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Gynäkologie / Geburtshilfe, Katutura State Hospital, Windhoek, Namibia
(Ein großer Schritt in meiner Entwicklung, fachlich und menschlich, 27.02. - 22.03.2006)

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Auf einer Urlaubsreise im Jahr 2002 entdeckte ich meine Liebe zu Namibia. Für mich stand jedoch fest, dass ich diese Auslandfamulatur nicht allein machen wollte. Kurz entschlossen, begleitete mich eine Freundin und Kommilitonin - unser "Abenteuer Afrika" begann.

Motivation
Vorbereitung & Bewerbung
Das Krankenhaus
Ankunft und Unterkunft
Arbeit im Krankenhaus
Windhoek
Sicherheitsaspekte
Fazit

Motivation


Wüstentour-Weg nach Swakopmund
Nachdem ich meine erste Famulatur in einem kleinen Krankenhaus in der Nähe von Berlin absolviert und auch sonst während des Studiums viel Zeit in Berliner Krankenhäusern verbracht hatte, z.B. im Rahmen meiner Blockpraktika, war es an der Zeit, meinen Horizont zu erweitern.

Da ich bereits im Jahr 2002 auf einer Urlaubsreise meine Liebe zu Namibia entdeckt hatte, war die Idee schnell entstanden, dort eine Famulatur zu machen. Während meines damaligen Aufenthalts hatte ich auch das Katutura State Hospital besucht, da ein Freund dort auf der Intensivstation lag. Im Juni 2005 lernte ich während meines Gynäkologie-Blockpraktikums in Köpenick eine junge Assistenzärztin kennen, die eine Famulatur im Katutura State Hospital in Windhoek absolviert hatte. Von ihr bekam ich genaue Informationen über die Arbeit im Krankenhaus, die Unterkunft, mögliche Risiken, aber auch zu damaligen Partys mit anderen Austauschstudenten und viele praktische Tipps.

Für mich stand jedoch fest, dass ich diese Auslandfamulatur nicht allein machen wollte. Kurz entschlossen, begleitete mich eine Freundin und Kommilitonin.

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Vorbereitung & Bewerbung

Im September wendeten wir uns an die Kontaktadresse, die ich von der Assistenzärztin aus Köpenick/Berlin bekommen hatte. Zunächst schickten wir unsere Bewerbung mit der Post, hatten jedoch bis Mitte November keine Antwort. Also begannen wir mit einer Internetrecherche nach Emailadressen von Ärzten aus dem Krankenhaus. Eine haben wir auch gefunden, diese Ärztin arbeitete zwar schon eine Weile nicht mehr dort, war jedoch so freundlich, unsere per Email übermittelte Bewerbung weiterzuleiten.

In diesem ganzen Durcheinander haben wir unsere Bewerbungen dann auch noch einmal per Fax an das Krankenhaus geschickt, bis wir letztendlich unsere Zusage kurz vor Weihnachten per Fax erhielten und überglücklich waren. Das Problem war, dass wir unseren Flug aus Preisgründen schon im Oktober gebucht hatten und natürlich entsprechend nervös auf eine Zusage warteten.

Das Fax mit der Zusage enthielt Informationen über unsere gewählte Fachrichtung (Gynäkologie und Geburtshilfe), Preise für Unterkunft im Schwesternwohnheim (250 N$ pro Monat) und den Hinweis, dass wir uns selbst zu verpflegen und zu versichern hätten.

Was das Visum betrifft, haben wir lange hin- und herüberlegt, ob wir ein Visum beantragen. Nach Rücksprache mit unserer Ärztin aus Köpenick, die uns berichtete, dass sie sich damals um ein Visum gekümmerte hatte, es jedoch zeitlich zu knapp wurde und sie letztendlich ohne Visum auskam, entschieden wir uns dagegen. Wir wurden kein einziges Mal nach einem Visum befragt, lediglich vor der Landung in Windhoek mussten wir im Flugzeug einen Zettel ausfüllen mit Grund des Besuches usw. Dort haben wir angegeben, wir würden Freunde besuchen und wären noch unsicher, was die Unterkunft anginge. (Anm.d.Red.: Um in jedem Fall auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig nach den aktuellen Einreisebestimmungen bei der jeweiligen Botschaft des entsprechenden Landes erkundigen.)

(Anm.d.Red.: Dringend notwendig! Was Impfungen und Prophylaxe in afrikanischen Ländern betrifft, sollten unbedingt und vor allem auch rechtzeitig aktuelle Auskünfte und Empfehlungen bei einem tropenmedizinischen Institut (siehe ganz unten auf dieser Seite: "Auslands-Check") eingeholt werden. Zusätzliche Infos zum jeweiligen Land bieten ferner die medizinischen Hinweise des Auswärtigen Amtes, siehe hier: "Auswärtiges Amt - Infos".)

