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Pädiatrie und Chirurgie, Central Regional Hospital, Cape Coast, Ghana
(Medizin zu studieren, war die richtige Entscheidung, 01.10.2005 - 01.04.2006)

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Nach dem Abitur zu einem Krankenpflegepraktikum in ein Entwicklungsland! Mich hat es interessiert, wie Menschen mit relativ einfachen Mitteln medizinisch behandelt werden und ich wollte selbst einmal die Erfahrung machen, ohne den gewohnten Luxus zu leben. Natürlich stellte sich die Frage, warum es denn unbedingt Ghana sein musste, wo es doch so viele andere schöne Länder gibt, in denen es keine Malaria gibt und wo man noch nicht einmal auf warme Duschen und Burger-King verzichten muss. Weshalb also Ghana?

Weshalb gerade nach Ghana?
Bewerbung
Unterkunft
Meine Arbeit im Krankenhaus
Impfungen
Visum
Freizeit
Fazit

Weshalb gerade nach Ghana?


Transport auf ghanaisch
Ein Krankenpflegepraktikum in Ghana? - Wo genau liegt Ghana denn überhaupt? - Wie bitte, in Afrika? - Gibt es denn da überhaupt Strom und fließend Wasser? - Und dann auch noch ein Praktikum in einem Krankenhaus, wo es doch in Afrika so viele HIV-infizierte Menschen gibt! - Das ist doch viel zu gefährlich!

Dies alles habe ich immer und immer wieder zu hören bekommen, wenn ich Freunden, Familie und Bekannten davon erzählt habe, dass ich für ein halbes Jahr nach Ghana gehen und dort mein Praktikum in einem Krankenhaus machen wollte. Obwohl ich selbst nicht viel über Ghana wusste, habe ich versucht meine Familie und Freunde mit meinem angelesenen Halbwissen zu beruhigen. Meinen Berichten von den wunderschönen Stränden und den interessanten alten Sklaven-Forts wurde jedoch wenig Beachtung geschenkt. Dafür wurde der Tatsache, dass Malaria und Typhus in Ghana zur Tagesordnung gehören umso mehr Beachtung geschenkt…

Natürlich stellte sich die Frage, warum es denn unbedingt Ghana sein musste, wo es doch so viele andere schöne Länder gibt, in denen es keine Malaria gibt und wo man noch nicht einmal auf warme Duschen und Burger-King verzichten muss. Weshalb also Ghana?

Meinen Entschluss, nach dem Abitur ein Krankenpflegepraktikum in einem Entwicklungsland zu machen, hatte ich schon etwa zwei Jahre zuvor getroffen. Mich hat es interessiert, wie Menschen mit relativ einfachen Mitteln medizinisch behandelt werden und ich wollte selbst einmal die Erfahrung machen, ohne den gewohnten Luxus zu leben. Außerdem wollte ich mir ein genaues Bild von der Arbeit in einem Krankenhaus machen, um sicher zu gehen, dass die Entscheidung Medizin zu studieren auch wirklich die Richtige war.

Für Ghana hatte ich mich vor allen Dingen deshalb entschieden, weil mich Afrika immer schon fasziniert hat und Ghanaer den Ruf haben, Weißen gegenüber freundlich und aufgeschlossen zu sein - was sich absolut bewahrheitet hat. Außerdem ist die politische Situation in Ghana seit Jahren stabil und da ich zusätzlich meine Englischkenntnisse aufbessern wollte, hat sich Ghana auch angeboten, weil dort die Landessprache Englisch ist.

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Bewerbung

Obwohl ich anfangs überlegt hatte, das Praktikum auf eigene Faust zu organisieren, habe ich mich nach einigem Überlegen doch für eine Organisation, nämlich „OneWorldWorking“ (Website siehe „Weiterführende Links“) entschieden. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war, dass ich gerne in einer Gastfamilie wohnen wollte, um möglichst viel von der ghanaischen Kultur kennen zu lernen. Außerdem war es mir wichtig, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, was gleichzeitig auch den guten Nebeneffekt hatte, dass Freunde und Familie nur noch halb so besorgt waren.

