Beweggründe und Erwartungen
Bewerbung
Organisation und Vorbereitung des Aufenthaltes
Eindrücke rund ums Krankenhaus
Tätigkeit am Princess Alexandra Hospital
Tätigkeit am St. Vincent’s Hospital
Freizeit
Fazit
Beweggründe und ErwartungenWarum gerade PJ in Australien, möchten Sie wissen?!
Im Rahmen eines einjährigen Forschungsaufenthaltes an der University of Queensland vor zwei Jahren war ich bereits schon einmal in Australien. Damals konnte ich mir neben Land, Leuten, deren Lebensfreude und der australischen Sonne einen Einblick über die Forschung in Australien an einem an eine Universität angeschlossenen Institut und das Leben im Labor verschaffen. Nun wollte ich auch das Leben und die Arbeit im Krankenhaus in Australien näher kennen lernen und meine bereits geknüpften Kontakte zu Medizinern in Australien ausbauen.
Nach dem Jahr im australischen Labor konnte ich mir gut vorstellen, für eine gewisse Zeit in Australien zu leben und zu arbeiten, woran sich auch nach den vier Monaten PJ nichts geändert hat. Solch eine Entscheidung will jedoch wohl überlegt sein und nicht aufgrund eines einzigen Aufenthaltes in dem Land getroffen werden.
Die beiden von mir gewählten Krankenhäuser räumen der Medizinerausbildung einen hohen Stellenwert ein. In der nahezu „Hierarchie freien“ Umgebung eines australischen Krankenhauses, von der immer alle schwärmen, hat der einzelne Student vielmehr die Gelegenheit, sich selbst einzubringen und „Hand anzulegen“ und somit gerade in der Chirurgie die Chance des „learning by doing“.
BewerbungAn Bewerbungen um eine PJ-Stelle in Australien muss frühzeitig gedacht werden: ein bis zwei Jahre vorher, vor allem, wenn man an ein „preisgünstiges“ Haus möchte, d.h. ein Haus, an dem keine „tution fees“ verlangt werden. In den meisten Kliniken ist es möglich bis zu acht Wochen zu absolvieren, ohne dass „tution fees“ fällig werden. Hier hilft das Splitten eines Tertials, um die für Ausländer horrenten „Tution Fees“ von ca. AU$ 500 pro Woche zu umgehen.
Alle Bewerbungen um eine Stelle als „elective student“ in einem Krankenhaus im Staat Queensland laufen über das sog. PMEFQ (Postgraduate Medical Education Foundation of Queensland). Einzelheiten zu den Bewerbungsformalitäten finden sich auf der Homepage der PMEFQ. Als abschreckend mögen es viele empfinden, dass man gleich bei der Bewerbung einen „Bank draft“ über AU$ 385 mitschicken muss. Allerdings haben bis zum jetzigen Zeitpunkt immer alle Bewerber eine Stelle bekommen, wenn vielleicht auch nicht ihren Erstwunsch.
Die Bewerbungen um eine Stelle als „elective student“ in einem Krankenhaus im Staat Victoria sind direkt an die „Clinical Schools“ der einzelnen Kliniken zu richten - so auch beim St. Vincent’s Hospital. Zu beachten ist hier, dass Stellen für „overseas students“ normalerweise nur im Zeitraum verfügbar sind, in dem die australischen Studenten Ferien haben, also November bis Januar.
Organisation und Vorbereitung des AufenthaltesJe nach Aufenthaltsdauer in Australien kommen verschiedene Visa in Frage. Ist der Aufenthalt kürzer als drei Monate in Australien, genügt ein normales „short stay Business“-Visum. Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten in Australien sollte ein „occupational trainee“-Visum beantragt werden („temporary residence visa“ (non-business), Form 147, subclass 442. Sollte das australische Krankenhaus Visa Angelegenheiten nicht unterstützen, was man für ein occupational trainee-visum braucht, (wie das bei mir der Fall war), dann gibt es die Möglichkeit des „Working Holiday“-Visum - unter anderem auch eine preisgünstigere Alternative (Preis: 95.- Euro).
