Motivation, Bewerbung und Vorbereitung
Ankunft und Unterkunft
Die Klinik und meine Arbeit
Freizeit
Fazit
Motivation, Bewerbung und VorbereitungMeine Freundin und ich hatten die Idee, zusammen eine Famulatur in der Schweiz zu absolvieren. Da wir wussten, dass man sich rechtzeitig darum kümmern muss, haben wir uns ein Jahr vor dem geplanten Termin an die Arbeit gemacht, was sich als sinnvoll herausstellte, da an vielen Krankenhäusern schon alle Plätze vergeben waren. Wir wollten unbedingt nach Davos, um auch zum Skifahren gehen zu können.
Meine Freundin suchte dann verschiedene Adressen aller Krankenhäuser in Davos aus dem Internet und ich machte mich dann an die Arbeit, alle anzurufen. Wie gesagt, war dann die Enttäuschung erst mal groß, da mir fast alle Sekretärinnen gleich am Telefon sagten, dass sie schon eineinhalb bis zwei Jahre im Voraus ausgebucht seien. Nur bei der Hochgebirgsklinik (HGK) in Davos-Wolfgang hatte ich Erfolg. Die Sekretärin dort, Frau Garrido, meinte, ich könne ja mal meine Bewerbung schicken - und dann hatte ich eine Woche später meine siebenwöchige Famulatur bestätigt bekommen. Meine Freundin hatte sich daraufhin dann auch schriftlich beworben - und bekam ihre gewünschten vier Wochen, so dass wir fast einen Monat dort gemeinsam famulierten.
Man benötigt eine Auslandskrankenversicherung, aber kein Visum und keine Impfungen - zumindest keine anderen als in Deutschland. Als „geistige“ Vorbereitung könnte man, wenn man möchte, noch mal die Physiologie der Lunge durchlesen oder die dermatologischen Grundbegriffe lernen, da ich aber noch keine Dermatologie hatte, habe ich mich nicht vorbereitet. Dies macht auch gar nichts aus, da die Ärzte wirklich nett sind und einem alles erklären. Sinnvoll ist es ein paar Bücher mitzunehmen, dann kann man immer nachschlagen, wenn man möchte. Ansonsten fragt man einfach seinen Stationsarzt, der einem sicherlich Literatur gibt.
Ankunft und UnterkunftAngereist bin ich mit dem Auto, wobei man auch mit dem Zug eine prima Verbindung hat. So soll z.B. eine Fahrt mit dem „Glacier Express“ wunderschön sein, insbesondere wenn Schnee liegt.
Ich bekam schriftlich mitgeteilt, dass ich mich bei der Hauswartin Frau Stuber vor meiner Anreise melden sollte, was ich dann auch getan habe. Mein Schlüssel für die Unterkunft war an der Rezeption hinterlegt und so konnte ich gleich in mein Zimmer im Personalwohnheim einziehen. Das Personalwohnheim ist direkt neben der Klinik, so dass man sich ungefähr zwei Minuten vor Arbeitsbeginn auf den Weg machen muss. Leider gibt es für ein Stockwerk nur ein Bad, jedoch hat jedes Zimmer ein eigenes Waschbecken. Man muss sich halt gut absprechen, wenn die ganze Etage morgens duschen will…. Das Zimmer, egal ob Einzel- oder Doppelzimmer, falls mal Besuch kommt, kostet pro Woche 50 ChF (ca. 35 €), hat einen TV Anschluss, jedoch keinen TV. Bettwäsche bekommt man gestellt, Handtücher muss man selber mitbringen. An einen Adapter sollte man auch denken, man kann ihn aber auch von der Rezeption gegen Pfand ausleihen.
Essen gibt es kostenlos dreimal täglich vom Buffet. Es schmeckt sehr lecker und man kann nehmen was und soviel man will.
Die Klinik und meine Arbeit Im Arztzimmer |
| Die Hochgebirgsklinik (HGK) ist eine Deutsche Reha- und Akutklinik, jedoch kein Lehrkrankenhaus. Ärzte und Patienten sind fast ausschließlich Deutsche, mit wenigen Ausnahmen, wobei ich nicht weiß, welche Schweizer Patienten genommen werden und warum. Bei den Schwestern ist es gemischt, also Deutsche und Schweizer, das Reinigungs- und Verwaltungspersonal ist schweizerisch.
Es gibt sehr viele Jungassistenten und das Personal wechselt häufig, da viele nur für ein bis zwei Jahre an der HGK arbeiten. Nur die Ober- und Chefärzte sind etwas älter und arbeiten dort auch schon teilweise seit über 20 Jahren. Das Arbeitsklima ist richtig klasse. Da die HGK nur acht Stationen hat, von denen sechs deutsch sind (zwei sind holländisch; mit den Holländern hat man jedoch gar nichts zu tun) kennt jeder jeden und man ist auch fast von Anfang an mit jedem - außer den Oberärzten - per „Du“. Außerdem ist es nicht unüblich, mit den Ärzten abends auszugehen oder zusammen auf die Skipiste zu gehen.
