Unser Ziel - Afrika
Bewerbung
Vorbereitungen
Namibia
Sambia
Unsere Famulatur
Tansania
Kenia
Fazit
Unser Ziel - Afrika Hygieneunterricht für die Bevölkerung |
| Ich bin Medizinstudent im 10. Semester in Regensburg. Die Idee eine Famulatur in Afrika zu machen, hatte eine Kommilitonin von mir, nachdem wir letztes Jahr eine Famulatur in Vietnam zusammen absolviert haben und wir noch einmal vor dem PJ neue Erfahrungen und Eindrücke eines anderen Landes und dessen Leute sammeln wollten.
Ein paar uns bekannte Medizinstudenten unternahmen zudem in der Zeit, in der wir in Vietnam waren, eine Afrika-Tour inklusive Famulatur. Deren Bilder und Erzählungen waren so beeindruckend, dass es sich anbot, mehr oder weniger die gleiche Reise zu machen.
Uns standen sechs Wochen zur Verfügung. Wir gliederten diese sechs Wochen grob in zwei Wochen Namibia, zwei Wochen Sambia, zwei Wochen Tansania und von Mombasa (Kenia) aus wieder zurück nach Deutschland. Die Tour sollte also folgendermaßen verlaufen: Ankunft in Windhoek (Namibia). Von dort mit dem Mietauto nach Norden zum „Etosha Park“. Dann mit einem Abstecher zu dem Berg „Spitzkoppe“ nach „Swakopmund“ an der Atlantik Küste. Zu guter Letzt noch in die Wüste zu den roten Sanddünen in „Sossuslvlei“ und dann wieder zurück nach Windhoek, von wo aus wir den Intercape Bus nach Livingstone (Sambia) nehmen wollten.
Von Livingstone wollten wir dann nach „Ndola“, wo wir 15 Tage in einem von Nonnen geführtem “Health Center” famulieren wollten. Nach der Famulatur wollten wir mit dem Zug nach Dar es Salaam in Tansania fahren und gleich weiter auf die Insel Sansibar, wo wir etwa 10 Tage am Strand verbringen wollten. Dann sollte es mit dem Bus nach Mombasa (Kenia) weiter gehen, von wo wir wieder nach Deutschland fliegen würden. Unser ursprüngliches Vorhaben, noch den „Arusha Park“ in Tansania zu besuchen, mussten wir aus Zeit- und Geldmangel leider wieder verwerfen.
Dank der Erfahrungen und Tipps der uns bekannten Medizinstudenten hatten wir eine einigermaßen gute Vorstellung, was uns erwarten würde. Natürlich können keine Worte und Bilder einen wirklich auf so eine Reise vorbereiten, aber ich hatte immerhin ein ganz gutes Gefühl.
Bewerbung Kavu Health Center |
| Den Kontakt zum Health Center für die Famulatur stellten wir per Email mit der aus der Oberpfalz kommenden und seit vielen Jahren in Sambia lebenden Schwester Kordula her.
Die Antworten kamen zwar nicht immer prompt, aber generell war es kein Problem einen Zeitraum für unsere Famulatur auszumachen.
Vorbereitungen Victoria Fälle - Simbabwe/Sambia |
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Im November buchten wir den Flug für den 13. März 2006 von München über Düsseldorf mit Ankunft in Windhoek (Namibia) und den Rückflug für den 21. April 2006 von Mombasa ebenfalls über Düsseldorf nach München. Diese für uns billigste Variante kostete 750 Euro. Ein Rückflug von „Dar es Salaam“ wäre wesentlich teurer gewesen als mit dem Bus nach Mombasa zu fahren und von dort aus zu fliegen, auch wenn wir in Mombasa nur einen Tag zur Verfügung hatten und es auch mit viel Zeit (12 Stunden) und Stress verbunden ist, von Dar es Salaam nach Mombasa zu fahren. Was tut man nicht alles, um Geld zu sparen? - Impfungen und Reiseapotheke
An Impfungen sind zu empfehlen: Hepatitis A/B, Gelbfieber, Meningokokken, Tollwut und Typhus. Durch Vietnam und mein Medizinstudium war ich schon Hep A/B, Meningokokken und Typhus geimpft. Ich habe mich noch gegen Gelbfieber impfen lassen, habe mich aber gegen eine Tollwut Impfung entschieden, da ich das Risiko als zu gering einschätzte.
