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Namibia - überwältigende Landschaft, ein Zusammentreffen der unterschiedlichsten Kulturen und Völker. Es sollte ein Einblick in eine vollkommen andere medizinische Arbeitsweise und Struktur werden, aber auch ein Einblick, der einem hilft, die Medizin im eigenen Land aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Warum gerade Namibia?
Bewerbung und erste Vorbereitungen
Unvorstellbar große Entfernungen
Das Krankenhaus
Meine Famulatur
Ein Fazit
Warum gerade Namibia? Fish River Canyon |
| Vom 1. -30. September 2006 habe ich zusammen mit zwei Kommilitonen eine Famulatur im Oshakati State Hospital in Namibia absolviert.
Namibia faszinierte mich aufgrund der überwältigenden Landschaft, aber auch aufgrund der leidvollen Geschichte, die es mit Deutschland als ehemaliges Kolonialland verbindet. In Namibia treffen die unterschiedlichsten Kulturen und Völker, wie die „San“, „Damara“ oder „Nama“ zusammen und diese versuchen nach langem Kampf gegen die Abhängigkeit von Südafrika eine gemeinsame friedvolle Zukunft zu gestalten.
Natürlich war ich auch neugierig, medizinische Möglichkeiten in einem unterwickelten Land kennen zu lernen, das geprägt ist von einer sehr niedrigen Lebenserwartung und dem lange totgeschwiegenen Thema Aids, das große Teile der Bevölkerung betrifft und für das Land auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine Tragödie darstellt.
Bewerbung und erste VorbereitungenCa. ein Jahr vor Reiseantritt bewarb ich mich mit einem Kommilitonen auf dem Postweg. Da wir lange Zeit vergeblich auf Antwort gewartet hatten, versuchten wir das Krankenhaus telefonisch zu kontaktieren. Uns wurde dann auch gleich nach dem Telefonat eine Zusage per Fax geschickt.
Um die Famulatur ableisten zu können, wird eine Studiengebühr von 2.000 Namibischen Dollar, umgerechnet ca. 230 Euro, verlangt. Außerdem muss man die Miete für das auf dem Klinikgelände befindliche doctor’s flat, einem 3-Zimmer- Appartement (ca. 40 Euro) bezahlen. In Namibia kann man problemlos am Bankautomaten Geld abheben, sowohl mit Kredit- als auch mit EC-Karte. Da der Namibische Dollar 1:1 an den südafrikanischen Rand gekoppelt ist, kann mit beiden Währungen bezahlt werden.
Man sollte vor Reiseantritt die Regelimpfungen wie Polio, Diphterie und Tetanus auffrischen lassen, sowie sich gegen Typhus, Meningokokken und Hepatitis schützen.
Da sich das Krankenhaus im Norden des Landes in einem Malariarisikogebiet befindet habe ich mich auch für eine Malariaprophylaxe entschieden (Lariam), obwohl zur Zeit meines Aufenthaltes die Gefahr sehr gering war, da die Hauptmalariazeit in der Regenzeit zwischen Januar bis April liegt. (Anm.d.Red.: Dringend notwendig! Was Impfungen und Prophylaxe in afrikanischen Ländern betrifft, sollten unbedingt und vor allem auch rechtzeitig aktuelle Auskünfte und Empfehlungen bei einem tropenmedizinischen Institut (siehe ganz unten auf dieser Seite: "Auslands-Check") eingeholt werden. Zusätzliche Infos zum jeweiligen Land bieten ferner die medizinischen Hinweise des Auswärtigen Amtes, siehe hier: "Auswärtiges Amt - Infos".)
Vor Antritt der Famulatur habe ich mich um eine Studienerlaubnis bemüht, habe auch eine Zusage der namibischen Botschaft in Berlin erhalten, das endgültige Visum aus Windhoek, der Hauptstadt Namibias, jedoch nie bekommen. Leider ist die Bürokratie in Namibia sehr unfortschrittlich und zeichnet sich durch eine so unvorstellbare Ruhe und Gelassenheit aus, so dass man wohl besser auf das Visum verzichtet, da es im Krankenhaus auch niemanden interessiert hat. Man kann als Tourist nach Namibia für 50 Tage einreisen, ohne ein Aufenthaltsvisum beantragen zu müssen, so dass ich diesen Weg eindeutig bevorzugen würde. (Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich auf jeden Fall bei der Botschaft des entsprechenden Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen.)
