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Chirurgie und Pädiatrie, Hospital San Martín/ Hospital de niños Sor María Ludovica, La Plata, Argentinien
(Lehre als wichtiger Teil des Krankenhausalltags, 07.08.2006 - 18.03.2007)

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Acht Monate Argentinien – mit Hilfe meiner Universität. Praktische Ausbildung erfahren in einem nicht europäischen Land, lernen, mit einfachen Mitteln medizinisch zu arbeiten, und dabei zudem Menschen, Land und Kultur dieses Landes kennen zu lernen. Ein Erlebnis!

Meine Wahl: PJ in Argentinien
Vorbereitung & Organisatorisches
Vier Monate in der Chirurgie
Vier Monate in der Pädiatrie
Unterkunft & Finanzielles
Weites Argentinien
Mein Fazit nach acht Monaten

Meine Wahl: PJ in Argentinien


Lago Argentino - Patagonien
Warum gerade Argentinien? Dies war die meist gestellte Frage der Argentinier. Nicht nur die Ärzte, Schwestern und Patienten im Krankenhaus, sondern auch der Bäcker, der Kellner im Café und meine Freunde in La Plata haben mich gefragt, warum ich aus einem so weit entwickelten Land wie Deutschland freiwillig in ein Dritte- Welt Land käme.

Meine Entscheidung für Argentinien hatte mehrere Gründe. Ich wollte einen Teil meiner praktischen Ausbildung in einem nicht europäischen Land machen, lernen, mit einfachen Mitteln medizinisch zu arbeiten, meine Spanischkenntnisse vertiefen und Menschen, Land und Kultur nicht als Besucher sondern als Teil davon kennen lernen.

Da zwischen der Universität Rostock und der Nationaluniversität La Plata ein Austauschprogramm besteht, hatte ich in Rostock argentinische Studenten kennen gelernt und in der Freundschaft mit ihnen viel über Argentinien, das Medizinstudium, die Ausbildung der Studenten im Krankenhaus und das Leben in La Plata erfahren. In Gesprächen bekam ich den Eindruck, dass Argentinien ein Land ist wie kein anderes: eine Mischung unterschiedlichster südamerikanischer und europäischer Kulturen und Lebensweisen, beeinflusst nicht nur durch die Herkunft der Menschen, sondern auch durch die Ausdehnung ihres Landes von trockenen und subtropischen Gebieten, fast 7.000 Meter hohen Anden bis hin zu Gletschern und endloser Einsamkeit in Patagonien.

Neben dem Interesse an diesem vielseitigen Land, bot La Plata mir mit einem sehr guten Kinderkrankenhaus, in das kleine Patienten aus der gesamten Provinz Buenos Aires (mit einer Fläche von über 360.000 Quadratkilometer) kommen, die Möglichkeit einer hervorragenden Ausbildung in Pädiatrie. Da es mehr als vier Monate bedarf, um Menschen, Kultur und Sprache wirklich kennen zu lernen, entschloss ich mich, mein Chirurgie Tertial ebenfalls in Argentinien zu absolvieren.

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Vorbereitung & Organisatorisches


Cataratas de Iguazu
Die Universität Rostock bietet pro Jahr vier Medizinstudenten die Möglichkeit, im Rahmen des Austauschprogramms für einen Zeitraum von vier bis acht Monaten nach La Plata zu gehen. Grundsätzlich denke ich, dass es auch außerhalb dieses Programms möglich ist, am Universitätskrankenhaus von La Plata, Buenos Aires oder einer anderen Stadt in Argentinien einen Teil seines PJ zu machen. Das Medizinstudium in Argentinien ist kostenlos, d.h. auch für ausländische Studenten fallen keine Studiengebühren an. Die Ausbildung findet im staatlichen Universitätsklinikum statt, welches von der Ausstattung her zum Teil einem Entwicklungsland entspricht. Das Hospital San Martín und das Hospital de niños Sor María Ludovica sind Lehrkrankenhäuser der Universidad Nacional de La Plata.

