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Chirurgie, Hospital Hernán Henríquez Aravena, Temuco, Chile
(Umfangreicher Einblick in das Fachgebiet und viel praktisch gearbeitet, 14.08. - 03.12.2006)

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Gleich vorneweg gesagt - ich würde mich jederzeit wieder dazu entscheiden. Wie schon einige PJ’ler vor mir, war auch meine Wahl auf ein Land in Südamerika gefallen. In meinem Fall war es Chile. Meine Ziele waren klar: viel praktisch lernen und einen umfangreichen Einblick in das Fachgebiet Chirurgie bekommen.

Meine Wahl: Chirurgie & Chile
Das Land
Bewerbung & Vorbereitung
Das Hospital
Mein Chirurgie-Tertial
Außerklinisches
Fazit

Meine Wahl: Chirurgie & Chile

Im Rahmen meines Praktischen Jahres verbrachte ich vier Monate in Chile. Im Zeitraum von August bis Dezember 2006 leistete ich mein zweites Tertial und zwar das Fach Chirurgie am Hospital Hernán Henríquez Aravena in Temuco ab. Ich hatte Chile aus mehreren Gründen gewählt. Zum einen wollte ich meine Kenntnisse vor allem in klinischer Medizin vertiefen. Ich hoffte, in einem Land, in dem technische Errungenschaften noch nicht so breit verfügbar sind, einiges über grundlegende klinische Diagnostik zu lernen. Hinzu kam der Wunsch, praktische Fähigkeiten zu erlangen. Aus anderen PJ- Berichten über Südamerika wusste ich, dass im Allgemeinen viel Wert auf selbständiges Handeln gelegt wird.

Zum anderen wollte ich in ein spanischsprachiges Land. Ich hatte bereits als Aupair in Spanien gearbeitet und wollte gerne meine Sprachkenntnisse auffrischen bzw. verbessern. Außerdem war ich noch nie in Südamerika gewesen. Des Weiteren schien mir ein solcher Auslandsaufenthalt eine einmalige Gelegenheit zu sein, meinen eigenen Horizont zu erweitern.

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Das Land


Im Nationalpark Torres del Paine
Chile liegt im Südwesten des südamerikanischen Kontinents und erstreckt sich über 4.300 km von polaren Gebieten im Süden bis zu Wüstengebieten im Norden. Es ist durch die Andengipfel von seinen Nachbarn nahezu abgeschnitten und durchschnittlich nur 180 Kilometer breit. Zu einer kontrastreichen Natur kommt eine faszinierende Mischung aus europäischen und indigenen Kulturen.

Für südamerikanische Verhältnisse ist Chile ein recht entwickeltes Land, ähnlich wie Argentinien. Die sicherlich spärlicher als in Deutschland vorhandene Mittelschicht lebt einen ähnlichen Standard wie wir. Andererseits wird man mit einer größeren Unterschicht konfrontiert, die aber ebenfalls nicht so erschreckende Ausmaße annimmt wie in anderen südamerikanischen Ländern. Seit des offiziellen Endes der Diktatur Pinochets 1990 ist Chile eine stabile Demokratie, die auch wirtschaftlich prosperiert.

Reisetechnisch gilt Chile als relativ sicheres Land - auch für alleinreisende Frauen. Die hygienischen Verhältnisse sind im Allgemeinen ebenfalls gut. Größere gesundheitliche Gefahren sind bei etwas umsichtigem Verhalten nicht zu befürchten. Für die Einreise sind keine Impfungen vorgeschrieben.

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Bewerbung & Vorbereitung

Im November 2005, also ein dreiviertel Jahr vorher, begann ich mit den Vorbereitungen. Über das Dekanat meiner Universität erhielt ich eine Liste von Krankenhäusern im Ausland, in denen es prinzipiell möglich war, einen PJ- Abschnitt abzuleisten und diesen anschließend auch an der Heimatuniversität anerkannt zu bekommen. Unter anderem fand sich auf dieser Liste auch die Universidad de la Frontera (UFRO) in Temuco.

