Motivation und Wahl des Fachgebietes
Bewerbung und erste Vorbereitungen
Das Krankenhaus
Meine Arbeit am Krankenhaus
Unterkunft und Finanzielles
Australien und seine Einwohner
Sicherheitsaspekte
Fazit
Motivation und Wahl des FachgebietesEigentlich hatte ich immer schon vor, einen Teil des PJ im Ausland zu verbringen. Schließlich ist dies quasi die letzte gute Gelegenheit vor dem Berufsalltag. Da ich nur englisch spreche, musste es natürlich ein englischsprachiges Land sein. Großbritannien war mir zu nah, in Amerika muss man oft hohe Studiengebühren bezahlen und außerdem ist die Bewerbung oft sehr aufwendig.
Also kam ich auf die Idee, es in Australien zu versuchen. Da auch dort nach acht Wochen Praktikum höhere Studiengebühren anfallen, habe ich mich nur für ein halbes Tertial beworben. Eigentlich wollte ich zuerst nach Melbourne gehen. Aber da es dort leider schon keine freien Plätze mehr gab, habe ich mich dann für Queensland beworben und bekam schließlich einen Platz in Brisbane im Princess Alexandra Hospital angeboten.
Da ich mir ziemlich sicher bin, dass ich nicht in die Chirurgie gehen will, habe ich mich für dieses Fach beworben und auch einen Platz in der Herz-, Thoraxchirurgie bekommen. Ich wollte einfach die für mich wichtigeren Fächer in Deutschland oder in der Schweiz absolvieren. Das hat sich im Nachhinein auch als gute Entscheidung erwiesen.
Bewerbung und erste VorbereitungenIch habe mich ziemlich genau ein Jahr vorher beworben, weil ich in anderen Erfahrungsberichten gelesen hatte, dass dies früh genug sei. In meinem Fall war ich für Melbourne allerdings schon zu spät dran. Also habe ich mich über das PMEFQ - Postgraduate Medical Education Foundation of Queensland Ltd - im Internet informiert und nach kurzer Rückfrage per Email die kompletten Bewerbungsunterlagen (unter anderem Lebenslauf, Dean´s Letter, Letter of Recommendation, Nachweis über Berufshaftpflichtversicherung und internationaler Scheck über 385 AUD) an Ms McLean geschickt. Diese hat mir auch den Erhalt meiner Bewerbung bestätigt, doch dann habe ich trotz mehrerer Emails an sie erstmal längere Zeit nichts mehr von ihr gehört. Nach fünf Monaten bekam ich schließlich eine Zusage und konnte mich ganz dem Visum widmen. Erstmal war es gar nicht so einfach herauszufinden, welches Visum ich brauchte. Laut Homepage des PMEFQ hätte ich mich für das Visum 1163 Occupational Training bewerben müssen. Dazu muss dann erstmal Ms McLean ein Formular ausfüllen und an die zuständige Behörde in Australien schicken. Nach ein paar Wochen erhält man dann eine „Nomination“ und kann sich damit bei der Botschaft in Berlin das Visum für 150.- Euro besorgen. Allerdings braucht man dazu auch noch einen Rö-Thorax, Hepatitis- und HIV-Test und eine medizinische Untersuchung, Dies kostet alles in allem noch mal etwa 220.- Euro.
Da ich nicht bereit war, soviel Geld fürs Visum zu bezahlen, habe ich dann in Berlin in der Botschaft angerufen. Dort hat man mir gesagt, dass nur fertige Ärzte dieses Visum brauchen und ich mich für ein Short Business Stay (456) - Visum bewerben soll. Dies kostet nur 50.- Euro und ist auch drei Monate gültig. Von den Untersuchungen braucht man nur den Rö-Thorax, den man bei einem von der Botschaft anerkannten Arzt (Liste im Internet, bei mir Dr. Wolf in Stuttgart) machen lassen muss. Kosten: 50.- Euro. Außerdem sollte man gegen Hepatitis B geimpft sein.
