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Warum bereits in der Vorklinik? Ich hatte mich dazu entschlossen, bereits in den ersten Jahren meines Studiums in einer Klinik Afrikas zu arbeiten, da ich schon jetzt einen Einblick in die Zustände des Gesundheitssystems Afrikas und die allgemeine dortige Mentalität und Lebenssituation gewinnen möchte.
Mein Traum und meine Pläne sind es, nach dem absolvierten Studium selbst in der Entwicklungshilfe tätig zu sein. Aus diesem Grunde finde ich es sehr wichtig, mich schon jetzt mit den in Entwicklungsländern herrschenden Bedingungen auseinanderzusetzen. Warum Afrika, warum Togo?
Welche Klinik?
Das Krankenhaus
Vorbereitung
Arbeit am Krankenhaus
Unterkunft
Unberührtes, armes Togo
Fazit
Warum Afrika, warum Togo? Unberührtes Afrika |
| Für mich sind Afrika und Südamerika die von der westlichen Welt noch „unberührtesten“ Kontinente. Mir war immer klar, dass ich auf einem der beiden Kontinente ein Pflegepraktikum absolvieren möchte. Durch einen glücklichen Zufall kam ich im Gespräch mit einer mir bekannten Togolesin auf dieses Thema zu sprechen. Sie war ganz begeistert von meiner Idee ins Ausland zu gehen und legte mir ans Herz, mein Praktikum in Togo, ihrem Heimatland, zu machen.
Also informierte ich mich über Togo. Das kleine, schmale Land schien mir schnell sympathisch. Die politische Situation im Land wurde als stabil und ungefährlich angesehen. Trotz der geringen Größe hat Togo von tropischem Klima bis zur Steppe alles zu bieten. Was auch noch wichtig für mich war, ist die Unberührtheit des Landes vom Tourismus. Im ganzen Land gibt es kaum „Jovos“ , so werden in Togo die „Weißen“ genannt. Man hat also die Möglichkeit, selbst in der Hauptstadt „Lomé“ Afrika, wie es leibt und lebt, zu erfahren - ganz ohne touristische Verfälschungen.
Somit hatte sich die Frage „Afrika oder Südamerika?“ schnell und unerwartet geklärt und selbst die Wahl des Landes stand fest.
Welche Klinik?In Togo gibt es nur eine Universitätsklinik und daneben kaum Kliniken, die eine Internetpräsenz zeigen. Dadurch sind die Auswahlmöglichkeiten ziemlich stark eingeschränkt. Ich entschied mich an der Universitätsklinik, dem "Centre Hopitalier Universitaire de Tokoin Lomé", kurz CHU genannt, zu bewerben, da dies die einzige größere Klinik im Land ist. Die Klinik liegt im Zentrum von Lomé, der Hauptstadt Togos.
Ich verfasste also ein Bewerbungsschreiben und einen Lebenslauf auf Französisch. Ein kleiner Tipp: Für das Schreiben sollte man genügend Zeit einplanen, wenn die letzten Französischstunden schon einige Zeit her sind. Besonders gut macht sich die Bewerbung („lettre de canditature pour travaux pratiques“), wenn sie nochmals von einem Muttersprachler Korrektur gelesen wird. Da im frankophonen Togo tatsächlich kaum jemand Englisch spricht, ist es sehr wichtig, Französisch zumindest soweit zu beherrschen, dass man sich problemlos verständigen kann.
Außerdem sprecht am besten von einem „stage benevolé“, das zeigt sofort, dass Ihr das Praktikum ehrenamtlich, also unbezahlt macht.
In Togo gibt es keine Briefträger und private Briefkästen. Stattdessen gibt es Postfächer, die gemietet werden können, daher kommt die zuerst seltsam erscheinende Adresse des Krankenhauses. Der genannte Ansprechpartner Olivier Kadanga ist stellvertretender Direktor und Chef der Personalabteilung. Genauso gut kann man den Direktor der Klinik selbst anschreiben. Sein Name ist Sadicou Yakoubou.
