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Die Menschen in Südafrika sind alle sehr freundlich. Das fängt schon bei den sehr hilfsbereiten und kontaktfreudigen einheimischen Studenten an. Land und Leute sind etwas gemütlicher, als wir Europäer es gewohnt sind. Wie sagt eine afrikanische Weisheit: „Europeans have a watch, Africans have time.“ Es folgte für mich eine Famulatur – mit nicht nur positiven Eindrücken. Vorbereitung & Bewerbung
Tygerberg Hospital
Leben auf dem Campus
Meine Tätigkeit in der Pädiatrie
Famulatur in der Inneren Medizin
Südafrika – das Land und seine Bevölkerung
Mein Fazit
Vorbereitung & Bewerbung Blick auf Kapstadt und den Tafelberg vom Wasser aus |
| Wenn man eine Famulatur oder ein PJ- Tertial am Tygerberg Hospital der University of Stellenbosch machen möchte, wendet man sich am besten per Email an den oder die zuständige „international student coordinator“. Es ist ratsam sich ein bis zwei Jahre im Voraus für eine Famulatur oder ein PJ- Tertial zu bewerben.
Sobald man eine Zusage erhalten hat, müssen einmalig 3.500 ZAR bezahlt werden. Weitere 270 ZAR pro Famulatur- oder PJ- Woche und 495 ZAR pro Woche für ein Einzelzimmer oder 415 ZAR pro Woche für ein Doppelzimmer müssen drei Monate vor Beginn der Famulatur oder des PJ- Tertials bezahlt werden.
Ein Visum wird für einen Aufenthalt von weniger als 90 Tagen nicht benötigt, jedoch möchte die Universität, dass man sich bei der Einreise einen Stempel für ein „endorsed visa“, auch „Temporary Residence Permit“ genannt, holt. Die Universität teilt den internationalen Studenten aber rechtzeitig ausführlich mit, welche Dokumente für den Aufenthalt notwendig sind.
(Anm.d.Red.: Dringend notwendig! Was Impfungen und Prophylaxe in afrikanischen Ländern betrifft, sollten unbedingt und vor allem auch rechtzeitig aktuelle Auskünfte und Empfehlungen bei einem tropenmedizinischen Institut (siehe ganz unten auf dieser Seite: "Auslands-Check") eingeholt werden. Zusätzliche Infos zum jeweiligen Land bieten ferner die medizinischen Hinweise des Auswärtigen Amtes, siehe hier: "Auswärtiges Amt - Infos".)
Tygerberg Hospital Tygerberg Hospital |
| Das zur Universität Stellenbosch gehörende Tygerberg Hospital ist ein „public hospital“. Dies bedeutet, dass jeder dort behandelt und anhand des vorhandenen Einkommens berechnet wird, ob der Patient für einen Teil der Kosten aufkommen muss oder nicht. Der größte Teil der Patienten besitzt kein gesichertes Einkommen und muss somit für seine Behandlung auch nichts bezahlen. Die Patienten sind größtenteils Schwarzafrikaner und kommen mehrheitlich aus den weniger gut ausgestatteten Wohnsiedlungen der Stadt, den „Townships“, aber auch aus weiter entfernt gelegenen Orten, falls in ihrer Umgebung eine bestimmte Behandlung nicht durchgeführt werden kann.
Die Ausstattung ist dementsprechend dürftig. Es mangelt sowohl an medizinischem Verbrauchsmaterial als auch z.B. an anständigen Decken oder sogar Betten - stattdessen zwei Stühle - für die Patienten. Der Mangel an Blutabnahmesystemen, Handschuhen usw. auf den Stationen beruhte meist darauf, dass sich niemand verantwortlich fühlte, diese Dinge zu bestellen oder aufzufüllen. Mit intensivmedizinischen und radiologischen Geräten ist man weitgehend gut ausgestattet. Allerdings wird mit den Ressourcen etwas sparsamer umgegangen als in Deutschland üblich.