Falls man den Aufenthalt jedoch selber planen möchte, sollte man vorab sehr früh anfangen, sich über notwendige Voraussetzungen wie Visa, Impfungen, Verkehrsmittel, Währung und Unterkunft zu informieren.

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Unterkunft

In den drei größten Krankenhäusern in Ghana, sie liegen in „Cape Coast“, „Accra“ und „Kumasi“, gibt es die Möglichkeit, in den Schwesternwohnheimen zu wohnen. Diese haben jedoch den Nachteil, dass sie oft nicht sehr sauber sind. Eine weitere Möglichkeit der Unterkunft sind Hotels, in denen man teilweise sehr günstig übernachten kann. Als Reiseführer mit Tipps für gute, günstige Hotels kann ich den „Bradt-Guide“ empfehlen. Er ist zwar auf Englisch, die Karten und Beschreibungen sind jedoch wesentlich detaillierter und aktueller als in dem deutschen Reiseführer von „Jojo Cobbinah“, dem einzigen deutschen Reiseführer.

Der größte Nachteil an den Hotels und den Schwesternwohnheimen ist meiner Meinung nach, dass man von dem ghanaischen Familienleben kaum etwas mitbekommt. Für mich waren die Erfahrungen, die ich bei meiner Gastfamilie in dem kleinen Fischerstädtchen „Cape Coast“ gesammelt habe, eigentlich mit die Schönsten meines gesamten Aufenthaltes. So habe ich zum Beispiel gelernt einige ghanaische Gerichte zu kochen, mit den Händen zu Essen, bin mit der Familie in die Kirche gegangen und habe ein paar Brocken „Fanti“ gelernt, welche die Einheimischensprache ist, die in „Cape Coast“ neben Englisch gesprochen wird.

Diese Erfahrungen haben mir auch immer wieder im Krankenhausalltag geholfen: Im Umgang mit den Schwestern, aber auch wenn beispielsweise ein Patient gar kein Englisch verstanden hat.

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Meine Arbeit im Krankenhaus


Auf der Pädiatrie
Gearbeitet habe ich die sechs Monate im „Central Regional Hospital“ in „Cape Coast“, welches zu den drei größten und für ghanaische Verhältnisse relativ gut ausgestatteten Krankenhäusern gehört.

Den Einstieg in den ghanaischen Krankenhausalltag haben mir meine Kolleginnen und Kollegen durch ihre Geduld und ihre Fröhlichkeit sehr erleichtert. Angefangen habe ich in der Notaufnahme, wo meine Aufgaben hauptsächlich darin bestanden, Patienten zu füttern, Betten frisch zu beziehen, Proben ins Labor zu bringen, Patienten auf die verschiedenen Stationen zu bringen und Blutdruck, Puls und Atmung zu messen. Die Schwestern und Ärzte waren alle sehr freundlich und haben mir geduldig alle Dinge erklärt, die ich noch nicht kannte, oder die ich wissen wollte.

Obwohl es sich bei dem Krakenhaus, in dem ich gearbeitet habe, um ein modernes, gut ausgestattetes Krankenhaus gehandelt hat, gab es immer wieder Situationen, die einem vor Augen geführt haben, dass man sich in einem Entwicklungsland befand. So kam es zum Beispiel öfter vor, dass es über mehrere Tage kein Wasser gab. Zwar gab es für den Chirurgiebereich einen extra Wassertank, doch wenn dieses Wasser auch alle war, konnten die Operationen einfach nicht mehr durchgeführt werden. Dies hat dann oft dazu geführt, dass teilweise mehrere Patienten täglich verstorben sind, denen ein einfacher Eingriff schon geholfen hätte.