Da sich nicht wirklich jemand für mein Visum interessiert hat, hätte ich im Prinzip auch mit dem Touristenvisum für 15.- Euro einreisen können, was einige PJler auch gemacht haben. Soweit ich weiß, hatte damit keiner Probleme. (Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich genau bei der Botschaft des jeweiligen Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen.)Für die Bewerbungsunterlagen braucht man eine Berufshaftpflichtversicherung. Außerdem benötigt man natürlich eine Auslandskrankenversicherung.
Das KrankenhausDas Princess Alexandra Hospital ist ein Lehrkrankenhaus der University of Queensland. Es liegt im Stadtteil „Woolloongabba“ in Brisbane. Es handelt sich um eine öffentliche Klinik. Mit ca. 1.000 Betten ist das Krankenhaus relativ groß und außerdem ziemlich modern. Als Student bekommt man ein eigenes Schließfach im „Common room“, in dem es auch einen Fernseher, Billardtisch, Kühlschrank und kostenlos Kaffe, Tee und Kekse gibt. Dies wäre doch eine gute Anregung für deutsche Lehrkrankenhäuser.
Meine Arbeit am KrankenhausAuf der Herzchirurgie wurde ich sehr freundlich empfangen. Nach einem Orientierungsgang durch die Klinik und ersten Infos zum Tagesablauf durfte ich in den OP. Dies war anfangs auch recht spannend. Doch da fast nur Bypass- und Klappenersatz- OPs stattfanden, wurde es im OP mit der Zeit eher langweilig, mal abgesehen von einzelnen Highlights wie eine akute Aortendissektion. Ab der zweiten Woche durfte ich dann auch oft die Haut über der Venenentnahmestelle am Unterschenkel wieder verschließen und konnte so die intrakutane Naht üben. Außerdem habe ich meistens die Urinkatheter im OP gelegt, da dies in Australien zu den ärztlichen Aufgaben gehört. Sonst habe ich ab und zu mal einen Patienten bei Visite untersucht oder einen Arzt in die „Outpatient Clinic“ begleitet.
Hier mal ein kurzer Überblick über den Tagesablauf: - Beginn um 7.15 Uhr mit Visite
- mittwochs anschließend Journal Club
- donnerstags „Surgical Ground Round“ - mit Frühstück
- danach meistens OP, alternativ „Outpatient Clinic“
- gegen 16.30 Uhr noch mal Visite, anschließend Dienstschluss.
Auffallend war, dass sich die Ärzte viel mehr Zeit für die Lehre nehmen, gerne Fragen beantworten und teilweise sogar spontan kurze Unterrichte (z.B. über Schrittmacher) halten. Außerdem wird akzeptiert, dass man als Anfänger für manche Sachen einfach länger braucht, und dann wird eben mal gewartet. Also, die Lehre hat einen sehr viel größeren Stellenwert als in Deutschland. Doch (z.T.) leider wird man als ausländischer Student nicht so gut in den Ablauf integriert wie die einheimischen Studenten. Insgesamt wird von den internationalen Studenten nicht wirklich etwas erwartet, sondern man kann sich seine Zeit einteilen, wie man will und auch hingehen, wo man will. Ich wurde sogar gleich am ersten Tag ausdrücklich dazu aufgefordert, nicht zuviel Zeit im Krankenhaus zu verbringen, sondern auch ausreichend Zeit für Surfen, Segeln, Tauchen... einzuplanen.
Unterkunft und FinanziellesLeider kann man in Brisbane nicht im Personalwohnheim wohnen, sondern muss sich selber um ein Zimmer kümmern. Ich habe mich dazu vor Ort an eine Agentur gewandt (E.L. Property Management, Montague Rd.), die mir auch sofort ein Zimmer in einem Haus in „Woolloongabba“ anbieten konnten. Das Zimmer war zwar nicht sehr schön, aber dafür voll möbliert und in der Nähe der Klinik. Wenn man etwas mehr Zeit für die Suche einplant, kann man es auch im Internet versuchen (Siehe Weiterführende Links). Allgemein muss man zwischen 80-180 AUD pro Woche evtl. plus Kaution rechnen (1 AUD = 0,63 Euro).
Die Lebenshaltungskosten in Australien sind mit denen in Deutschland vergleichbar. Lebensmittel wie Milch und Gemüse sind teilweise eher etwas teurer, andere Sachen dafür preiswerter. Vor allem Klamotten sind oft sehr billig. Mietpreise sind ähnlich wie in Deutschland, Kosten für Bus und Bahn sind günstiger.