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Das Krankenhaus

Das Katutura State Hospital ist, wie der Name schon sagt, ein staatliches Krankenhaus. Die weiße Bevölkerung Windhoek’s besucht fast ausschließlich die privaten Kliniken. Wir wurden der „Maternity Unit“ zugeteilt. Hierbei handelte es sich um die Schwangeren- Station mit Kreißsaal und angeschlossener Wöchnerinnenstation.

Es gab 10 Zimmer für die Gebärenden mit je zwei Liegen, drei Kreißsäle und einen OP.

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Ankunft und Unterkunft


Unsere Unterkunft im Schwesternwohnheim
Wir kamen an einem Sonntag in Windhoek an, fuhren direkt ins Krankenhaus und fanden auch gleich den Weg zum Nurses Home, dem Schwesternwohnheim. Leider war niemand über unsere Ankunft informiert und die „Housemother“ des Wohnheims riet uns, am Montag zurückzukommen. Also stiegen wir etwas verwirrt und ratlos wieder ins Taxi, welches freundlicher Weise gewartet hatte und fuhren ins nächstgelegene „Backpackers“. Dort war leider nur die „Honeymoonsuite“ frei und so verbrachten wir die erste Nacht in einem süßen Holzhäuschen mit großem Doppelbett und leckerem Frühstück.

Gegen 9.00 Uhr am nächsten Morgen fuhren wir wieder nach Katutura, bekamen diesmal auch zwei Einzelzimmer und machten uns auf den Weg zu Dr. Gariseb, dem Head of Department. Von seiner Sekretärin wurden wir informiert, dass er außer Haus sei, mit der Bitte, am nächsten Morgen wiederzukommen.

Also haben wir die Zeit genutzt, uns häuslich einzurichten. Als erstes haben wir ein Bett in das zweite Zimmer getragen und sind zusammengezogen, allein wäre uns das doch zu unheimlich gewesen. Das Zimmer war vielleicht 15qm groß mit einem Schrank, Waschbecken und kleinem Balkon, der von außen alle Zimmer einer Etage miteinander verband. Die Betten waren komplett aus Metall mit einer durchgelegenen Matratze und einem Kissen. Decken und Bettwäsche haben wir von unserer Housemother bekommen.

Es handelte sich um ein neunstöckiges Haus, wobei unsere Zimmer auf der 7. Etage lagen. Vom Dach des Wohnheimes, welches man über eine Leiter erreichte, hatte man einen tollen Blick über Katutura und die Umgebung von Windhoek. Später sollte dies ein Platz für uns werden, wo wir uns mit Freunden trafen, gemeinsam den Sonnenuntergang genossen oder uns an manch freiem Tag ungestört sonnen konnten.

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Arbeit im Krankenhaus

An unserem ersten Tag auf der „Maternity Unit“ wurden wir von allen sehr freundlich aufgenommen. Man hatte uns einer jungen Assistenzärztin zugeteilt, die uns sofort alles erklärte und in ihre Tätigkeiten einbezog. Wir begannen mit der Morgenrunde, bei der jede Patientin untersucht, besprochen und gegebenenfalls ein Ultraschall veranlasst wurde. Hinzu kam immer ein Ober- oder Chefarzt. Danach fanden die Runden auf der Wöchnerinnenstation statt und hier wurde jede Frau untersucht und über ihre Entlassung entschieden.

Die Arbeit des restlichen Tages bestand aus Kaiserschnitten, Geburten und der Arbeit in der Poliklinik. Hier fanden Voruntersuchungen und Beratungen statt. Wichtig zu erwähnen ist, dass uns während der gesamten Famulatur freigestellt war, was und wie viel wir tun wollten.

Morgens bestand die Möglichkeit, die „Interns“ beim Blutabnehmen zu unterstützen. Zu jeder Zeit konnten wir den Hebammen beim CTG- Anlegen und der vaginalen Untersuchung der Schwangeren helfen und dies dokumentieren. Die Hebammen ermutigten uns dazu, mit ihrer Unterstützung selbständig Schwangere zu entbinden. Als wir für die erste Geburt in Schürzen bereit standen, stellte sich heraus, dass es sich um eine Steißgeburt bei einer Primigravida handelte. So wurde nichts aus unserem ersten Versuch. Weitere Geburten folgten jedoch, bei denen wir gemeinsam mit der Assistenzärztin die Frauen entbunden.

