erfahrungsbericht durchgelesen hatte, wusste ich: „Das sollte man sich vielleicht selber mal anschauen!“
BewerbungMan muss wissen, dass es gar nicht mal so wenige „Humanis“ gibt, die auf die Idee kommen, auf die Cook Islands zu fahren, um dort ein „clinical elective“ zu absolvieren. Aus Deutschland kommen sie nie, sondern vielmehr aus Neuseeland und Großbritannien. Aus Deutschland kommen die Zahnmediziner - und dies zahlreich. Sie arbeiten fleißig in der Zahnklinik, die vom Krankenhaus getrennt ist. Die Humanmediziner bleiben meist eine oder zwei Wochen. Während meiner Zeit war auch eine Engländerin da, die für fünf Wochen famulieren wollte. Also kann es theoretisch sein, dass alles ausgebucht ist, wenn man sich zu knapp bewirbt. Aber nachfragen kann man ja immer. Ich selber hatte mich letztlich ca. 3-4 Monate vorher entschieden. Ein kurzes Bewerbungsschreiben und Lebenslauf auf Englisch hatte ich per Email an irgendeine Emailadresse einer Homepage gesendet. Letztlich habe ich dann mit Dr. Daniel und Dr. Tikaka kommuniziert.
VorbereitungenMan sollte sich evtl. vorher erkundigen, ob man noch „günstig“ einen Flug bekommt oder schon alles ausgebucht ist. Ich habe 1.500 € alleine für den Flug bezahlt und hatte deswegen auch schwer mit der Entscheidung zu kämpfen. Selbst nach der Buchung hatte ich immer noch Gewissensbisse, ob dies denn jetzt nicht doch falsch war, so viel Geld zu bezahlen. Im Nachhinein hat es sich für das, was ich erlebt habe, vollkommen gelohnt. Angeblich soll es auch Flüge für 1.100 € geben – einen solchen habe jedenfalls nicht mehr bekommen. Auch die Zahnmediziner/-innen aus Deutschland, die ich dort, wie gesagt, zuhauf' getroffen habe und die schon ein Jahr vorher gebucht hatten, hatten 1.500 € gezahlt… Nach Absendung meines Bewerbungsschreibens mit Lebenslauf hat das Rarotonga Hospital keine weiteren Unterlagen verlangt. Eine Versicherung mit Rücktransport sollte man sich auf jeden Fall zulegen, denn die medizinische Versorgung auf dieser kleinen Insel ist begrenzt. Die „Optimalversorgung“, die ihr von unseren Krankenhäusern her kennt, werdet ihr dort nicht finden. Ihr solltet das evtl. dort auch jemandem sagen, dass ihr aufgrund Eurer Versicherung im Falle eines Falles ohne weiteres ausgeflogen werden könnt, damit dann schnell eine Entscheidung getroffen werden kann… Ein Visum braucht man vorher nicht zu beantragen. Man kann sich nämlich ohne weiteres für 31 Tage auf den Cook Islands aufhalten. Ein wenig nervös war ich schon, als ich die Einreisepapiere im Flugzeug ausfüllte. Einreisegrund: Urlaub? Nein, ich wollte ehrlich sein. Praktikum im Krankenhaus habe ich hineingeschrieben. „Was machst Du Dir überhaupt für Sorgen“, habe ich mir gedacht, „Du kriegst doch eh keine Kohle von denen! Die können doch froh sein, dass noch eine helfende Hand für umsonst kommt!“ Abflugdatum: Au weia - in zwei Monaten…, aber letztlich kein Problem. Innerhalb der 31 Tage muss man zum Immigration Office und eine Verlängerung beantragen, die normalerweise 70 Neuseeland Dollar (NZD) kostet. Beschafft Euch aber eine Bescheinigung aus dem Krankenhaus, dass ihr ein Praktikum macht – dann bekommt Ihr sie für 30 NZD.
Die Verlängerung solltet Ihr auf jeden Fall beantragen. Bei der Rückreise wurde meine Visa Gültigkeit überprüft… Und sollte Euch das um die Insel kreisende Polizeifahrzeug doch mal aufgabeln, wollt Ihr ja auch nicht postwendend nach Hause geschickt werden, gelle? Wo wir gerade bei Verwaltungskosten sind: Bei der Abreise müsst Ihr noch eine „Departure-tax“ von 30 NZD (oder so) bezahlen.