Allen diesen Visumanträgen muss man einen Röntgenthoraxbefund beifügen. Der Röntgenthorax muss von einem der Vertragsärzte der australischen Botschaft durchgeführt und befundet sein (Preis: 45.- Euro). Eine Liste der Vertragsärzte wie auch Details zu den einzelnen Visa finden sich auf der Homepage der australischen Botschaft.
Wem der ganze Stress, welches Visum und warum, zu viel ist, der kann auch die Dienste eines Visumservice in Anspruch nehmen. Mit der Visumcentrale habe ich persönlich für Visa verschiedener Länder sehr gute Erfahrungen gemacht. Innerhalb kürzester Zeit (vier Tage) hatte ich mein Visum.Als Auslandsreisekrankenversicherung bietet sich der Tarif PRO3 der Allianz Private Krankenversicherung (monatlich 11,15 Euro) an. Eine Malpractice Insurance (Haftpflichtversicherung) muss man bereits bei der Bewerbung vorlegen.Für Reisen nach Australien empfiehlt sich ein Konto bei einer Bank, die u.a. mit einer australischen Bank ein Abkommen hat. So kann man mit der Bank-Karte gegebenenfalls kostenlos bei den entsprechenden Filialen vor Ort Geld abheben. Ansonsten kann man fast überall mit den gängigen Kreditkarten bezahlen.Ein Handy kann doch recht praktisch sein... Empfehlung: Nehmt Euer Handy von zu Hause mit und kauft Euch eine australische Prepaidkarte. „Optus“ z.B. hat immer wieder Angebote, bei denen man für den Preis von AU$ 39.95 Gesprächsguthaben im Wert von AU$ 60 erhält.In Brisbane gibt es leider seit einigen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen keine Schwesternwohnheime mehr, in denen man als internationaler Student für die Zeit seines PJ unterkommen könnte. Also muss man sich privat etwas suchen, was je nach Jahreszeit mal mehr, mal weniger leicht ist, aber generell um einiges leichter und vor allem spontaner als in deutschen Universitätsstädten. Also keine Panik! No worries, mate!
Für diejenigen, die zu bequem sind, sich etwas Eigenes zu suchen, gibt es in Brisbane die Möglichkeit in Jugendherbergen zu einem Wochenpreis von ca. AU$ 80 zu wohnen. Wer sich seine Bleibe bereits von Deutschland aus organisieren will, dem hilft das Internet dabei. Einige Agenturen bieten „short term accomodation“ für um die AU$ 120/Woche an. Eine hilfreiche Seite ist die Homepage der Universität Queensland. Und wer einen Stadtplan braucht für eine australische Stadt, der findet ihn unter dem Kartensuchdienst "whereis.com.au".
Beim St. Vincent’s Hospital besteht für eine beschränkte Anzahl an internationalen Studenten die Möglichkeit, für den Zeitraum des „Electives“ im an die Clinical School angeschlossenen „Wohnheim“ - nur 14 Zimmer mit 6 Bädern, Küche und Aufenthaltsraum - zu wohnen; und dies zum Schnäppchenpreis von AU$ 25 pro Woche.Australien ist definitiv ein Autofahrerland. Öffentliche Verkehrsmittel sind in den Städten selbst ganz gut, sobald man aber ein wenig etwas von der Umgebung sehen will, braucht man ein Auto. Manche Autovermietungen möchten den internationalen Führerschein sehen; kann also nicht schaden.Wer sich schon vorher ein bisserl einlesen will in die „Aussie Kultur“, dem seien „Songlines“ von Bruce Chatwin und „down under“ von Bill Bryson empfohlen. Eindrücke rund ums Krankenhaus- Kleiderordnung in australischen Krankenhäusern