Im OP durften wir bei Kaiserschnitten assistieren, natürlich hatten hier die „Interns“ Vorrang. Die uns zugeteilte Assistenzärztin war so zuvorkommend und fragte die Schwangeren bei den Morgenrunden oder bei Aufnahme, ob wir unter ihrer Anleitung die Ultraschalluntersuchungen vornehmen dürften. Also lernten wir das Herz aufzusuchen, die Fruchtwassermenge, die Lage der Plazenta und die Maße der Feten zu bestimmen.

Zusammenfassend hatten wir die Möglichkeit, sehr viel selbst zu machen. Sicher liegt es an einem selbst, wie viel man sich zutraut oder welche praktischen Fähigkeiten man bereits besitzt.

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Windhoek

In unseren Nebenzimmern wohnten zwei deutsche PJ- Studentinnen. Eine von ihnen hatte einen Freund in Windhoek. Mit den beiden und ihren Freunden sind wir einige Male abends ausgegangen. Das war sehr praktisch, da beide sich in Windhoek auskannten und ein Auto besaßen.

Schnell haben wir auch selbst Freunde in Windhoek gefunden, mit denen wir viel unternahmen, die uns zu sich einluden oder die wir zum Hockeytraining und Hockeyspielen begleiteten.

Die junge Ärztin der Schwangerenstation lud uns in der letzten Woche zu einem traditionellen Abendessen ein. Sie hatte extra für uns bei ihren Eltern gekocht, da ihr „Doctor’s flat“ nur zwei Kochplatten besaß. Wir verbrachten einen wunderbaren Abend mit tollem Essen, interessanten Gesprächen und luden sie ein, uns einmal in Berlin zu besuchen.

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Sicherheitsaspekte

Wir haben uns während des ganzen Aufenthalts nie unsicher gefühlt. Natürlich ist es schon merkwürdig, in einen Supermarkt zu kommen und von allen Seiten beobachtet zu werden, weil man zu den wenigen Weißen in Katutura gehört. Jedoch gewöhnt man sich schnell daran. Von unserer Housemother wurden wir am ersten Tag mit ins Zentrum von Katutura genommen. Sie zeigte uns die Supermärkte und hat uns auch ein wenig die Scheu genommen. Zu Beginn haben wir unsere Einkäufe mit Bargeld bezahlt, fanden es jedoch später praktischer, mit einer Kreditkarte zu bezahlen.

Mit dem Taxi kommt man von Katutura für 15 N$ in die Innenstadt. Uns wurde geraten, abends nur Funktaxis zu benutzen, wir sind jedoch immer mit den „normalen Taxis“ gefahren, welche man auf der Straße überall anhalten kann. Vielleicht sollte man sich auf den ersten Blick das Auto kurz ansehen, ob es noch fahrtüchtig erscheint, denn manchmal hatten wir Angst, das Auto würde sogleich auseinander fallen.

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Fazit


Freiheit auf dem Dach des Schwesternwohnheims
Die Arbeit auf der Geburtsstation hat uns sehr gut gefallen. Wir haben viel gelernt, vor allem mit wenigen Mitteln auszukommen und uns auf unsere Instinkte zu verlassen. Uns wurde immer angeboten bei allen Untersuchungen und Operationen dabei zu sein, solange es genug OP-Kleidung gab. Außerdem durften wir die Schwangeren und ihre Neugeborenen untersuchen.

Man sollte für sich selbst entscheiden, ob man sich dem Risiko, sich mit HIV zu infizieren, immer und überall im Sinne der Ausbildung aussetzen will und muss. Wir haben im Krankenhaus kein Blut abgenommen und auch eher selten bei Operationen assistiert, sondern zugeschaut. Dies lag sicher aber auch daran, dass wir in Berlin schon oft bei gynäkologischen Operationen und Kaiserschnitten assistiert hatten.

Namibia ist ein sehr gastfreundliches Land. Besonders wenn man dort arbeitet und nicht als Tourist unterwegs ist, bringen einem die „Locals“ sehr viel Interesse und Hochachtung entgegen. Auf der zweiwöchigen Tour, die wir nach der Famulatur gemacht haben, kamen wir oft mit Einheimischen ins Gespräch. Sie folgten unseren Berichten aus dem Katutura State Hopsital mit Interesse und nahmen uns gastfreundlich bei sich auf.

Diese Famulatur in Namibia bedeutete einen großen Schritt für mich in meiner Entwicklung, sowohl fachlich als auch menschlich. Ich kann jedem/jeder eine Famulatur im Ausland empfehlen, für mich werden weitere folgen.

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K., J.
Berlin, Oktober 2006
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