Malaria Prophylaxe ist natürlich bei einem Afrikaaufenthalt schon fast ein Muss. Um Geld zu sparen, besorgte ich mir, anstelle von dem besser verträglichen Malarone, das billigere Lariam, das etwa 60 Euro kostet und für sechs Wochen reichte. Als weiteren Schutz vor Malaria kauften wir uns noch ein imprägniertes Moskitonetz, was sich als sehr hilfreich herausstellen sollte.
Als Reiseapotheke nahmen wir ASS, Ibuprofen, Loperamid, Antihistaminika, Percuror und Autan mit. Da es sich nicht vermeiden lässt, von Moskitos gestochen zu werden, kann ich nur empfehlen, orale Antihistaminika mitzunehmen. Der Juckreiz von Moskitostichen oder - wie in meinem Fall - von Quallen, Nesseln und Moskitostichen kann zur echten Qual werden und die Antihistaminika-Salben sind nicht effektiv genug. - Visa, Zahlungsmittel, etc.
Wir benötigten zwar für jedes Land ein Visum, doch entschieden wir uns dafür, diese vor Ort zu organisieren. Auch wussten wir auf Grund der Einschätzung der anderen Medizinstudenten, wie viel Taschengeld wir in etwa benötigen würden. Wie sich herausstellte, waren die geschätzten 1.500 Euro in Form einer Visa Karte für sechs Wochen ausreichend. Es empfiehlt sich jedoch, zusätzlich etwa 200 US Dollar in bar mitzunehmen.
Nicht zu vergessen war der Internationale Führerschein, den wir für unsere abenteuerlichen Mietautofahrten benötigen würden. Er kostet 15 Euro und kann innerhalb weniger Minuten bei der Führerscheinstelle organisiert werden.
Mit einem Reiseführer von „Lonely Planet“ gewappnet, waren wir nun bereit, unsere Reise anzutreten.
Namibia Sossusvlei |
| Der Flug verlief ohne Zwischenfälle. In Windhoek organisierten wir mit viel Aufwand einen VW Polo, der uns durch Namibia bringen sollte. Als Mietauto empfiehlt sich aber eher ein 4x4 Jeep, da der Zustand der Straßen von sehr gut bis katastrophal rangiert. Wir hatten Glück, dass unser VW Polo bis zu guter Letzt tapfer ohne Panne durchgehalten hat. Es kann aber auch anders laufen und wir hätten uns viele nervöse Momente sparen können. Außerdem macht es wesentlich mehr Spaß, mit einem Allrad-Jeep durch Namibia zu fahren, auch wenn man etwas mehr Miete zahlt. Für den VW Polo haben wir täglich etwa 90 Euro Gebühr zahlen müssen. Außerdem buchten wir unsere Plätze im Intercape Bus, der uns von Windhoek nach Livingstone in Sambia bringen sollte - kostet ca. 60 Euro.
Namibia ist ein wirklich schönes Land mit vielfältiger Landschaft und sehr geringer Bevölkerungszahl. Die wenigen Menschen, die in Namibia leben, sprechen entweder „Afrikaans“, was dem Holländisch ähnelt, Englisch oder Deutsch. Die Städte erinnern an eine Mischung aus USA und Deutschland. Das Klima variiert gemäß der Landschaft von mild, regnerisch über windig zu trocken und heiß. Da Namibia relativ hoch über dem Meeresspiegel liegt, ist es aber nicht so heiß wie in anderen Ländern Afrikas.
Da wir in der Nebensaison nach Namibia reisten, war es kein Problem, Unterkünfte zu finden. Eine Übernachtung in „backpacker“ Unterkünften kostet umgerechnet etwa 10 Euro, abhängig von der Gegend. Alle Unterkünfte in Namibia waren wirklich sehr gemütlich und es hat uns, außer in der „cardboadbox“ in Windhoek, überall sehr gut gefallen.
In „Tsumeb“ quartierten wir uns in einem, von einer ehemaligen Krankenschwester aus Berlin geführten, sehr angenehmen „backpacker“ Hotel mit dem Namen „Mousebird“ ein. Von Tsumeb aus fuhren wir in den Etosha Park, wo wir eine Vielzahl von Tieren beobachten konnten (Zebras, Giraffen, Elefanten, Löwen, Antilopen, Straußvögel, Hyänen, Gnus…). Nach zwei Tagen fuhren wir in Richtung Swakopmund. Wir besuchten auf dem Weg noch den Berg Spitzkoppe, der mit seinen runden Gesteinsformationen imponiert. Swakopmund ist eine wunderschöne Stadt an der Atlantik-Küste. Dort gingen wir zum „Sandboarden“ auf einer riesigen Düne (empfehlenswert!) und wir konnten am Strand die Robben beobachten oder einfach nur unsere Blicke aufs Meer richten und in der Sonne relaxen.