Der Dress Code ist doch etwas anders als bei uns, eher Businessstyle. Jungs: Stoffhose - keine Jeans! - Hemd mit Krawatte. Mädels: Hose oder Rock, Bluse oder edleres T-Shirt - nicht zu viel Haut zeigen! Generell werden, wenn überhaupt, nur von Studenten weiße Kittel getragen.„Consultant“: Oberarzt
„Fellow“: Facharzt in der Subspezialitäten-Weiterbildung
„Registrar“: Arzt in der Facharztweiterbildung
“Resident”: Assistenzarzt
“Intern” = “First-year-Resident”
Allgemein lässt sich sagen, dass die Hierarchie nicht so ausgeprägt ist wie in deutschen Häusern und man als Student doch auch schnell mal ins Gespräch mit dem Consultant kommt und mit ihm ein Bierchen trinken geht... Von einer „Hierarchie freien“ Umgebung, von der mir Freunde zuvor berichtet haben, würde ich allerdings nicht sprechen. Es gibt zwar nicht diese Distanz zwischen Consultant und Student, aber bei der Aufgabenverteilung gibt es schon eine deutliche Hierarchie. So kommt der Intern nur dazu, bestimmte Dinge (Pleurapunktion z.B.) durchzuführen, wenn der Resident nicht da ist... und wenn beide nicht da sind, darf der Student erst ran... Wie überall hängt vieles von einzelnen Personen ab. Je selbstsicherer die Person, desto mehr lässt sie einen selber machen.Die Definition der Australier: Es heißt „elective“, weil man selber wählt, wo, wann oder ob überhaupt man kommt und wie viel man tun möchte. Die australischen Studenten haben kein PJ wie in unserem Sinne. Der Begriff „elective“ wird sowohl für unsere Famulaturen als auch für PJ verwendet. Somit muss man am Anfang erst einmal klarstellen, was man zu Hause tun würde. Ich habe mich etwas später als „student intern“ vorgestellt.
Im vierjährigen „postgraduate Kurs“, wie es ihn in Brisbane gibt, machen die Studenten zwei „electives“ zu je vier Wochen, nämlich eines nach dem 1. Jahr und eines nach dem 4. Jahr, also nach Abschluss des Kurses, bevor sie als (bezahlter) Intern anfangen.
Beim sechsjährigen „undergraduate Kurs“, wie es ihn noch in Melbourne gibt, machen die Studenten zwischen dem fünften und sechsten Studienjahr sechs Wochen ihr „elective“. Ihr viertes Studienjahr ist in diesem Kurs übrigens ein reines Forschungsjahr.
Als einzige internationale Studentin in der Chirurgie zu dem Zeitpunkt meines Tertialbeginns und somit ohne festgelegten Lernkatalog war es mir leicht, mich in die alltäglichen Abläufe zu integrieren und ich fand mit meinem „Sonderstatus“ meinen Platz irgendwo zwischen den „final year students“ und den „interns“.
Tätigkeit am Princess Alexandra HospitalDas Princess Alexandra Hospital, unter den Einheimischen besser als „PA“ bekannt, ist eines der führenden Lehrkrankenhäuser in Australien, angeschlossen an die University of Queensland. Es beherbergt mit seinen 825 Betten alle Fachrichtungen für Erwachsene mit Ausnahme von Gynäkologie und Geburtshilfe. Traditionell ist das PA die Heimat der Chirurgie Queenslands.
Die allgemeinchirurgische Abteilung des Princess Alexandra Hospitals ist in die Bereiche „Colorectal“, „Upper GI“, „Hepato-Pancreato-Biliary and Transplant“, „Breast&Endocrine“, „Vascular“, „Cranio-Facial“, „Cardiothoracic“ gegliedert. Das Transplantationszentrum ist eines der größten der Ostküste Australiens und beherbergt den “Queensland Liver and Renal Transplant Service“.
Ich hatte das Glück, als Student direkt dem Direktor der Allgemeinchirurgie A Prof. Dr. Daryl Wall zugeteilt zu sein, der mich wohlwollend unter seine Fittiche nahm und mich auch den „Consultants“ der anderen chirurgischen Abteilungen vorstellte.