Leben auf dem Campus International Lodge |
| Die Medical School und der dazugehörende Campus sind über Verbindungsgänge mit dem Krankenhaus verbunden. Überall wird der Durchgang durch „Security“ bewacht, so dass man die Studentenkarte benötigt, um den Campus zu betreten oder zu verlassen. Der ganze Campus ist umzäunt und wird rund um die Uhr bewacht. Jedoch kann fast jeder, der freundlich winkt, an dem Wachpersonal an der Autoeinfahrt auch ohne die eigentlich benötigte Karte vorbei kommen.
Alle internationalen Studenten, zum Großteil Deutsche und Holländer, wohnen in der „International Lodge“. Es gibt mehrere Wohngemeinschaften mit ca. 6-10 Studenten. Waschmaschine und Trockner sind ebenfalls vorhanden. Jede WG hat einen mehr oder weniger gemütlichen Wohn- und Essraum. Die Küche enthält alles Nötige. Kartoffeln, Reis und Nudeln müssen in der Mikrowelle gemacht werden, was ohne Probleme funktioniert. Viele Kochutensilien werden von Studenten gekauft und danach in der Lodge zurück gelassen, so dass sich schon einiges Nützliches, wie z.B. eine Kaffeemaschine angesammelt hat.
Seit Jahren ist es Brauch, dass die internationalen Studenten am Mittwoch zusammen grillen. Aufgrund der lauten und dazu noch schlechten Musik gab es jedoch vermehrt Beschwerden seitens der afrikanischen Studenten, weshalb die Partys seither einzeln genehmigt werden sollten.
Allen Studenten steht ein großer Internetpool zur Verfügung und auch die Bibliothek ist für internationale Studenten zugängig. Wer einen Laptop mit w-lan hat, kann diesen nutzen, allerdings gibt es bisher noch keinen Hotspot für die „International Lodge“. Auf dem Campusgelände gibt es vier Tennisplätze, zwei Beach - Volleyballfelder, Rugbyfelder und ein Fitnessstudio. Alles darf von internationalen Studenten mitbenutzt werden.
Vom Campus aus braucht man ca. 20 Minuten in die Innenstadt. Das nächste Shopping Center ist ca. 5-10 min mit dem Auto entfernt. Man kann auch hinlaufen. Allerdings machen dies mehr internationale als südafrikanische Studenten…
Ein Auto ist dringend erforderlich, denn ein öffentliches Verkehrssystem gibt es nicht und die Taxis sind weder billig noch vermitteln sie ein besonderes Sicherheitsgefühl. Es gibt verschiedene Autovermietungen. Bei „Leon“, einem privaten Autovermieter, bekommt man einen VW Chico für 90 ZAR am Tag und wenn man sich dies zu dritt teilt, ist es ein erschwinglicher Preis, der sich für wenigstens ein kleines bisschen Freiheit wirklich lohnt! Ein Liter Benzin kostet übrigens ca. 6-7 ZAR.
Meine Tätigkeit in der Pädiatrie Ein kleiner Patient und ich |
| Die Tätigkeit als Famulant hat sich in der Pädiatrie nicht im Geringsten von der des PJ’lers unterschieden. Für die afrikanischen Ärzte sind alles „electives“, nur eben manche schon im „final year“ und andere noch nicht. Manche fragen aber auch gar nicht nach, in welchem Jahr man sich befindet.
Grundsätzlich werden die ausländischen Studenten auf die verschiedenen Spezialbereiche der Pädiatrie verteilt. Wenn man länger als sechs Wochen in der Pädiatrie bleibt, darf man rotieren. Da ich nur 30 Tage dort war, wurde ich für die komplette Zeit in die Kardio-Pädiatrie eingeteilt. Auf meiner Station befanden sich zwei „Consultants“, ein „Registrar“ (AssistenzärztIn) und ein „Intern“ (so etwas wie der frühere AiP’ler in Deutschland). „Registrar“ und „Intern“ auf meiner Station haben ca. alle zwei Wochen die Station gewechselt. „Interns“ rotieren für 18 Monate durch die verschiedensten Bereiche des Krankenhauses. Danach müssen sie den „community service“ ableisten, bevor sie nach zwei Jahren als „medical officer“ arbeiten oder sich spezialisieren („Registrar“) können.
