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Eine Bewerbung für eine Famulatur im Ausland ist in vielen Fällen mitunter schwierig und zeitaufwendig und erfordert auch jede Menge Vorbereitungen, insbesondere wenn das Ziel, wie in meinem Fall, Australien, weit entfernt liegt. Und da kann es sehr hilfreich sein, sich an seiner eigenen Universität mal umzuhören, ob nicht irgendwelche Kontakte vielleicht gerade zum Wunschland bestehen. In meinem Fall kann ich nur sagen, dies hat sich wirklich gelohnt. Die Idee
Bewerbung und Organisatorisches
Meine Arbeit am Alfred Hospital
Leben in Australien
Reisen
Fazit
Die IdeeIch hatte schon länger daran gedacht, in Australien eine Famulatur abzuleisten. Dieses Land vereint phantastische Reisemöglichkeiten mit einem Gesundheitssystem, das zu den fortschrittlichsten der Welt zählt. Außerdem stellte die Kommunikation mit Patienten und Krankenhauspersonal dort für mich kein Problem dar. Ich wollte auf keinen Fall in ein Land reisen, in dem ich mich nicht oder nur schlecht verständigen kann.
Bewerbung und OrganisatorischesDa das Labor, in dem ich meine Doktorarbeit mache, über den ehemaligen Laborleiter, der nun „Consultant“ am Alfred Hospital in Melbourne ist, Verbindungen nach Australien hat, war die Organisation der Famulatur für mich recht einfach. Ich habe ihn einfach auf einem seiner Deutschlandbesuche angesprochen, ob ich nicht am Alfred Hospital famulieren könnte. Als er meine Frage bejahte, war meine Famulaturorganisation schon abgeschlossen.
Auch eine Unterkunft zu finden, war für mich nicht so schwierig, da ein Freund von mir aus Melbourne kommt. Bei ihm konnte ich dann in den vier Wochen wohnen.
Nachdem dies schnell und unkompliziert geklappt hatte, habe ich meinen Flug über „STA Travel“ gebucht und kann dies nur empfehlen. Die Beratung war wirklich super. Ich bin mit „Emirates“ geflogen. Inklusive Flughafengebühren etc. habe ich 1.280 Euro bezahlt.
Zudem habe ich bei der Allianz eine Versicherung für eine Auslandsfamulatur abgeschlossen ( Fragen Sie hierzu einfach Ihren persönlichen Ärzteberater der Allianz).
Ich bin von Frankfurt über Dubai nach Melbourne geflogen. Meine Flugzeiten waren so super gelegen, dass ich gar keinen Jetlag hatte, da ich abends in Frankfurt losgeflogen bin und ganz früh morgens in Melbourne ankam. „Emirates“ ist nur zu empfehlen. Die Beinfreiheit war zwar nicht viel größer als bei einigen Billigairlines, dafür waren Service und Unterhaltungsprogramm sehr gut.
Auf dem Rückflug hatte ich noch einen Tag Aufenthalt in Dubai. Das Hotel hatte ich auch direkt über „STA Travel“ gebucht. In Dubai selbst habe ich morgens die Altstadt besucht, was sich gut zu Fuß erledigen lässt. Nachmittags hat mich mein persönlicher Fahrer (sehr günstig: 50 Euro für 5 Stunden) durch den neuen Teil der Stadt gefahren, den man auch nicht anders als per Auto erkunden kann.
Meine Arbeit am Alfred Hospital The Alfred Hospital |
| Am ersten Tag wurde ich von einem Consultant der Kardiologie des Alfred Hospitals empfangen. Die ersten drei Tage verbrachte ich im Heart Cath Lab (Herzkatheterlabor). Dort arbeitet an jedem Tag der Woche ein anderer Oberarzt, außerdem noch zwei „Registrars“ und viele Krankenschwestern. Am meisten gelernt haben wir von den Radiographern, die für die Aufnahme und Dokumentation der Bilder zuständig sind. Schon hier habe ich bemerkt, dass das gesamte Personal viel mehr daran interessiert ist, sein Wissen weiterzugeben, als ich dies aus Deutschland kannte.
Ab dem 4. Tag meiner Famulatur war ich „on the ward“. Das Heart Centre am Alfred Hospital hat eine große Station mit ca. 50 Betten, die thematisch in zwei Bereiche aufgegliedert ist: „General Cardiology“ und „Heart Failure“. Ich war die ganze Zeit auf der „Heart Failure“. Dort wurden hauptsächlich Patienten mit Herzinsuffizienz betreut, von denen sich viele vor oder nach Transplantation befanden.
Mein Tag begann gegen 7.30 Uhr zunächst erst mal mit einer Fortbildung. Dies war entweder eine „Intern“ Fortbildung, ein Journal Club oder eine „Morbidity/Mortality Conference“. Es kam mir sehr entgegen, dass dazu von diversen Pharmaunternehmen immer ein sehr leckeres Frühstücksbuffet aufgetischt wurde.
Um 8.30 Uhr fing die Visite an und dauerte ungefähr zweieinhalb bis drei Stunden und dies für 10-15 Patienten! Zur Visite waren neben dem „Consultant“, zwei „Registrars“, dem Stationsarzt und den Studenten auch noch viele andere Leute anwesend, wie z.B. die Organisatorin der „Heart Failure Clinic“, Diätassistenten, Physiotherapeuten usw. Wir fielen also immer mit einem riesigen Menschenauflauf in die Zimmer ein, was dem guten Arzt-Patienten-Verhältnis aber keinen Abbruch tat. Eines ist mir sowieso aufgefallen: Die Beziehung zwischen den Ärzten und den Patienten war hier wirklich außergewöhnlich gut, was wahrscheinlich auch daran lag, dass die Patienten immer wieder auf die Station kamen.