Es gibt drei pneumologische, zwei dermatologische und eine Privatstation. Außerdem gibt es noch Kinderstationen mit Begleiteltern und Elternstationen mit Begleitkindern. Die Patienten auf den Lungenstationen haben meist verschiedene Formen von Asthma, Lungenemphysem, Chronische Bronchitis, Allergien, allergische Aspergillose und Bronchitiden. Auf den dermatologischen Stationen sind meist Neurodermitiker, Psoriatiker, Patienten mit Kontaktekzemen und Dermatosen. Die Kinderstationen sind ebenfalls nach Haut- und Lungenkrankheiten getrennt, wobei die Patienten oftmals von beiden Krankheiten betroffen sind. Ziel des Aufenthaltes für die Patienten ist, möglichst die hohen Cortisondosen zu reduzieren, was unter den Bedingungen des Hochgebirgsklimas besser zu realisieren ist als in tiefer gelegen Regionen, da es auf 1600m nahezu keinen Pollenflug und keine Milben gibt.
Man darf sehr viel selbstständig machen, wenn man möchte und man ist immer mit eingebunden. Alle bemühen sich und versuchen einem, etwas beizubringen, zu erklären oder zu zeigen. Ich habe z.B. Patienten selbst aufgenommen, untersucht und danach noch den Aufnahmebefund diktiert. Bei der Visite und der Ausarbeitung dieser ist man ebenfalls mit eingebunden.
Die Arbeitszeiten sind für Famuli auch sehr angenehm. Morgens von 8.00 bis 12.00 Uhr, nachmittags von 16.00 bis 18.00 Uhr, so dass man sich bei schönem Wetter schon mal eine Nachmittagskarte kaufen kann und rauf auf die Piste gehen kann. Wenn man Glück hat, kann es auch mal sein, dass man nachmittags gar nicht mehr kommen muss, dann kann man noch länger Skifahren.
Freizeit Die schönen Berge |
| In der Freizeit - im Winter - kann man zum Skifahren oder Snowboarden gehen. Es gibt auch Langlaufloipen, Schlittenbahnen und ein Hallenbad. Das Skigebiet ist nicht ganz klein. Es gibt „Parsenn“, „Jakobshorn“, „Rinerhorn“, „Pischa“ und „Klosters“. Alles ist mit dem Bus erreichbar bzw. es gibt sogar eine Abfahrt von „Parsenn“, die direkt am Personalwohnheim endet.
Es gibt viele Cafes, Bars und Kneipen in Davos. Wenn man möchte, kann man auch in der Klinik Billardspielen. Nachmittags kann man auch einen Spaziergang um den Davoser See machen oder am See entlang ins Dorf gehen.
Es gibt viele Pizzerien, die allerdings nicht ganz billig sind. Außerdem kann man zum Fondue-Essen gehen, ist aber auch nicht ganz preiswert (Käsefondue 25 ChF, ca. 17€, Fleischfondue das Doppelte), aber sehr lohnenswert - habe ich mir sagen lassen.
Von Januar bis in den April sind ständig um die fünf oder sechs Famuli da, zudem zwei PJ`ler und ferner zwei bis drei Physiotherapeuten, die auch dort einen Teil ihrer Ausbildung machen. Also man findet eigentlich immer Anschluss und es gibt genügend junge Leute, mit denen man etwas unternehmen kann. Da die meisten alleine angereist sind und man im gleichen Haus wohnt, sind alle sehr aufgeschlossen und kontaktfreudig.
Auch im Sommer ist immer etwas geboten. Man kann wandern und „mountainbiken“. Außerdem gibt es ein Sommercamp für die Patienten.
Fazit In der „Chämi-Bar“ |
| Mir hat es in Davos sehr gut gefallen, da ein wirklich tolles Arbeitsklima herrschte, die Leute aufgeschlossen und nett waren. Man hat immer Hilfe bekommen, wenn irgendetwas geregelt werden musste, z.B. wenn man Besuch erwartete, einen Parkplatz oder ein Fernsehkabel brauchte. Ich habe viel gelernt, auch was die allgemeine Stationsarbeit angeht - muss man ja irgendwann alles selber auf die Reihe bekommen.
Man hat in Davos immer viel Spaß - auch im Sommer, hat man mir erzählt. Ich möchte die Zeit nicht missen, auch wenn ich mir nach zwei Wochen den Arm beim „Snowboarden“ gebrochen habe, konnte ich trotzdem noch mitarbeiten und hatte viel Spaß.
Als „Schmankerl“ war in der Zeit, in der meine Freundin und ich dort waren, ein Kongress über Lungen- und Hautkrankheiten, an dem wir kostenlos teilnehmen durften. Dort konnten wir gleich unser neu gelerntes Wissen anwenden und sogar praktische Dinge, wie z. B. Prick-Tests machen und Cremes und Salben ausprobieren.
Ein weiterer Pluspunkt an der Hochgebirgsklinik in Davos-Wolfgang ist, dass man auf Anfrage ein Zeugnis über die Famulatur ausgestellt bekommt und wenn man positiv aufgefallen ist, dann kann man als PJ´ler oder sogar als Assistenzarzt wiederkommen.
J., N.
Ehingen, Mai 2006 |