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Es sollte unbedingt eine Famulatur an einem französischen Krankenhaus sein. Meine Wahl fiel auf Nîmes und damit auf eine wunderschöne Gegend im Süden Frankreichs. Wie sich herausstellen sollte, war dies genau die richtige Entscheidung. Und dies galt in besonderem Maße auch für das ausgewählte Hôpital Universitaire und das von mir gewählte Fachgebiet. Motivation und Ziele der Famulatur
Bewerbung und Vorbereitung
Wohnen in Nîmes
Meine Arbeit auf Station
Die Stadt Nîmes und ihre Umgebung
Fazit
Motivation und Ziele der Famulatur Le Grau du Roi - Mittelmeer |
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Ich wollte, nachdem ich bereits mehrere Famulaturen in Deutschland absolviert hatte, gerne auch noch mal ins Ausland gehen, um etwas Neues zu sehen. Hierbei hatte sich für mich besonders Frankreich angeboten, da ich zu Frankreich schon immer eine besondere Affinität empfunden habe und das Land als auch die Sprache u.a. aus diversen Schüleraustauschen und privaten Reisen her kenne. Ich kannte bisher noch nicht den Süden Frankreichs, den ich aber schon immer mal hatte besuchen wollen, weswegen ich unbedingt die Chance, dort eine Famulatur zu machen, nutzen wollte.
Generell erwartete ich mir von meiner Auslandsfamulatur:
- den Alltag auf Station aus Sicht der französischen Ärzte und Studenten kennenzulernen (Visite, Arztbriefe schreiben, Patientenbetreuung, Befundbeurteilung, die Hierarchie, den Ablauf im Dienst);
- vor allem die Ausbildung der französischen Studenten im Krankenhaus und die Unterschiede zu Deutschland zu erleben;
- den Ausbau praktischer Tätigkeiten (z.B. Punktionen), da in Frankreich vieles in Studentenhand liegt;
- die wichtigsten internistischen Krankheitsbilder zu sehen sowie deren Diagnostik und Therapie in Frankreich, im Unterschied zu Deutschland, kennenzulernen;
- die französische Art zu leben, zu wohnen und zu arbeiten im Rahmen der Arbeit zu erfahren;
- und natürlich den wunderschönen Süden Frankreichs zu erkunden.
Ich hatte mich also nach einem Ort im Süden Frankreichs umgesehen, an dem es die Möglichkeit gibt, eine Famulatur in der Inneren Medizin zu machen und der gleichzeitig eine interessante Umgebung bietet.
Auf diese Art und Weise bin ich aus dem hohen Norden (Lübeck), wo ich studiere, in der wunderschönen kleinen Stadt Nîmes gelandet.
Bewerbung und Vorbereitung Blick auf Nîmes |
| Ich hatte mich ca. ein Jahr im Voraus nach den verschiedenen Krankenhäusern und Universitäten im Süden Frankreichs erkundigt und hatte zunächst endlose Telefonate mit den Sekretärinnen der Fakultäten geführt. Leider konnte mir keine so genau sagen, was ich für eine Bewerbung um einen Famulaturplatz tun sollte, außer dass ich mich einschreiben müsse. Diese Regelung gilt allerdings erst ab zwei Monaten oder mehr und ich wollte ja nur einen Monat machen.
In Nîmes hatte ich mehr Glück und mir wurde der Name des Chefarztes („Chef de Service“) der Inneren Medizin am Universitätsklinikum gesagt (Prof. Jourdan). Seitdem weiß ich, dass man sich für eine Famulatur direkt an den Chefarzt des jeweiligen „Service“, also des Fachgebietes, wenden muss und auf keinen Fall seine Bewerbung über das Auslandsbüro laufen lassen sollte.
Ich hatte mir in unserem Studiendekanat einen sogenannten „Letter of Recommodation“ und ein „Transcript of Records“ besorgt sowie eine Bewerbung mit Lebenslauf an den Chefarzt geschickt. Man bewirbt sich für ein „Stage comme Externe“ und muss unbedingt das Jahr, in dem man studiert, angeben - Semester sagen den Franzosen nicht so viel. Innerhalb von einem Monat habe ich eine Zusage bekommen und musste dann nur noch der Fakultät mitteilen, dass ich mich nicht einschreiben wolle und mit einer Bescheinigung des Krankenhauses - und nicht der Universität - zufrieden sei.