Das Krankenhaus Rarotonga Hospital |
| Das Rarotonga Hospital liegt auf einem Hügel im Nordwesten der Insel. Von dort hat man einen wundervollen Blick auf den Südpazifik, der sich am Riff, das die ganze Insel umgibt, bricht. Das Krankenhaus selber hat 80 Betten und so an die 15 Ärzte. Die dort üblichen 6-Bett-Zimmer sind alle offen und haben keine richtigen Wände zum Flur. Es gibt vereinzelt Privatzimmer mit einem oder zwei Betten. Vorhanden sind eine Mutterstation/Entbindungsstation, eine innere Medizin, eine Chirurgie, eine Geriatrie und der ambulante Teil des Krankenhauses.
Ich selber hatte in meine Bewerbung geschrieben, dass ich hauptsächlich in der Chirurgie tätig sein wolle. Schließlich wollte ich endlich mal nähen lernen.
Meine Famulatur Blick in die Ambulanz |
| Operationstechnisch gibt es auf einer Insel, die 11.000 Einwohner hat, nichts zu tun. Es gab zwei Operationstage in der Woche, die mehr oder weniger stark ausgebucht waren. Die restlichen Tage habe ich mit meinem Chef in der chirurgischen Ambulanz oder auf der chirurgischen Station gearbeitet. Das ging morgens um 8.30 Uhr los und meistens durfte ich offiziell schon wieder zwischen 12.00 Uhr und 13.00 Uhr gehen. Ich bin meistens länger geblieben, wenn ich mich für einige Sachen noch mal im Internet sachkundig gemacht, Emails geschrieben oder noch in den ambulanten Teil des Krankenhauses begeben habe, um zu schauen, was da so los war. Ins Internet kann man hier nämlich sehr gut – langsam, aber kostenlos, ein Riesenvorteil!
Am Anfang war mein Chef eher nicht zufrieden mit mir. Warum ich denn nicht mehr selbständig machen würde? Na ja…, das war nicht so schwer zu beantworten. So richtig praktisch ausgebildet sind wir ja nun doch nicht, und ein wenig musste ich mich ins medizinische Englisch schon ´rein denken, obgleich ich es schon flüssig sprechen kann. Außerdem war ich immer wieder überrascht, wie unterschiedlich doch Gesundheitsversorgung in den unterschiedlichen Teilen der Welt betrieben werden kann.
Jedenfalls habe ich mir seine Kritik zum Anlass genommen, mich mehr anzustrengen und schneller zu erkennen, wann ich was machen kann. Ich kam auf den Trichter, dass meine Unterschrift voll zählte. Egal ob Anweisungen an Schwestern, Röntgenanforderungen, Rezepte. Meine Unterschrift zählte. Dies war etwas völlig Neues. Ich habe versucht mich in die Alltagsarbeitsroutine hineinzudenken. Natürlich habe ich mich nicht immer wohl dabei gefühlt und gedacht: „Verdammt, was mache ich jetzt wieder falsch!“ Aber immer und immer wieder habe ich mir klar gemacht, dass dies nun einmal das Medizinstudium mit sich bringt. Man wird Fehler machen und Rüffel ernten. Alles vollkommen menschlich und normal. Ein schlechterer Mensch ist man ja deswegen nicht. Man darf sich halt nur nicht davon unterkriegen lassen und frohen Mutes weitermachen. Da muss man einfach durch. Warum fallen wir hin? Damit wir aufstehen und es noch mal probieren können…
Und letztlich wurde mein Chef auch immer zufriedener mit mir. Es hat ihm gut gefallen, dass ich immer wieder gesagt habe „darf ich das Formular ausfüllen“ – „kann ich dieses probieren“ – „ich kümmere mich um dieses und jenes“ – „ich habe noch Folgendes über diese Erkrankung herausgefunden“. Das hat ihm gut gefallen. Ich habe mit ihm zu zweit die Visiten auf der Station gemacht. Er hat etwas erzählt, ich habe entsprechenden Eintragungen in der Krankenakte gemacht und manchmal meine Meinung geäußert. Immer wieder hat er mich gefragt: „Was denkst Du?“
Ein paar Mal habe ich mich dann auch getraut, die Visiten alleine zu machen, wenn mein Chef aus irgendwelchen Gründen nicht konnte. Wohl habe ich mich natürlich nicht gefühlt. Aber die Schwestern haben mir gut dabei geholfen. Ihr dürft Euch das natürlich nicht so vorstellen, dass ich da wie der „Super-Arzt-vom-Dienst“ über die Station geheizt bin und die Leute geheilt habe. Das lief langsam und selbstverständlich nicht unbedingt professionell ab. Aber: Die Patienten waren glücklich, dass sie ihre Beschwerden vorbringen konnten - dabei ist zu sagen, dass der typische Cook Islander eher hart im Nehmen ist. Die Schwestern waren glücklich, dass sie ihre Unterschriften beisammen hatten und ich war glücklich, dass ich die Visite gemacht habe. Die Patienten, die mir ein wenig Sorgen gemacht haben, habe ich nachher mit meinem Chef noch einmal durchgesprochen.