Insgesamt habe ich in dem halben Jahr in acht verschiedenen Bereichen gearbeitet: in der Notaufnahme, in der Radiologie, in der Pädiatrie, in der Chirurgie, auf der Entbindungsstation, auf der Intensivstation, im Labor und auf der Frühchenintensivstation. Außerdem hatte ich einmal pro Woche die Möglichkeit, bei einer Autopsie zu hospitieren.
Die Aufgaben waren auf den verschiedenen Stationen natürlich sehr unterschiedlich und ich durfte zum Ende meines Aufenthaltes wesentlich mehr Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen als am Anfang. So durfte ich zum Beispiel in den letzten Monaten meines Aufenthaltes bei einer Geburt helfen, im Labor Blut abnehmen und an vielen Operationen teilnehmen.

Es war allerdings wichtig, von vorne herein zu zeigen, dass man wirklich arbeiten möchte und seine Hilfe nicht nur aus Höflichkeit anbietet. Meine ghanaischen Kolleginnen und Kollegen haben mir am Anfang ständig angeboten, mich hinzusetzen und auszuruhen, weil sie nicht so recht verstanden haben, dass ich die Arbeit machen wollte, weil sie mich interessierte und mir Spaß gemacht hat. Dies haben sie meiner Meinung nach auch bis zum Ende nicht ganz verstanden, so dass ständig Eigeninitiative gefragt war, egal, ob es um einen Stationswechsel oder um das Füttern eines Patienten ging.

Da ich mich mit den Ärzten und Krankenschwestern sehr gut verstanden habe, haben wir oft auch nach der Arbeit etwas zusammen unternommen, wobei ich viele ghanaische Bräuche erst kennen gelernt habe. Wir sind zum Beispiel zusammen in die Kirche oder auf den Markt gegangen, haben zusammen gekocht oder sind an den wunderschönen Strand von „Cape Coast“ gefahren.

Meine Arbeit in diesem Krankenhaus fand ich insgesamt sehr spannend und vielseitig. Meine Kolleginnen und Kollegen ebenso wie die Patienten haben dieses Praktikum für mich durch ihre ständige Fröhlichkeit und Freundlichkeit zu einer einzigartigen, sehr positiven Erfahrung gemacht.

Es gab aber auch negative Aspekte, über die man sich im Klaren sein sollte, bevor man eine Krankenhaustätigkeit in einem Entwicklungsland beginnt. Ich fand es zum Beispiel sehr schwer zu begreifen und zu akzeptieren, dass viele Patienten, die nicht das Geld für das Krankenhaus hatten - in Ghana muss im Krankenhaus bar bezahlt werden - oft ohne einen Arzt gesehen zu haben, an Krankheiten wie Diabetes, Typhus oder Malaria gestorben sind. Vor allem Kinder mit Malaria oder Typhus waren davon betroffen, weil ihre Eltern oft erst mit ihnen ins Krankenhaus gekommen sind, wenn die Kinder schon tagelang Fieber hatten oder sie schon bewusstlos waren. Man sollte sich also darauf einstellen, sehr viele Patienten sterben zu sehen, denen man in Europa ohne Probleme hätte helfen können.

Auch hat mich der Umgang von Ärzten und Schwestern mit HIV-infizierten Patienten sehr betroffen gemacht. Oft mussten diese Patienten viel länger warten als andere, manchmal wurden sie auf den nächsten Tag vertröstet und sie wurden generell unfreundlich angesprochen, was bei der üblichen Freundlichkeit der Ghanaer sehr auffällig war.

Ein weiterer negativer Punkt sind die Tropenkrankheiten. Es ist zwar medizinisch interessant, Patienten mit Krankheiten wie Malaria, Typhus, Meningitis, Hepatitis, Bilharziose oder Schlangenbissen zu sehen, aber bei einigen dieser Krankheiten ist natürlich auch das Ansteckungsrisiko eine gewisse Gefahr. Ich denke jedoch, dass die Gefahr einer Ansteckung mit einem guten Impfschutz und gewissen Vorsichtsmaßnahmen wie zum Beispiel das Tragen von Handschuhen und die Einhaltung gewisser Hygienevorschriften wesentlich gemindert werden kann.

