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Innere Medizin, Tawfiq Hospital und Malindi District Hospital, Malindi, Kenia
(Voll von neuen Eindrücken und Erfahrungen, 01. - 31.03.2005)

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Warum gerade nach Kenia?
Vorbereitungen
Die Famulatur
„Mobile Sprechstunde“
Land und Leute
Fazit

Warum gerade nach Kenia?

Nach einer erlebnisreichen Famulatur in Neuseeland im Frühjahr 2004 war ich hoch motiviert, auch für weitere Famulaturen ins Ausland zu gehen. In Neuseeland hatte ich zwar ein anderes, aber doch sehr westlich geprägtes Leben und Gesundheitssystem kennen gelernt, und so reizte es mich, auch einmal eine vollkommen unterschiedliche Kultur wie die eines afrikanischen Landes zu entdecken. Auch wenn ich noch nie zuvor in Afrika gewesen war, hatten mich Berichte darüber immer fasziniert.

Bei einem Stethosglobe- Vortrag erfuhr ich von der Arbeit der Medizinischen DirektHilfe (MDH) in Afrika e.V. Dieser gemeinnützige Verein unterstützt in Zusammenarbeit mit dem „Tawfiq Hospital“ in Malindi verschiedene medizinische Projekte in Kenia. Als Vereinsmitglied kann man sich bei der MDH um einen Praktikumsplatz im Tawfiq Hospital bewerben. Informationen über die Arbeit des Vereins und die Mitgliedschaft gibt es unter dem angegebenen Link bei Weiterführenden Links.

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Vorbereitungen

Vollständiger Impfschutz und Malariaprophylaxe sind wichtig. Zusätzlich zu den auch für Deutschland empfohlenen Impfungen wie Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis B habe ich mich gegen Gelbfieber, Typhus, Hepatitis A und Meningokokken impfen lassen.

Die medikamentöse Malariaprophylaxe ist für Malindi unbedingt ratsam. Sie kann wahlweise mit Lariam, Malarone oder Doxycyclin durchgeführt werden. Dabei sprechen Kosten, Nebenwirkungen und Einnahmezeiten mal für das eine, mal für das andere Medikament. Die Entscheidung sollte also individuell getroffen werden. Abgesehen davon sollte man immer ein Moskitonetz und wirksame Repellentien dabeihaben.

AIDS hat eine hohe Praevalenz und eine mögliche Exposition ist ein potentielles Problem. Sich von vornherein sämtliche Mittel zur Postexpositionsprophylaxe zu besorgen, ist ziemlich kostenaufwendig. Einige Universitäts-Apotheken stellen Studenten wohl gegen ein Pfand PEP-Sets zur Verfügung. Da dies bei mir nicht möglich war, habe ich mich darauf beschränkt, mich ausführlich über die angeratenen Maßnahmen zu informieren.

Ein Visum für Kenia erhält man für 50 US-Dollar bei Einreise oder evtl. auch vorher schon günstiger bei der kenianischen Botschaft in Berlin. Für den Flug von Düsseldorf nach Mombasa habe ich 762 € bezahlt. Auch an eine Auslandskrankenversicherung sollte man denken und sich ggf. über Reisestipendien informieren.

In Malindi gibt es einen Geldautomaten, an dem man mit der EC-Karte Geld abheben kann, was ca. 3 € Gebühren kostet und somit günstiger ist als mit einer Kreditkarte. Außerdem kann man in Wechselstuben Euro oder US-Dollar in Kenianische Schilling umtauschen. Die Lebenshaltungskosten sind wesentlich niedriger als bei uns. Für weniger als einen Euro wird man satt, allerdings kann man auch viel Geld für Souvenirs und touristische Aktivitäten ausgeben, denn die Preise dafür sind entsprechend höher, aber immer verhandelbar.

Als Praktikant wird man im Tawfiq Hospital kostenlos in einem Einzelzimmer untergebracht. Für den 120 km langen Transfer vom Flughafen Mombasa arrangiert das Krankenhaus ein Auto mit Fahrer und die Kosten dafür betragen etwa 35 € pro Fahrt.

Als Lektüre sind der „Lonely Planet Kenya“ und der „Kauderwelsch Band Kisuaheli Wort für Wort“ empfehlenswert. Zum Nachlesen von medizinischen Dingen ist ein Lehrbuch der Tropenmedizin nützlich, zum Beispiel das „Oxford Handbook of Tropical Medicine“. Sonstige Bücher können die Zeit nach Sonnenuntergang verkürzen - bei Stromausfall liest man mit Taschenlampe und Kerzen weiter.

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Die Famulatur


Im Malindi District Hospital
Ich war mir nicht sicher, auf meine Reise ausreichend vorbereitet zu sein, und kurz vor der Landung in Mombasa war mir unbegreiflich, wie ich überhaupt jemals auf die Idee gekommen sein konnte, eine Famulatur in Kenia zu machen. Aber dann war ich auch schon da, wurde von Ahmed, dem Krankenhausmanager, am Flughafen in Mombasa abgeholt. Das, was ich auf der Fahrt aus dem klimatisierten Wagen heraus sah, wirkte noch ein bisschen wie ein Film, aber nahm mich sofort gefangen. Die rote Erde, die Lehmhütten mit ihren Palmendächern und die vielen Menschen: es war eine ganz andere Welt. Im Tawfiq Hospital wurde mir mein Zimmer gezeigt und ich lernte gleich einen Teil der Belegschaft kennen sowie zwei andere deutsche Famulantinnen.

Im stationären Teil des Tawfiq Hospital gibt es etwa 20 Betten für internistische, pädiatrische und gynäkologische Patienten. Im ambulanten Teil findet die allgemeinmedizinische Sprechstunde statt, mit einem Schwerpunkt auf Infektions- und Augenkrankheiten. An zwei Tagen pro Woche ist Dr. Kitito, ein Zahnarzt, im Tawfiq Hospital.