Ich schrieb den leitenden Oberarzt der Abteilung Chirurgie und Traumatologie per Email an und erhielt eine prompte Zusage vorbehaltlich einiger Unterlagen wie Zeugnisse etc. Nachdem ich alle Unterlagen digitalisiert und elektronisch geschickt hatte, kam die endgültige Zusage. Die Studiengebühren von 250 US Dollar für vier Monate sollte ich vor Ort zahlen.

Einen ersten Eindruck von der chilenischen Bürokratie, ich dachte bis dahin, die deutsche wäre nicht zu „toppen“, bekam ich, als ich anfing, mich um die notwendigen Unterlagen für mein Visum zu kümmern. Es wurde unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis, ein amtsärztliches Attest und eine notariell beglaubigte Erklärung meiner Eltern, eventuell entstehende Kosten zu übernehmen, benötigt. Zur Abholung des Visums musste ich persönlich im Generalkonsulat Chiles in München erscheinen. Eine Woche vor Abflug bekam ich es ausgehändigt. Die Bestätigung des Visums in Chile und die damit verbundene Ausstellung eines befristeten Ausweises sollte auch noch einige Behördengänge mit sich bringen.

Das Visum gilt sechs Monate und kostet etwa 200 Euro. Man kann auch mit einem Touristenvisum einreisen, das 90 Tage gültig ist und mit einer Ausreise aus Chile (z.B. nach Argentinien) um weitere 90 Tage verlängert werden kann. Dies ist die weitaus kostengünstigere Alternative. Allerdings hatte in meinem Fall die Universität im Vorfeld ein offizielles Visum gefordert. Von anderen PJ’lern weiß ich, dass dies nicht immer notwendig ist. (Anm.d.Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich rechtzeitig im Vorfeld bei der Botschaft des entsprechenden Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Zudem sollte man hierbei unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken in dem entsprechenden Land aufhalte, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen des Medizinstudiums.)

Den Flug buchte ich etwa vier Monate vor Abflug. Die Kosten betrugen um die 1.000 Euro. Es gibt wenige Fluggesellschaften, die von Deutschland direkt nach Chile fliegen, außerdem fiel mein Rückflug im Dezember in die Hauptreisezeit (Sommer).

Die Sekretärin der Abteilung Chirurgie und Traumatologie, mit der ich im Vorfeld Email-Kontakt hatte, besorgte mir eine Unterkunft bei einer Mitarbeiterin der Medizinischen Fakultät. Ich wohnte zur Untermiete bei einem älteren Paar, hatte mein eigenes Zimmer und Bad und konnte die Küche mitbenutzen. Die monatliche Miete betrug umgerechnet 250 Euro. Familienanschluss war inklusive. Wir stehen auch nach meiner Rückkehr weiterhin in Kontakt.

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Das Hospital


Hospital Hernán Henríquez Aravena
Das Hospital Hernán Henríquez Aravena ist ein Lehrkrankenhaus der Universidad de la Frontera (UFRO) in Temuco. Temuco ist die Hauptstadt der 9. Region Chiles, der „Araucanía“. In der Stadt leben knapp 300.000 Menschen, sie ist die fünftgrößte Stadt des Landes und liegt 700 km südlich der Hauptstadt Santiago de Chile.

Das Krankenhaus ist als Regionalkrankenhaus das einzige Haus der Maximalversorgung für die ärmere Bevölkerung im Umkreis von ca. 200 km. Wohlhabende Patienten lassen sich in Privatkliniken behandeln.

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Mein Chirurgie-Tertial


Kurzer Ausflug in die Anästhesie
Das Medizinstudium in Chile dauert sieben Jahre. Die letzten beiden Jahre bildet das „Internado“, das mit dem deutschen PJ vergleichbar ist. Während der vier Monate in der Chirurgie durchlief ich gemeinsam mit den chilenischen „Internos“ verschiedene Spezialgebiete. So konnte ich Erfahrungen sammeln auf den Gebieten der Allgemein-, Thorax-, Digestiv-, Galle- und Pankreas-, plastischen und Gefäßchirurgie. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, zwei Wochen in der Anästhesie zu arbeiten, was im Curriculum der UFRO als Teil der Chirurgie-Rotation vorgesehen ist.

