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Geriatrie / Gerontologie und Innere Medizin, Kreiskrankenhaus Akureyri, Island
(Entspanntes Arbeitsklima bei familiärer Atmosphäre, 09.09. - 10.10.2004)

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Warum gerade Island?
Bewerbung
Erste Eindrücke und Unterkunft
Arbeit auf der Geriatrie und auf der Inneren
Sprachkenntnisse
Land & Leute
Mein Fazit

Warum gerade Island?

Vom 09.09.-10.10 2004 habe ich ein Krankenpflegepraktikum im Kreiskrankenhaus in Akureyri auf Island gemacht. Vor dem Beginn meines Medizinstudiums hatte ich den Sommer über auf einer Farm auf Island gearbeitet. Nachdem ich zurückkam, hatte ich großes Interesse daran, auch das städtische Leben auf Island kennen zu lernen, da sich Stadt- und Landleben auf Island stark voneinander unterscheiden.


Bewerbung

Ich hatte den ersten Monat meines Krankenpflegepraktikums bereits in Deutschland absolviert und beschloss dann, in den Semesterferien nach dem zweiten Semester den zweiten Teil des Praktikums auf Island abzulegen. Ich bewarb mich vier Monate vor Beginn sowohl in der südlich gelegenen Hauptstadt Reykjavik, als auch in der zweitgrößten Stadt Akureyri - im Norden der Insel.

Anfangs gab es einige Schwierigkeiten, denn die MedizinstudentInnen auf Island benötigen kein Pflegepraktikum, sondern können direkt als bezahlte Arbeitskraft auf der Station mithelfen. So gab es einige Missverständnisse mit meiner Bewerbung, da die Pflegedirektion ein unbezahltes Pflegepraktikum, wie es bei uns üblich ist, gar nicht kennt und davon ausging, dass ich einen bezahlten Sommerjob suchte. Als die Missverständnisse ausgeräumt waren, verlief die weitere Planung unproblematisch.

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Erste Eindrücke und Unterkunft

Anfang September bin ich dann nach Akureyri gefahren und wurde sehr nett am Busbahnhof von der Pflegedirektorin þóra Ákadóttir empfangen. Sie war auch im weiteren Verlauf meine Ansprechpartnerin. Dann wurde ich durch das Krankenhaus geführt und zu meiner Unterkunft gebracht. Das Krankenhaus verfügt über ein nahe gelegenes Haus mit zwei als Wohngemeinschaften angelegten Wohnungen, in denen PflegerInnen und ÄrztInnen unterkommen, die nur für ein paar Wochen im Krankenhaus mitarbeiten.

Anfangs teilte ich mir die gemütliche und mit allem ausgestattete Wohnung mit einer deutschen Famulantin. So konnten wir uns austauschen über die Dinge, die wir im Krankenhaus im Laufe des Tages erlebten. In den nächsten Wochen wechselte die Besatzung der Wohnung hin und wieder und so wohnte ich auch mit Isländern zusammen, was auch sehr interessant war. Von meinem geräumigen Zimmer aus hatte ich einen unglaublichen Blick auf den großen Fjord „Eyafjördur“ und die Berge.

Ich hatte die Möglichkeit, in der Cafeteria des Krankenhauses zu frühstücken und Mittag zu essen. Weder für Unterkunft noch für das Essen musste ich bezahlen, wobei ich nicht weiß, ob dies grundsätzlich so gehandhabt wird.

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Arbeit auf der Geriatrie und auf der Inneren

Meine Arbeit begann auf der geriatrischen Station, auf der ich zwei Wochen im Frühdienst (8.00-14.00 Uhr) arbeitete. Der Tagesablauf war dort, verglichen mit anderen Stationen, die ich bisher kennen gelernt hatte, sehr ruhig und die Atmosphäre sehr familiär und persönlich. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass viele der Patienten dauerhaft dort liegen. Die Station ist sehr gut ausgestattet mit schönen Aufenthaltsräumen und eigener Sonnenterasse.

Ich wurde sehr nett in das Team integriert und habe mich gut mit den Schwestern verstanden. Das Arbeitsklima ist dort sehr viel netter und entspannter, als ich es bisher in Deutschland kennen gelernt hatte. Der Arbeitsdruck erschien mir sehr viel geringer, da immer genügend Zeit für eine kurze Unterhaltung oder eine Tasse Kaffee mit den Patienten oder Kolleginnen vorhanden war.

Ich habe bei allen pflegerischen Aufgaben erst nur mitgeholfen und später auch einige Patienten alleine versorgt. So half ich beim Waschen und Frühstücken und habe bis zum Mittag mit den Patienten Karten gespielt oder mich zu ihnen gesetzt und mich mit ihnen unterhalten. Ich habe auf dieser Station sehr viel über die Pflege gelernt und viele Geschichten von einzelnen Patienten erzählt bekommen, was sehr interessant war.

