Motivation
Bewerbung
Vorbereitung
Das Uniklinikum
Mein Praktikum
Finanzierung und Freizeit
Fazit
MotivationNach dem Abitur wollte ich nach Frankreich gehen, um endlich richtig Französisch zu lernen, da ich zwei Jahre zuvor das Schulfach abgewählt hatte. So begann ich Ende August 2003 als „Au-pair“ in einen Vorort von Strasbourg. Zunächst wollte ich ein halbes Jahr Au-pair sein, dann drei Monate nach Hawaii, um im Nationalpark zu arbeiten und letztlich noch die drei Monate Pflegepraktikum machen, um dadurch herauszufinden, ob ich wirklich Medizin studieren wolle. Doch nach nur wenigen Wochen als Au-pair erhielt ich überraschend die Zusage für einen Medizinstudienplatz in Heidelberg.
Nach einem Tag Bedenkzeit entschied ich mich dafür, den Studienplatz anzunehmen und zog somit, nach fünf Wochen in Frankreich, zum Studieren nach Heidelberg. Über diese Entscheidung bin ich immer noch sehr froh. Da eine so kurze Zeit nicht ausreicht, um eine Sprache fließend sprechen zu lernen, hatte ich die Idee, für mein Pflegepraktikum wieder nach Frankreich zurückzukehren.
BewerbungZum einen bewarb ich mich in Paris, da eine Kommilitonin dort gewesen war. Allerdings fand ich dort nicht die richtige Ansprechperson, so dass ich keine Antwort auf meine Schreiben bekam.
Zum anderen suchte ich auf der Homepage der „Hôpitaux Universitaires de Strasbourg“ und fragte Anfang März 2004 per Email bei der Personalabteilung nach, ob ein Pflegepraktikum dort überhaupt möglich sei, da das Äquivalent in Frankreich nur fünf Tage dauert. Drei Wochen später wurde mir geantwortet, dass ich mich doch außerhalb der Sommermonate bewerben solle. Wie sich nämlich während meines Praktikums herausstellte, war im Sommer 2004 schon ein anderer deutscher Student auf der Station. Etwas entmutigt bewarb ich mich Ende Juni 2004 noch einmal und bekam sofort eine Zusage für den März 2005 auf der Station „Chirurgie Cardiovasculaire“.
In der Zwischenzeit hatte ich mir für den Sommer 2004 je 30 Tage Pflegepraktikum in der Frauenklinik in Heidelberg und der Charité in Berlin (Dermatologie) gesichert, um auf meine 90 Tage zu kommen.
VorbereitungIm zweiten und dritten Semester besuchte ich Französischkurse im Sprachlabor, um die Sprache wieder ins Ohr zu bekommen. Vor allem der Kurs „Hörverstehen und Sprechfertigkeit“ half vor Ort, den Gesprächen besser folgen zu können.
Ich hatte auch das Buch „Le français médical“, das allerdings die Themen nur sehr oberflächlich behandelt und nur zur Einstimmung praktisch ist. Im Krankenhaus kopierte ich mir dann eine Zusammenschrift der gebräuchlichen Abkürzungen der Station, welche wesentlich hilfreicher waren.
Die Wohnungssuche gestaltete sich etwas schwierig, da es unmöglich schien, eine Unterkunft für nur einen Monat zu finden. In Berlin war dies kein Problem gewesen, da während der vorlesungsfreien Zeit jede Menge Zimmer zur Zwischenmiete angeboten wurden. Dass dies in Frankreich ganz anders ist, hatte ich zu Beginn nicht gedacht. Letztlich bekam ich äußerst kurzfristig doch noch eine Antwort auf meine Annonce im Internet. Glücklicherweise hatten mir auch Freunde meiner Au-pair Familie ihr Gästezimmer angeboten, so dass ich sogar wählen konnte und mich für die Wohnung der Freunde entschied, womit ich keine Miete zahlen musste und sich die Kosten für die Wohnung nur auf einige Gastgeschenke beliefen. Ich wohnte „centre ville“ und brauchte mit dem Fahrrad nur fünf Minuten zum Krankenhaus.
Das UniklinikumDie „Hôpitaux Universitaires de Strasbourg“ sind fast schon eine Stadt in der Stadt und somit ein riesiger Gebäudekomplex. Leider sind viele der alten Häuser von außen nicht sehr gut gepflegt und auf meiner Station gab es auch nur eine Dusche und zwei Toiletten für die ganze Station. Allerdings wird gerade ein ganz neues Gebäude, mit besserer Ausstattung, gebaut, das 2007 fertig sein soll.
Mein PraktikumAn meinem ersten Tag kam ich um 8.00 Uhr auf die Station und hatte das Gefühl, dass sich zunächst keiner so richtig für mich zuständig fühlte. Doch dann war schnell klar, dass ich die erste Woche den „aide soignantes“ (Krankenpflegehelferinnen), von denen es in Frankreich deutlich mehr als in Deutschland gibt, zugeteilt war. Das heißt, mir wurde gleich beigebracht, die Betten auf französische Art zu machen. Am gleichen Tag fingen mit mir auch zwei Krankenschwesternschüler ihr vierwöchiges Praktikum auf der Station an, so dass die Station zunächst mit unserer Betreuung überfordert war. Letztlich arbeitete ich meist in der Schicht mit der einen Krankenschwesternschülerin, was sich auch als sehr geschickt erwies, da sie die Zeit hatte, mir viel zu zeigen und zu erklären.