Die Art des geforderten Visums sowie die Antragsbedingungen ändern sich ständig. Deswegen sollte man sich frühzeitig mit dem argentinischen Generalkonsulat und der Universität in Verbindung setzen. Unbedingt nötig für die Einreise ins Land ist ein fester Rückflugtermin. Für Rostocker Studenten ist das Generalkonsulat in Hamburg, Mittelweg 141, 20148 Hamburg, Tel: 040 42 8 39-4195 zuständig.

Für die Arbeit im Krankenhaus ist ein vollständiger Impfstatus, incl. Hepatitis A und B nötig. Empfohlen wird außerdem noch eine Typhusimpfung und bei Reisen zu den Wasserfällen von „Iguazu“ eine Gelbfieberimpfung. Diese erhält man in Buenos Aires kostenlos! (10 Tage vor Exposition impfen, 10 Jahre wirksam)

Darüber hinaus muss dem Krankenhaus zu Beginn der Arbeit eine Bescheinigung über die Berufshaftpflicht- und Auslandskrankenversicherung vorgelegt werden.

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Vier Monate in der Chirurgie


Der Chirurgie Pavillon
Im August 2006 habe ich mit meinem Chirurgie- Tertial meine Zeit in Argentinien begonnen. Von den vier Monaten habe ich sechs Wochen in der Traumatologie, sowie jeweils fünf Wochen in der Kindertraumatologie und in der Allgemeinchirurgie gearbeitet. An der Universität von La Plata gibt es kein Äquivalent zum deutschen PJ Studenten, so dass ich mit den Assistenzärzten („residentes“) des ersten Ausbildungsjahres mitgegangen bin.

In der Traumatologie bestand meine Tätigkeit aus Wundversorgung, Verbandswechsel, Gipsen, Teilnahme an der Visite, Teilnahme an den täglichen Unterrichtsstunden und Fallbesprechungen („clases“ von 14.00 bis 17.00 Uhr) und OP (leider nur zugucken möglich). In der Kindertraumatolgie gab es dreimal die Woche eine externe Sprechstunde, in der alle weniger akuten und ambulanten Fälle behandelt wurden. Hierbei konnte ich viele unterschiedliche Krankheitsbilder und deren Therapie kennen lernen. Die Aufgaben und Tätigkeiten in der Allgemeinchirurgie waren eher beschränkt: wenig Wundversorgung, zusehen bei Operationen, Visite, Stationsarbeit und ebenfalls jeden Nachmittag „clases“.

Während der ganzen vier Monate habe ich jede Woche einen festen Tag zusammen mit anderen Studenten in der chirurgisch- traumatologischen Notaufnahme gearbeitet. Praktisch gab es in der Notaufnahme („guardia“) mehr zu lernen als auf den Stationen. So habe ich viele Tage statt auf der Station in der Notaufnahme verbracht. Die Aufgaben der Studenten („practicantes“) bestehen aus dem Aufnehmen, Untersuchen und Vorstellen der Patienten, Blut abnehmen, Wunden versorgen und nähen, impfen, i.m.- Injektionen verabreichen, Infusionen anhängen, Kontrollieren der Vitalparameter und Patienten zum Röntgen oder Ultraschall begleiten. Neben praktischer Arbeit bietet die Notaufnahme auch die Möglichkeit, Kontakte zu anderen Studenten zu bekommen. Der Nachteil an der Arbeit in der Notaufnahme ist, dass es auch immer wieder Tage gibt, an denen gar nichts zu tun ist.

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Vier Monate in der Pädiatrie


Kinderklinik Sala 3
Nach vier Monaten ging es mit Pädiatrie weiter. Angefangen habe ich auf einer allgemeinen klinischen Station („sala 3“). Die Station hatte 19 Betten, sechs Assistenzärzte („residentes“), vier Stationsärzte („medicos de planta“) und einen Oberarzt. Da die Assistenzärzte die meiste Arbeit am Patienten machen, haben die anderen sehr viel Zeit zum Erklären. Sowohl die „medicos de planta“ als auch der Oberarzt haben sich regelmäßig Zeit genommen, mit den Studenten zusammen Fälle durch zu sprechen, Röntgenbilder zu befunden, Kinder zu untersuchen, Fragen zu beantworten sowie Krankheitsbilder zu erklären oder nach zu lesen.