Außerdem befanden sich auf jeder Station für zwei bis vier Wochen, das ist vom Fach abhängig, die „student interns“ (SI). Dies sind Studenten in den letzten eineinhalb Jahren, also ab der Mitte des 5. Studienjahres. Ebenfalls für unterschiedliche Zeitabschnitte befanden sich kleinere Studentengruppen auf den verschiedenen Stationen. Eigentlich waren ständig viel zu viele Personen auf der Station, die die Patienten untersuchen wollten. Was in Deutschland nicht vorstellbar ist, darüber wird hier nicht einmal nachgedacht. Studenten sind dazu da, rund um die Uhr Patienten zu untersuchen. Das heißt, die Kinder wurden fast ständig von irgendwem untersucht. Und eine Mutter hätte nie gesagt, dass sie dies nicht möchte. Jeder im weißen Kittel ist für die Patienten ein Arzt. Prinzipiell ist dieses System für den Studenten nicht schlecht, weil er wirklich richtig Untersuchen lernt. Es ist allerdings etwas schade, dass nicht davor zurück geschreckt wird, Kinder am laufenden Band am Schlafen zu hindern.
Studenten tragen übrigens alle einen weißen Kittel. Ärzte kaum. „Electives“ können einen tragen, müssen aber nicht. Es empfiehlt sich aber, eine kleine Tasche für Wertsachen mitzubringen, da diese nirgendwo sicher sind. Die Kleiderordnung, die das „international office“ vorschreibt, sollte man nicht sehr ernst nehmen. Letztlich läuft jeder in der Klinik in ganz normaler Kleidung und keineswegs besonders schick herum.
Die Mütter sind fast alle den ganzen Tag bei ihren Kindern, Väter habe ich selten gesehen. Anders als in Deutschland werden den Müttern keine Betten zur Verfügung gestellt. Ein Teil von ihnen schläft daher auf einem Stuhl neben dem Bett. Da viele Kinder wochenlang auf eine OP warten oder nach der OP im Krankenhaus bleiben, sind die Mütter auch dementsprechend müde und übernächtigt.
Auf meiner Station sollte jeder Student zwei Patienten „betreuen“. Aber auch über die anderen sollte man Bescheid wissen. Die eigenen Patienten mussten bei Visite vorgestellt werden. Die Visite zu verfolgen, ebenso wie Anamnese erheben und Krankenakte lesen, war nicht immer ganz einfach. Die meisten Mütter sprachen „Afrikaans“, „Xhosa“ oder „Zulu“. Die Studenten waren aber alle immer sehr nett und haben versucht zu übersetzen, soweit es ihnen möglich war. Die Akten waren leider zum großen Teil auf „Afrikaans“ geschrieben. Zwar konnte man einiges erschließen oder verstehen, doch um sicher zu gehen, brauchte man auch hierfür die Hilfe der Studenten oder Ärzte.
Die „Consultants“ haben während der Visite grundsätzlich nur Englisch gesprochen - aber auch nur, wenn „electives“ dabei waren. Einige Studenten sowie „Interns“ und „Registrars“ hatten aber große Probleme mit Englisch, so dass während der Visite doch viele „afrikaans“ Sätze dabei waren. Manchmal übersetzte einer der „Consultants“ anschließend für mich. Langsames „Afrikaans“ konnte ich nach gewisser Zeit einigermaßen verstehen.
Die praktische Arbeit hing sehr von den „Interns“ auf Station ab. So wurde ich am Anfang der Famulatur nach der Visite nach Hause geschickt, weil es nur noch Papierkram zu erledigen gab. Die „Interns“ während meiner letzten zwei Wochen waren dagegen sehr bemüht, mich praktische Dinge erledigen zu lassen. Und ich durfte eigentlich alles machen, was angefallen ist. Dies waren hauptsächlich venöse und arterielle Blutabnahmen und Blutkulturen.