Unvorstellbar große Entfernungen Im Etosha National Park |
| Wir sind mit „Southafrican Airways“ über Johannesburg nach Windhoek und von dort mit der „Air Namibia“ nach „Ondangwa“ geflogen (Flug Windhoek – Ondangwa ca. 150 Euro), einem kleinen Ort, der 30 km von „Oshakati“ entfernt liegt. Eine billigere Alternative findet man in den Minibussen, die jeden Tagen von „Katutura“, einem Slumviertel in Windhoek, starten, sobald sie voll besetzt sind! (ca. 15 Euro).
Vor der Famulatur nutzten wir zwei Wochen, um den Süden des Landes mit einem Mietwagen zu erkunden. Die Entfernungen in Namibia sind unvorstellbar groß und man muss viele Schotterpisten bewältigen, um großartige Landschaftseindrücke wie den berühmten Köcherbaumwald, die „Namib-Wüste“ oder auch den „Fish River Canyon“ zu bekommen. Nach der Famulatur blieben uns noch wenige Tage Zeit, um auch die reiche Tierwelt Namibias wie Löwen, Antilopen, Kudus und Elefanten im „Etosha National Park“ zu bestaunen.
Das Krankenhaus Krankenhausgebäude |
| Das Oshakati State Hospital hat nach Windhoek das zweitgrößte Krankenhaus des Landes mit ca. 800 Betten und liegt im so genannten „Ovamboland“, im Norden Namibias an der Grenze zu Angola.
Die bantusprachigen „Ovambo“ haben sich im Laufe der Jahre zur stärksten Bevölkerungsgruppe Namibias entwickelt und stellen die größte Einwohnerzahl. Die mit einer hohen Mehrheit regierende „SWAPO“ hat dort Ihren Ursprung und so sehen sich die „Ovambo“ als Urheber der Unabhängigkeit Namibias und Sprecher der schwarzen Bevölkerung. Die Landschaft des Ovambolands ist sehr flach und es handelt sich um das am dichtesten besiedelte Gebiet des Landes.
Direktor der Klinik ist ein aus Nigeria stammender Arzt, an den man sich bei Bewerbungen wenden sollte. Im Krankenhaus sind vorwiegend Kubaner und Russen sowie Ukrainer beschäftigt, so dass die Atmosphäre im Krankenhaus eher untypisch für Afrika ist, da die ausländischen Ärzte ihre medizinischen Kenntnisse und Arbeitsweisen mitbringen und natürlich auch ihre Mentalität und somit dem Krankenhaus ein sehr buntes Bild verschaffen, was ich in gewisser Hinsicht sehr aufregend fand.
Meine Famulatur Gynäkologie - Kreißsaal |
| Ich war vorwiegend in der Gynäkologie und in der Geburtshilfe beschäftigt. Im „delivery room“ (Kreißsaal) war ich immer willkommen und die namibischen „Student nurses“ (Krankenschwester in der Ausbildung) waren immer bereit, mir Untersuchungstechniken wie die Auskultation der fetalen Herztöne oder das Nähen einer Episiotomie zu zeigen. Man kann im Krankenhaus sehr ungezwungen arbeiten und auch die Türen der anderen Fachrichtungen stehen einem als Famulant immer offen. So konnte ich auch intubieren oder in der Dermatologie – Ambulanz („Outpatient Department“) selbständig Patienten betreuen und behandeln. Gerade in der Dermatologie konnte ich sehr viel über Krankheiten lernen, die man bei uns sehr selten oder nie zu Gesicht bekommt, wie Lepra, Kaposi Sarkom, Syphilis oder Skabies (Krätze).
Morgens konnte ich in der Gynäkologie die Visite begleiten und im „Theatre“ (Operationssaal) als 1. Assistenz den zuständigen Arzt bei Kaiserschnitten und Hysterektomien unterstützen. Interessanter und beeindruckender Höhepunkt war die Geburt siamesischer Zwillinge, die dann nach Südafrika verlegt wurden, da die medizinischen Möglichkeiten in „Oshakati“ nicht ausreichten, um die Säuglinge zu retten.