Der Weg nach „Sossusvlei“ zu den roten Sanddünen war lang und holperig und spätestens zu diesem Zeitpunkt wünschten wir uns ein 4x4 Jeep. Nach einem kurzen Stopp in „Solitaire“ mit Kaffee und dem, in ganz Namibia bekannten, Apfelkuchen erreichten wir Sossusvlei. Die Hitze der Wüste war gnadenlos und der Flüssigkeitsverlust nach mehrmaligem Erbrechen, infolge von schlechter Milch, machte mir an diesem Tag sehr zu schaffen. In somnolentem und dehydriertem Zustand erreichten wir den Zeltplatz „Nauklufview“ gerade noch vor Sonnenuntergang.
Am nächsten Tag erreichten wir Windhoek, gaben das Mietauto zurück und stiegen in den Intercape Bus, der uns, nach 20 Stunden Fahrt, nach Livingstone brachte.
Sambia Ndola |
| In Livingstone wohnten wir im „Jollyboys Backpackers“, das für nur 7 Euro sehr schön war. Dort gab es einen kleinen Pool, eine Bar und eine gemütliche Sitzecke. Wir besuchten die Victoria Wasserfälle, die zu den größten der Welt zählen und nur etwa 20 Minuten von Livingstone entfernt sind.
Am nächsten Tag ging es weiter mit dem Bus über „Lusaka“ nach „Ndola“, wo wir, nach über 12 Stunden, erschöpft von Schwester Astrida in Empfang genommen wurden und zu unserer Unterkunft im Dorf „Kavu“ neben dem Health Center, das etwa eine halbe Stunde außerhalb von Ndola liegt, gebracht wurden.
Wir hatten ein kleines Apartment mit Wohnzimmer, Küche, Bad, Schlafzimmer und kleinen Garten für uns.
Unsere Famulatur Abszess |
| Da zu dieser Zeit kein Arzt im Kavu Health Center Vollzeit arbeitete, waren wir mit den Schwestern und Nonnen die Verantwortlichen. Einmal wöchentlich kam allerdings ein Arzt vorbei, der sich um die HIV Patienten kümmerte. Auch das Labor wurde nur ein bis zweimal wöchentlich in Betrieb genommen und dann auch nur um Blutausstriche nach Malaria Parasiten und Sputum-Proben nach säurefesten Tuberkel Bakterien zu untersuchen.
Die Patienten waren größtenteils Kinder und junge Erwachsene mit Malaria, Infekten, Durchfall, Tuberkulose sowie HIV Patienten. Aus der relativ kleinen Auswahl an Medikamenten suchten wir dann, in Absprache mit der jeweils anwesenden Schwester, das Beste für die Patienten aus. Außerdem waren wir bei insgesamt drei Geburten anwesend und durften auch den Dammriß oder Episiotomie nähen. Bemerkenswert war, dass keinerlei Schmerzmedikation bei der Geburt oder beim Nähen eingesetzt wurde, die Nadel viel zu groß war und auch sonst die Bedingungen eher bescheiden waren.
Es war dennoch eine beeindruckende Erfahrung, so viel Verantwortung zu haben, auch wenn die Mittel begrenzt waren. Zum Beispiel hatten wir außer Stethoskop, Blutdruckmanschette und Waage keinerlei diagnostischen Mittel.
Die Famulatur kann man mit einer Praxisfamulatur vergleichen, nur dass wir eben die Verantwortlichen mit begrenzten Mitteln waren. Viele Patienten konnten Englisch sprechen. Dennoch war immer eine Schwester anwesend, um uns gegebenenfalls zu dolmetschen.
Während unserer Famulaturzeit durften wir uns auch die anderen Hilfsprojekte der Nonnen anschauen, was sehr beeindruckend war. Unter den Projekten befanden sich viele Schulen, Weisenhäuser und Ambulanzen. Auch nahmen wir Teil an einem “outpatient care” Projekt, bei dem über 200 Kleinkinder gewogen und geimpft wurden. Außerdem fanden Schwangerenberatung statt und Aufklärung zum Thema Durchfall und Hygiene.
