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Notfallmedizin, Manning Base Hospital, Taree, Australien
(Meine wohl bisher lehrreichste Famulatur, 14.05. - 14.06.2004)

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Motivation
Vorbereitung
Arbeit am Krankenhaus
Unterkunft
Taree und das Manning Valley
Fazit

Motivation

Da ich bereits zum Ende des 5. klinischen Semesters alle erforderlichen Praktika absolviert hatte, machte ich mir Gedanken, wie ich das folgende Semester neben Doktorarbeit, Famulaturen und Lernen abwechslungsreicher gestalten könne. Schnell hatte ich die Idee, eine Famulatur in einem fernen Land zu machen, um so auch medizinische Erfahrungen im Ausland zu sammeln.

Nach Internetrecherchen und zahlreichen Gesprächen mit Studenten, die bereits im Ausland famuliert hatten, fiel meine Entscheidung auf Australien, das neben seiner faszinierenden Natur und seiner zuvorkommenden Bevölkerung auch sehr für seinen freundlichen und lehrreichen Umgang mit Medizinstudenten gepriesen wurde.

Australien hatte zudem den Vorteil, meine Kenntnisse in „Medical English“ weiter auszubauen.

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Vorbereitung

Von einem Freund von mir erhielt ich die Adresse vom Leiter des „Emergency Department“ am Manning Base Hospital. Da er selbst dort vor einigen Jahren famuliert hatte, konnte er mir aus erster Hand berichten, was man als deutscher Famulant zu erwarten hat. Neben einer freundlichen Atmosphäre berichtete er mir von zahlreichen wertvollen medizinischen Erfahrungen und der großen Akzeptanz seiner Arbeit vor Ort.

Da dies genau meine Erwartungen traf, bewarb ich mich ca. ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Termin um eine Famulatur bei dem Leiter der genannten Abteilung. Die Tatsache, dass ich bereits einen Tag später eine persönliche Zusage von ihm hatte, bestätigte mir den persönlichen und netten Umgang am Manning Base Hospital. Als weitere Dokumente benötigte er nur einen Dean´s Letter.

Zudem schrieb ich Krankenhäuser in den Blue Mountains - leider bekam ich davon gar keine Antwort - und in Canberra an. Aus Canberra erhielt ich ziemlich bald einen Bewerbungsbogen, jedoch war die Gebühr für eine vierwöchige Famulatur wie in den meisten australischen Großstädten 500 $ (ca. 300 €). Die Adressen dieser Häuser hatte ich aus dem Internet.

Nachdem ich eine Zusage aus „Taree“ hatte, entschloss ich mich, zunächst mit meiner Freundin sechs Wochen Urlaub in Australien zu machen. Auf jeden Fall sollte man eine Famulatur in Australien mit mindestens sechs Wochen - ich hätte gerne noch mehr Zeit gehabt! - Urlaub verbinden, da das Land wirklich eine Menge Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Im Nachhinein würde ich empfehlen, erst die Famulatur und dann Urlaub zu machen, denn mir ist die Umstellung von Urlaub auf Famulatur ziemlich schwer gefallen.

Unseren Flug buchten wir ca. ein halbes Jahr vor Abflug und entschieden uns dabei für einen sog. Gabelflug (d.h. Ankunftsort nicht gleich Abflugsort) in Kombination mit zwei Inlandsflügen. Diese Kombination ist bei „Qantas“ am günstigsten (ca. 1.200 €), ansonsten kommt man wohl mit anderen Airlines (z. B. „Singapur Airlines“) billiger weg. Andere Reisebestandteile buchten wir teils aus Deutschland (Tour im „Kakadu NP“, Tauchkurs in „Cairns“, Sydney Pass, Camper) oder direkt vor Ort („Kangaroo Island“, „Fraser Island“). Einige Sachen wie Tauchkurse und Mietautos sind günstiger, wenn man sie bereits aus Europa bucht.

Als deutschsprachigen Reiseführer hatten wir das „Australien Reisehandbuch“ (Steffen Albrecht) aus Iwanowski`s Reisebuchverlag, das bis auf wenige Ausnahmen sehr verlässlich war und den großen Vorteil hat, dass es nach Routen (klassische/große Australien-Rundreise) aufgebaut ist und somit ideal für einen Australien-Urlaub im Camper. Des Weiteren hatten wir natürlich den „Lonely Planet Australia“, der immer sehr verlässliche Infos liefert, allerdings nicht ganz so übersichtlich aufgebaut ist.

