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Neurologie, Gold Coast Hospital, Southport, Australien
(01. - 31.03.2002)

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Motivation
Vorbereitung
Krankenhaus
Arbeit im Krankenhaus
Unterkunft
Finanzen
Leute - Stadt - Land
Sicherheitsaspekte
Fazit

Motivation

Schon früh stand für mich fest, dass ich einen Teil meines Studiums im Ausland verbringen wollte. Mein Ziel war der angelsächsische Raum, und das vor allem aus zwei Gründen: Von Freunden hatte ich schon viel über die gute und Praxis orientierte Ausbildung der Medizinstudenten dort gehört. Außerdem wollte ich meine Englischkenntnisse verbessern.

Einmal etwas ganz Neues zu sehen und auch ein wenig Fernweh haben mich dazu bewogen, mich von Europa weg und nach Australien hin zu orientieren. Die unberührte Natur des australischen Outbacks, die ganz andere Tier- und Pflanzenwelt und meine Vorstellung von Land und Leuten übten einen unbestimmten Reiz auf mich aus.

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Vorbereitung

Meine erste Suche im Internet erfolgte etwa ein Jahr, bevor ich meine Famulatur beginnen wollte. In Queensland war es möglich, eine Famulatur von bis zu acht Wochen zu absolvieren und nach Begleichung einer Bearbeitungsgebühr von 350 AUD keine weiteren Studiengebühren mehr zahlen zu müssen. Aktuelle Informationen fand ich auf der Homepage der School of Medicine University of Queensland unter dem Stichwort „Visiting Students“.

Die Bewerbung für Famulaturen im gesamten Staat Queensland erfolgte zentral bei der Postgraduate Medical Education Foundation of Queensland (PMEFQ). Hier forderte ich per Email Bewerbungsunterlagen an und bekam diese, ebenfalls als Email, kurz darauf zugesandt. Nachdem ich meine Bewerbung wenig später zusammen mit der Bearbeitungsgebühr abgeschickt hatte, dauerte es etwa vier Monate bis ich eine Zusage erhielt. Mit dem offiziellen Zusageschreiben konnte ich dann auch das Visum beantragen. Als Famulant reist man mit einem '456 Short Business Visum' ein. Die PMEFQ verlangte zusätzlich eine ärztliche Untersuchung und eine Röntgenthoraxaufnahme, die ausschließlich durch Vertragsärzte der Australischen Botschaft in Deutschland durchgeführt werden durften. Eine Liste der Vertragsärzte sowie weitere Informationen zu Visa erhält man auf der Homepage der Australischen Botschaft in Berlin.

Bei der ärztlichen Untersuchung mussten ein negativer HIV-Test, eine Hepatitis-B-Impfung und der aktuelle Impfschutz nachgewiesen werden. Außerdem war laut Zusageschreiben eine Tuberkulose-Impfung vorgeschrieben.

In Australien angekommen, stellte sich heraus, dass es unter den deutschen Famuli große Unterschiede gab bezüglich der Einreisevoraussetzungen, welche verlangt bzw. erfüllt worden waren. Während einige mit dem kostenlosen elektronischen '456 Visum' eingereist waren, besaßen die meisten ein '456 Visum' in Verbindung mit einer Röntgenthoraxaufnahme. Ich war der einzige, der die sehr teure ärztliche Untersuchung hatte durchführen lassen.

Neben einer Auslandskrankenversicherung hatte ich noch eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen.

Zur Vorbereitung auf die Famulatur ist es sicherlich sinnvoll, sich einmal mit der angelsächsischen Art der Anamnese-Erhebung auseinanderzusetzen. Insbesondere das Beherrschen einiger gängiger Abkürzungen erleichtert das Lesen von Krankenakten sehr. Ich habe mir „Medical English“ aus dem Thieme Verlag angeschafft und auch mitgenommen. Zur Planung der Freizeitaktivitäten, die bei einer Famulatur in Australien sicherlich nicht an letzter Stelle stehen sollte, war mir der „Lonely Planet Australia“ ein unverzichtbares Hilfsmittel.

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Krankenhaus

Von der PMEFQ wurde ich dem Gold Coast Hospital in Southport, Queensland, zugeteilt. Das Gold Coast Hospital ist ein mittelgroßes Krankenhaus, das vornehmlich die Versorgung von nicht privat versicherten Patienten übernimmt. Sein Einzugsgebiet ist vor allem der 35 km lange und von 360.000 Menschen bewohnte Küstenstreifen der Gold Coast, der etwa 80 km südlich von Brisbane an der Ostküste Australiens liegt. Von den oberen Stockwerken dieses Krankenhauses hat man nicht nur einen herrlichen Blick auf die vorgelagerten Inseln, sondern kann auch die jeweils aktuellen Surfbedingungen abschätzen. Die Wellen der südlichen Gold Coast sollen zu den besten der Welt gehören.

