Motivation und Bewerbung
Ankunft und Unterkunft
Pflegepraktikum in Geriatrie und Orthopädie
Fazit
Land und Leute
Ausblick
Motivation und BewerbungIn Akureyri, in der "Hauptstadt des Nordens" von Island, habe ich im Sommer 1997 (Mitte Juli bis Mitte September) mein Pflegedienstpraktikum absolviert. Warum Island? Ich bin im Frühjahr 1997 in die Ostfjorde Islands nach Eskifjodur gereist, eigentlich mit der Absicht, dort auch länger zu bleiben. Nach einigen Wochen aber erfuhr ich, dass ich einen Studienplatz in Köln erhalten hatte und brach u.a. deswegen meinen Aufenthalt ab, gleichwohl ich eigentlich "noch nicht genug" von dem Land hatte. In meinen letzten Tagen auf Island überlegte ich also, wie ich möglichst schnell und möglichst sinnvoll - und möglichst nicht nur als Tourist - wieder nach Island kommen könnte. Da boten sich diese zwei Monate noch zu absolvierenden Pflegedienstpraktikums an. Wer schon einmal auf Island war, der weiß, dass es dort sehr unkompliziert ist, Dinge zu organisieren. Ich rief also noch von den Ostfjorden aus in Akureyri im Krankenhaus an und erhielt sogleich eine mündliche Zusage für einen Praktikumsplatz, so dass ich "ruhigen Gewissens" abfliegen konnte.
Ankunft und UnterkunftAusnahmsweise kam ich dann im Juli auch pünktlich in Akureyri auf dem Flugplatz an. "Ausnahmsweise" deshalb, weil es auf Island nicht selbstverständlich ist, dass Flugzeuge nach Plan fliegen. Ich selber bin nur einmal, ohne z.T. Tage Verspätung, innerhalb Islands oder via Island geflogen. Ich wurde von der Pflegedienstleitung am Flugplatz herzlich empfangen und abgeholt und zu meiner Unterkunft gefahren. Das war eines der Häuser, die während des Sommers von dem Krankenhaus für Medizinstudenten, Ärzte und Krankenpflegestudentinnen, die den Sommer über befristet dort arbeiteten, angemietet wurden. Ich bewohnte ein kleines, altes Haus mit vier Isländern. Für mich war die Unterkunft frei, so dass ich also nur Reisekosten und Verpflegung selber zu zahlen hatte. Das Leben in dieser vom Alter her jungen WG (es waren ein Medizinstudent und drei Krankenpflegestudentinnen) war als Integrationshilfe für mich seitens des Krankenhauses beabsichtigt und war eine großartige Erfahrung. Und natürlich half dies auch meinen anfangs eher kargen Kenntnissen der isländischen Sprache. Wobei man hier sagen muss, dass Isländer, auch ältere, sehr gut Englisch sprechen, so dass man nie wirklich Verständigungsprobleme zu fürchten hat. Isländisch ist eine recht eigene Sprache und nicht wirklich einfach oder schnell zu lernen.
Pflegepraktikum in Geriatrie und OrthopädieMeine direkte Ansprechpartnerin, die Pflegedienstleitung, die sowieso alles, was mich betraf, organisiert hatte, wies mich den ersten Monat der Geriatrie zu und den zweiten Monat der Orthopädie. Begründung war u.a., dass ich so einen weiteren Monat "Zeit" hatte, um dem Isländischen etwas mächtiger zu werden, weil in der Geriatrie mit viel Ruhe gearbeitet werde. Außerdem konnte ich natürlich so die pflegerische Arbeit am besten kennen lernen, weil eben dort die meisten Pflegepatienten lagen. Die Arbeit dort in "Sel" hat mir sehr viel Spaß gemacht. Der Dienst begann morgens um 8.00 Uhr und nachmittags zum Spätdienst um 15.30 Uhr. Nachtdienste musste ich nie mitmachen. Und nach einigen Wochen, als ich voll mitarbeiten konnte und mich die Patienten kannten, arbeitete ich bevorzugt im Frühdienst, weil dann natürlich am meisten zu tun war. Es war schön zu erleben, wie einem echtes Vertrauen entgegengebracht wurde und man tatsächlich auch gebraucht werden konnte. Die Geriatrie war gleichzeitig auch eine Art Pflegeheim, in der Kurzzeitpflege als Entlastung für Angehörige von Pflegepatienten geleistet wurde.