Mittwochs gab es die „große Runde“, bei der fast alle Ärzte inkl. Klinikmanager durch das Krankenhaus gewandert sind und die betreuenden Ärzte ihre Patienten vorgestellt haben. Ab der dritten oder vierten Woche habe ich die Fälle der chirurgischen Station vorgestellt.
Übrigens, als ich hier in Deutschland direkt im Anschluss ein Praktikum in einer Allgemeinarztpraxis gemacht habe, kam es eher komisch 'rüber, dass ich bei den Anamnesen Zwischenfragen und Zwischenkommentare geliefert habe.
Zur Kleidung ist folgendes zu sagen. Es werden keine weißen Kittel getragen. Am allerwichtigsten sind Kragenhemden - kurzärmelig, Poloshirts reichen aus - und lange Hosen, keine Jeans! Schuhe sind egal, am meisten werden Flip-Flops getragen. Stethoskop solltet Ihr dabei haben, Reflexhammer und Diagnostikleuchte können manchmal hilfreich sein. Einen Wecker sollte man nicht vergessen, damit man morgens auch pünktlich ankommt.
Sicherlich hilfreich ist, wenn Ihr ein wenig Übung im Sonographieren habt, denn dieses phantastische diagnostische Mittel wird leider fast ausschließlich in der Mutterstation verwendet, wo es auch steht. Wenn Ihr einen Patienten habt, denn Ihr schallen möchtet, dann könntet Ihr dies quasi auf eigene Faust tun.
Die Hygiene ist „so lala“ bis überhaupt nicht gut. Hier wird sich noch mit Seife und Wasser gewaschen, wenn man eigentlich sich die Hände desinfizieren will. Für den OP gibt es eine spezielle Desinfektionsseife; die Operationskittel bestehen aus Baumwolle - nicht Flüssigkeit abweisend! Für einen, der unsere Hochleistungsmedizin gewöhnt ist, kann das schon Mal erschreckend sein. Man gewöhnt sich an alles.
UnterkunftDie Unterkunft ist ein Problem. Das Krankenhaus hatte einmal ein Häuschen, das für Studenten da war, aber das wurde zur geriatrischen Station umgebaut. Und wenn ich die echt miese finanzielle Unterstützung der Regierung für das Gesundheitswesen bedenke, glaube ich nicht, dass sich dies sobald ändern wird. Man kann einen Bungalow für 100-150 NZD pro Woche bekommen. Vielleicht fragt Ihr aber auch rum, ob nicht jemand Lust hat, Euch kostengünstig in sein Haus aufzunehmen. Dann habt Ihr natürlich auch direkten Kontakt zur Bevölkerung… Tipp: Je weiter Inlands, desto mehr Mücken.
Klima Rarotonga – Blick aufs Meer |
| Tropisch. Ich war in unserem Winter da. Das entspricht der dortigen Regenzeit. Ich hatte einen einzigen Tag einen wolkenlosen Himmel. Es gab richtig kräftige Wetterumschwünge. Mal prasselnder Regen, dann wieder gellende Hitze bei hoher Luftfeuchtigkeit. Ab und zu drei, vier Tage Regen hintereinander. Dann wieder eine Woche lang nur vereinzelt Wolken und Sonne. Kaum aus der Dusche, fühlte ich mich wieder klebrig. Aber ich fand das sehr toll: In den Nachrichten im Internet las ich immer von den Schneemassen in Deutschland und mir wurde warm ums Herz…
Der Sommer ist wohl eher trocken und wohl so zwischen 22 und 27 Grad warm. Keine oder kaum Mücken. Außerdem wachsen Passionsfrüchte eher um diese Zeit – und Passionsfrüchte, glaubt es mir, sind phantastisch.