Im Gegensatz zu Erfahrungen bei Famulaturen in Deutschland sind die Ärzte im Oshakati State Hospital im Umgang mit Studenten viel freundlicher und betrachten den Famulanten als Kollegen, der ihnen die Arbeit erleichtern kann. Mit vielen kubanischen Ärzten trafen wir uns auch nach der Arbeit in unseren Appartements oder in Pubs zum Kartenspielen oder gemütlichen Zusammensein.
Der Tagesablauf im Krankenhaus ist sehr flexibel und vor allem pausenreich. Morgens beginnt der Arbeitstag um 8.00 Uhr mit der Morgenbesprechung und der Visite auf Station. Von 10.00 bis 11.00 Uhr ist „tea time“ und von 11.00 bis 13.00 Uhr steht die Arbeit in der Ambulanz an. Von 13.00 bis 14.00 Uhr kann man Mittagessen. Da es im Krankenhaus keine Cafeteria oder ähnliches für die Verpflegung des Personals gibt, muss man sich das Mittagessen selbst zubereiten. Man findet jedoch direkt neben dem Krankenhausgelände einen kleinen Supermarkt.
Von 14.00 bis 17.00 Uhr arbeitet man dann wieder im „Outpatient department“, der Ambulanz. Leider fielen die Pausen zu Lasten der Patienten doch erheblich länger aus und selbst wenn um 17.00 Uhr die Wartehallen vor den Behandlungsräumen gefüllt waren, wurde der Arbeitstag beendet. Viele Einheimische waren so gezwungen, die Nacht in den Wartehallen zu verbringen, da eine zusätzliche Fahrt mit den Sammeltaxis - ca. 1 Euro pro Fahrt in und um „Oshakati“ - zu teuer gewesen wäre.
Auch die Kommunikation zwischen Arzt und Patient findet unter erschwerten Bedingungen statt, da die Patienten in den meisten Fällen kein Englisch sprechen und die ausländischen Ärzte die Stammessprachen nicht beherrschen. Als Vermittler muss bei jedem Gespräch eine Schwester anwesend sein, wobei jedoch viele Informationen verloren gehen, gerade auch weil viele ausländischen Ärzte Probleme mit der englischen Sprache haben.
Die Ausstattung des Krankenhauses sowohl an Medikamenten, als auch an Geräten ist verhältnismäßig gut, die hygienischen Verhältnisse sind dagegen miserabel. Vor allem an Kakerlaken als Mitbewohner in Brutkästen und Patientenzimmern muss man sich gewöhnen. Auf jeder Station befinden sich Säle, in denen bis zu 20 Patienten Platz finden. Da die Schwestern sich auf medizinische Aufgaben, wie Blutabnahme oder Nähen beschränken, mangelt es auch an der Hygiene der Patienten, die in dieser Hinsicht auf sich allein gestellt sind. Aus diesen Gründen treten vor allem nach Operationen Komplikationen wie Wundheilungsstörungen und Infektionen auf.
An den zwischenzeitlichen Ausfall von Strom und Wasser konnte man sich schnell gewöhnen. Auch musste ich lernen, dass der Umgang mit Leben und Tod dort ein ganz anderer ist als in fortschrittlicheren Ländern, da der Tod aufgrund der vielen Aidserkrankungen zum Alltag gehört. Aids beherrscht dort alle Fachbereiche und stellt ein riesiges Problem dar, das sich trotz Aufklärungskampagnen durch die ganze Bevölkerung zieht. Perfektionismus in der Krankenversorgung findet man dort selten, Notfälle werden viel gelassener angegangen und das Schicksal wird mit Ruhe akzeptiert. Trotz der schwierigen Bedingungen im Land versuchen die Ärzte eine praktisch orientierte Medizin zu gestalten und sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren und erzielen damit doch erstaunlich gute Ergebnisse.
Ein FazitDer Aufenthalt war vor allem in menschlicher Hinsicht eine Bereicherung und Herausforderung und ich konnte viele offene, herzliche Menschen kennen lernen, wofür ich sehr dankbar bin.
Gleichzeitig habe ich einen Einblick in eine vollkommen andere medizinische Arbeitsweise und Struktur bekommen, der einem hilft, auch die Medizin im eigenen Land aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
F., J. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Mainz, Dezember 2006
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