Da ich nach der Hälfte meiner Praktikumszeit gerne noch mehr den klinischen Alltag mit den Untersuchungen usw. kennen lernen wollte, habe ich nach Anfrage auf die Innere Station gewechselt. Dort ging es schon etwas stressiger zu. Der Ablauf und die Tätigkeiten meiner Schicht hingen stark davon ab, welche Aufgaben mir von den Schwestern zugeteilt wurden und natürlich vom Schweregrad der Erkrankung der jeweiligen Patienten.

Trotz Zeitmangel wurde jedoch auch hier hilfsbereit und geduldig auf die Bedürfnisse und Wünsche der einzelnen Patienten eingegangen, was mir immer wieder als wesentlicher Unterschied zu meinen Erfahrungen in Deutschland auffiel. Ich bin auf der Inneren Station häufig mit auf Visite gegangen und habe mir verschiedene Untersuchungen angucken dürfen. Dabei nahmen sich die Ärztinnen und Ärzte Zeit, mir auf isländisch, englisch und teilweise sogar auf deutsch das Wesentliche über die Krankengeschichte bzw. die Therapie der Patienten zu erzählen. Ich empfand das entspannte Verhältnis sowohl innerhalb des Pflegepersonals als auch das zu den Ärzten als sehr angenehm.

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Sprachkenntnisse

Es war mir eine große Hilfe, dass ich bei meinem ersten Island Aufenthalt schon etwas isländisch gelernt hatte und meine Kenntnisse durch einen Kurs an der Uni in Deutschland vorher aufgefrischt hatte. Um sich selbst etwas isländisch anzueignen, kann ich das Büchlein „Kauderwelsch-Isländisch Wort für Wort“ sehr weiterempfehlen. Die jungen Leute sprechen meistens gutes Englisch, von den älteren Isländern aber nur wenige. Der Grund dafür ist, dass lange Zeit durch die damalige Abhängigkeit von Dänemark nicht englisch sondern dänisch in den Schulen unterrichtet wurde.

Ich habe es so erlebt, dass Isländer sehr tolerant sind, was Sprachprobleme angeht und geduldig dabei sind, etwas so lange zu wiederholen, bis man es verstanden hat. Außerdem freuen sich die meisten sehr darüber, wenn sie sehen, dass jemand ihre Sprache lernt und spricht.

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Land & Leute

Da Akureyri mit ca. 15.000 Einwohnern nicht gerade groß ist, hält sich das dortige Freizeitangebot entsprechend in Grenzen. Sehr zu empfehlen, wie eigentlich überall auf Island, ist das beheizte Freibad mit den Whirlpools. Ansonsten gibt es ein paar nette Cafés, Bars und ein Kino. Ich persönlich finde Akureyri die schönste Stadt auf Island. Es gibt dort sehr viele alte Häuser und man hat immer Blick auf gewaltige Berge und ist trotzdem nah am Wasser. Auch das Wetter ist meistens wärmer und trockener als in anderen Gebieten Islands.

Eine Besonderheit für Akureyri und seine Umgebung ist die für isländische Verhältnisse relativ üppige Bepflanzung. So sind die Einwohner dieser Stadt besonders stolz auf ihren botanischen Garten, der sehr schön ist und direkt neben dem Krankenhaus liegt. Von Akureyri aus starten im Sommer viele Bustouren zu den Sehenswürdigkeiten im Norden, z.B. dem „Myvatn“, einem See in der Nähe des Zusammentreffens der amerikanischen und eurasischen Kontinentalplatten in entsprechend vulkanisch geprägter Landschaft.

Wie in den meisten nordischen Ländern wirken die Isländer auf den ersten Blick eher verschlossen, sind im Grunde aber sehr herzlich, hilfsbereit und interessiert. Meistens genügt es schon, einen kleinen Schritt auf sie zu zutun. Wenn man bedenkt, dass ganz Island 280.000 Einwohner hat, ist leicht verständlich, weshalb hier jeder jeden kennt und häufig auch über mehr oder weniger Ecken miteinander verwandt ist. Dies hat sich auch immer wieder im Krankenhaus bemerkbar gemacht. Die Anonymität aus deutschen Großstädten gibt es dort einfach nicht.

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Mein Fazit

Ich bin sehr froh, das Praktikum auf Island gemacht zu haben. Es ist eine sehr gute Möglichkeit, das Land, die Menschen und ihren Alltag kennen zu lernen. Und genau dies bleibt einem als Tourist ja doch meistens verborgen. Außerdem fand ich es sehr interessant, den Ablauf und die Arbeitsweise in einem isländischen Krankenhaus kennen zu lernen, die sich in einigen Bereichen doch sehr von denen eines deutschen Krankenhauses unterscheiden.

Ich fand es hilfreich, dass ich vorher schon vier Wochen in der Pflege gearbeitet hatte - ebenfalls Innere Medizin - und so waren mir Teile der Arbeit schon vertraut und der Anfang fiel mir dadurch leichter.

Zum Schluss empfehle ich noch die Internetseite des Krankenhauses (siehe "Weiterführende Links").

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J., J.
Berlin, September 2005
News-Alarm