Der Tag in der Pädiatrie dauerte von 8.00 bis 16.00 Uhr. Morgens werden die neuen Patienten aufgenommen, Untersuchungen oder Konsile veranlasst und Visite gemacht. Nach dem Mittagessen geht es mit „clases“ (Unterricht), Fallvorstellungen oder Radiologiekurs weiter. Einmal pro Woche kann man zusätzlich einen 24 Stunden Dienst mitmachen. Durch das riesige Einzugsgebiet des Krankenhauses habe ich viele seltene Krankheitsbilder, aber auch typische Kinderkrankheiten wie Windpocken, Gastroenteritis oder Bronchitis sehen können.

Für ein paar Wochen habe ich noch auf eine Säuglingsstation gewechselt. Dort waren die Ärzte leider nicht so erklärungsfreudig und der Stationsalltag etwas chaotisch. Positiv war, dass ich jeden Tag viele Säuglinge untersuchen, Anamnesen erheben und bei Untersuchungen (Echo, radiologische oder hämatologische Untersuchungen) zuschauen konnte.

Neben der Arbeit im Krankenhaus habe ich noch zwei Nachmittage pro Woche zusammen mit einer Kinderärztin in einer „salita“, einem winzigen öffentlichen Gesundheitszentrum in einem der armen Randgebiete La Platas, gearbeitet. Besonders häufige Krankheiten der Kinder in diesem Stadtgebiet sind: Parasitenbefall, Gastroenteritis, Mangelernährung und Anämie. Außerdem habe ich zusammen mit anderen Studenten Gespräche zur Gesundheitsprävention mit den Müttern geführt, so z.B. zu trinkbar machen von Wasser oder Prophylaxe von Hantavirus- und Parasiteninfektionen.

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Unterkunft & Finanzielles

In La Plata habe ich mit zwei argentinischen Studentinnen zusammen in einer WG gewohnt. Bei den beiden habe ich mich gleich zu Hause gefühlt. Neben den guten Freundinnen, die ich in ihnen gefunden habe, war es auch schön, mit nicht Medizinern zusammen zu wohnen. Clara, eine der Beiden, ist sehr hilfsbereit, spricht deutsch und steht bei Fragen zur Verfügung. In La Plata eine Unterkunft zu finden, ist nicht so einfach. Es gibt nur wenige WGs, dafür aber viele „pensiones“ (wie private Wohnheime), die aber immer schnell belegt sind. Ein ehemaliger Professor der medizinischen Fakultät vermietet auch Zimmer an Austauschstudenten. Außerdem kommen jedes Jahr Studenten aus La Plata nach Rostock, über die man Kontakte knüpfen und sich helfen lassen kann (Kontakt: Akademisches Auslandsamt Rostock).

Das Leben in Argentinien ist für Europäer recht günstig. Ich habe umgerechnet etwa 100 Euro Miete pro Monat gezahlt und im Alltag braucht man nicht besonders viel Geld. Da der Peso aber selten so stabil war wie 2006/7, kann sich sein Wert schnell verändern. Ein Flug von Deutschland nach Argentinien kostete 2006/2007 ca. 800 – 900 Euro. Mit „Aerolineas Argentina“ sollte man nicht aus dem Ausland einreisen, da sie sehr unzuverlässig sind, nie pünktlich abfliegen, oft streiken oder einfach Flüge streichen. Der einzige Vorteil wäre, dass Inlandsflüge billiger sind, wenn man bereits aus dem Ausland mit AA gekommen ist.

Die Allianz Private Krankenversicherungs- AG (Infos hier auf Stethosglobe.de), der Bvmd und der DAAD vergeben Stipendien und Fahrtkostenzuschüsse in unterschiedlicher Höhe.