Das Gebäude war etwas ausgelagert und mit sehr viel Liebe eingerichtet. Im Nachhinein kann ich wohl sagen, dass ich dort einen recht hohen Pflegestandard kennen gelernt habe. Es wurde viel Zeit am und mit dem Patienten verbracht. Ein Motto dort war: " Dies ist für viele Patienten das Zuhause, also muss es auch so darin zugehen". Es gab also nicht nur bloße "Grundpflege", sondern es wurde auch mit den Patienten Karten gespielt, Zeitung gelesen oder auch einfach nur erzählt.
Dadurch, dass keine hohe Fluktuation auf dieser Station war, konnte ich mich gut einfinden und Kontakte zu Patienten aufbauen, die es mir ermöglichten, eigenständig zu arbeiten und gleichzeitig auch die Sprache besser zu lernen. Den zweiten Monat verbrachte ich auf der Orthopädie. Dort waren die Patienten naturgemäß ganz anderer Art: es gab viele junge Patienten, die Liegedauer war in den meisten Fällen viel kürzer und es wurden die Patienten weniger gepflegt als vielmehr in ihrer Eigenständigkeit unterstützt bzw. ihnen geholfen, diese so schnell wie möglich wieder zu erlangen. Soviel wie ich im ersten Monat an purer Pflege (Grundpflege, Hebetechniken...) gelernt hatte, so war die Zeit auf der Orthopädie abwechslungsreich und spannend für mich. Mir war freigestellt, mir jedwede Operation, die auf dem Tagesplan war und zu der mich die Ärzte immer von sich aus sogar dazuriefen, an zu schauen. Ich kam ja direkt aus dem ersten Semester des Grundstudiums und hatte eigentlich noch überhaupt keine Ahnung von Medizin, so dass es sehr großartig war, einen Patienten von der Aufnahme an, durch die OP und in der Liegephase auf der Station gänzlich zu begleiten. Auch durfte ich einen Patienten, der mit dem Flugzeug ein paar Fjorde weiter wieder zu sich nach Hause geflogen wurde, begleiten. Da meine Sprachkenntnisse sich stetig verbesserten, konnte ich so richtig in dem Tagesablauf der Station mitmachen.
FazitBeide Teams, sowohl das der Geriatrischen Abteilung, als auch das der Orthopädie, waren ganz wunderbar zu mir!
Für fast alle war allerdings recht unverständlich, warum ich zwei Monate umsonst in einem Krankenhaus arbeitete. Soweit ich Einblick bekommen habe, gibt es so etwas wie Famulaturen oder Pflegedienstpraktika in dem Medizinstudium auf Island nicht. Die praktische Ausbildung ist vielmehr direkt in das Studium integriert. Und durch Sommerjobs, in denen sowohl Medizin- als auch Krankenpflegestudenten Vollzeit und vollwertig, aber unter Supervision arbeiten und diese Arbeit auch je nach Weite im Studium vergütet bekommen, können Studenten Geld verdienen und bekommen gleichzeitig noch zusätzliche Ausbildung.
Kurzum, es wurde mit allen Mitteln versucht, mir nicht nur viel zu zeigen und beizubringen, sondern meine Zeit auch so schön wie möglich zu gestalten. So wurde ich nicht nur auf den "Betriebsausflug" des Pflegepersonals der Orthopädie (Wildwasserpaddeln), sondern auch auf die "whalewatching"-Tour der Psychiatrie-Abteilung mitgenommen. Außerdem konnte ich ohne Probleme für ein Wochenende arbeiten, und danach gleich ein paar Tage in der Woche frei nehmen, um einen Ausflug alleine machen zu können.
Zusammenfassend kann ich mit Leichtigkeit sagen, dass ich viel gelernt und aber auch gleichzeitig viel von Island erlebt und gesehen habe.