Nach Nîmes bin ich mit dem Flugzeug gereist und zwar von Hamburg aus zuerst nach Marseille und habe dann von dort aus den Zug nach Nîmes genommen, der etwa eineinhalb Stunden braucht.
Zur Vorbereitung auf meinen Aufenthalt hatte ich mir von „Elsevier“ die Bücher "Französisch für Mediziner" besorgt und damit schon vorher fleißig Vokabeln und typische Redewendungen im Krankenhaus geübt.
Wohnen in Nîmes  Willkommen in Nîmes |
| Ich hatte mich dann im März um eine Wohnung gekümmert, wobei ich im Internet auf die „Résidence Monjardin“ gestoßen bin. Dabei handelt es sich um ein „Foyer de Jeunes Travailleurs“, also eine Unterkunft für junge Leute, die noch zur Schule gehen oder gerade erst anfangen zu arbeiten. Dort konnte ich mir für den Monat August ein Zimmer mit Dusche und Halbpension für 470.- EUR mieten. Im August sind nämlich die Studentenwohnheime an der Universität geschlossen, die sonst deutlich billiger wären. Die „Résidence“ liegt direkt am Stadtkern, sodass man innerhalb von zwei Minuten in der Innenstadt ist, wo im Sommer immer noch abends was los ist.
Die Busfahrkarte ist für Studenten sehr günstig. Man bezahlt für die Monatskarte 10.- EUR, wenn man eine Bescheinigung, dass man in Nîmes wohnt, und seinen Studentenausweis - am besten einen Internationalen - vorlegt. Mit dem Bus fährt man ca. 20 Minuten bis zum Krankenhaus. Der Bahnhof ist übrigens nur etwa einen halben Kilometer von der „Résidence“ entfernt.
Meine Arbeit auf Station Centre Hospitalier Universitaire Nîmes |
| Die Arbeit auf Station beginnt um 9.00 Uhr. Dann werden kurz die Neuzugänge der Nacht angesehen und es findet eine Übergabe mit den Krankenschwestern statt. In Frankreich gibt es deutlich Unterschiede in der Arbeitsverteilung. So gibt es nicht nur Krankenschwestern, sondern auch „Aides Soignants“, also Pflegehelfer, die die gesamte Pflege übernehmen, sodass den Krankenschwestern viel mehr Zeit für die "medizinischen" Tätigkeiten bleibt. Sie nehmen z.B. das Blut ab, legen Zugänge, machen einfache diagnostische Tests usw.
Außerdem arbeiten in Frankreich die Studenten ab dem 3. Jahr im Krankenhaus mit, wofür sie auch bezahlt werden („Externes“). In den höheren Jahren haben sie ihre eigenen Patienten, ich hatte auch bereits am zweiten Tag meine eigenen, für die sie alle anfallenden Arbeiten übernehmen. Dazu gehört die Aufnahme auf Station, die tägliche Visite mit Untersuchung, das Führen der Krankenakte (ganz wichtig!), das Anmelden von Untersuchungen, das Führen von Telefonaten mit der Pathologie, dem Hausarzt usw., das Ausstellen von Rezepten, das Schreiben des Entlassungsbriefes und Gespräche mit Angehörigen. Zusätzlich sind die Studenten für Punktionen (Aszites-/Pleura-) und für arterielle Blutabnahmen zuständig.
Während der morgendlichen Visite versucht jeder Student, vorher seine Patienten gesehen zu haben, sodass dann mit den Assistenz- („Internes“) und Oberärzten („chef de clinique, medecin“) die Medikamente und das weitere Vorgehen besprochen werden können.
In der Inneren Medizin gab es, während ich dort war, zwei Assistenzärzte, zwei Ärzte, einen „Chef d'unité“ und vier Studenten. Die Atmosphäre war äußerst angenehm und sehr entspannt. Obwohl ich das Gegenteil erwartet hatte, war die Hierarchie deutlich weniger ausgeprägt als in Deutschland und der Umgang viel lockerer, vielleicht weil die Studenten gleichberechtigt mitarbeiten.