Ich besuchte die meist sehr guten, in Kleingruppen stattfindenden Vorlesungen (max. 20 Studenten) zu grundlegenden Themen, wie z.B. Polytrauma, Urologische Steine, Gallensteine, Elektrolyttherapie, Herzchirurgie, Dysphagie, Gefäßchirurgie, chirurgische Aufklärungen u.v.a. und „Tutorials“ (max. 4 Studenten; meist „Bed-side-teaching“ durch einen Consultant auf unterschiedlichen Stationen) für die „final year students“, ebenso die zweimal wöchentlich für die Interns stattfindenden Fortbildungen (z.B. in Dermatologie, chirurgische Notfälle...).
Auf Station übernahm ich die Arbeit der „interns“: Dokumentation bei der Visite jeden Morgen um 7.00 Uhr, Aufnahmen, Zugänge legen, Entlassungsbriefe etc., ebenso im OP als erste und zweite Assistenz.
Tätigkeit am St. Vincent’s HospitalDas St. Vincent’s Hospital ist ein Lehrkrankenhaus der University of Melbourne mit 380 Betten. Es ist ein katholisches Krankenhaus mit strengen Werten: „unity, excellence, respect for human dignity, compassionate care and justice“. Die Lehre hat einen besonders hohen Stellenwert, wie man an der eigens dafür eingerichteten „Medical Education Unit“ sehen kann.
Die Abteilung „Cardiothoracic Surgery“ war mir von befreundeten deutschen und australischen Medizinstudenten wärmstens empfohlen worden als Abteilung mit einer Menge „hands on“-Experience. Anders als in Deutschland gehören hier in Australien nicht Herz- und Gefäßchirurgie zusammen, sondern Herz- und Thoraxchirurgie.
Außerhalb von der Arbeit auf Station, in der „Pre-Admission Clinic“, in der „Outpatient Clinic“ (Ambulanz) und im OP gab es eine Menge intra- und interdisziplinäre Fortbildungen und Besprechungen: unter anderem die sog. „Cardiac Conference“, auf der die Kardiologen und Chirurgen heftigst diskutieren, wer, wann, warum operiert werden soll, „Heart Meetings“, „Lung Meetings“ ...
Von Sprachproblemen kann in einem englischsprachigen Land wohl eher weniger die Rede sein, was einem jedoch hier und da mal Rätsel aufgeben kann, dies sind die unzähligen Abkürzungen. Die Australier lieben sie, ihre Abkürzungen und ihre drei-buchstabigen Akronyme. Oder wusstet ihr, dass „MCA“ in einer Akte ganz einfach nur für „Motor Cycle Accident“ steht?!
Es gibt definitiv einige Vorteile, als Arzt in Australien zu arbeiten - und nicht nur das Wetter. Jede Überstunde wird bezahlt. Interns verdienen ca. AU$ 70.000 pro Jahr - was jedoch nicht gerade zu einer größeren Effizienz beiträgt - und es gibt ein „salary packaging“-System, bei dem ein Teil des Verdienstes für den Besuch von Restaurant, Supermarkt und Miete... verwendet wird. Dieser Teil muss nicht versteuert werden. How good is that?!
FreizeitNaja, also ich bin mir eigentlich sicher, dass ihr schnell etwas zu tun findet im „Sunshine State“ und im „Garden State“... Denn dieses phantastische Land „down under“ hat nicht nur fachlich viel zu bieten. Und wenn Ihr mit Eurer Freizeit nichts anzufangen wisst, dann seid Ihr selber schuld... Dann hilft Euch vielleicht ein Blick in den „Lonely Planet“ weiter...
Günstige Inlandsflüge gibt’s übrigens unter den genannten Links (siehe Weiterführende Links)
FazitAustralien ist auf jeden Fall nicht nur eine Reise wert! Und es gibt sicher nichts, was man in einem australischen Krankenhaus nicht genauso lernen könnte wie in einem deutschen - höchstens vielleicht die Ehrfurcht...
Also, take care, mate! And make the most out of it! Ich danke der Allianz Private Krankenversicherung für die finanzielle Unterstützung meiner Australienpläne durch ein Reisestipendium, ohne das dieser Aufenthalt nicht in dieser Form möglich gewesen wäre.
M., B. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Melbourne, Australien, Januar 2005
Weitere Infos zu den Reisestipendien der Allianz |
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