Nach Rücksprache mit dem Leiter des Emergency Department hatte ich mich entschlossen, mit einem Touristenvisum einzureisen, da ich mich weder an eine Uni einschreiben musste, noch irgendeine Bezahlung bekam. Es waren auch keine besonderen Impfungen oder ärztlichen Untersuchungen nötig. (Anm.d.Red.: In jedem Fall sollte man gezielt beim jeweiligen Krankenhaus nachfragen, ob ein spezielles Visum erforderlich ist und sich auch im Vorfeld bei der Botschaft nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen.)

Bereits ein Semester zuvor hatte ich an der Universität einen Medical English Kurs besucht, was sehr empfehlenswert ist, da man so schon vor der Famulatur viele der Spezialausdrücke kennt. Eine gute Hilfe war auch „Medical English“ aus dem Thieme Verlag, das sich allerdings sehr am amerikanischen System orientiert, was man v.a. im Kapitel „Abkürzungen“ merkt, in dem ich oft vergeblich nach einer verwendeten Abkürzung gesucht habe.

Aus Platzspargründen - Qantas erlaubt nur 20kg pro Person, was für sechs Wochen Urlaub ziemlich wenig ist! - habe ich kurz vor meiner Abreise ein 5kg-Paket mit Stoffhosen, Hemden, Stethoskop, Bücher etc. nach Taree geschickt. Kosten: ca. 25.- €, Dauer: ca. 2 Wochen.

Zudem hatte ich eine Auslandkrankenversicherung und eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen.

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Arbeit am Krankenhaus

Das Manning Base Hospital ist ein Lehrkrankenhaus der University of Sydney und verfügt über ca. 200 Betten in den Abteilungen Anästhesie, Innere, Chirurgie, Radiologie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie, Pathologie, Mental Health sowie einer Notaufnahme, die 24 Stunden besetzt ist und ein Gebiet mit ca. 75.000 Menschen versorgt. Während der Famulatur hat man die Möglichkeit auch mal in andere Abteilungen hineinzuschnuppern, wie z.B. OPs von Patienten zu verfolgen, die in der Notaufnahme aufgenommen wurden.

Die Arbeit in der Notaufnahme war sehr interessant, da hier ein weites Spektrum an Patienten akutversorgt wird. Neben den zahlreichen Patienten, die an „shortness of breath“ leiden, habe ich auch viele dislozierte Gelenke, gebrochene Knochen, Schnitt- und Platzwunden, Autounfälle, urologische und gynäkologische Notfälle u.v.m. gesehen.

Je nach Dringlichkeit werden die Patienten in fünf Gruppen aufgeteilt, wobei Gruppe eins ein absoluter Notfall ist und Gruppe fünf nicht länger als zwei Stunden warten sollte. Die Patienten kommen dabei entweder selbst in die Notaufnahme oder per Notarztwagen, dann erfolgt zunächst die Anamnese und körperliche Untersuchung, bevor weitere Schritte wie Röntgenaufnahmen, EKG, Blutentnahmen usw. angeordnet werden. Nachdem eine Diagnose gestellt wurde, wird der Patient entweder auf eine der Stationen im Haus verlegt oder wieder nach Hause geschickt.

Die Ärzte waren, wie die meisten Australier, sehr nett, haben viel erklärt und ließen mich auch Sachen wie Nähen, Fäden ziehen, Blasenkatheter legen usw. unter ihrer Anleitung selbst machen. Zudem durfte ich natürlich auch Anamnesen erheben, Untersuchungen durchführen, Blut abnehmen und Kanülen legen.

Das Ärzteteam besteht aus einem leitendem Arzt, einem älterem Assistenzarzt und insgesamt vier Ärzten in der Weiterbildung („residents“), von denen sich je zwei wöchentlich abwechselten. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, vielen Ärzten über die Schulter zu schauen und von allen wertvolle Tipps zu bekommen. Einmal wöchentlich findet im Krankenhaus eine sog. „Grand Round“ statt, in der aktuelle Neuerungen in der Medizin oder besonders knifflige Fälle vorgestellt werden. Dazu gibt es Frühstück umsonst.

Insgesamt habe ich eine recht stressfreie Arbeitsatmosphäre erlebt, so dass immer Zeit blieb für Fragen oder ein Gespräch über einen besonders interessanten Patienten, ein EKG oder ein Röntgenbild. Die Ärzte der Notaufnahme werten diese nämlich alle selbst aus. Die Arbeitszeiten durfte ich flexibel gestalten, was einem die Möglichkeit gibt, auch mal an einem Abend oder in der Nacht da zu sein, um dann am nächsten Morgen auszuschlafen und etwas später zu kommen.

