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Innere Medizin, Tauranga Hospital, Tauranga, Neuseeland
(Ganz anderes Gesundheitssystem von innen kennengelernt, 17.05. - 20.06.2004)

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Motivation
Vorbereitung
Tauranga Hospital
Arbeit im Krankenhaus
Unterkunft
Finanzen
Land und Leute
Literaturempfehlung
Fazit

Motivation

Einen Teil meines Studiums im Ausland zu verbringen, hatte ich eigentlich schon immer vor und eine Famulatur bot sich dafür sehr gut an. Warum ich mich gerade für Neuseeland entschieden habe, hatte mehrere Gründe. Zum einen ist Englisch gerade in der Medizin eine sehr wichtige Sprache und ich wollte besonders mein Fachenglisch aufbessern. Zum anderen hatte ich in der elften Klasse schon ein High School Year in Neuseeland verbracht und hatte nun im Rahmen dieses Aufenthaltes die Gelegenheit, alte Kontakte aufzufrischen und die einmalige Landschaft und Natur Neuseelands genauer zu entdecken.

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Vorbereitung

Da der DFA für eine Famulatur außerhalb Europas mindestens vier klinische Semester vorschreibt, sich für mich wegen der neuen Organisation des klinischen Abschnitts hier an der Universität Greifswald aber nur die Zeit nach dem 6. Semester anbot, war mir früh klar, dass ich die Famulatur privat würde organisieren müssen.

Etwa ein dreiviertel Jahr vorher fing ich an, mich zu informieren und habe per E-Mail mehrere Krankenhäuser angeschrieben. Die Adressen hatte ich mir über das Internet gesucht und ich habe mich dann an verschiedene Personalabteilungen gewandt. Während ich von einigen Krankenhäusern gar keine Antwort bekam und von einigen auch Absagen, bekam ich vom Tauranga Hospital in „Tauranga“ recht bald eine Zusage. Auf dem Postweg musste ich noch einen Lebenslauf und ein Empfehlungsschreiben der Universität nachreichen. Außerdem wurde ein Impfnachweis für Hepatitis B, Mumps, Masern, Röteln und Poli und ein MRSA-Test verlangt.

Wer als Tourist für weniger als drei Monate nach Neuseeland reist, braucht kein Visum. Ein Famulant soll nach Auskunft der neuseeländischen Botschaft in Berlin allerdings ein „Work Visa“ beantragen. Da die Krankenhausverwaltung selber sagte, ein Touristen- oder Studentenvisum würde reichen und es auch gar nicht sehen wollte, muss jeder selber entscheiden, ob es ihm wert ist, die Gebühren - etwa 53.- Euro - für das „Work Visa“ zu zahlen.

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Tauranga Hospital

Tauranga liegt in der „Bay of Plenty“, etwa 200km südöstlich von Auckland. Besonders in den Sommermonaten ist es eine sehr beliebte Urlaubsregion und äußerst beliebt sowohl bei Surfern als auch als Rentnerwohnsitz. Nicht nur deshalb ist es die am schnellsten wachsende Stadt Neuseelands.

Das Krankenhaus ist mit etwa 350 Betten eines der größeren in Neuseeland und in den Bereichen Pädiatrie und Gynäkologie auch offizielles Lehrkrankenhaus der Universität Auckland. Deswegen ist es in diesen Bereichen besonders schwer, einen Famulaturplatz zu bekommen. Ansonsten gibt es noch die Bereiche Chirurgie, Innere Medizin, Orthopädie, Urologie, Anästhesie, Psychiatrie und eine Notaufnahme.

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Arbeit im Krankenhaus

ie Innere Medizin ist in fünf Teams unterteilt, die jeweils aus einem „Consultant“, einem „Registrar“ und zwei „House Officers“ bestehen. Die Consultants haben zwar alle ein Spezialgebiet, derjenige in meinem Team war Gastroenterologe, aber das Team hat Patienten mit allen inneren Krankheiten zu betreuen bzw. zu behandeln.

