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Anästhesie und Notfallmedizin, St. Lukes-Roosevelt Hospital Center, New York, USA
(Es kann nicht genug betont werden, wie sehr sich die Mühe gelohnt hat., 01.12.2008 - 28.02.2009)

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An die zukünftigen Kolleginnen und Kollegen: Studentin J. L., Diagnose PJ-Tertial Wahlfach Anästhesie/Notfallmedizin in New York City – der etwas andere Erfahrungsbericht über eine ausgezeichnete Ausbildung unter einzigartiger Arbeitsatmosphäre.

Ein „Arzt(entlassungs)brief“
Anamnese
Sozialanamnese
Untersuchungsbefund
Komplikationen
Epikrise

Ein „Arzt(entlassungs)brief“

Sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen, wir berichten über die oben genannte Studentin, geboren am 01.01.19XX, wohnhaft in Bard Hall, 50 Haven Avenue, New York, NY, 10032, (212) 304-7000, welche sich im Zeitraum vom 01.12.2008 bis zum 28.02.2009 bei uns am St. Lukes-Roosevelt Hospital Center, New York City, auf Station befand.


Anamnese

Die Studentin präsentierte sich mit ausgeprägten Symptomen der Motivation und bewarb sich über die Universität Heidelberg an die Columbia University College of Physicians and Surgeons. Die Auswahl erfolgte zunächst auf Grundlage des Lebenslaufes sowie von Motivations- und Empfehlungsschreiben. Dann erfolgte ein Auswahlgespräch mit dem Studiendekanat.

Nach der Zusage kam es zu Anzeichen der Euphorie sowie zur Antriebssteigerung. Es wurden dann zusätzlich zum Lebenslauf und „letters of motivation and recommendation“ folgende Dokumente eingereicht: „dean’s certification form“, „visiting student information form“, „malpractice insurance“, „immunization record“ (inklusive aktuelle MMR-, Varizellen- und Hepatitis B-Titer sowie PPD test). Da der Aufenthalt die 90 Tage nicht überschritt, konnte auf den Antrag eines B1-Visums verzichtet werden, so dass die Studentin nur mit einem Touristenvisum problemlos einreiste.

(Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig bei der entsprechenden Botschaft nach den aktuellen Einreisebestimmungen des jeweiligen Landes erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)

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Sozialanamnese


Central Park in New York City
New York City ist eine überwältigende Stadt, in der eine Vielfalt an Kultur zusammentrifft. Nicht umsonst ist sie als Weltmetropole bekannt. Diese Stadt schläft nie! Sie ist aber auch eine Stadt der Gegensätze. Mal ist man in der großen hochtechnisierten Weltstadt am Time Square, zwei Blocks weiter findet man sich in dem ruhigen idyllischen Central Park mit der Natur vereint, daneben kaufen auf der Fifth Avenue die Reichen sowie japanische Touristen eifrig in Designerboutiquen der Haute Couture ein, dann wiederum zwei Schritte weiter stehen bedürftige Menschen Schlange, um eine warme Mahlzeit zu ergattern.

In New York finden sich Menschen aus den vielfältigsten ethnischen Hintergründen, aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt zusammen, wobei die Bezeichnung „melting pot“ auf die Bevölkerung sehr gut zutrifft. Anfangs war es etwas ungewöhnlich, an jeder Straßenecke Polizisten zu sehen. Türsteher gibt es überall und man zieht die Aufmerksamkeit des Sicherheitspersonals auf sich, sobald man sich in einem Gebäude ohne ID aufhält. Aber ein Gefühl der Unsicherheit bestand nie und die Leute in New York sind unglaublich freundlich, höflich, hilfsbereit und offen. Ein Gefühl der Verbundenheit hält diese Menschen zusammen, welches ausgeprägt nicht nur am „Ground Zero“ sondern auch im afroamerikanischen Stadtviertel Harlem zu spüren ist.

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Untersuchungsbefund


St. Lukes-Roosevelt Hospital Center - New York City

  • Clinical anesthesiology, Dezember 2008 – St. Luke’s-Roosevelt Hospital Center (Dr. D. Castello, MD)

Studenten werden jeden Tag einem „resident“ (Assistenzarzt) bzw. einem „attending“ (Oberarzt) zugeteilt. Nach einem präoperativen Assessment wurden die Patienten in den Operationssaal geführt. Als Student durfte man dann Intubationen durchführen, Larynxmasken und Zugänge legen (was in den USA nicht selbstverständlich ist), so auch bei Kindern. Nervenleitungsblöcke zählen auch zum Repertoire. Neben dem Monitoring des Patienten wird dann je nach zuständigem Arzt ein Thema der Anästhesie aufgegriffen, gelehrt und diskutiert. Ansonsten kann man spannende Operationen verfolgen - von der Neurochirurgie bis zum Facelifting. Im Kreißsaal darf man Epidurale legen sowie Kaiserschnitte miterleben.

  • Emergency Medicine, Januar/Februar 2009 – St. Luke’s-Roosevelt Hospital Center (Drs. A Shreves, J. Quaas, MD)

Die Notaufnahme ist hier zentrale Anlaufstelle für alle Patienten, unabhängig von deren Erkrankung oder Versicherung bzw. finanziellen Lage. So trifft man auf ein vielfältiges Krankheitsspektrum und Patientengut, vom Herzinfarkt bis zu Schusswunden, vom schreienden Säugling bis ins gebrechliche hohe Alter. Das Krankenhaus ist in zwei Gebäude unterteilt - St. Luke’s und Roosevelt.