Die Station selbst war nicht immer ausreichend ausgestattet, so gab es chronischen Handschuhmangel. Es wurden dann einfach die viel teureren sterilen Handschuhe benutzt. Auch gab es nur eine Größe. Ich war daher sehr froh, doch noch einen Packen Handschuhe mitgenommen zu haben, auch wenn mir vom „international office“ versichert wurde, dass es genügend Handschuhe gebe. Aber nicht nur Handschuhe waren Mangelware, auch Materialien zum Blutabnehmen, Desinfektionsspray...
Das Blutabnehmen hier ist eine sehr spezielle Sache. So wurde das Blut bei größeren Kindern und Erwachsenen mit einer großen Spritze abgenommen und danach in verschiedene Behälter, in die vorher Antikoagulanz gegeben wurde, geleert. Es gab regelmäßige Blutbäder, von wegen geschlossene Systeme …
Die Station war eigentlich ein heilloses Durcheinander und mir ist es immer noch ein Rätsel, wie eine vernünftige Versorgung möglich war. Die „Interns“ und „Registrars“, die nur für zwei Wochen auf Station waren, interessierten sich nicht wirklich für die „Ordnung“ dort. Jeder machte zwar seine Arbeit mehr oder weniger engagiert, aber wenn irgendetwas besorgt werden musste, hat es nicht wirklich interessiert, schließlich ist man ja in wenigen Tagen schon wieder auf einer anderen Station…
Die Kommunikation zwischen Ärzten und Krankenschwestern war gleich Null. Im Prinzip haben beide Gruppen mehr oder weniger aneinander vorbei gearbeitet.
Famulatur in der Inneren MedizinMeine zweite Famulatur absolvierte ich auf der „infectious diseases“ Station. Diese Abteilung war eigentlich mehr eine Ambulanz und es wurden fast ausschließlich HIV-Patienten betreut. Seit 2004 gibt es ein von der Regierung ins Leben gerufenes und unterstütztes Programm, das auch Menschen ohne Krankenversicherung die Möglichkeit einer palliativen HIV-Therapie bietet. Einige Patienten werden aber aufgrund wissenschaftlicher Studien zum Glück schon länger behandelt. So habe ich soweit gesunde junge Erwachsene gesehen, die seit 15 Jahren antiretrovirale Medikamente einnehmen, offensichtlich mit sehr großem Erfolg! Leider gab es aber auch das Gegenteil. Schlimme Nebenwirkungen, resistente Viren…
Um an diesem Programm teilnehmen zu dürfen, müssen die Patienten zunächst einmal im Monat und später alle drei Monate in der Ambulanz zu Kontrollen erscheinen. Bei den Schwestern muss jeden Monat das Rezept abgeholt und dabei die leeren Tablettenpackungen mitgebracht werden. Nach zwei Jahren zuverlässiger Mitarbeit können Patienten auf eine Apothekenliste geschrieben werden, so dass sie ihr Medikament einfach nur noch dort abholen können und nicht für ein Rezept den ganzen Tag warten müssen. Da das Programm zunehmend Anklang findet, wurden die HIV-Programme inzwischen auch in einige der „Township Kliniken“ verlagert. Allerdings mussten deswegen auch Patienten, die nicht in, aber in der Nähe eines „Townships“ leben, dort hin ausgegliedert werden, was den meisten nicht gefällt und zu großen Betreuungsproblemen führt. Aber selbst Patienten aus den Townships wehren sich gegen die Überweisung aus Angst ihre Anonymität zu verlieren.
Da die pädiatrische Infektionsstation auf dem gleichen Gang liegt, hatte ich die Möglichkeit auch dort einen Einblick zu bekommen. Was insgesamt sehr auffallend und zugleich erschütternd war, ist die Tatsache, dass Mutter und Kind (oder Kinder) aufgrund der HIV-Tests während der Schwangerschaft von ihrer Krankheit wissen, viele Frauen sich aber nicht trauen es ihren Männern, falls überhaupt noch Kontakt zum Vater besteht, mitzuteilen. Und die Männer, die Bescheid wissen weigern sich zum Testen zu gehen.