Prinzipiell wurde von den „Internos“ - für deutsche Verhältnisse - sehr selbständiges Handeln erwartet. Dies verwundert nicht weiter, geht man doch davon aus, dass die Mehrheit der Studienabgänger vor Beginn der Spezialisierung oft erst einige Jahre als sogenannter „Médico general de zona“, früher „praktischer Arzt“ in Deutschland, allein in peripheren Krankenhäusern oder sogenannten „Consultas“, vergleichbar mit deutschen Arztpraxen, arbeiten.

Jeder „Interno“ hatte eine bestimmte Anzahl Patienten zu betreuen, die je nach Spezialgebiet und Patienten zwischen 1 bis 30 variierten. Morgens wurde gemeinsam mit den Oberärzten und „Residentes“ (Assistenzärzte) Visite gemacht, wobei die „Internos“ jeden Patienten vorstellen und Therapievorschläge machen mussten. Häufig wurde diese Gelegenheit von den Oberärzten genutzt, theoretisches Wissen abzuprüfen. Je nach Prüfer und eigener Vorbereitung konnten diese „Testate“ manchmal etwas unangenehm sein. Auf der anderen Seite lernte man aber auch sehr viel.

Anschließend war man als „Interno“ meistens allein mit „seinen“ Patienten. Jeder Patient wurde täglich untersucht und wir waren verantwortlich, dafür zu sorgen, dass beispielsweise angeordnete Untersuchungen stattfanden. Alles wurde akribisch dokumentiert, wobei wir allerdings auf die Hilfe eines Computers weitestgehend verzichten mussten. Zusätzlich hatte jedes Spezialgebiet meist zweimal pro Woche OP-Tag, wobei von den „Internos“ aktive Mithilfe mindestens als 2., oft auch als 1. Assistent erwartet wurde.

Mindestens zweimal pro Woche hatten wir Tutorien oder praktische Kurse um Kenntnisse zu vertiefen. Zusätzlich wurden in manchen Fachgebieten Referate erwartet, bei denen ich mich allerdings anfangs zurückhielt. Später beteiligte ich mich wie die anderen Studenten auch an Kurzvorträgen und Fallvorstellungen. Auch an zwei schriftlichen Prüfungen nahm ich teil. Sprachlich kam ich nach einer ca. zweiwöchigen Eingewöhnungsphase relativ gut zurecht.

Die Arbeitszeiten waren stark von der Anzahl der zu betreuenden Patienten abhängig. Gearbeitet wurde von Montag bis einschließlich Samstag. Morgens musste man meist um 7.00 Uhr anfangen. Abends konnte man nach der Übergabe an den Nachtdienst so ca. zwischen 17.00 und 18.00 Uhr gehen, sofern man alle seine Patienten versorgt hatte. Meistens war ich bis mindestens 20.00 Uhr im Krankenhaus. Ein paar Mal kam ich nach 22.00 Uhr nach Hause, meinen Mitstreitern ging es nicht anders.

Zusätzlich hatten wir alle sechs Tage Nachtdienst in der Notaufnahme, was bedeutete, dass man an diesem Tag vom Tagdienst nahtlos in den Nachtdienst ging. Das war etwas anstrengend, da man oft nicht viel schlafen konnte und am nächsten Tag normal weiterarbeiten musste. Allerdings war die Notaufnahme auch der Ort, an dem ich am meisten gelernt habe. Wir mussten alle Patienten untersuchen, eine Verdachtsdiagnose stellen und sie anschließend dem jeweiligen Dienst habenden Arzt vorstellen. Dabei sah ich Patienten aller Fachrichtungen, nicht nur chirurgische Patienten. Es gab immer wieder Gelegenheit, beispielsweise oberflächliche Wunden zu nähen, Abszesse zu drainieren, Lumbalpunktionen durchzuführen oder im OP als 1. Assistent zu helfen.