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Impfungen

Um Malaria vorzubeugen, sollte man sich auf jeden Fall vor Reisebeginn nach Malariaprophylaxen erkundigen. Welche Prophylaxe für einen am besten geeignet ist, fragt man am besten bei einem Tropenmediziner nach. Auch sollte man ein Moskitonetz und Mückenspray auf die Reise mitnehmen und nach 17.00 Uhr möglichst nur noch mit langen Sachen ins Freie gehen.

Impfungen sind auf jeden Fall zu empfehlen! In den meisten Fällen wird gegen Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis, Gelbfieber, Typhus, Hepatitis A+B, Meningokokken-Meningitis, Tollwut und manchmal Tuberkulose geimpft. Die Gelbfieberimpfung ist sogar vorgeschrieben und muss am Flughafen mit dem Visum vorgezeigt werden. (Anm.d.Red.: Dringend notwendig! Was Impfungen und Prophylaxe in afrikanischen Ländern betrifft, sollten unbedingt und vor allem auch rechtzeitig aktuelle Auskünfte und Empfehlungen bei einem tropenmedizinischen Institut (siehe ganz unten auf dieser Seite: "Auslands-Check") eingeholt werden. Zusätzliche Infos zum jeweiligen Land bieten ferner die medizinischen Hinweise des Auswärtigen Amtes, siehe hier: "Auswärtiges Amt - Infos".)

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Visum

Das Visum kann man in der ghanaischen Botschaft in Berlin beantragen und es kostet für drei Monate etwa 25 € bzw. 60 €, je nach dem, ob man sich für einen „single entry“ oder für einen „multiple entry“ entscheidet. Normalerweise dauert es etwa eine Woche, bis man das Visum dann abholen kann. Es ist aber sehr zu empfehlen, es nicht zu kurzfristig zu beantragen.

Das Visum wird dann am Flughafen in Ghana für sechzig Tage gestempelt. Wenn man länger als zwei Monate bleiben möchte, muss man das Visum in Ghana verlängern lassen, man muss also noch einmal zusätzlich zahlen. Dies gilt auch, wenn man in Deutschland bereits für ein dreimonatiges Visum bezahlt hat!

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Freizeit


Fischerboote an der Südküste
Die Wochenenden habe ich entweder damit verbracht, den Tag am Strand zu genießen oder spannende Wochenendausflüge an viele Orte in Ghana zu unternehmen. So habe ich zum Beispiel mit ein paar Freunden auf den quirligen Märkten von „Kumasi“ und „Accra“ um die Wette gefeilscht, in einem alten Fort in der Nähe vom „Voltasee“ übernachtet, Elefanten im „Mole-Nationalpark“ beobachtet oder wir sind in einem wackeligen Jeep zu einem Affen-Reservat gefahren, wo wir die lustigen Kerlchen mit Erdnüssen füttern konnten.

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Fazit

Für mich haben sich die sechs Monate in Ghana auf jeden Fall gelohnt. Ich war mir danach sicher, dass die Entscheidung, Medizin zu studieren, die Richtige war.

Außerdem habe ich dieses tolle Land und die ghanaische Kultur kennen gelernt und kann jetzt sogar ganz passabel Englisch sprechen.

Das Wichtigste an meinem Aufenthalt in Ghana waren jedoch die Menschen, die ich dort kennen gelernt habe. Sie haben mich mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem Lieblingsmotto “Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit“ einfach fasziniert und mir beigebracht, auch schwierige Situationen mit Gelassenheit zu meistern.

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B., S.
Berlin, November 2006
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