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Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie, Universitätsklinikum Haiti, Port-au-Prince, Haiti
(Wir sind dankbar für diese Erfahrung., 15.07. - 19.09.2008)

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Haiti – ein Land mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Genau hier wollten wir zwei Monate unseres Krankenpflegepraktikums absolvieren. Verwandte von uns hatten dort vor einigen Jahren Entwicklungshilfe geleistet und so bestanden noch einige Kontakte. Und obwohl wir uns auf diese Weise und durch andere Quellen auf unser Vorhaben vorbereiten konnten, hatten wir über die realen Dimensionen, das Leben und Arbeiten in Haiti betreffend, bis zur Ankunft keine Vorstellung.

Unsere Idee, unser Ziel – Haiti!
Vorbereitung
Unsere Arbeit am Universitätsklinikum
Leben in einer haitianischen Familie
Haiti – das Land und seine Bewohner
Sicherheitsaspekte
Unser Fazit

Unsere Idee, unser Ziel – Haiti!


In einem Vorort von Port-au-Prince
Wie bei allen Auslandsaufenthalten wollten auch wir nach dem 4. Semester neue Erfahrungen sammeln, ein fremdes Land und dessen Kultur kennenlernen sowie unser bisher erlangtes Wissen praktisch anwenden.

Uns kam schnell die Idee, nach Haiti zu gehen, da Verwandte von uns dort vor einigen Jahren Entwicklungshilfe geleistet hatten und so noch einige Kontakte bestanden. Durch Erzählungen, Filme und Bücher erfuhren wir von einem Land, das uns zuvor unbekannt war.
So konnten wir uns schon vorher ein Bild über die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Haiti machen und es war uns bewusst, dass die dortigen Lebensumstände um einiges schwieriger sein würden als hierzulande. Dennoch hatten wir über die realen Dimensionen bis zur Ankunft keine Vorstellung.

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Vorbereitung


Blick auf Port-au-Prince
Schnell kamen wir über unsere Verwandten mit einem deutschsprachigen Chirurgen aus Port-au-Prince in Kontakt, der uns bei der Bewerbung und anderen Formalitäten behilflich war. Wir hatten die Wahl zwischen einem staatlichen Universitätskrankenhaus in der Hauptstadt und mehreren Privatkrankenhäusern. Unsere Entscheidung fiel auf das staatliche Krankenhaus, da dieses die einzige Möglichkeit für die ärmere Bevölkerung darstellte, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen. Dies ließ uns einen näheren und realen Eindruck von dem Land und den Zuständen gewinnen.

Insgesamt haben wir einige Monate gebraucht, um das Praktikum zu organisieren, die Unterkunft zu finden und die Flüge zu buchen.

Als Literaturangabe möchten wir an dieser Stelle den Polyglott Apa Guide zu „Dominikanische Republik/Haiti“ nennen. Für Impfungen gilt: Hepatitis A und B, Typhus, Malaria-Prophylaxe. Als Versicherung ist an eine Auslandsreisekrankenversicherung zu denken. Für den Flug muss man mit circa 1.400 EUR rechnen. Für einen Aufenthalt unter drei Monaten ist kein Visum nötig.

(Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der entsprechenden Botschaft nach den aktuellen Einreisebestimmungen des jeweiligen Landes erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

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Unsere Arbeit am Universitätsklinikum


Auf dem Krankenhausgelände
Das H.U.E.H (L’Hôpital de l’Université d’état d’Haiti) ist das einzige staatliche Universitätskrankenhaus in Haiti. Zu Beginn unseres Praktikums führte uns Dr.Kernisan durch die Krankenhausanlage und stellte uns in den einzelnen Departements vor. Wir arbeiteten für jeweils zwei Wochen in der Chirurgie, der Inneren Medizin, der Pädiatrie und der Gynäkologie.

Insgesamt herrschten im Universitätsklinikum schlechte Bedingungen, sodass aufgrund des Geldmangels die medizinische Behandlung auf das Minimum reduziert war. Zum Beispiel war es für uns neu, dass Patienten die Medikamente selber zahlen mussten.