Das Niveau der Operationen ist mit dem in Deutschland vergleichbar. Die Ärzte sind gut ausgebildet und haben größtenteils auch Erfahrungen im Ausland, meistens in den USA, gesammelt. Manchmal musste wegen fehlenden Materials improvisiert werden.

Viele Artikel, die in Deutschland nach einmaligem Gebrauch weggeworfen werden, wurden dort sterilisiert und wiederverwertet. Deutlicher war der Unterschied auf den Stationen zu spüren. Oft waren beispielsweise Medikamente nicht verfügbar. Manche Hilfsmittel mussten von den Patienten selbst bzw. den Angehörigen besorgt werden, was oft daran scheiterte, dass sie kein Geld hatten. Einmal war das Kontrastmittel aus, so dass keine Computertomographien mit Kontrastmittel durchgeführt werden konnten. Viele Dinge, die ich als selbstverständlich erachtet hätte, waren nicht so selbstverständlich. Aber es war auch beeindruckend zu sehen, was man mit einfacheren Mitteln bewirken kann.

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Außerklinisches


Auf dem Vulkan Villarrica
Trotz vieler Arbeit hatte ich noch ein bisschen Gelegenheit, das Land kennen zu lernen. Die in ganz Chile verkehrenden Reisebusse stellen hilfreiche und günstige Verkehrsmittel dar. Sonntags machte ich häufig kleinere Ausflüge in die Umgebung von Temuco, nach „Pucón“ am Vulkan „Villarrica“ oder nach „Valdivia“ zu den wild lebenden Seelöwen. An einem Wochenende schwänzte ich den Samstagsdienst und fuhr nach Santiago. Eine größere Reise führte mich - diesmal mit dem Flugzeug - nach „Punta Arenas“, der südlichsten Kontinentalstadt der Welt, von wo aus die Reise dann weiter ging in den Nationalpark „Torres del Paine“. In meiner letzten Woche flog ich in die „Atacamawüste“, eine der trockensten Wüsten der Erde.

Die vielfältigen unterschiedlichen Landschaften und Klimazonen waren faszinierend und einzigartig. Vor allem die vielen verschiedenen Vulkane zogen mich in ihren Bann. Den Vulkan „Villarrica“ bezwang ich im Schweiße meines Angesichts, um dann in den rauchenden Krater zu schauen.

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Fazit


Atacamawüste – Valle de la Luna
Ich habe in den vier Monaten in Chile unglaublich viel gesehen und gelernt. Sowohl fachlich als auch kulturell, sprachlich und menschlich. Ich habe einen umfangreichen Einblick in das chirurgische Fachgebiet bekommen und viel praktisch und auch weitestgehend eigenverantwortlich gearbeitet. Ob ich in Deutschland unter Umständen häufiger in den OP hätte gehen können, kann ich nicht beurteilen. Mit Sicherheit haben PJ- Studenten im Chirurgie- Tertial in Deutschland nicht so viele Gelegenheiten, Stichverletzungen zu versorgen, was vor allem an der Neigung der Chilenen liegt, Konflikte „nonverbal“ auszutragen. Die Dienste in der Notaufnahme waren bei aller Anstrengung sehr lehrreich.

Ich bin sehr froh, mich dafür entschieden zu haben, einen Teil des PJ im Ausland zu absolvieren. Es war interessant, die Arbeitsweise in einem anderen Land kennen zu lernen und natürlich eine Herausforderung, dies in einer anderen Sprache zu tun. Zwar war dieser Aufenthalt mit einem enormen organisatorischen Aufwand verbunden und auch finanziell eine Belastung, ich würde mich aber jederzeit wieder dazu entscheiden.

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R., A.
Ulm, März 2007
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