Ersteres ist ein „level-one trauma center“, d.h. die meisten „trauma cases“ werden primär dort hingebracht und versorgt, wie auch einige Patienten der Hudson River Flugzeug-Notlandung (Jan 2009). Im „Emergency Department“ wird in 10-Std-Schichtdiensten gearbeitet, inkl. Nacht- und Wochenenddienste. Hier führt man eigenständig den Erstkontakt, d.h. Anamnese, körperliche Untersuchung mit den Patienten durch, für die man dann verantwortlich ist. Die Patienten werden dann dem Oberarzt vorgestellt, mit dem man dann die weiterführende Diagnostik und Therapie plant. Neben der digitalen Dokumentation der Befunde, bietet sich die Möglichkeit, Wunden zu nähen, Abszesse zu entleeren und gynäkologische Untersuchungen durchzuführen. Blutentnahmen und Zugänge legen gehören zu den Aufgaben der Krankenschwestern.

Man wird jeweils pro Student einem „attending“ (!) zugeteilt, was ein exzellentes Teaching ermöglicht. Die Ärzte sind hier sehr engagiert, haben Spaß an ihrer Arbeit und legen viel Wert auf die Ausbildung ihrer Kollegen und Studenten.

Jeden Mittwoch findet außerdem eine Reihe spannender Vorträge aus unterschiedlichen Themengebieten statt. Am Ende der Rotation gibt es eine schriftliche Prüfung und eine mündliche Patientenvorstellung. Zusammen mit den Evaluationen von jedem „attending“ entsteht eine Endbewertung.

Sehr zu empfehlen ist zudem die Möglichkeit, im Notarztwagen durch New York mitzufahren. Diese Fahrt bietet die Gelegenheit, die „doctors of the streets“ bei ihrer Arbeit zu verfolgen. Es ist äußerst kurios, in fremde Wohnungen einzutreten und zu sehen, wie die Menschen in New York leben: vom mit Hightech Heimkino ausgestatteten Haus bis hin zum dürftigen Schlafzimmer, in dem der Patient selbst „im Müll versinkt“.

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Komplikationen


Bard Hall
New York ist bekanntlich eine teure Stadt. Eine Mahlzeit kostet im Durchschnitt 5-10$, dafür gibt es eine Vielfalt an internationalen Köstlichkeiten. Die Stadt bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten: Empire state building, Chinatown, Little Italy, Statue of Liberty, Ellis und Staten Island, Rockefeller Center u.a. Hinzu kommen endlose Museen, z.B. das Museum of modern art, Metropolitan, Guggenheim Museum, Frick Collection, Museum of natural history u.a. Diese können an bestimmten Wochentagen kostenlos sein, ansonsten bis 25$ kosten.

Die Stadt bietet zudem für „shopaholics“ die Möglichkeit, Designer-Klamotten zu einem günstigen Preis zu kaufen, so z.B. im „Century 21“, „Loehmann’s“ und „Daffy’s“. In New York ist man mit der Subway und/oder Bus am besten flexibel (81$ Monatskarte).

Die Unterkunft im Bard Hall kostet 725 $/Monat und ist damit am günstigsten. Jedoch lässt die Wohnung einiges zu wünschen übrig. Nicht jedes Zimmer beinhaltet ein Waschbecken, WC/Bad teilt man mit 35 anderen Leuten und es gibt nur eine Küche für das gesamte Hochhaus (11 Etagen). Die Zusage für die Wohnung wurde erst eine (!) Woche vor der Abreise in die USA erhalten. Außerdem nicht komplikationslos erfolgte die Kommunikation mit der Columbia University, da sie zunächst bis zur Einreise immer indirekt durch das Studiendekanat erfolgte.

Wegen der ethnischen Vielfalt der Patienten, gerade im „Emergency Department“, ist es von Vorteil, sprachliche Kenntnisse vor allem in Spanisch zu haben (aber auch französisch, russisch, chinesisch etc.), da sprachliche Barrieren den Kontakt zu Patienten erheblich erschweren können. Daneben ist anzumerken, dass der englische, medizinische Jargon auch eine Sprache für sich ist, mit vielen Abkürzungen, welche eine initiale Gewöhnungszeit in Anspruch nimmt.

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Epikrise


New York City
Zusammengefasst, gestaltete sich die Bewerbung als relativ umfangreich und langwierig (1-2 Jahre vorher). Ein Auslandsaufenthalt stellt per se eine Herausforderung dar. Man muss sich auf neue Systeme umstellen und sich an neue Umgebungen anpassen können. Gerade die Notaufnahme ist sehr anspruchsvoll und erfordert viel Flexibilität.

Trotzdem kann nicht genug betont werden, wie sehr sich die Mühe gelohnt hat. Nicht umsonst genießt das Krankenhaus einen exzellenten internationalen Ruf, es bietet eine ausgezeichnete Ausbildung unter einzigartiger Arbeitsatmosphäre.

Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen sowie die Vielseitigkeit von New York verleiht der Stadt ihren unvergleichlichen Charme. Die Reise war eine besondere und bereichernde Lebenserfahrung - ein persönlicher Wendepunkt.

Selbstverständlich stehen wir Ihnen für Rückfragen jederzeit zur Verfügung.
Mit kollegialen Grüßen


"Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken, die mir diese unvergessliche Reise ermöglicht haben, unter anderem das Studiendekanat der Universität Heidelberg und insbesondere Frau Lampe für ihre tatkräftige Unterstützung. Nicht zuletzt möchte ich mich ganz herzlich bei der Allianz für das mir zuerkannte Reisestipendium bedanken"!

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L., J.
Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
New York, Februar 2009

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Bekanntgabe der StipendiatInnen: 22.12.2009
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