Die Schichten gingen von 6.30 Uhr bis 14.00 Uhr und von 13.30 Uhr bis 21.00 Uhr. Morgens bestand das Programm daraus, Betten zu machen, den Patienten beim Waschen zu helfen und sie zum Frühstück vorzubereiten. Bald half ich auch beim Blutdruck, Puls und Fieber messen, beim Wiegen, fragte nach Stuhlgang und Schmerzen und protokollierte dies. Außerdem wurden die Medikamente verteilt und die Blutabnahmen gemacht. Nachdem ich mich bewährt und signalisiert hatte, dass ich auch gerne Blut abnehmen würde, durfte ich dies bald auch ganz selbstverständlich machen (in den deutschen Krankenhäusern machten dies nur die Famuli und die Ärzte).
Nach dem Frühstück, das um 8.00 Uhr ausgeteilt wurde, aßen auch die Krankenschwestern gegen 9.00 Uhr ihr Frühstück: frisches Baguette, Marmelade und Kaffee. Anschließend ging es mit den Verbandswechseln weiter. Nachdem ich einige Male die Technik der französischen Krankenschwestern beobachtet hatte, durfte ich auch einfache Verbände wechseln. Meist waren dies geklammerte Wunden auf dem Sternum nach Bypässen, Ersatz von Herzklappen und Ähnliches.
Nach Entlassungen mussten immer die Betten desinfiziert und neu bezogen werden, so dass es immer etwas zu tun gab. Aufnahmen habe ich nie alleine gemacht, da ich Angst hatte, die Patienten falsch zu verstehen bzw. sie von Anfang an zu verunsichern. Da die meisten zwar auch elsässisch redeten und somit auch deutsch verstehen konnten, wäre dies aber sicher auch gut gegangen.
Nach der Übergabe war die Schicht dann um 14.00 Uhr vorbei und ich hatte noch den halben Tag frei, um die Stadt zu genießen.
Nachmittags wurden zunächst noch einmal die Werte gemessen und die Betten straff gezogen. Insgesamt war weniger zu tun, so dass ich auch die Zeit hatte, mich im Arztzimmer in einige „Fälle“ zu vertiefen, das heißt Einblick in die Akten zu bekommen. Vor dem Abendessen wurden wieder die Medikamente verteilt und gegen 20.00 Uhr die letzten Heparinspritzen gegeben. Eigentlich hatte ich nur gegen Ende der Schicht nicht viel zu tun, wenn die Krankenschwestern den Tag protokollierten. Aber auch dann bin ich zu den klingelnden Patienten gegangen, habe Schieber gebracht und mich unterhalten, so gut es ging.
Meinen letzten Arbeitstag habe ich im OP verbracht und beim Ersatz einer Pulmonal- und Aortenklappe zugeschaut. Es war sehr beeindruckend, das schlagende Herz im geöffneten Perikard zu sehen. Nachdem das Blut dann über eine Maschine weiter gepumpt wurde, leerte sich das Herz und übrig blieb ein schlaffer „Sack“. Dadurch, dass dies mein letzter Tag war, konnte ich leider nicht die Genesung der Patienten weiter beobachten. Ich hätte schon früher und bestimmter sagen müssen, dass ich in den OP möchte.
Finanzierung und FreizeitVon den Kosten her habe ich schon mehr ausgegeben als zu Hause, da ich die Zeit in Frankreich auch als Urlaub angesehen habe und viel ausprobieren und mitnehmen wollte. Da ich glücklicherweise keine Miete zahlen musste und ich zudem mein Zimmer in Heidelberg kurzfristig zwischen vermieten konnte, kam ich sehr gut aus.
Bei gutem Wetter bin ich meist durch die Stadt gebummelt und habe die kleinen Läden nach brauchbaren Souvenirs durchstöbert. Auch die Märkte waren wunderschön und als es wärmer wurde, spielten immer mehr Straßenmusiker auf den Plätzen.
Abends war ich öfters im Kino, natürlich der Sprache wegen, und mit Freunden, die mich besucht haben, in den kleinen Cafés. Außerdem muss man unbedingt in der Orangerie ein Eis essen und das europäische Parlament usw. zumindest von außen betrachten. An der Ill, dem Fluss, der die Innenstadt umsäumt, kann man schön spazieren gehen oder auch joggen.
Ich habe die Zeit sehr genossen und mich weder morgens noch abends in den Straßen unsicher gefühlt, da immer Leute unterwegs waren. Morgens die Müllabfuhr, abends die Studenten.
FazitDie Zeit verging letztlich viel zu schnell und ich hoffe bald ein Semester in Frankreich studieren zu können bzw. zumindest für eine Famulatur wieder nach Frankreich gehen zu können.
M., M.
Heidelberg, März 2005 |