An unserem ersten Arbeitstag in der Chirurgie gewannen wir einen ersten Eindruck über die Gegebenheiten des Krankenhauses. Primitive Räumlichkeiten ohne sanitäre Anlagen, beißender Gestank einer Mischung aus Urin, Fäkalien, Erbrochenem, Fäulnis und Schweiß, überall Dreck auf dem Boden und Patienten mit offenen nekrotischen Wunden, auf denen die Fliegen saßen. Wir wunderten uns über die zivile Kleidung der behandelnden Ärzte und erfuhren, dass diese seit sechs Monaten kein Gehalt mehr bekommen hatten und auf freiwilliger Basis arbeiteten.

Angehörige saßen tagsüber neben den Betten und kümmerten sich um die Verpflegung wie Essen, frisches Wasser, Medikamente und Bettwäsche. Ab und zu kamen Voodoo-Priester, die für die Genesung der Kranken gesungen und gebetet haben. Die Chirurgie war aufgeteilt in einen Frauen- und einen Männer-Raum. Alle Patienten lagen dicht nebeneinander, hatten keinerlei Privatsphäre und es tummelten sich überall Kakerlaken, Fliegen und Spinnen.

Unsere Arbeit bestand darin, Infusionen zu legen, Blut abzunehmen, Ampullen aufzuziehen, Spritzen zu geben, Akten zu ergänzen und an einer kurzen morgendlichen Visite mit den Schwestern teilzunehmen. Hierbei bemerkten wir vor allem die sprachliche Barriere, da die Patienten nur ihrer einheimischen Sprache (kreolisch) mächtig waren und wir uns mit unseren französischen Sprachkenntnissen nicht verständigen konnten.

Zu sehen bekamen wir viele Schussverletzungen, Gangräne im fortgeschrittenen Stadium, Darmdurchbrüche, Verbrennungen und Säuglingsmissbildungen wie Hydrocephalus, Gesichtstumore etc.

Im OP-Saal herrschten keine sterilen Bedingungen, denn z.B. betrat das Personal die Räume mit Straßenschuhen. Viele angesetzte Operationen mussten aufgrund von Materialmangel und Stromausfällen abgesagt werden. Auffällig waren die vielen nicht brauchbaren und defekten Geräte, die aufgrund von fehlender Wartung und unzureichenden technischen Fachkräften brach lagen.

In der Pädiatrie kümmerten wir uns um Frühgeborene, wechselten Windeln, wuschen sie mit ihren eigenen Kleidungstücken und kleideten sie neu ein. Zudem untersuchten wir Vitalzeichen, wogen sie und gaben Medikamente. Die Mütter, welche selber oft noch sehr jung waren, schliefen neben den Kindern auf dem Boden und versorgten sie. Uns ging sehr nahe, dass nur vitale, kräftige Säuglinge eine Chance zum Überleben hatten und wir deshalb oft tote, unbedeckte Kinder im Korridor liegen sahen.

Auf der Gynäkologie durften wir in den Kreißsaal und bei den Geburten zusehen. Zum ersten Mal haben wir eine Plazenta bestaunen können und erlebten Reanimationen an Neugeborenen. Leider war die medikamentöse Versorgung nicht durchgängig gewährleistet, da die Angehörigen kein Geld für Arzneimittel aufbringen konnten. Viele der Schwestern hatten einen zweiten Job in Privatkliniken und arbeiteten in der Uniklinik aus Solidarität zu ihrem Volk. Trotz der sprachlichen Barriere wurden wir gut von den Schwestern betreut und bekamen von den oft sehr sprachbegabten Ärzten (deutsch und englisch) vieles erklärt.

Tipps: Man sollte auf jeden Fall ein Grundrepertoire an Handschuhen, Desinfektionsmitteln, Tupfer, Papier und Kulis von Deutschland mitbringen. Diese Basis-Ausstattung war stets sehr knapp und daher als wertvoll angesehen.