Land und LeuteAkureyri ist wohl die schönste Stadt Islands. In ihr wohnen 16.000 Einwohner, was für Island mit einer Gesamtbevölkerung von 260.000 ( vielleicht mittlerweile etwas mehr) , wovon 60% alleine schon in Reykjavik (wahrscheinlich muss auch diese Prozentzahl durch Abwanderung vom Land nach oben korrigiert werden), der Hauptstadt, leben, sehr viel ist. Akureyri ist damit die zweitgrößte Stadt hinter Reykjavik.
Im Sommer, wenn die Tage lang sind - es sind nur 95 km bis zum Polarkreis - lebt die Stadt richtig. Es ist wunderschön, von irgendwo herab auf den Fjord zu schauen (wo sogar die "MS Berlin" ab und an Halt machte), zu wandern oder spazieren zu gehen. Es gibt auch ein Kino, aber wie alles in Island ist das sehr teuer. Lebensmittel, so kann man grob sagen, sind dreimal so teuer als in Deutschland, Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten eigentlich unbezahlbar. Darin unterscheidet sich Island kein bisschen vom Rest Skandinaviens.
Ich für meinen Teil finde es immer sehr gut, wenn ich in einem mir fremden Land, das ich wirklich kennen lernen möchte, entweder arbeite oder wenigstens länger an einem Ort bleibe. Natürlich sind zwei Monate keine ausreichende Zeit, aber ich denke, ich kann wohl sagen, dass ich Island jetzt ein bisschen kenne. Das Land ist wunderschön! Es schwankt zwischen karger Vulkanlandschaft, Fjorden, Seen und Schnee ... eben abwechslungsreich. Vor allem, wenn man das Wetter dazurechnet. Auf Island gibt es keine "Dauersonne", aber wem das nichts ausmacht, der kann sich dort gewaltig wohlfühlen.
Isländer sind sehr hilfsbereit, und das Leben ist sehr unkompliziert dort. Es ist recht beispielhaft, wie ich zu dem Praktikumsplatz im FSA gekommen bin: Häufig genügt ein Anruf oder eine Frage, egal, ob es um ein Flugticket geht oder was auch immer für eine Art Belang. Das ist wirklich sehr angenehm! Der Lebensstil orientiert sich sehr an dem amerikanischen bzw. muss man wohl sagen. So, wie die Insel in der Mitte zwischen Amerika und Europa liegt, genauso "Hälfte-Hälfte" ist auch die Lebensweise: Viel Patriotismus mit viel "Amerika"-Imitation zur gleichen Zeit. Wasser und Strom gibt es in Hülle und Fülle und kosten kaum etwas. An sich muss man sowieso sagen, dass Island ein reiches Land ist.
AusblickSo entstand auch während meiner Zeit dort die Idee, ein weiteres Praktikum in einem Ausland zu machen, das nicht so reich ist, nicht so wohlhabend und abgesichert wie Island. Die Idee wurde immer konkreter und am Schluss wurde daraus ein fünfwöchiger Aufenthalt in Uganda im Frühjahr 1998. Ein wirkliches Praktikum war es in dem Sinne allerdings dann nicht, da ich als Medizinstudentin im 2. Semester natürlich noch nicht als Ärztin tätig sein konnte und in Uganda es aber keine "Pflege" in den Krankenhäusern gibt wie in westlichen Systemen (Pflege übernehmen Angehörige der Patienten, wohingegen die Krankenschwestern größtenteils Aids-Aufklärung und Medikamentenaus- und -vergabe tätigen, wobei ich bei beidem nicht wirklich nützlich sein konnte).
In meinem weiteren Studium hat sich aber der "Hang gen Norden" doch noch durchgesetzt und ich habe eine Famulatur auf Grönland, (Tasiilaq), und eine weitere in Trondheim, Norwegen, wo ich auch ein Auslandssemester studierte, verbracht. Und ich muss sagen, dass ich sehr dankbar für dies alles bin.
G., M.
Köln, April 2002 |