Regenzeit bedeutet auch Mückenzeit. Da geht es auch richtig zur Sache. Unbedingt Moskitonetz mitnehmen. Es gibt billige grobmaschige und teure feinmaschige Netze evtl. mit Mückengift imprägniert. Ich glaube schon, dass es günstig war, ein Feinmaschiges zu kaufen. Ich habe eins für 30 € zum Sonderpreis bekommen. Normalerweise hätte es 50-60 € gekostet. Die Grobmaschigen liegen so um die 5-10 €. Ob die Imprägnierung etwas getaugt hat, wage ich zu bezweifeln: Die Mücken fanden es unheimlich spektakulär, auf meinem Netz `rumzuhopsen…
Sicherheitsaspekte vor OrtMückenstiche: Nervig, juckt und schwillt u. U. böse an. Die Einheimischen werden kaum gestochen. Aber es kann auch das Dengue Fieber übertragen werden, das alle fürchten. Im Jahre 2001 gab es eine Epidemie, seitdem hatte ich von keinem weiteren Fall gehört. Selbst von der Epidemie ist kein Todesfall bekannt.
Hunde: Auf Rarotonga leben wilde Hunde. Die greifen nicht an, sie kommen nur auf einen zu und wollen was zu futtern. Ja, ja die Touristen sind es schuld – die Einheimischen verjagen die Hunde oder behalten hin und wieder einen als Haustier. Dementsprechend ängstlich sind die Tiere und hauen schnell ab, wenn man ein wenig aggressiver auftritt. Aber wenn man mit dem Moped um die Insel düst, kann es passieren, dass ein Hund plötzlich aus dem Gebüsch springt und in die Speichen rennen will - warum auch immer - oder dass es sich ein paar schlecht sichtbare Artgenossen mitten auf der Straße bequem machen und sich einen feuchten Kehricht scheren, ob sie nun überfahren werden. Man fährt natürlich ohne Helm…
Fischvergiftung: Man isst keinen Fisch, der innerhalb der Lagune gefangen wurde, da er durch Algen vergiftet sein könnte. Ich habe üble Vergiftungen gesehen. Mit den Symptomen hat man ein halbes Jahr und länger zu kämpfen. Parästhesien, Krämpfe, Kopfschmerzen, Übelkeit – alles, was man nicht haben will. Der Fisch außerhalb der Lagune ist sehr lecker und unproblematisch. Vielleicht findet Ihr jemanden, der Euch mal mit zum Harpunenfischen über das Riff mit hinausnimmt.
Steinfische in der Lagune: Die haben es wohl in sich. Sie verstecken sich im Sand und man sieht sie nicht im Wasser. Ihr fieser Stachel injiziert ein Gift und dringt angeblich selbst durch leichte Surfschuhe. Das tut in allererster Linie höllisch weh. Im schlimmsten Falle kann man wohl eine Nekrose bis zur Amputation bekommen. Im Krankenhaus ist ein Amputationsfall aber nicht bekannt. Surfschuhe mit Sohleneinlage war meine Lösung des Problems.
Betrunkene Verkehrsteilnehmer: Vorsicht vor allem in der Nacht. Ich habe von mehreren Leuten gehört, die ihr Auto um den Baum gewickelt haben oder im schlimmsten Falle sich selber oder andere Unschuldige umgebracht haben.
Linksverkehr: sehr verwirrend am Anfang. Ansonsten ist das Fahren nicht so schwierig. Es gibt einen Kreisverkehr und ich kann mich nicht erinnern, eine Ampel gesehen zu haben.
Diebstahl: Die Rarotonganer sind ein liebes Volk. Vermutlich eines der liebsten Völker. Aber es gibt selbstverständlich auch hier schwarze Schafe. Kein Mord, kein Raub, nur Diebstahl. Und das möglichst bei Touristen, denn man will ja nicht, dass irgendein Freund die Uhr der Schwester seines Freundes wieder erkennt…
Das klingt alles schlimm und erschreckend. Ich hatte mir anfangs Sorgen gemacht, ob ich Deutschland je wieder sehen werde. Ist es aber gar nicht. Rarotonga ist eigentlich das Paradies auf Erden und außerdem ein touristischer Ort – wenn man aber die ein oder andere Sache bedenkt, kann man sich Ärger ersparen.