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Arbeit im Krankenhaus

Entsprechend meinem Wunsch wurde ich einem Team des Department of Medicine zugeteilt. Der Aufgabenschwerpunkt dieses Teams lag in der Neurologie, aber nur etwa die Hälfte der Patienten, die durch dieses Team betreut wurden, hatten tatsächlich neurologische Krankheiten. Das Team bestand aus einem Consultant, einem Resident, einem Registrar und mir. Da sich alle sehr viel Mühe gaben, mir etwas beizubringen, war die Lernsituation entsprechend intensiv, so dass ich trotz der Sprachbarriere viel lernen konnte.

Der Arbeitstag begann meist um 8.00 Uhr. Den Anfang bildete eine ausführliche Visite: Auf den unterschiedlichen Stationen wurden nacheinander alle Patienten besucht, die durch unser Team betreut wurden oder bei denen ein neurologisches Konsil angefordert worden war. In die während der Visite stattfindenden Untersuchungen und Gespräche bin ich fast ausnahmslos einbezogen worden, und Fragen wurden gerne und ausführlich beantwortet. Röntgenbilder, EKGs und Laborwerte wurden regelmäßig mit mir besprochen.

Außer der Visite gab es als feste Eckpunkte im Tagesablauf die Besprechungen und Lehrveranstaltungen des Departements of Medicine, bei denen man als Student immer gerne gesehen war. Zusätzlich wurde die Anwesenheit meist noch durch ein paar Sandwiches belohnt. Klassische studentische Arbeit, wie ich sie von deutschen Famulaturen zu erledigen gewohnt war, wie Blut abnehmen und Zugänge legen, wurde hier vom Pflegepersonal durchgeführt.

Jeden Montag hatte das Team Aufnahmetag und alle internistischen Aufnahmen wurden bis zum nächsten Tag durch die Ärzte unseres Teams betreut. Hier konnte ich bei den neuen Patienten Anamnesen erheben und diese dann mit Untersuchungsbefund, Verdachtsdiagnose und Differentialdiagnosen dem Arzt vorstellen. Gerade bei Verdachtsdiagnose, Differentialdiagnose und Therapievorschlägen waren die australischen Studenten nicht selten wesentlich routinierter als ich. Der Montag war der einzige Tag, an dem es häufiger vorkam, dass ich länger als bis 16.00 Uhr im Krankenhaus blieb. Zugleich war der Montag auch meist der ereignisreichste Tag der Woche.

Jeden Mittwoch und Donnerstag wurde vom Consultant eine ambulante Sprechstunde abgehalten. Bei den hier behandelten „Outpatients“ handelte es sich im Wesentlichen um Patienten mit neurologischen Krankheiten, die der Arzt schon seit Jahren kannte. Eine aktive Beteiligung war mir hier nur selten möglich, aber auch in diesen Fällen wurde viel Zeit darauf verwandt, das aktuelle Beschwerdebild des Patienten zu erläutern und meine Fragen zu beantworten. Insgesamt war das Arbeitsklima frei von Hektik und entspannt. Obwohl Überstunden bei den Ärzten meines Teams eher selten waren, blieb für die Erfüllung der anstehenden Aufgaben immer genügend Zeit; und es war vor allem stets die Bereitschaft da, mich zu unterrichten.

Wie auch die anderen ausländischen Famuli konnte ich die Erfahrung machen, dass wir zwar immer willkommen waren, die tägliche Anwesenheit von 8.00 bis 16.00 Uhr aber nicht unbedingt zwingend ist. Es bleibt also hinreichend Zeit, das großartige Land Australien zu entdecken.

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Unterkunft

Ich hatte das Glück, in der Student Accomodation, die direkt an das Krankenhaus angegliedert ist, untergebracht zu sein. Für etwa 20 AUD pro Woche hatte ich ein eigenes kleines Zimmer mit Waschbecken und konnte eine Gemeinschaftsdusche und WC mitbenutzen. Zusätzlich konnte man kostenlos seine Kleidung waschen und bügeln.

Das Wichtigste war jedoch, dass man im 'Commonroom' und in der Küche schnell andere Studenten kennen lernte, sowohl ausländische als auch australische. Dort wohnten nicht nur Mediziner, sondern auch Studenten anderer Fachrichtungen, die im Krankenhaus arbeiteten. So nah, preiswert und angenehm kann man meines Erachtens woanders kaum wohnen.

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Finanzen

Alle Ausgaben, die ich hier in Deutschland hatte und die nicht direkt nach Australien geschickt wurden, werden im Folgenden in Euro angegeben, alle anderen in Australischen Dollar.

Allein durch den Flug, der um die Euro 1.000.- kostete, ist eine Famulatur in Australien sicherlich nicht sehr preiswert. Mit der Bewerbung mussten AU$ 350 Bearbeitungsgebühr, zuzüglich AU$ 35 Steuern und der Gebühren der Bank in Deutschland per „bank draft“ an das PMEFQ gezahlt werden. Die medizinische Untersuchung bei einem Vertragsarzt der Australischen Botschaft und die Röntgenthoraxaufnahme kosteten Euro 138.-, das 'Short Business Visum 456' Euro 43.-.