Die Kleidungsvorschriften sind nicht ganz so streng wie in England, allerdings tragen die meisten Ärzte Stoffhosen, Hemd mit Kragen und Lederschuhe. Ich selbst hatte meist eine Kordhose, ein Hemd und braune Lederturnschuhe an. Es gibt aber auch residents, die in Jeans und Turnschuhen rumlaufen. Ein weiterer positiver Aspekt am Krankenhaus war die freie Nutzung des Internets, so kann man sowohl im Emergency Department in einer ruhigen Minute mal die aktuellen News lesen als auch 24 Stunden sieben Tage die Woche in der Bibliothek surfen und Mails schreiben.

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Unterkunft

Ein Grund, der meine Entscheidung auf Taree fielen ließ, war das Angebot einer Unterkunft in Krankenhausnähe für 110 $ pro Woche. Die Unterkunft lag ca. fünf Gehminuten vom Krankenhaus entfernt und hatte alles zu bieten, was man so braucht. Neben einer groß Küche zum selber kochen, gab es eine Waschmaschine, Bügeleisen/-brett, Fernseher und Video sowie Garten und Garage. Zudem gab es ein Telefon mit dem Ortsgespräche umsonst waren und auf dem man natürlich angerufen werden konnte. Telefonate von Deutschland nach Australien sind inzwischen ziemlich billig (ca. 2,5 Cent).

Allerdings hatte ich wohl Glück mit meinem Famulaturzeitraum und das Krankenhaus kann Famuli aus dem Ausland nicht immer eine Unterkunft stellen. Sollte dies der Fall sein, wird es teuer, da Taree über keine Jugendherberge oder Backpacker-Hostels verfügt, so dass dann nur ein teures Hotel in Frage kommt.

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Taree und das Manning Valley

Taree liegt an der Ostküste Australiens, ca. 300 km nördlich von Sydney am Manning River und ca. 15 km vor dessen Mündung in den Pazifik. Die Anreise von Sydney nach Taree erfolgt am billigsten per Zug (ca. 30 $ für Studenten) und kann problemlos einige Tage vorher in Sydney gebucht werden.

Die Stadt hat ca. 20.000 Einwohner und verfügt über alles, was man zum Leben braucht, wie mehrere große Einkaufszentren, „Pizza Hut“, „Subway“ und sonstige Fast Food Ketten. Allerdings hält es sich mit den Sehenswürdigkeiten sehr in Grenzen, sieht man von ein paar schönen Parks am „Manning River“ und dem „Big Oyster“ ab, einer überdimensionalen Auster, die allerdings als Touristenmagnet versagt hat und jetzt als Autohaus verwendet wird.

Das „Manning Valley“ ist mit seinem Hinterland und zahlreichen Stränden hingegen wunderschön, nur muss man dazu die Möglichkeit haben, herum zu kommen. Ich habe dieses Problem gelöst, indem ich mir in der ersten Woche ein gebrauchtes Rad gekauft habe, mit dem ich u.a. zum Meer und in einen nahen Nationalpark geradelt bin. Für ein weiteres Wochenende habe ich mir von „Hertz“ ein Auto ausgeliehen (ca. 150 $). Damit bin ich in weitere Nationalparks des Hinterlands, wie z.B. die „Ellenborough Falls“ (200 m hohe Wasserfälle) und weiter entfernte Strände gefahren. Zudem gibt es lokale Busse in die Umgebung, wie z. B. nach „Forster“, der nächst größeren Küstenstadt. Insgesamt bietet das Manning Valley eine Reihe toller Sehenswürdigkeiten, die mit etwas Organisation eine abwechslungsreiche Wochenendgestaltung ermöglichen.

Sowohl Australien als auch Taree habe ich als sehr sicher erlebt, auch wenn ich in Taree des Öfteren davor gewarnt wurde, nachts alleine durch die Stadt zu gehen. Allerdings bin ich nie in eine gefährliche Situation geraten.

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Fazit

Meine Famulatur am Manning Base Hospital war wohl meine bisher lehrreichste, da ich neben den vielen medizinischen Erfahrungen auch ein anderes System kennen gelernt habe und meine Kenntnisse in Englisch verbessern konnte.

Land und Leute in Australien sind mit Sicherheit eine Reise wert, so dass ich jedem empfehlen kann, Urlaub und Famulatur in Australien zu machen.

Der Nachteil meiner Famulatur war, dass ich für vier Wochen mehr oder weniger in einer Kleinstadt gefangen war und so mancher Abend bei schlechtem Fernsehprogramm - was leider in Australien nicht so selten ist - ziemlich trist verlief. Es ist also durchaus anzuraten, den einen oder anderen Dollar zu investieren, um in einer Stadt unterzukommen, in der mehr los ist.

Das Manning Base Hospital hat aber auf jeden Fall den Vorteil, dass man wohl auch recht kurzfristig einen Famulaturplatz bekommen kann, was in den Großstädten in der Regel nicht der Fall ist.

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S., B.
Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Heidelberg, Juni 2004

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