Chancen im AuslandChancen im InlandAlternative Berufsfelder

Chirurgie, Royal Melbourne Hospital, Melbourne, Australien
(Wieviel man machen möchte, liegt an einem selbst, 11.10. - 05.12.2004)

  Sie sind hier:
Motivation
Vorbereitung
Royal Melbourne Hospital
Meine Arbeit am Krankenhaus
Unterkunft und Verpflegung
Allgemeines zu Land und Leuten
Fazit

Motivation

Da das PJ eine gute Möglichkeit bietet, einige Zeit im Ausland zu verbringen, beschloss ich die ersten zwei Monate in Australien zu absolvieren. „Down under“ habe ich gewählt, weil es mich schon immer interessierte und man zudem etwas mehr als nur zwei Urlaubswochen benötigt, um sich wenigstens halbwegs ein Bild von diesem tollen Land am anderen Ende der Welt machen zu können.

Des weiteren ist Australien für Famulatur/PJ recht unkompliziert hinsichtlich der Bewerbungsformalitäten. Einen Teil des Chirurgie-Tertials im Ausland zu machen, war insofern von Vorteil, da dies an meiner Hochschule von der chirurgischen Abteilung ohne Probleme anerkannt wird. Ich legte den Auslandsteil an den Anfang des PJ. Dies war optimal, da ich vorher noch drei Wochen Zeit hatte zum Rumreisen. Das war absolut klasse!

zurück nach oben

Vorbereitung

Die Bewerbung am Royal Melbourne Hospital ist ziemlich unkompliziert. Ich habe ca. 18 Monate vorher eine formlose E-Mail an die zuständige Overseas Elective Co-Coordinator geschrieben und erhielt innerhalb weniger Stunden eine positive Antwort.

Nach der endgültigen Zusage hat man vier Wochen Zeit den Platz anzunehmen und die fällige Gebühr von 330 AUD (bei acht Wochen PJ) zu zahlen. Bei mehr als acht Wochen wird eine Studiengebühr von ca. 400 AUD pro Woche fällig. Diese Regelung gilt in ganz Australien. Insofern ist es empfehlenswert, wenn man ein komplettes Tertial dort machen möchte, den Zeitraum zu splitten (wenn dies das zuständige LPA bzw. die eigene Uni zulässt) und jeweils acht Wochen an zwei verschiedenen Orten zu machen.

Wenn man frühzeitig Flüge bucht und die Studentenkonditionen noch verfügbar sind, kann man relativ günstige Angebote finden. Ich bin mit Thai-Airways für 888.- € geflogen. In Sachen Service und Beinfreiheit absolut empfehlenswert. Auf dem Hinflug habe ich zwei Tage Zwischenstopp in Bangkok mit eingeplant.

Für die Einreise in Australien benötigt man ein Visum. Das normale elektronische Touristenvisum, welches man im Internet auf der Homepage der Immigrations-Behörde anfordern kann, ist prinzipiell am einfachsten und preiswertesten zu bekommen und ausreichend. Cave: Es erlaubt offiziell keine Praktikumstätigkeit! Aber vor Ort hatte niemand ein Problem mit diesem Visumtyp. Man sollte allerdings bei der Einreise in Australien bei eventueller Nachfrage nicht großartig etwas von der Tätigkeit in einem Krankenhaus erzählen. (Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, wird dringend empfohlen, sich bei der australischen Botschaft nach den aktuellen Einreisebestimmungen zu erkundigen als auch die entsprechende Stelle des Krankenhauses um Auskunft zu bitten.)

Um in down under auch in Sachen Freizeitgestaltung bescheid zu wissen, ist der „Lonely Planet Australia“ unschlagbar. Da ich vorher schon durch zwei Famulaturen im Ausland Erfahrungen mit dem „medical English“ gesammelt hatte, machte ich mir bezüglich der Sprache keine Sorgen. Ansonsten kann man sich natürlich auch noch ein medical dictionary oder Ähnliches zulegen. Da man vor Ort in der Bibo problemlos Fachliteratur ausleihen kann, braucht man hiermit nicht unnötig das Gewichtlimit der Airline auszureizen.