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Leben in einer haitianischen Familie

Unsere Unterkunft bekamen wir über eine in Deutschland lebende Haitianerin. Wir wohnten im oberen Stockwerk eines Mehrfamilienhauses und im Erdgeschoss lebte eine haitianische Familie, die für uns kochte und mit denen wir bei Kerzenschein, es war mal wieder Stromausfall, über Politik, Religion und das unterschiedliche Leben in Deutschland und Haiti diskutierten.

So waren wir in das haitianische Leben integriert und lernten viel über die Menschen und ihre Kultur. Da wir aufgrund der Dunkelheit und mangelnder Sicherheit ab 18.00 Uhr nicht mehr auf der Straße sein durften, hatten wir viele Gelegenheiten, uns mit der Familie zu beschäftigen und uns Gedanken über unser Leben in Deutschland zu machen.

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Haiti – das Land und seine Bewohner


Auswirkungen des Hurrikans
In der Vergangenheit wurde Haiti durch zahlreiche Diktaturen zerstört und heruntergewirtschaftet. Es gab zahlreiche Menschen, die auf der Straße schliefen oder in Slums lebten und um das blanke Überleben ihrer Familie kämpften. Trotz der unübersehbaren Armut herrschte ein fröhliches und buntes Treiben auf der Straße: Maler verkauften ihre Werke, Marktfrauen boten frisches Obst und Diverses an, Kinder spielten Fußball und sangen haitianische Lieder.

Ein besonderes Transportmittel waren die farbenfrohen „Tapp-Taps“, bei denen auf der Ladefläche zahlreiche Menschen Platz nehmen konnten und aus denen laut haitianische Musik tönte. Im Laufe der Zeit lernten wir, wie wir am besten dem chaotischen Verkehr und zahlreichen Schlaglöchern ausweichen konnten.

Am Ende unseres Aufenthaltes wurde Haiti von schweren Hurrikans getroffen, denen tausende Menschen zum Opfer fielen. Rund um die Uhr waren Hilfsorganisationen im Einsatz und brachten uns Schwerverletzte und Kinder ins Krankenhaus, die ihre Familie in den Fluten verloren hatten.

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Sicherheitsaspekte


Leben auf den Straßen in Port-au-Prince
An dieser Stelle möchten wir es nicht vergessen, einige wichtige Vorsichtsmaßnahmen nennen, die man bei einem Aufenthalt in Haiti wirklich zu beachten hat. Zunächst einmal sollte man keine großen Geldbeträge bei sich haben als auch keine auffällige Kleidung und keinen Schmuck tragen.

Ab 18.00 Uhr sollte man nicht mehr auf die Straße gehen. Es ist ferner zu beachten, dass man fremden Leuten nicht den Wohnort preisgibt. Und ein Geldwechsel auf offener Straße ist in jedem Fall zu vermeiden.

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Unser Fazit


Im Kinderheim
Für uns waren die zwei Monate eine wunderbare und unvergessliche Zeit, in der wir ein neues Lebensgefühl entdeckten. Auf der einen Seite ist das Leben in Haiti sehr schwierig, da wir uns aufgrund von mangelnder Sicherheit nicht völlig frei bewegen konnten, aber auf der anderen Seite haben wir in Haiti ein Gefühl der Freiheit, des zeitlosen Lebens und eine Gemeinschaft untereinander erfahren. Im Gegensatz zu Deutschland, wo jeder auf sich konzentriert durch den Tag hetzt und seinen Weg geht, spielt sich das Leben in Haiti mehr auf den Straßen ab.

Wir empfehlen kein Praktikum in Haiti ohne Kontakte zu Einheimischen, da uns oftmals vor Augen geführt wurde, wie wichtig es ist, Ansprechpartner zu haben.

Die Haitianer sind uns sehr ans Herz gewachsen, sodass für uns feststeht, dass wir als Ärzte wieder nach Haiti zurückkehren werden, um humanitäre Hilfe zu leisten.

Wir sind dankbar für diese Erfahrung.

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K., B. und W., N.
Rostock, September 2009
News-Alarm