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Innere Medizin, Oxford Radcliffe Hospital, Oxford, Großbritannien
(Sehr viel gelernt, gut betreut und eingebunden, 15.02. - 15.03.2005)

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Wie alles losging...
Bewerbung und Vorbereitungen
Die Kosten
Los geht’s...
Auf Station
Auch das Land genießen
Fazit

Wie alles losging...

Ein Kommilitone erzählte mir einmal, er wolle sein Krankenpflegepraktikum im Ausland absolvieren. Bisher wusste ich nicht, dass man so etwas machen könnte. Ich dachte immer, dass dies nur für Famulaturen oder das PJ gelte. Aber diese Idee packte mich. Ich war fasziniert von der Möglichkeit, einen Teil des Pflegepraktikums nutzen zu können, über den eigenen Tellerrand zu schauen, ein neues Land kennen zu lernen und einen Blick in ein ausländisches Gesundheitssystem zu tun. Da drei Monate, die jeder Medizinstudent zu absolvieren hat, viel Zeit sind, so eignet sie sich doch hervorragend dafür, schon mal intensiv jene Sprache zu lernen, mit der künftig jeder Mediziner zurechtkommen muss - nämlich Englisch.

Mein Wunschland stand auch sofort fest: Großbritannien.

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Bewerbung und Vorbereitungen

Ich zögerte nicht lange und begann, mich zu informieren und Bewerbungen zu schreiben. Ich war gerade ins zweite Semester gekommen (SS 04) und kalkulierte, für die Semesterferien zum SS 05 eine Stelle zu bekommen. Dies war ein Jahr Zeit für die Bewerbung, die zwar ausgereicht hat, die aber nicht kürzer sein sollte, da man für Korrespondenz und - wenn man ein Angebot bekommen hat - Reisevorbereitungen viel Zeit einplanen muss.

Ich nutzte das Internet, um Adressen von britischen Krankenhäusern herauszufinden. Wahrscheinlich reicht es zunächst aus, eine Email an das Krankenhaus zu senden und zu fragen, ob ein Krankenpflegepraktikum für vier oder acht Wochen möglich ist. Zugleich kann man um die für eine Bewerbung erforderlichen Formulare („application forms“) bitten und sie sich zuschicken oder mailen lassen.

Ich habe das schriftliche Anschreiben per Post bevorzugt. Es ist wahrscheinlich unklug, einer Email alle Bewerbungsunterlagen als Anhang beizufügen. Jeder Email-Empfänger weiß, dass eine fremde Email mit ellenlangem Anhang eventuell Viren beinhaltet.

Der Inhalt meiner Bewerbungen bestand aus dem Bewerbungsschreiben, einem tabellarischen Lebenslauf („Curriculum vitae“), einer Referenz und einer Kopie meines Studienausweises. Das Bewerbungsschreiben ist ganz wichtig: hier muss man ganz genau erklären, was man will und was ein Krankenpflegepraktikum ist. In Großbritannien ist ein Pflegepraktikum für Medizinstudenten nicht üblich. Daher kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Es muss den Adressaten klar sein, dass man Medizinstudent ist und später mal als Arzt arbeiten wird. Man kommt also nicht nach England, um mal zu jobben oder in der Krankenpflege ein bisschen auszuhelfen. Dennoch muss man auch betonen, dass es um einen Einblick in die Krankenpflege gehen soll - zumindest sollte dies am Ende aus dem Nachweispapier hervorgehen. Darauf werde ich weiter unten noch etwas eingehen.

Auch das Referenzschreiben ist nicht unwichtig. Ich fragte einen Professor von der Anatomie, der mich bereits kannte und schnell einen Brief schrieb. Einige Studiendekanate geben auch Referenzen des Studiendekans heraus, die dann nur noch unterschrieben zu werden brauchen. Interessant ist allerdings, dass einige Krankenhäuser tatsächlich beim Professor angerufen und die Richtigkeit überprüft haben.

Man muss sich vorher schlau machen. Also erkundigte ich mich auch beim Landesprüfungsamt (LPA), ob es für das Krankenpflegepraktikum im Ausland bestimmte Bedingungen gibt: Nachfragen schützt vor unangenehmen Überraschungen, denn der Nachweis für ein abgeleistetes Praktikum soll ja auch anerkannt und rechtmäßig sein. Es ist zum Beispiel gut zu wissen, dass das Krankenhaus eine Bettenzahl von mindestens 90 Stück haben sollte. Besonders kleine Häuser nehmen mal gern einen ausländischen Studenten, und dann wäre es schade, wenn das abgeleistete Praktikum ungültig ist.