Rarotonga Lecker Essen auf Rarotonga |
| Die Rarotonganer sind ein unglaublich liebenswertes Völkchen. Ich habe dort vermutlich die nettesten Menschen kennen gelernt, die ich jemals getroffen habe. Ich war in vielen Häusern willkommen und wurde häufig eingeladen, dieses oder jenes zu sehen. Mit wildfremden Menschen bin ich leicht ins Gespräch gekommen, um über die verschiedensten Dinge zu plaudern.
Das Christentum spielt eine sehr große Rolle. Mir fallen auf Anhieb fünf verschiedene Konfessionen ein, die auf diesem kleinen Inselchen vorhanden sind. Sämtliche sind christlich, davon stammen die meisten von den Protestanten ab. In einigen Kirchen gleicht der Gottesdienst mehr einem faszinierenden Spektakel, bei dem klangvolle und rhythmische Lieder gesungen werden und gar getanzt wird. Bei vielen Kirchen gibt es nach dem Gottesdienst Nahrung für alle. Es wird Essen auf großen Tischen aufgebahrt, das verschiedene Familien mitgebracht haben und man kann die Esskultur von Rarotonga erleben: Baumfrüchte, Wurzeln, Passionsfrüchte, Sternfrüchte, Melonen, Kokosnüsse, Kuchen, Fische, Fleisch, Bananen…
Faszinierend sind die Farbenspiele, die Natur im Inland und im Wasser. Es sind kräftige, vielfältige Farben, die das Auge täglich beglücken. Die Wolken im Zusammenspiel mit der Sonne als Kontrast zu den unterschiedlichen Grüntönen der üppigen Flora und den hellen Sandstränden liefern atemberaubende Farben. Beim Schnorcheln fühlt man sich als ein Teil von „findet Nemo“, wenn man die Fische in den verschiedensten Farben und Formen im Korallenwald besucht.
Die Insel klappert man am komfortabelsten mit einer Vespa ab. Dies kostet aber auch wiederum nicht wenig Geld. 10-15 NZD/Tag plus Benzinkosten. Man braucht einen Führerschein für 10 NZD, den man bei der Polizei bekommt. Ich habe meinen alten rosafarbenen deutschen Lappen vorgezeigt. Viele Infos konnte die dortige Dame nicht daraus gewinnen. Trotzdem hat sie mir den Führerschein ohne Probleme ausgestellt. Als Alternative bieten sich Fahrradverleih und per Anhalter Fahren an. Vorteil von Letzterem, neben dem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis, ist, dass man sich schnell in Gespräche verwickeln kann, wo man evtl. wertvolle Informationen erhält. Es gibt auch zwei Busse, die im und gegen den Uhrzeigersinn um die Insel brausen und immer da anhalten, wo man gerade steht.
FazitEs war eine unglaubliche, im Nachhinein schon fast unwirkliche Zeit, die ich auf der anderen Seite der Welt durchlebt habe. Einen Monat danach kommt mir die Reise wie ein weit entfernter Traum vor.
Wertvoll war für mich insbesondere, dass ich eine vollkommen andere unkomplizierte Art zu leben kennen gelernt habe. Dieses bezieht sich sowohl auf das Medizinische wie auch auf das Private. Sicherlich habe ich auch durch diesen Auslandsaufenthalt meine Persönlichkeit weiterentwickelt, denn man gewinnt z.B. neues Selbstvertrauen, wenn man plötzlich in einer anderen Sprache und mit mehr Befugnissen Medizin betreibt.
Viele neue Menschen von allen möglichen Ländern, so z.B. von den Cook Islands, Australien, Neuseeland, Schweiz, Birma, USA, Kanada, England, habe ich getroffen, mit denen ich auch in Zukunft in Kontakt bleiben möchte. Ich bin zutiefst dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Auf meine Fragen, die mir durch den Kopf gegangen sind, habe ich viele Antworten gefunden. Aber auch zwei Monate reichen sicherlich nicht aus, um den 100prozentigen Überblick zu gewinnen.
A., C.
Köln, Juni 2006 |