Die Unterbringung im Studentenwohnheim des Krankenhauses war gut und preiswert. Sie lag bei AU$ 20 pro Woche. Die Lebenshaltungskosten unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in Deutschland; und dadurch, dass man in den Studentenwohnheimen eine voll ausgestattete Küche benutzen kann, ist ein vergleichsweise preiswertes Leben leicht möglich. Wenn man abends ausgeht, um sich ein Bier oder ein Essen auswärts zu gönnen, findet man Preise vor, die denen in Deutschland recht ähnlich sind. Besonders hervorzuheben sind hier vielleicht die 'BYO' (Bring your own) Restaurants, in denen man selbst mitgebrachten Wein zu dem dort bestellten Essen genießen darf.

Bezahlt habe ich, wenn dies möglich war, mit einer Kreditkarte. Völlig ohne Bargeld kommt man jedoch nicht aus. Daher ist es sinnvoll, auch die EC-Karte mitzunehmen, um mit ihr Bargeld am Automaten ziehen zu können. Dies ist sehr viel kostengünstiger als Bargeld mit der Kreditkarte abzuheben.

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Leute - Stadt - Land

Die Australier, denen ich begegnet bin, waren durchweg sehr freundlich und immer hilfsbereit. Das sprichwörtliche „No worries“ ist nicht nur am Strand, sondern auch im Krankenhaus zu spüren. Ich hatte das Gefühl, dass alles etwas weniger hektisch und lockerer abläuft, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Ein kurzer Smalltalk wird praktisch mit jedem gehalten, egal ob man sich im Aufzug trifft oder gerade an der Kasse im Supermarkt bezahlt.

Southport hat außer einem Einkaufszentrum und einigen Kneipen keine besonderen Attraktionen. Manche Kneipen bieten an Aktionstagen für Angestellte des Krankenhauses Sonderkonditionen, z.B. zwei Getränke zum Preis von einem. Ein wesentlich lebendigeres Nachtleben hat Surfers Paradise. Es ist ein beliebter Zwischenstopp für Backpacker, die an der Ostküste entlang reisen. Hervorzuheben ist der tolle Strand, den die gesamte Gold Coast zu bieten hat. Leider sind entlang der Strandpromenade riesige Hochhäuser gebaut worden, die nicht nur von begrenzter Schönheit sind, sondern auch nachmittags lange Schatten auf den Strand werfen. Insgesamt ist die Gold Coast hoch kommerzialisiert und besitzt eine Vielzahl von Themen- und Freizeitparks. In der Nähe ist auch der Lamington National Park, der mindestens einen Besuch wert ist.

Jedem, der die lange Reise nach Australien auf sich genommen hat, empfehle ich sehr, im Anschluss an die Famulatur noch einige Wochen das Land zu erkunden. Hierbei kann man viel Geld sparen, wenn man sich vorher genau überlegt, was man sehen und tun möchte, um sich dann in einem auf Backpacker spezialisierten Reisebüro dazu gezielt beraten zu lassen. Es gibt die unterschiedlichsten Kombipakete, die in sehr verschiedener Qualität und Preislage angeboten werden. Wenn man diese Kombipaket-Angebote nicht nutzen möchte, ist es fast immer günstiger, die Angebote vor Ort zu vergleichen. Bei der Auswahl der Reiseziele hilft der 'Lonely Planet Australia' zuverlässig.

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Sicherheitsaspekte

Ich hatte das Gefühl, dass Australien ein sicheres Land ist. Und wenn man sich einmal an den Linksverkehr gewöhnt hat, gibt es über selbstverständliche Verhaltensweisen hinaus wenig, auf das mir zu achten geraten wurde. Vorsichtig muss man mit dem Meer sein, dessen Wellen und Strömungen stärker sind, als ich es woanders erlebt habe. Auch die Australier schwimmen meist nur in den überwachten Abschnitten, die in regelmäßigen Abständen am Strand zu finden sind.

Von einigen Ärzten wurde mir geraten, an bestimmten Strandabschnitten nicht barfuß zu laufen, da dort die Gefahr bestehe, in gebrauchte Spritzen zu treten.

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Fazit

Meine Famulatur in Australien war in jeder Hinsicht eine einzigartige Erfahrung und der Australienaufenthalt ein Erlebnis, das mich nicht nur in sprachlicher und fachlicher Hinsicht bereichert hat. Wenn man erst einmal dort ist, sind die Mühen und Kosten, die sicherlich nicht gering sind, schnell vergessen.

Ich hatte die Gelegenheit, viel zu lernen und zu sehen, und konnte darüber hinaus Freundschaft mit Menschen unterschiedlichster Nationalitäten schließen. Meine Zeit in Australien zählt zu den besonderen Höhepunkten meiner Studienzeit.

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S., A.
Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Aachen, Oktober 2002

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