Auf die Bewerbung hin erhielt ich einige Wochen später eine freundliche Bestätigung meines Praktikums. Diese Bestätigung ist sehr wichtig. Man sollte sie unbedingt zu seinem ersten Arbeitstag mitnehmen, um nachweisen zu können, dass man eine Arbeitserlaubnis am CHU hat. Hat man das Schreiben vergessen, kann es gut sein, dass die Personalabteilung nichts mehr von Eurer Bewerbung weiß und man plötzlich vor ungewollten Komplikationen steht.
Das Krankenhaus Centre Hospitalier Universitaire de Tokoin Lomé |
| Die Klinik liegt im Zentrum von Lomé, der Hauptstadt Togos. Sie ist sehr weitläufig und hat so gut wie alle gängigen Abteilungen. Es gibt Pädiatrie, Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie, Neurologie, Innere Medizin, Urologie,...
Da die Klinik nur vom Staat betrieben und nicht von ausländischen humanitären Organisationen unterstützt wird, sind die dortigen Verhältnisse so, wie man sie sich im typischen afrikanischen Klischee-Krankenhaus vorstellt. Es ist zu wenig Geld da, sowohl für Gerätschaften und Personal als auch für Hygiene. Also denkt unbedingt daran, Euch Handschuhe, wenn möglichst auch noch sterile OP-Handschuhe zum Operieren, OP-Haube und Mundschutz mitzunehmen. Auch Kittel und weiße Hose werden nicht gestellt. Wenn Ihr vorhabt selbst zu operieren, wäre es gut, geschlossene Stiefel mitzunehmen. Nur mit Stiefeln darf man in den OP-Trakt. Wenn Ihr noch Platz im Gepäck habt, nehmt mehr von alldem oder auch medizinische Geräte, falls die heimische Klinik diese aussortiert hat, mit. Ihr helft damit den Ärzten und vor allem den Patienten.
Wenn möglich kauft Euch hier in Deutschland in der Apotheke eine Flasche Händedesinfektionsmittel, denn auch daran mangelt es im Krankenhaus. An Keimen mangelt es allerdings nicht, deswegen ist häufige Händedesinfektion wichtig, um sich nicht selbst anzustecken oder die Keime an andere Patienten weiterzugeben.
VorbereitungMit der Vorbereitung sollte man, wenn möglich, schon einige Monate vor seinem Aufenthalt beginnen. Vor allem sollte man sein Französisch nochmals auffrischen. Am besten sollte man sich vier bis fünf Monate vor angestrebtem Praktikumsbeginn bewerben. Man kann sich aber auch schon früher oder kurzfristiger bewerben, im Allgemeinen sind die Krankenhäuser in Togo ziemlich unkompliziert.
Neben der Krankhausbewerbung sollte man vor allem auf Impfungen achten. Sich gegen Hepatitis A und B, Tetanus, Diphtherie, Polio, Meningokokken und Typhus zu impfen, wird empfohlen. Eine Gelbfieberimpfung ist bei der Einreise nach Togo sogar Pflicht. Es kann vorkommen, dass man bei der Einreise vorweisen muss, dass man gegen Gelbfieber geimpft ist.
Auch um die Malariaprophylaxe sollte man sich frühzeitig kümmern. Es gibt drei Mittel, die für Reisende nach Togo empfohlen werden: Lariam, Malarone und Doxycyclin. Da in Togo sehr häufig Malaria auftritt und Ihr vor allem in der Klinik, in der selbst tagsüber viele Mücken herumschwirren, mit Malariapatienten in Kontakt kommen werdet, ist eine Prophylaxe in jedem Fall zu empfehlen.
Zusätzlich sollte man an Mückenschutzsprays denken. Hierzu sind allerdings nicht die teuren Produkte aus der Apotheke nötig, sondern Autan leistet bereits genügend Schutz. Sobald es anfängt zu dämmern, sollte man sich damit einsprühen. Neben dem Mückenschutz ist auch im Allgemeinen eine Reiseapotheke sehr nützlich. Unbedingt dabei haben, sollte man Wunddesinfektionsmittel, Verbandszeug, Mittel gegen Durchfall und Tabletten, um sein Trinkwasser keimfrei zu machen.