Insgesamt habe ich einen sehr guten Eindruck von der Arbeit in dieser Ambulanz bekommen. Im Gegensatz zu der kardiologischen Kinderstation, auf der ich zuvor famuliert hatte, herrschte dort wirklich Ordnung. Jeder wusste was sein Bereich war und es gab auch keine Materialprobleme. Im Gegenteil, dort gab es geschlossene Blutabnahmesysteme, zwar nicht die gleichen wie in Deutschland, aber durchaus vergleichbare. Hier hatten die Schwestern ihren festen Arbeitsbereich und es wurde wunderbar zusammen gearbeitet.
Von Dienstag bis Donnerstag waren alle Ärzte in der Ambulanz beschäftigt. Am Montag wurden nur schwangere Frauen betreut. Ansonsten fanden montags und freitags - zusammen mit den Mikrobiologen - die Visiten statt. Da es hier keine abgegrenzte „Infectious Diseases“ Station gab, auf der dann wohl fast jeder internistische Patient hätte liegen müssen, waren die Patienten auf die verschiedenen anderen internistischen Stationen verteilt. Was doch recht auffallend war, kaum einem Patienten wurde während den Visiten je erklärt, was mit ihm los war oder wie es mit ihm weiter gehen würde – allerdings fragte auch selten einer nach.
Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin bei den Visiten mitzugehen, zuzuhören und Fragen zu stellen. Obwohl es nicht viel Praktisches für mich zu tun gab, war es aber trotzdem sehr interessant zu sehen, wie hier das HIV-Problem gemanaged wird. Mit all den Erfahrungen, die ich in dieser Zeit gemacht habe, muss ich leider sagen, dass das HIV-Problem trotz aller Mühe und guter Organisation wohl kaum in den Griff bekommen werden kann. Schon allein der kulturelle und gesellschaftliche Hintergrund verhindert dies. Zum Glück stellt die Regierung den Menschen, trotz der ablehnenden Meinung ihrer Gesundheitsministerin, endlich Medikamente zur Verfügung.
Die meisten Patienten haben sich sehr gefreut, dass sich eine Studentin aus Deutschland für sie interessiert. Manche konnten es kaum glauben, dass ich extra von so weit her gekommen war. Auch die Ärzte waren sehr motiviert, mir etwas zu erklären und ich hatte das Gefühl wirklich willkommen zu sein.
Südafrika – das Land und seine Bevölkerung Blick vom Tafelberg auf Devil’s Peak |
| Trotz der Famulatur blieb zwischendurch, am Ende und an den Wochenenden, noch genug Zeit, Land und Leute zu erkunden, wozu wir von den afrikanischen Ärzten auch immer ermuntert wurden. So fanden sich ohne Probleme kleinere Studentengruppen zusammen, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Es gibt wunderschöne Orte, die sich wunderbar für einen Wochenendtrip eignen, so z.B. die „Cedarberge“, das „little Karoo“, das „Namaqualand“ oder auch einfach nur Kapstadt. Für die „Garden Route“ sollte man sich etwas mehr Zeit nehmen und diese eventuell mit der „wild coast“ verbinden.
Die Menschen in Südafrika sind alle sehr freundlich. Das fängt schon bei den sehr hilfsbereiten und kontaktfreudigen einheimischen Studenten an. Land und Leute sind etwas gemütlicher, als wir Europäer es gewohnt sind. So lernte ich von unserem Tour guide auf „Robben Island“ eine afrikanische Weisheit, die er als Kind von seinem Vater gelehrt worden war, die so vieles auf den Punkt brachte: „Europeans have a watch, Africans have time.“ An der Kasse im Supermarkt wartet man gut und gerne mehr als 30 Minuten, obwohl eigentlich kaum andere Kunden vor einem stehen, und wenn man dann auch noch beim Einpacken mithilft, um das Tempo ein bisschen voran zu bringen, wird man schon etwas schief angeschaut.