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Weites Argentinien


Salinas grandes
La Plata liegt 56 km südöstlich von Buenos Aires an der Mündung des Rio de La Plata. Die Stadt wurde 1882 planmäßig entworfen und besteht aus durchnummerierten quadratisch zu einander verlaufenden Strassen, durchzogen von einigen Diagonalen und grünen Plätzen. Sie hat etwa 250.000 Einwohner, eine Universität und ist die Hauptstadt der Provinz Buenos Aires.

Erschreckend fand ich es doch immer wieder, wie groß der Unterschied zwischen Armen und Reichen in Argentinien ist: der große Teil der armen Bevölkerung lebt ohne fließend Wasser und Strom in Wellblechhütten, eine Mittelschicht gibt es kaum und die kleine Oberschicht lebt nur 100 Meter weiter in riesigen Häusern mit Swimmingpool. Die Stadtzentren gleichen Europa, die Randbezirke der Städte machen deutlich, warum Argentinien zur Dritten Welt zählt. Ich habe mich nie bedroht gefühlt, aber durch die große Armut vieler Menschen, kann es schon passieren, dass man ausgeraubt oder überfallen wird.

Argentinien als Land bietet unheimlich viel zu sehen: beeindruckende Gletscher und Berge in Südpatagonien, Urwald und tolle Wasserfälle in „Misiones“ im Nordosten oder Pinguine und Seelöwen auf der Halbinsel „Valdés“. Obwohl die Entfernungen riesig sind, kann man alles günstig mit dem Bus erreichen. Züge gibt es kaum, Flüge sind unverhältnismäßig teuer.

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Mein Fazit nach acht Monaten


Purnamarca
Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass die argentinischen Ärzte den Studenten viel mehr beibringen, weitergeben und Wissen vermitteln wollen, als die Mehrheit der deutschen Ärzte. Alle sind es gewohnt zu erklären, zu zeigen und sehen die Lehre als wichtigen Teil des Krankenhausalltags an. Jeder, der etwas weiß, gibt es bereitwillig weiter. Auch bleibt immer Zeit, gemeinsam etwas nachzulesen oder zu besprechen.

Vielleicht hat es auch ein bisschen mit der generellen Hilfsbereitschaft der Argentinier zu tun. Ob man den Weg nicht weiß, einen Laden sucht oder einen Ratschlag braucht, die Menschen nehmen sich Zeit und versuchen einem weiterzuhelfen. Sehr positiv habe ich außerdem die Offenheit und Unkompliziertheit der Argentinier empfunden. An das Machogehabe und die Einstellung vieler Männer den Frauen gegenüber sowie die Art vieler Frauen, sich mit der ihnen zu geschriebenen Rolle zu identifizieren, konnte ich mich allerdings die ganze Zeit nicht gewöhnen.

Wer schon vor der Reise einen Einblick in Geschichte, Kultur, Alltag und Leben in Argentinien bekommen möchte, dem kann ich den „Kulturschock – Argentinien“ vom Reise Know-how Verlag empfehlen. Es ist ein kurzes, kritisches und manchmal sarkastisches Buch, das Argentinien und seine Gesellschaft sehr treffend beschreibt. Sprachliche Hilfe geben die Bücher „Spanisch für Argentinien“, Kauderwelsch Band 48 vom Reise Know-how Verlag sowie „Medizinisches Spanisch Pocket“ vom Börn Bruckmeier Verlag.

Obwohl jedes Jahr viele Austauschstudenten an der Universität von La Plata studieren, waren wir Rostocker Studenten am Klinikum die einzigen. Durch schnelle Kontakte zu Argentiniern habe ich in den ganzen acht Monaten keine anderen Austauschstudenten kennen gelernt. Im Gegensatz dazu waren am Uniklinikum von Buenos Aires zur gleichen Zeit ca. 80 ausländische Studenten, davon ca. 50 Deutsche. Beides hat sicherlich seine Vor- und Nachteile, macht aber bestimmt einen großen Unterschied, wie man Argentinien erlebt.

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W., B.
Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Rostock, Juli 2007

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