Viele Studiendekanate geben Vordrucke aus, die vom betreffenden Krankenhaus ausgefüllt werden können. Für das Ausland verlangt das LPA aber oft einen original angefertigten DINA4-Bogen mit Briefkopf des Krankenhauses, persönlichen Daten, einer Auflistung der Tätigkeiten, Zahl der abgeleisteten Stunden und Fehlzeiten sowie Unterschrift und Stempel der Stationsleitung. Nach der Heimkehr muss dieser Nachweis übersetzt und beglaubigt werden, z.B. von einem Mitarbeiter im Institut für Anglistik o.ä. Das hört sich kompliziert und bürokratisch an, es ist aber sinnvoll, sich daran zu halten. Die LPA der verschiedenen Bundesländer haben da eventuell unterschiedliche Regelungen, deshalb sollte man dort unbedingt vor einem geplanten Auslandsaufenthalt nachfragen!

Die Zahl meiner Bewerbungen betrug etwa 60 Briefe. Davon kamen etwa zwei Drittel mit einer Antwort zurück, meistens per Email. Die Mehrzahl waren Absagen, meistens mit der Begründung, dass eine solche Stelle, wie ich sie haben wolle, nicht vorhanden oder schon vergeben sei. Ich bekam einige Angebote - auch Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Zuletzt blieben aber nur zwei konkrete, ernst gemeinte Angebote, zwischen denen ich dann wählen konnte.

Ich entschied mich für das John Radcliffe Hospital in Oxford. Danach erfolgte noch viel Korrespondenz mit dem „Office for Voluntary Services“, in der es um die Organisation der Unterkunft, die Erledigung der noch auszufüllenden Formulare („application form“, „health form“), die Anreise etc. ging. Es ging alles per Email. Wer sich traut, kann auch mal anrufen. Dies hinterlässt einen guten und persönlichen Eindruck. Ansprechpartner ist meistens ein so genanntes „Office for Student Affairs“ oder das „Office for Voluntary Services“.

Die Sprache nicht vergessen. Ich bin in den Emails oft gefragt worden, wie gut mein Englisch sei. Wer nicht in der Lage ist, an Konversationen teilzunehmen oder wenigstens die Grundkenntnisse anzuwenden, wird im Gastland viel Stress haben. Ich war in der englischen Sprache auch nicht Top fit, aber es hatte sich sehr gelohnt, ein bisschen Englisch zu lernen, Vokabeln und Redewendungen einzuprägen oder einen Sprachkurs an der Volkshochschule oder der Universität zu besuchen. Das „Medical English“ sollte man sich unbedingt zulegen. Es gibt gute Taschenbücher mit Hör- CD, Fallbeispielen und einer Liste mit allen medizinischen Fachbegriffen und den berühmt-berüchtigten Abkürzungen, die in der englischsprachigen Welt üblich sind.

Es hat sich als Vorteil herausgestellt, dass ich bereits ein Krankenpflegepraktikum in einem deutschen Krankenhaus abgeleistet hatte. Dann weiß man schon, wo es lang geht und wie gewisse Tätigkeiten auszuführen sind. Dies kann man auch im Bewerbungsschreiben erwähnen. Aufgrund dieser „technischen“ Vorerfahrungen konnte ich mich dann ganz auf den Kontakt mit den Patienten, dem Personal und dem englischen Gesundheitssystem konzentrieren.

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Die Kosten

Es ist wichtig, dass man vor der Reise die möglichen Kosten überschlägt. Die Ausgaben für die gesamte Reise finanzierte ich selbst; sie betrugen im wesentlichen die Reisekosten, Unterkünfte, die Selbstverpflegung sowie Ausgaben für Sehenswürdigkeiten usw. Insgesamt muss man - je nach Ansprüchen - mit etwa 800 Euro für sechs Wochen rechnen. Ich habe mich damals nicht über Förderungsmöglichkeiten erkundigt, aber wie es sie für Famulaturen und PJ im Ausland gibt, so gibt es sie eventuell auch für das Pflegepraktikum. Man muss sich eben schlau machen.

Ein Visum braucht man für Großbritannien nicht, allerdings sollte man sich bei der Einreise auf strenge und lange Kontrollen gefasst machen.