Sowohl die Schwestern und Nonnen, als auch die Bewohner von „Kavu“ waren sehr nett und kontaktfreudig. Im Konvent der Nonnen gab es eine Highschool und ein Pool, den wir benutzen durften. Sowohl die Nonnen, als auch die Schülerinnen der „Fatima Highschool“ konnten sich durch Landwirtschaft selbst versorgen. Wir hatten das Vergnügen, jeden Sonntag mit den Nonnen zu Mittag zu essen. Das Essen war wirklich ausgezeichnet!
Die Zeit verging schneller als gedacht, zumal es außer Famulatur, Schwimmen, Essen, und Lesen nicht viel zu tun gab. Hin und wieder konnten wir mit den Schwestern nach „Ndola“ fahren, wo wir uns Essen für die nächsten Tage kauften und ins Internetcafe gingen.
Nachdem wir unsere Famulatur beendet hatten, fuhren wir für nur 30 Euro in der 1. Klasse zwei Tage mit dem „Tazara Zug“ von „Kapiri Mposhi“ nach Dar es Salaam (Tansania). Das Visum für Tansania bekamen wir unterwegs für satte 50 US Dollar.
Tansania Sansibar Kendwa |
| In Dar es Salaam angekommen, nahmen wir die letzte Fähre nach Sansibar, wo wir uns eine Woche am Strand vergnügten. Der Strand und das Meer sind paradiesisch! Der weiße Sand ist herrlich weich und das Meer schimmert abhängig vom Licht hellgrün, türkis oder dunkelblau. Das Wasser hat angenehme 29 Grad Celsius. Man kann sich entspannt in eine Hängematte legen und einen frisch gepressten Maracuja Saft trinken oder eine leckere Mango essen. Tauchen bzw. Schnorcheln kann man vor allem im Norden der Insel, wobei Tauchen nicht ganz billig ist (ein Tauchgang um 45 Euro).
Die „spicetour“ auf Sansibar ist auch sehr empfehlenswert, da man so die Möglichkeit hat, einmal zu sehen, wie eigentlich die uns bekannten oder unbekannte Gewürze wachsen. Außerdem kann man jede Menge leckere Früchte probieren und bekommt ein sehr gutes Mittagessen mit einer Stunde am Strand im Anschluss. Nach einer Woche im Paradies machten wir uns auf den Weg nach Mombasa (Kenia).
KeniaWir hatten das Ticket (15 Euro) für den „Scandinavian Express Bus“ schon direkt nach unserer Ankunft mit dem Zug in Dar es Salaam gekauft, da der Bus schon um 8.00 Uhr losfuhr. Es dauerte ca. 12 Stunden von Dar es Salaam nach Mombasa. Das Visum bekamen wir wieder unterwegs. Dieses Mal kostete es 35 US Dollar, weil es nur ein Transit Visa für drei Tage war.
Mombasa war nicht spektakulär. Ich hatte das Glück, dass mich ein freundlicher Mann herumführte und mir die Stadt zeigte, so zum Beispiel das „Fort Jesus“ und „Old Town“. So hatte ich noch einen letzten schönen Tag in Afrika.
Fazit Sansibar Stone Town |
| Afrika ist ein wunderschönes Land mit sehr netten und kontaktfreudigen Menschen. Auch wenn man sich anfangs etwas unsicher fühlt und bei dem Anblick von Armut und Elend schon fast ein schlechtes Gewissen hat, aus einem reichen Land zu kommen, so findet man sich doch recht schnell zurecht. Der starke Glaube vieler Afrikaner hält sie davon ab, anderen Menschen Unrecht zu tun. Dennoch sollte man vorsichtig sein und sich nicht von der Freundlichkeit der Afrikaner zu Leichtsinn verleiten lassen.
Für mich war es eine Erfahrung, die mein Leben um vieles bereichert hat und die ich jedem nur empfehlen kann. Man lernt die kleinen Dinge im Leben zu schätzen und bekommt ein besseres Verständnis von Armut und Überlebenskampf. Worte und Bilder können es nur annähernd beschreiben. Man muss es einfach selbst erlebt haben. Mit großer Sicherheit werde ich eines Tages nach Afrika zurückkehren.
D., T.
Regensburg, August 2006 |