Für uns Famuli gab es einen Wochenplan, nach dem wir abwechselnd in den verschiedenen Bereichen des Krankenhauses eingesetzt wurden: In der ambulanten Sprechstunde bei Dr. Kombo, im Labor des Krankenhauses (u.a. Malariadiagnose), beim Zahnarzt, in der Mutter-Kind-Vorsorge oder auf der Station. Wenn eine Operation oder eine Geburt stattfand, wurde uns Bescheid gesagt, so dass wir auch daran teilnehmen konnten. Die Arbeit begann morgens um 8.00 Uhr, von 12.30 bis 14.00 Uhr war Mittagspause und etwa gegen 17.00 Uhr Feierabend.

Der medizinische Standard ist deutlich niedriger als in Deutschland, aber die Ärzte und Krankenschwestern bemühen sich, auch mit einfachen Mitteln gute Ergebnisse zu erzielen. Die klinische Diagnose ist meist wichtiger, als aufwendige technische Untersuchungen.

Ich habe während der Famulatur viele verschiedene und bei uns eher seltene Krankheitsbilder in zum Teil weit fortgeschrittenen Stadien gesehen, z.B. Malaria, Typhus, Bilharziose, AIDS, Tuberkulose, neonatalen Tetanus, Burkitt-Lymphom, Kaposi-Sarkom, Mangelernährung, Krätze und Krokodilbiss.

Dies allein waren schon wertvolle Erfahrungen, ich fand es aber auch spannend, kleine Eingriffe unter Anleitung durchzuführen, wie z.B. Wunden zu nähen und Abszesse zu spalten. Inwieweit einem dies erlaubt und zugetraut wird, hängt stark von einem selbst ab. Wenn man Bereitschaft dazu signalisiert, wird es einem gerne überlassen. Ebenso kann man sich aber auch aufs Zuschauen beschränken.

Die „Community Health Worker“ (CHW) der MDH versorgen arme und kranke Menschen in ihren Hütten. An einem Tag pro Woche begleitete ich die Community Health Worker. Das war immer sehr interessant und gewährte mir noch einmal ganz andere Einblicke.

Als Teil meiner Rotation verbrachte ich Zeit im staatlich geführten Malindi District Hospital. Es gibt sehr viele Patienten, die auf engem Raum untergebracht sind und oft nur ungenügend versorgt werden können. Die Möglichkeit zu lernen ist sehr groß.

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„Mobile Sprechstunde“


„Mobile Sprechstunde“ der MDH
Außerdem fand während meines Aufenthaltes eine von der MDH gesponserte „Mobile Sprechstunde“ statt, bei der wir in einem Dorf bei Malindi an einem Tag mehr als 800 Patienten kostenlos versorgten. Eigentlich werden diese Sprechstunden eher in weit abgelegenen Gegenden durchgeführt, in denen die Menschen z. T. gar keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, aber dadurch, dass die Regenzeit schon begonnen hatte und die Strassen nicht mehr befahrbar waren, war es uns nicht möglich, in solch eine Gegend zu gelangen.

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Land und Leute


Blick vom Dach des Tawfiq Hospitals
Mit europäischen Städten ist Malindi nicht zu vergleichen. Alles ist voller Menschen, und überall gibt es Geschäfte und Stände, an denen irgendetwas verkauft wird, auch wenn es nur fünf Bananen sind. Als Weißer fällt man immer auf, und da weiße Haut für Afrikaner auch Reichtum bedeutet, wird man oft angesprochen, ob man etwas kaufen möchte.

Die Touristen in Malindi sind meist Italiener. Es gibt eine Menge Souvenirläden, italienische Restaurants, falls man mal keine Lust mehr auf „Swahili Dishes“ hat, und einige Internetcafés.

Um von einem Ort zum anderen zu kommen, kann man entweder auf einem gepolsterten Fahrradgepäckträger mitfahren, oder eines der vielen dreirädrigen „Tuktuks“ nehmen. Richtige Taxis sind vergleichsweise teuer. Für den Transport zwischen den Städten gibt es Minibusse, die „Matatus“ heißen. In denen sitzt man meist dicht gedrängt, und egal wie voll es schon ist, wird noch jeder mitgenommen, der am Straßenrand wartet.

Dafür, dass ich vor meiner Reise zwischenzeitlich glaubte, mich in Kenia überhaupt nicht frei bewegen zu können, habe ich doch eine Menge vom Land und den Menschen kennen gelernt. Es ist natürlich nicht ungefährlich, aber wenn man sich an gewisse Regeln hält, ist trotzdem vieles möglich. Ich habe viel mit den anderen Famulantinnen und Kenianern gemeinsam unternommen, darauf geachtet, mich nicht allein in gefährliche Gegenden zu begeben und bei Sonnenuntergang wieder im Krankenhaus zu sein. So konnte ich ein Wochenende in dem Dorf „Kokotoni“ verbringen, wo sich die Gesundheitsstation der MDH befindet und einige Community Health Worker außerhalb von Malindi besuchen.

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Fazit

Die Reise nach Kenia war für mich voll von neuen Eindrücken und Erfahrungen, die sich in einem Bericht wie diesem gar nicht alle zusammenfassen lassen. Vieles, was dort selbstverständlich ist, kann man sich aus europäischer Sicht gar nicht vorstellen. Trotzdem hat mich die afrikanische Lebensart fasziniert, und vor allem durch die ausgesprochene Freundlichkeit der Menschen fühlte ich mich immer gut aufgehoben.

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J., A.
Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Greifswald, September 2005

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