Außerdem sollte man sich vor seiner Abreise nach Togo mit einigen deutschen Organisationen in Kontakt setzen, die Hilfsprojekte für Togo fördern oder auf eine andere Weise mit dem Land in Kontakt stehen. Besonders das Goethe-Institut in Lomé und der „Aktion PiT – Togohilfe Verein“ mit Sitz in München (siehe Weiterführende Links) sind zu empfehlen. So findet man leicht Kontaktpersonen in Togo selbst, die einem vor Ort bei Fragen zur Seite stehen. Auch wenn man auf Kinderheime oder unterernährte Kinder trifft, die Unterstützung benötigen, kann man diesen über eine der genannten Organisationen helfen, indem man Kontakte zwischen Organisation und Hilfsbedürftigen knüpft.
Um nach Togo einzureisen, ist unbedingt ein Visum nötig. Wenn man beabsichtigt neben dem Praktikum in ganz Westafrika herumzureisen, wäre es sinnvoll ein Westafrikavisum zu beantragen. Reist man nur nach Togo, genügt ein Touristenvisum für drei Monate. Solch ein Visum kostet 50€.
Arbeit am Krankenhaus Ein typisches Neugeborenes am ersten Lebenstag |
| Ich selbst habe größtenteils in der „Maternité“ gearbeitet. Das ist die Station für Schwangere, Gebärende sowie für Frauen und Babys in den ersten Tagen nach der Geburt. In der „Maternité“ selbst gibt es sechs verschiedene Bereiche: „Réanimation“ (Intensivstation), „Suites de couches“ (Mutter und Kind ab der dritten Stunde nach der Geburt bis ein bis drei Tage nach der Geburt), „Salle de travail“ (die letzten Stunden vor der Geburt), „Salle de naissance“ (Kreißsaal), „Ancienne maternité“ (vorgeburtliche Probleme) und „Gyneco“ (Krebserkrankungen).
Ich hatte das Privileg einer ausländischen Studentin, immer bei den „Internes“, das sind die PJ‘ler in Togo, dabei sein zu können und wurde in der Klinik auch behandelt wie ein solcher.
Der typische Tagesablauf sah so aus: Der Tag beginnt um 7.30 Uhr mit dem „Staff“. Hierzu treffen sich alle „Internes“ und die diensthabenden Ärzte der Station, um alle Geburten und Kaiserschnitte und sonstigen Auffälligkeiten des Vortages und der der vorausgegangenen Nacht zu besprechen. Es handelt sich hier aber keinesfalls um die in Deutschland übliche „Patientenübergabe“ von einem Team ans nächste, sondern um eine rein wissenschaftliche Diskussion. Die Studenten lernen also an tatsächlich geschehenen Fällen, wie sie sich im jeweiligen Fall verhalten sollen.
Je nachdem wie viele Geburten am Vortag waren, ist der „Staff“ zwischen 8.00 Uhr und 10.00 Uhr zu Ende. Danach ging man zusammen mit zwei bis drei „Internes“ auf eine der oben angegebenen Stationen. Dort konnte man zusammen mit diesen Untersuchungen durchführen und die Ergebnisse in die Patientenakten schreiben. Die „Internes“ sind meist sehr aufgeschlossen und sprechen sehr gutes Französisch, so dass die Verständigung kein Problem darstellt. Außerdem halfen sie gerne weiter, wenn man bestimmte Untersuchungsmethoden noch nicht kannte.
Statt mit den „Internes“ auf Station zu gehen, kann man sich auch den Hebammen anschließen und bei Geburten, Dammschnitten, etc. mithelfen. Eine weitere Alternative ist es, mit den Schwestern mitzugehen und mit ihnen zusammen Blut abzunehmen, Neugeborene zu waschen, Nabelschnüre zu reinigen, etc.
Des Weiteren bestand die Möglichkeit, mit den Ärzten und „Internes“ in den OP-Trakt zu gehen und dort bei Operationen zuzusehen. Wenn man bereits genügend Vorwissen hat, besteht auch die Möglichkeit, z.B. bei Kaiserschnitten zu assistieren.
Je nachdem, was man sich zutraut und was man machen möchte, bestehen ganz individuelle Gestaltungsmöglichkeiten des Kliniktages. Dieser geht meist etwa um 14.30 Uhr zu Ende. Die Arbeitszeiten ließen sich aber auch sehr flexibel gestalten. Am unkompliziertesten war es, wenn man sich an die Arbeitszeiten der „Internes“ hielt.