Was die Krankenversicherung betrifft, so hatte ich mir von meiner Krankenkasse einen Auslandskrankenschein schicken lassen. Ich hatte erst später erfahren, dass sie nicht ausreichen könnte, wenn man in England einer medizinischen Tätigkeit nachgeht (Krankenpflegepraktikum). Man sollte sich also bei seiner Krankenkasse erkundigen, ob der Auslandskrankenschein alles abdeckt oder ob es doch besser einer gesonderten Auslandskrankenversicherung bedarf.

Als Medizinstudent ist man ohnehin gegen alles geimpft, was bei der Arbeit in Krankenhäusern oder beim Kontakt mit Patienten relevant sein könnte. Dennoch muss man auf so genannten „Health Forms“ erhaltene Impfungen, Erkrankungen oder Behinderungen angeben. Es ist ratsam, die Aktualität des Impfausweises zu überprüfen, besonders die Hepatitis-Impfungen.

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Los geht’s...

Ich hatte meinen Aufenthalt in Großbritannien so eingerichtet, dass ich etwa eine Woche vorher anreiste, um mich einzugewöhnen, viel mit Einheimischen zu reden oder auch mal London anzuschauen.

Meine Unterkunft hatte ich im Personalwohnheim direkt am Hospital, so dass ich nur 3min zur Arbeit hatte. Ich zahlte eine „Miete“ von ca. 240,- Euro. Ich verpflegte mich selbst. Während der Arbeit konnte ich die Mittagspause in der Kantine verbringen, wo es hervorragende englische Küche gab.

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Auf Station

Da ich keinen besonderen Wunsch hinsichtlich des Einsatzgebietes angegeben hatte und die Einteilung auf eine Station dem „Office for Voluntary Services“ überließ, wurde ich auf eine Privatstation (Private Ward) eingeteilt. In Großbritannien gibt es ein staatliches Gesundheitssystem, das „National Health System“ (NHS), in dem die meisten Briten versichert sind und behandelt werden. Die große Kassenvielfalt wie in Deutschland gibt es nicht. Dennoch gibt es private Krankenkassen, und wer sich dies leisten kann, kann eine andere, bessere Betreuung in Anspruch nehmen. In England ist es üblich, dass Krankenhäuser Privatstationen anbieten, welche etwas vornehmer ausgestattet sind. Jeder Patient hat ein Einzelzimmer. Auf den Normalstationen gibt es noch diese legendären Krankensäle mit Vorhängen.

Auf dieser Private Ward habe ich sehr viel gelernt. Da sie interdisziplinär ausgelegt ist, kam ich mit sehr vielen Krankheitsbildern in Kontakt, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Bypass-OP, Querschnittslähmungen, Atemwegserkrankungen, Knochenfrakturen bis hin zu Krebs. Besonders die Patienten mit Krebserkrankungen blieben mir in Erinnerung, da sie oft im schwersten oder finalen Zustand waren.

Aufgrund der Interdisziplinarität der Station war kein bleibender Stationsarzt vor Ort. Die behandelnden Ärzte kamen von den anderen Stationen, waren nur zur Visite oder zur Besprechung der Behandlung da. Daher hatte ich kaum Kontakt mit Ärzten, sondern nur mit dem Pflegepersonal. Es liegt auf der Hand, dass die Krankenschwestern und -pfleger eine große Verantwortung hatten, eben weil kein Stationsarzt da war. Das Besondere war die personelle Organisation, die eine deutliche Arbeitsteilung ermöglichte: es gab neben dem Krankenpflegepersonal auch so genannte „Health care Assistants“, die einfachere Arbeiten ausführten, z.B. Betten machen, Waschen, Blutdruckmessungen, Wäsche organisieren, Essen austeilen, pflegerische Hilfeleistungen etc.

Die Krankenschwestern waren von diesen Arbeiten entlastet und konnten sich auf für sie wesentliche Dinge konzentrieren, z.B. Gabe von Medikamenten, Verbandswechsel, spezielle Pflegemaßnahmen, Dokumentation und Kontakt mit den Ärzten.

In dieser Hinsicht gab es „zwei Arten“ von Pflegepersonal; ich durfte mit Vertretern aus beiden Gruppen zusammenarbeiten. Daraus ergab sich der Vorteil, dass kaum Stress oder Zeitdruck auf der Station war. Man hatte Zeit, mir etwas zu erklären und zu zeigen oder auch mal etwas länger mit dem Patienten zu plaudern, was mir sehr angenehm war. Die Betreuung schätze ich als sehr gut ein. Es war immer ein Pfleger oder eine Schwester für mich zuständig, den/die ich den ganzen Tag begleitete.