Mein Arbeitstag begann morgens um 8.00 Uhr mit der Visite. Je nach Patientenzahl dauerte diese zwischen eineinhalb und vier Stunden. Jeden Dienstag war mein Team zuständig für sämtliche internistische Aufnahmen und betreute die aufgenommenen Patienten auch weiter bis zur Entlassung. Die Patienten eines Teams liegen nicht wie bei uns alle auf einer Station, sondern sind über die verschiedenen Etagen verteilt, deswegen bedeutet die Visite viel Lauferei. Die Ärzte meines Teams waren sehr freundlich und, wenn genügend Zeit war, auch sehr bemüht, mir etwas beizubringen und Fragen zu beantworten.

In Neuseeland laufen alle körperlichen Untersuchungen, wie auch in England, nach einem festen System ab. Nachdem es mir einmal gezeigt wurde, habe ich es bei den Visiten mehrfach an Patienten durchgeführt und musste dann berichten, was mir aufgefallen ist. Da neuseeländische Studenten auch nach dieser Methode abgeprüft werden, wurde das Verfahren recht ernst genommen und war sehr lehrreich.

Obwohl sie im Krankenhaus sehr oft ausländische Famuli haben, hat nie jemand einen genervten Eindruck gemacht. Im Gegenteil, alle haben mir vermittelt, dass ich sehr willkommen sei.

Jeden Montag hatte der Consultant meines Teams Ambulanzsprechstunde, so genannte „Clinics“, in denen „Outpatients“ betreut wurden. Der Consultant meines Teams war offen und freundlich und hat mir während dieser Sprechstunden viel erklärt. In Neuseeland gibt es kaum niedergelassene Spezialisten und deren Aufgabe übernehmen eben diese Clinics. So kamen zu diesen Sprechstunden Patienten mit meist ausschließlich gastroenterologischen Problemen.

Dreimal die Woche gab es zur Mittagszeit krankenhausinterne Fortbildungsveranstaltungen, zu denen teilweise mit kostenlosen Sandwiches gelockt wurde und in denen auch ich als Famulantin gerne gesehen war. Im Allgemeinen war die Atmosphäre sehr locker, es gab keine ausgeprägte Hierarchie und meine Famulatur lief unter dem Motto: „Alles kann, nichts muss!“ Typische Aufgaben der Famuli wie Blutabnehmen und Zugänge legen, wurden dort von den Schwestern erledigt, aber als ich äußerte, ich wolle gerne zum Üben ein paar Zugänge legen, war dies auch kein Problem. Außerdem konnte ich jederzeit bei Endoskopien oder anderen diagnostischen Verfahren zusehen und teilweise auch assistieren. Trotzdem war ich an kaum einem Tag tatsächlich bis 16.00 Uhr im Krankenhaus und wenn ich einen Tag frei nehmen wollte, um das Wochenende besser nutzen zu können, war dies ebenfalls möglich.

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Unterkunft

Gewohnt habe ich im „Jacaranda House“, einem ehemaligen Schwesternwohnheim direkt auf dem Klinikumsgelände. Für 110.- NZ$ die Woche hatte ich ein eigenes möbliertes Zimmer mit Gemeinschaftsbad, -küche und „common room“ mit Fernseher. Im Bad stand eine kostenlose Waschmaschine. Da in dem Haus auch andere Medizinstudenten aus Neuseeland und England wohnten, war es sehr leicht, Anschluss zu finden und wir haben in der Freizeit viel gemeinsam unternommen. Die direkte Krankenhausnähe ist sehr von Vorteil.

Hintern dem Haus befinden sich zwei Tennisplätze und ein kleiner Swimming Pool. Außerdem gibt es ein Fitnessstudio für alle Angestellten des Krankenhauses. Für nur 2,50 NZ$ die Woche kann man dieses jederzeit benutzen.

Das Krankenhausgelände liegt etwa 3 km von der Innenstadt Taurangas entfernt. An den Wochentagen fahren regelmäßig Busse - allerdings nicht mehr nach 17.00 Uhr und an Sonntagen. Große Supermärkte liegen zum Glück nur etwa 10 Minuten zu Fuß entfernt.

Tauranga und das dazugehörige am Strand gelegene „Mount Maunganui“ haben die Atmosphäre eines größeren Ferienortes. Es gibt, wie in allen größeren Städten, die typischen Einkaufszentren, zwei Kinos und jede Menge nette kleine Cafés. Die Hauptattraktion ist aber, besonders im Sommer, der Strand. Für Wochenendausflüge liegt Tauranga, in der Mitte zwischen Auckland und „Rotorua“, sehr günstig. Da während meiner Zeit noch andere Famuli aus England im Jacaranda House wohnten, war es recht einfach, sich zusammen zu tun und gemeinsam ein Auto zu mieten.