Normalerweise sind die Studenten nur halbtags auf Station und haben nachmittags Vorlesung, nur im Sommer sind sie ganztags da. Feierabend hatten wir ganz grob zwischen 17.00 Uhr und 19.00 Uhr, wobei die Mittagspause auch immer eineinhalb bis zwei Stunden lang war. Es wird halt sehr viel Wert auf das Essen gelegt. Als nichtbezahlter Student darf man eigentlich nicht in der Kantine essen, weil man fürs Bezahlen eine Karte benötigt und man diese nur in Zusammenhang mit einem Gehalt erhält. Die Assistenzärzte erhalten allerdings das Essen bezahlt, sodass sie mich einladen konnten. Nachmittags wurden, wenn keine weiteren Neuzugänge da waren, noch Briefe geschrieben bzw. vorbereitet oder die Patienten nochmals visitiert.
Durch die angenehme Arbeitsatmosphäre und das aktive Eingreifen ins Tagesgeschehen hat mir die Arbeit sehr viel Spaß gemacht!
Die Stadt Nîmes und ihre Umgebung Montpellier – Place de la Comédie |
| Nîmes ist eine sehr geschichtsträchtige Stadt römischen Ursprungs. Die Stadt liegt zwischen sieben Hügeln, was die Gegend für die Römer seinerzeit attraktiv gemacht hatte. Dem Stadtkern sieht man die römische Prägung auch heute noch an und außerdem erinnern einige berühmte Gebäude an das römische Zeitalter. Die „Arena“ ist das am besten erhaltene Amphitheater der Welt und ist im Stil des römischen Colosseum gebaut. Die „Arena“ wird auch heute noch für Stierkämpfe und Konzerte genutzt.
Das „Maison Carré“ erinnert an den Athene-Tempel und ist ebenfalls noch ein sehr gut erhaltenes Zeugnis römischer Kultur. Der „Jardin de la Fontaine“ mit dem „Tour Magne“ sind weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt. Vom „Tour Magne“ aus hat man einen weiten Blick über die Stadt. Der „Pont du Gard“, das berühmte Aquädukt der Römer, verläuft nicht weit entfernt von Nîmes und ist beeindruckend. Das Wahrzeichen Nîmes' ist das Krokodil mit einer Palme, was an den Sieg der Römer über die Ägypter erinnern soll.
Insgesamt ist Nîmes eine eher kleine Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern und einem boomenden Tourismus. Im Sommer findet jeden Donnerstag ein Stadtfest, der "Jeudi de Nîmes", statt, das viele Touristen anzieht. Nîmes gehört zu den wärmsten Städten im Süden Frankreichs und auch nachts sind im August die Temperaturen noch 25 °C und wärmer, sodass man, wenn man mag, die ganze Nacht draußen im Café sitzen kann.
Die Umgebung ist ebenfalls unbedingt sehenswert. In Montpellier, der nächst größeren Stadt, tobt das Leben, da es eine richtige Studentenstadt und somit voller junger Leute ist. Avignon ist sehr berühmt und das nicht ohne Grund: es ist eine wunderschöne Stadt. Nîmes liegt in der Provence und angrenzend an die „Camargue“, sodass man, bei Gelegenheit, ganz verschiedenartige Landschaften bewundern kann: Einerseits die Lavendelfelder der Provence und andererseits die wilde Sumpflandschaft mit den Pferden der „Camargue“.
Mit dem Zug ist man nur ca. eine Stunde vom Mittelmeer entfernt, sodass dies auch zum absoluten Wochenend-Pflichtprogramm gehört.
Nîmes ist eine wunderschöne Stadt mit einem beeindruckenden, typisch südlichen Flair!
Fazit Nîmes - eine wunderschöne Stadt mit typisch südlichem Flair |
| Ich bin total glücklich über meine Entscheidung, in Nîmes eine Famulatur absolviert zu haben.
Ich habe im Krankenhaus und in der atemberaubenden Gegend eine unvergessliche Zeit verbracht und bin mir sicher, dass ich zumindest zum Urlaub machen, noch einmal dorthin zurückkehren werde!
T., M.
Lübeck, September 2009 |