Alles in allem muss man neben der Bewerbungsgebühr und den Ausgaben fürs Visum etwa 1.000 Euro für den Flug einplanen. Die monatlichen Ausgaben belaufen sich auf eine ähnliche Höhe wie in Deutschland. Außerdem sollte man genügend Geld für Wochenendausflüge wie z. B. zum „Fraser Island“... einplanen.
Kleiner Tipp: Außer der Bewerbung um ein Allianz-Reisestipendium (500 Euro), sollte man sich vorher mal über Auslands-Bafög informieren. Dieses bekommt man zwar leider nicht für acht Wochen, aber falls man die zweite Hälfte des Tertials an einer anderen Universität in Australien absolviert, hat man evtl. Anspruch darauf.
Australien und seine EinwohnerQueensland gilt als Sonnen- und Urlaubsstaat Australiens. Dementsprechend geht es dort auch ruhiger und entspannter zu als in Deutschland. „No worries“- die Antwort der Aussies auf alle Fragen spiegelt dies gut wider. Die Menschen sind meist auffallend freundlich und helfen einem immer und überall weiter. Andererseits kann die „No worries“-Mentalität ab und zu etwas anstrengend sein, weil einfach alles etwas langsamer geht.
Brisbane ist eine größere Stadt mit etwa 1,6 Mio. Einwohnern. Durch die Stadt schlängelt sich der Brisbane River, auf dem mehrere Fähren verkehren. Viele Sehenswürdigkeiten im eigentlichen Sinne hat die Stadt nicht zu bieten, dafür gibt es ein großes Angebot an Gärten und Parks. In den „Southbank Parklands“ wurde z.B. ein künstlicher Sandstrand aufgeschüttet, der an den Wochenenden auch sehr gut besucht ist.
Leider liegt Brisbane nicht direkt am Meer und hat somit auch keinen richtigen Strand, aber mit dem Zug ist die Küste leicht erreichbar. Außerdem bieten sich viele Ausflüge in die nähere Umgebung, z.B. in den „Lamington“ oder „Springbrook National Park“ an.
Auch nicht weit entfernt und auch für Tagesausflüge geeignet sind die beiden Sandinseln „Moreton“ und „North Stradbroke Island“. Dort kann man Delphine füttern, Schildkröten im Meer beobachten oder einfach den Strand genießen. In der weiteren Umgebung lohnen sich eine Tour auf „Fraser Island“ und natürlich ein Segeltrip auf die „Whitsunday Islands“.
SicherheitsaspekteInsgesamt ist es in Australien nicht gefährlicher als in Deutschland. Die Australier sind ein nettes Volk und wollen einem nichts Böses. Trotzdem wird empfohlen, nachts z.B. Zugabteile zu benutzen, die extra beleuchtet sind und ein Taxi nach Hause zu nehmen, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr fahren.
Außerdem sollte man gut auf seine Wertsachen aufpassen, wenn man in einem der unzähligen Hostels übernachtet, da es wiederholt zu Diebstählen in der Backpacker-Szene gekommen ist.
FazitIch würde jedem empfehlen, einen Teil des PJ im Ausland zu verbringen. Zum einen kann man einfach noch mal Fremdsprachenkenntnisse auffrischen, zum anderen ist es meiner Meinung nach auch wichtig, mal über den Tellerrand hinauszuschauen und fremde Länder und Kulturen kennenzulernen. Da ich gleich nach dem 2. Stex nach Australien geflogen bin, war es für mich auch eine Art Erholungsphase vor dem „deutschen PJ“.
Also, wer eher viel Freizeit genießen und das Land erkunden möchte, der ist in Australien richtig aufgehoben. Die fachliche Weiterbildung kommt eigentlich zu kurz. Deshalb sollte man vielleicht nicht gerade sein Wahlfach in Australien absolvieren.
Trotzdem: Ich habe eine sehr schöne Zeit in Australien verbracht, die ich auf keinen Fall missen möchte.
E., K. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Stuttgart, Januar 2006
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