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Finanzen

Die Famulatur an sich war kostenlos. Die Unterkunft hat für fünf Wochen 550.- NZ$ (etwa 230.- Euro) und der Flug inklusive Steuern 1.000.- Euro gekostet. Das Essen in der Krankenhauskantine war leider nicht ermäßigt, deswegen habe ich zumeist selber gekocht. Die Lebensmittelpreise sind im Durchschnitt etwas günstiger als in Deutschland und essen gehen ist preiswerter.

Insgesamt hat mich die Famulatur mit Flug und Wochenendausflügen, aber ohne die vorhergehende Rundreise, etwa 2.000.- Euro gekostet, die sechswöchige Reise vorher noch mal etwa 1.500.- Euro. Wer Zeit und genügend Geld hat, sollte die Gelegenheit einer Rundreise durch Neuseeland auf jeden Fall nutzen.

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Land und Leute

Neuseeland ist mit 300.000 km² flächenmäßig nur wenig kleiner als Deutschland, hat aber gerade mal 3,5 Millionen Einwohner, von denen schon 1,5 Millionen in Auckland leben. Besonders auf der Südinsel gibt es äußerst abgelegene und verlassene Gegenden, die Landschaft wirkt umso eindrucksvoller.

Neuseeland besitzt von tropischen Stränden, über Regenwälder und Gletscher bis zu Gebirgen so gut wie alle Landschaftsformen und an jeder Ecke findet man Postkartenmotive. Gerade die Südinsel ist noch sehr wild und ursprünglich und dort befinden sich einige der weltbesten Mehrtages-Wanderungen. Auf der Nordinsel ist zum Teil der kulturelle Einfluss der Maori, der neuseeländischen Ureinwohner, noch deutlich zu spüren und auch das macht eine Reise in Neuseeland zu einem einmaligen Erlebnis.

Meine Reisezeit lag im neuseeländischen Herbst, daher habe ich die Rundreise an den Anfang meines Aufenthaltes gelegt. Gemeinsam mit einer Freundin habe ich ein Auto gemietet und wir sind sechs Wochen umhergereist. Meiner Meinung nach ist ein eigenes Auto der beste und unabhängigste Weg, das Land kennen zu lernen. Backpacker-Unterkünfte gibt es fast überall und sie sind mit etwa 18.- $ die Nacht nicht besonders teuer.

Die Neuseeländer sind grundsätzlich sehr freundlich, hilfsbereit und offen. Anschluss zu finden ist nie ein Problem und alle geben gerne und ausführlich Auskunft. Es gibt in fast jedem Ort eine Touristeninformation, die meist sehr gut ausgestattet ist.

In letzter Zeit soll es an typischen Touristenorten zu Autoeinbrüchen gekommen sein, aber abgesehen davon ist Neuseeland ein sehr sicheres Reiseland und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt.

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Literaturempfehlung

Als Sprachvorbereitung ist das Buch „Medical English“ vom Thieme Verlag recht empfehlenswert. Allerdings hatte ich am meisten Probleme, die englische Aussprache der lateinischen und griechischen Fachbegriffe zu verstehen und da hilft auch ein Buch nicht viel. Als Reiseführer ist der „Lonely Planet Neuseeland“ unschlagbar, er ist sehr detailliert und gerade auf Rucksacktouristen ausgerichtet.


Fazit

Meine Zeit in Neuseeland war ein absolut einmaliges Erlebnis, was ich nicht missen möchte. Durch die lockere Atmosphäre habe ich mich im Krankenhaus sehr wohl gefühlt und auch gerade im Umgang mit den Patienten viel gelernt. Es war sehr interessant, einmal ein ganz anderes Gesundheitssystem von innen kennen zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln.

Dies war eine wunderbare Gelegenheit, die Reise in ein sehr eindrucksvolles, wunderschönes Land am anderen Ende der Erde mit einer Famulatur zu verbinden und junge Leute aus verschiedenen Teilen der Erde zu treffen. Ich kann jedem nur empfehlen, so eine Gelegenheit wahrzunehmen. Es hat mir nicht nur sprachlich sehr viel gebracht!

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R., M.
Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Greifswald, Mai 2005

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