UnterkunftIch selbst war bei einer einheimischen Familie, die ich über meine togolesische Bekannte vermittelt bekam, untergebracht. Andere Praktikanten in Togo waren im Gästehaus des DAAD untergebracht. Die Kosten beliefen sich dort auf etwa 115€ pro Monat für die Unterbringung im Gästehaus. Dort stehen Zimmer, die weit über dem Standard liegen, in dem die togolesischen Familien leben, zur Verfügung. Die Zimmer sind mit Bett, Moskitonetz und Schrank ausgestattet. Um weitere Informationen zu erhalten, sollte man sich am besten an den DAAD direkt wenden oder andere deutsche Organisationen in Togo kontaktieren.
Unberührtes, armes Togo Urwaldähnliches und grünes Togo |
| Togo ist ein noch sehr unberührtes und armes Land. Es hat sehr viel zu bieten. Als erstes sind vor allem die unglaublich freundlichen und gastfreundlichen Togolesen zu nennen. Sie sind trotz ihrer Armut keinesfalls verbittert, sondern Fremden gegenüber stets offen, nahezu naiv und kindlich. Egal, wo man sich in Togo bewegt, überall wird einem gewunken, man wird gegrüßt und von Kindern sogar aufgrund der fremden Hautfarbe angefasst.
Landschaftlich ist Togo sehr verschieden. Wenn man von der Atlantikküste bis in den Norden des Landes fährt, durchquert man fünf Zonen mit unterschiedlichem Klima. Man sollte es sich keinesfalls nehmen lassen, ins Landesinnere zu fahren und sich die kleinen Städte wie „Atakpame“, „Kpalime“ und „Sokode“ anzusehen. Sie sind kaum zu vergleichen mit Lomé.
Lomé selbst liegt am Meer und gewinnt dadurch an Charme. Es macht sehr viel Spaß über die dortigen Märkte zu schlendern und zu handeln. Allerdings sollte man im Innenstadtbereich, in dem sich die wenigen „Weißen“, die es in Togo gibt, aufhalten, gut auf seine Tasche aufpassen. Nachts ist es ratsam sich nicht alleine in der Innenstadt zu bewegen, tagsüber hingegen kann man sich ohne Risiko auch alleine frei in der Stadt bewegen. Nur am weitläufigen und schlecht einsehbaren Strand ist es besser, einen Einheimischen bei sich zu haben, weil Taschendiebe dort nicht selten vorkommen.
Fazit Meine Kollegen - die Internes |
| Bevor ich nach Togo geflogen bin, hatte ich von all jenen, die selbst schon in Togo waren, gehört, dass sie vom „Togo-Virus“ befallen seien. Das heißt, sie hatten sich bei ihrem Aufenthalt so in das Land und die Offenheit der Leute verliebt, dass sie immer wieder nach Togo fliegen. Es wurde bei ihnen wie zu einer Sucht. Mir schien dies damals noch fragwürdig, da ich selbst meist lieber neue Ecken der Welt entdecken wollte, als an bereits bekannte Plätze zurückzukehren.
Nun bin ich wieder in Deutschland und muss sagen, es hat mich auch erwischt, ich bin auch befallen vom „Togo-Virus“. Ich habe in den zwei Monaten, in denen ich in Togo war, so viel Neues gelernt, sowohl menschlich als auch medizinisch, und so viele Freunde gewonnen, dass Togo mein zweites Zuhause geworden ist.
Sicher birgt solch ein Praktikum Risiken, aber man gewinnt so viel dabei, dass ich meine Entscheidung für das Praktikum in Togo immer wieder genauso treffen würde.
Ich habe nicht nur die Erfahrung, dass anderswo nicht nur die Leistung, sondern vor allem die gemeinsame Zeit und das Zwischenmenschliche an erster Stelle stehen, sondern sogar eine neue Familie gewonnen. Während meines Aufenthalts hat mich meine afrikanische Gastfamilie in ihren großen familiären Kreis aufgenommen: „Mon mama, c’est ton mama et mon papa est ton papa! On est frère et soeur maintenant“.
V., J.
München, Januar 2008 |