Eine Auslandskrankenversicherung sollte man natürlich für den Zeitraum haben. Eine Haftpflichtversicherung wird nicht explizit gefordert.

zurück nach oben

Royal Melbourne Hospital

Das Royal Melbourne Hospital ist das größte Lehrkrankenhaus der University of Melbourne und hat circa 650 Betten. Das Krankenhaus ist relativ zentral gelegen und hat eine gute Straßenbahnanbindung. Das Campusgelände der University of Melbourne befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Krankenhaus.

Das australische Gesundheitssystem ähnelt sehr dem britischen. Es gibt eine medizinische Grundversorgung sowie private Zusatzversicherungen. Ähnlich wie in Großbritannien findet man auch in australischen Krankenhäusern eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit. So nehmen häufig auch Pharmazeuten, Physiotherapeuten und Ernährungswissenschaftler an der Visite teil.

Da es in Australien nicht üblich ist, Kittel zu tragen, wird Wert auf ordentliche Kleidung gelegt, sprich Stoffhose und Bluse/adäquates Shirt bzw. bei den Herren Hemd (eine Krawatte zu tragen, ist nicht obligat).

zurück nach oben

Meine Arbeit am Krankenhaus


Blick auf das Royal Melbourne Hospital (von der Aussichtsplattform des Rialto Towers)
Ich habe je vier Wochen in Orthopädie und auf der „Intensive Care Unit“ verbracht. In Orthopädie verbrachte ich die meiste Zeit im OP oder in der „Outpatient Clinic“ (=Poliklinik). Relativ wenig habe ich dort allerdings vom Verlauf der stationären Patienten mitbekommen, da man laut timetable nur einmal pro Woche an der großen „Ward Round“ teilnimmt. Auf der Intensive Care Unit hingegen waren dann die zweimal pro Tag stattfindenden Ward Rounds quasi Hauptbeschäftigung.

Zwischendurch konnte ich, je nachdem was anlag, mit den „Residents“ oder „Registrars“ mitgehen oder konnte auch einfach Pause machen. Im Vergleich zum PJ in Deutschland wird man in Australien doch mehr als Student angesehen und es wird nicht erwartet, dass man den ganzen Tag im Krankenhaus verbringt. Es liegt daher an einem selbst, wieviel man machen und lernen möchte. Fragen werden in der Regel gerne beantwortet. Insgesamt rennt man aber doch viel einfach nur mit und invasive Eingriffe werden einem als Studenten eher selten übertragen. Kleiner Tipp am Rande: in Sachen Lerneffekt ist die „discipline Emergency“ sehr ergiebig (ist daher allerdings auch immer mit als erstes vergriffen).

zurück nach oben

Unterkunft und Verpflegung

Ich hatte noch das Glück, im ehemaligen Schwesternwohnheim („Charles Connibere Building“) für nur 15 AUD pro Woche ein kleines, spartanisches Zimmer mieten zu können. Dies war zum einen ausgesprochen preisgünstig, zum anderen wohnten alle ausländischen Studenten - insgesamt ca. 15, zum großen Teil Deutsche - hier, was natürlich automatisch in kommunikativen, spaßigen und oftmals viel zu langen Abenden/Nächten resultierte. Allerdings sollte dieses Gebäude Anfang 2005 abgerissen werden und es ist von Seiten der Clinical School nicht geplant, in Zukunft ähnliche Wohnmöglichkeiten zu schaffen.