Meine Tätigkeiten unterschieden sich im Wesentlichen nicht sehr von denen, die ich in deutschen Krankenhäusern getan hatte. Allerdings sind die medizinische Ausstattung und die Art der Behandlungen etwas anders als bei uns. Am deutlichsten habe ich dies am Umgang mit MRSA gemerkt, der in Deutschland viel restriktiver ist - und in England leider ein großes Problem.

Die Arbeitszeiten waren auch anders als in Deutschland: Frühdienst von 7.00 bis 15.30 Uhr, Spätdienst von 14.00 bis 22.30 Uhr. Dadurch gab es mittags eine lange Überschneidungszeit von eineinhalb Stunden, die für die ausführliche Patientenübergabe oder auch für stationsinterne Fortbildungen - ca. zwei bis dreimal pro Woche - genutzt wurden. Der Nachtdienst war allerdings länger, von 22.00 bis 8.00 Uhr.

Auch die Patientenbetreuung war anders. Während hierzulande jede Schwester für alle Patienten zuständig ist, hatte dort eine Schwester die Verantwortung für drei oder vier Patienten. Bei einer Station mit 25 Patienten waren also sechs bis sieben Krankenschwestern und zwei bis drei „Health-care-Assistenten“ da. Ich war sehr angetan von der gelassenen Betriebsamkeit, die so ganz ohne Hektik und dem Zwang zur perfekten Organisation einherging, wie ich es in Deutschland oft bemerkt hatte.

Besonders gern erinnere ich mich an die vielen Unterhaltungen mit den Patienten, vor allem im Spätdienst, wenn es nach dem Abendbrot auf der Station ruhig wurde und ich den Auftrag hatte, den hocherfreuten Patienten die legendäre Tasse Tee, den „Cup of Tea“ zu kochen und ihn mit Biskuit und Tablett auf das Zimmer zu bringen. Zu dieser Zeit fand gerade ein wichtiges Fußballspiel statt, so dass ich bei einigen Patienten Anteil an der englischen Fußball-Begeisterung haben durfte.

Die Atmosphäre auf der Station war sehr freundlich und herzlich; wir haben auch gemeinsam gefeiert oder in einem Restaurant gegessen. Die Anrede erfolgte immer mit dem Vornamen, auch den Patienten gegenüber. Alle Patienten waren erfreut, mich als Deutschen kennen lernen zu dürfen. Ich habe nie Vorbehalte oder Abweisungen erlebt. Auch viele Krankenschwestern waren Ausländer; generell war das Personal sehr international besetzt, so dass der Umgang miteinander immer ein besonderes Erlebnis war.

Es gab auch mal die Möglichkeit, einer OP beiwohnen zu dürfen.

Insgesamt fühlte ich mich sehr gut betreut und eingebunden und schätzte die Zeit als sehr erfolgreich ein, was ich die Leute, die einem dann lieb geworden sind, bei meinem Abschied auch wissen ließ.

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Auch das Land genießen

Natürlich gab es auch reichlich Gelegenheit, die Stadt und die Umgebung kennen zu lernen. Oxford ist eine sehr feine, geschichtsträchtige, aber auch weltoffene und denkende Stadt. Die berühmte College- Stadt beherbergt über dreißig „Colleges“. Die charakteristischen, orange-gelben Türmchen nach „Perpendicular- Bauart“ sind weltbekannt. Auch die sanfte Hügellandschaft lud zum Spazierengehen und Joggen ein.

Stonehenge ist nicht weit, ebenso Shakespeare’s „Stratford-upon-Avon“ oder die römischen Bäder von „Bath“. Nach jedem Wochenende fragten mich die neugierigen Krankenschwestern, wo ich denn wieder gewesen sei...

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Fazit

Insgesamt war dieses Praktikum und diese Reise nach England ein großes und wichtiges Erlebnis für mich, da es nicht nur meine Englisch-Kenntnisse oder die Praxiserfahrungen in Sachen Krankenpflege verbesserte, sondern auch in meiner Persönlichkeit eine große Entwicklung nach vorn auslöste: man wird weltgewandter, offener und reifer...

Im Rahmen meiner medizinischen Ausbildung würde ich jederzeit wieder ins Ausland gehen, und es steht für mich bereits fest, dass ich auch eine Famulatur im Ausland machen werde.

Also, wenn man Interesse und Möglichkeiten hat, Erfahrungen im Ausland zu machen, so sollte man sie nicht verstreichen lassen!

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A., J.
Greifswald, Februar 2006
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