Die Straßen sind in den verschiedenen Ecken des Landes sehr unterschiedlich. Außerhalb der großen Städte sind die Highways einspurig. Zwar darf man meist 120 km/h fahren, doch ist dies aufgrund der engen, zum Teil mit großen Löchern versehenen Straßen vor allem im „Eastern Cape“ nicht immer zu empfehlen. Die Straßenbeläge ändern sich oft ziemlich plötzlich und es kann passieren, dass kein Straßenschild auf eine halb aufgerissene Straße hinweist. Auf den nicht befestigten Straßen, den „gravel roads“ und „dirt roads“, empfiehlt es sich, ein Ersatzrad mit sich zu führen.
Lebensmittel, von Obst abgesehen, sind hier nicht viel billiger als in Deutschland. Dafür unterscheiden sich die Preise, wenn man ausgehen möchte, doch erheblich.
Während im „Western Cape“ erkennbar ist, dass die weiße Bevölkerung wenigstens einen kleinen Anteil an der Gesamtbevölkerung hat, ist davon im „Eastern Cape“ nicht viel zu erkennen. Die kleinen Städte dort, mit meist nur wenigen Geschäften und Tankstellen für die große Bevölkerungszahl, unterscheiden sich entscheidend von Kapstadt und Umgebung. Die „wild coast“ als eher ungefährliches Reiseziel bringt einem auf dramatische und zugleich schöne Weise das ursprüngliche afrikanische Leben nahe.
In den großen Städten dagegen kann man durch eine Townshiptour einen Eindruck vom Leben der ärmeren Bevölkerung bekommen. Es sollte sich aber jeder davor gut überlegen, ob man dies wirklich möchte und auf welche Weise. Es gibt sehr unterschiedliche Tourangebote. Wenn man Glück hat - so wie ich - erhält man die Möglichkeit, mit Ärzten in eine Townshipklinik zu gehen.
Leider muss man sagen, dass alle internationalen Studenten, wie auch viele Touristen, mit Angst nach Südafrika gereist sind, was eigentlich nicht nötig ist, wenn man sich an gewisse grundsätzliche Regeln hält. Geschichten, die man in Deutschland hört, sind meistens übertrieben - Johannesburg ausgenommen. Mir ist in Kapstadt kein unmittelbar überlieferter Zwischenfall zu Ohren gekommen, aber natürlich kann immer etwas passieren, denn schließlich ist Kapstadt nicht anders als jede andere Großstadt auf der Welt.
Mein Fazit Kapstadt – Waterfront mit Blick auf den Tafelberg |
| Ich weiß nicht, ob ich nochmals am Tygerberg Hospital famulieren würde. Die Ärzte haben sich zwar sehr viel Mühe gegeben, aber für meinen Geschmack wurde einfach zu viel „Afrikaans“ gesprochen und oft wurde zu wenig gezeigt oder erklärt bzw. für einen deutschen Medizinstudenten vielleicht auch zu viele praktische Kenntnisse vorausgesetzt. Es lief mehr nach dem Motto, mach einfach mal. Vieles wird von Student zu Student weiter gegeben, worunter nicht nur die Hygiene zu leiden hat.
Wenn ich nochmals hingehen würde, würde ich nur noch in der Chirurgie arbeiten wollen, weil dort wirklich viel Praktisches gemacht werden konnte und ich von Medizinstudenten in der Chirurgie fast ausnahmslos nur Positives gehört habe!
Es ist auf jeden Fall zu überlegen, sich eine HIV-Postexpositionsprophylaxe mitzunehmen. Zwar ist eine eventuell benötigte HIV-Postexpositionsprophylaxe in den Studiengebühren inbegriffen, doch in der Realität muss diese wahrlich erkämpft werden.
Was mich auch sehr gestört hat, war die große Anzahl deutscher Medizinstudenten. Die ursprüngliche Absicht, dort Englisch zu lernen, verflog ziemlich bald.
Erwartet wurde von „electives“ leider nichts, denn bei den südafrikanischen Ärzten schien die nicht unbegründete Meinung vorzuherrschen, dass „electives“ zum puren Vergnügen, also zum Reisen und Party machen, in Südafrika sind. Schließlich würden es südafrikanische Studenten in Europa ja auch nicht anders machen…
F., M. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Tübingen, Dezember 2006
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