Im „Western Hospital“, ebenfalls zur University of Melbourne gehörend, welches mit der Straßenbahn ca. 40 Minuten entfernt ist, gibt es noch ein Doppelzimmer. Danach zu fragen, lohnt sich aber meiner Meinung nach nur, wenn man auch dort arbeitet. Das Western Hospital ist insgesamt nicht wirklich günstig in Bezug auf die Verkehrsanbindung gelegen.

Für alle diejenigen, die sich jetzt vor Ort auf Zimmersuche begeben müssen, würde ich empfehlen, zunächst evtl. ins „Cityscene Backpackers“ zu gehen, welches zu Fuß fünf Minuten vom Royal Melbourne Hospital entfernt ist und äußerlich halbwegs okay aussah.

Cityscene Backpackers
361 Queensberry Street
Victoria 3051
Tel.: (03) 93489414

Die Zimmersuche vor Ort dürfte nicht allzu schwierig sein. Die Kosten liegen dann bei ca. 120-150 AUD pro Woche.

Die Preise im Supermarkt sind ziemlich ähnlich den deutschen Preisen. Auf dem ca. fünf Minuten entfernten „Queen Victoria Market“ bekommt man äußerst preisgünstig insbesondere Obst und Gemüse, aber auch diverse andere Schlemmereien zu kaufen. Sehr empfehlenswert! Essen gehen, ist in Australien deutlich günstiger als in Deutschland. Außerdem ist Melbourne aufgrund der internationalen Bevölkerung quasi die kulinarische Hauptstadt Australiens. Man findet hier Restaurants diverser Nationalitäten.

zurück nach oben

Allgemeines zu Land und Leuten


Great Ocean Road (300km östlich von Melbourne), absolutes Muss als Wochenendtour
Die Aussies sind äußerst aufgeschlossen und super hilfsbereit. Oftmals wird einem, sobald man leicht verwirrt auf einen Straßenbahnfahrplan oder in den Stadtplan schaut, direkt Hilfe angeboten. Der typische Australier begegnet Problemen mit den Worten „no worries“. Das gesamte Leben in down under ist recht entspannt. Melbourne ist zwar innerhalb Australiens die europäischste Metropole, aber auch hier ist diese relaxte Lebensart noch gut ausgeprägt und diese macht das Leben und Zurechtkommen dort echt angenehm.

Das Wetter in Melbourne ist super wechselhaft (Zitat: Vier Jahreszeiten an einem Tag!) und die dort Lebenden gehen angeblich selbst bei 30°C und Sonnenschein nie ohne Jacke aus dem Haus. Keine Sorge, bei guter Vorhersage kann man dies dann doch durchaus mal riskieren! Man sollte, auch wenn man im Frühjahr oder Herbst dorthin fährt, auf jeden Fall noch ein paar wärmere Sachen mit im Gepäck haben. Absolut empfehlenswert sind natürlich die Sommermonate, denn unerträglich warm wird es in Melbourne eigentlich nicht und man entflieht gleichzeitig dem tristen deutschen Winter.

Melbourne bietet in der Umgebung super viele Möglichkeiten für Wochenendtouren, z.B. „Great Ocean Road“, „Wilsons Prom Nationalpark“, „Philipp Island“, Australische Alpen, u.s.w.. Da Inlandflüge u.a. bei Virginblue relativ preiswert sind, kann man auch gut mal ein verlängertes Wochenende nutzen und nach Tasmanien fliegen.

zurück nach oben

Fazit

Rückblickend würde ich jedem empfehlen, der vorhat evtl. nach down under zu gehen, - nur zu! Es lohnt sich wirklich!!!


K., B.
Wismar, April 2005
News & Specials*
Special: Famulatur und PJ in Australien und Neuseeland
Famulatur in Melbourne, Australien
Famulatur in Taree, Australien
Famulatur in Blenheim, Neuseeland
Famulatur in Tauranga, Neuseeland
PJ in Brisbane und Melbourne, Australien
PJ in Melbourne, Australien
* wählen Sie ähnliche Artikel aus diesem Themenbereich
News-Alarm