Nach der Visite wurden wir „Interns“ meist von den „Consultants“ zum Kaffeetrinken eingeladen, wobei neben fachlichen Gesprächen auch nette small talks geführt wurden. Danach ging es wieder auf Station, wo wir uns dann erst einmal selbst beschäftigen mussten. Meist haben wir dann Patientenakten gelesen und uns über verschiedene Krankheitsbilder und Therapien informiert. Nachmittags fanden dann die Neuaufnahmen und gegen 16.00 Uhr noch mal eine Visite statt.
Leben in Australien Melbourne Central Business District |
| Die Lebensqualität in Melbourne zählt zu den besten weltweit. Das Klima ist herrlich. Vor allem für uns Mitteleuropäer ist es nicht zu feucht und heiß, obwohl wir dort auch Tage erlebt haben, an denen das Thermometer bis zu 45 Grad anzeigte. Trotzdem war diese Hitze aber gut zu ertragen. Regentage hatten wir insgesamt nur zwei oder drei. Für eine Famulatur empfiehlt sich am ehesten die Zeit zwischen Februar und April. Danach beginnt der australische Herbst und Winter, der vor allem in Melbourne recht ungemütlich wird. Im Januar und Februar, den heißesten Monaten in Melbourne, ist im Norden Australiens Regenzeit, so dass mögliche Ausflüge und Touren mit hoher Wahrscheinlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen könnten.
Die Mietkosten in Melbourne sind recht hoch. Deshalb ist es zu empfehlen, sich nach einem Personal- oder Studentenwohnheim zu erkundigen, an denen die Preise deutlich niedriger sind.
Das Essen in Australien ist sehr gut, was wahrscheinlich daran liegt, dass es viele asiatische Restaurants und Imbisse gibt, in denen man gesund, lecker und auch günstig essen kann. Im Supermarkt hingegen sind mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als ich das erste Mal einkaufen war. Zum Glück habe ich bald mehrere „Aldis“ entdeckt, so dass auch dieses Problem gelöst war.
Weggehen in Melbourne ist recht teuer (1 Bier um die 7 Dollar), dafür gibt es aber wirklich viele tolle Bars und Clubs. Das Nachtleben sollte man also auf gar keinen Fall verpassen! Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann man in Australien fast jeden Ort erreichen. In Melbourne habe ich mir für 100 Dollar ein Monatsticket gekauft, mit dem ich Bus, Straßenbahn und Zug fahren konnte.
Reisen Sydney Harbour mit Opera |
| Nach meiner Zeit in Melbourne blieben mir noch vier Wochen zum Reisen, in denen ich ca. 4.000km weit bis nach „Cape Tribulation“ gekommen bin. Die erste Hälfte der Reise bin ich mit dem Greyhound Bus gefahren. Das ist sehr zu empfehlen. Für einen 2.000km Pass habe ich bei „STA Travel“ 160 Euro bezahlt. Man erhält dann im Internet ein „Kilometerkonto“ und kann ein- und aussteigen, wo man möchte.
In Brisbane habe ich mir mit meinem Freund zusammen einen kleinen Camper gemietet („Chubby“ von „Travellers´ Autobarn“). Darin war alles enthalten, was man so zum Überleben braucht: Betten, Tisch, Klappstühle, Waschbecken, Gaskocher, Töpfe, usw. Das Tolle an so einem Camper ist, dass man wirklich unabhängig ist und hinfahren kann, wohin man möchte. Übernachtet haben wir immer auf Campingplätzen. Wildcampen ist in Australien nur an ganz bestimmten, meist sehr einsamen Plätzen ohne Toilette, Dusche usw. erlaubt. Unsere Reiseroute: Melbourne – Sydney – Coff´s Harbour – Byron Bay – Brisbane – Noosa – Airlie Beach – Mission Beach – Bowen – Townsville –Magnetic Island – Cairns mit Great Barrier Reef – Port Douglas – Daintree Rainforest – Cape Tribulation.
Die Ostküste Australiens ist im Allgemeinen viel touristischer als die Westküste. Trotzdem kann man hier verlassene Strände und schöne, kleine Städtchen und Dörfer finden. Man muss nur genau den „Lonely Planet“ lesen.
Das Reisen wird einem durch viele Campingplätze und Hostels, selbst an den entlegensten Orten, sehr einfach gemacht. Die Australier waren immer aufgeschlossen, freundlich und interessiert, ohne aufgesetzt zu wirken.
Fazit Australiens östlichster Punkt - Cape Byron in New South Wales |
| Ich würde jederzeit wieder eine Famulatur in Australien machen. Dieses Land und seine Einwohner sind so einmalig, dass man es einfach lieben muss.
Die medizinische Ausbildung ist hervorragend und die Atmosphäre im Krankenhaus war, im Gegensatz zu deutschen Verhältnissen, immer angenehm. Es herrscht keine Hierarchie und Ärzte und Pflegepersonal sind fast immer freundlich zueinander. Leider dürfen die Studenten, zumindest auf „unserer“ Station, kaum praktisch arbeiten. Dafür war die Lehre aber sehr gut.
Bleibt mir zum Schluss nur noch zu sagen: „Good day, Australia. See ya soon!“
M.., J.A.. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Luzern, September 2008
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