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Singapur – ein asiatisches Land mit einer faszinierenden Kultur und zugleich einem hohen Standard im Gesundheitssystem - hatte ich mir als Ziel für mein erstes Tertial ausgewählt. Und wie sich herausstellen sollte, ist das Singapore General Hospital mittlerweile auch bei anderen deutschen Medizinstudenten eine gefragte Anlaufstelle, sei es für eine Famulatur oder für einen Abschnitt im PJ. Motivation
Organisatorisches
Chirurgie Teams
Alltag in der Klinik
Rotation durch verschiedene Teams
Die Sprache
Das Leben außerhalb der Klinik
Mein Fazit
Motivation Der „Merlion“ – das Wahrzeichen von Singapur |
| Fremde Kulturkreise interessieren mich sehr und ich bin immer wieder neugierig, neue Lebensgewohnheiten, Sitten und Kulturen kennenzulernen. Schon seit Beginn meines Studiums hatte ich den Wunsch, ins englischsprachige Ausland zu gehen. Nach fünf Jahren Studium im deutschen Gesundheitssystem – mit allen Vor- und Nachteilen – finde ich es faszinierend, fremde Gesundheitssysteme mit ihren Unterschieden kennen zu lernen.
Erste positive Einblicke in fremde Systeme konnte ich bereits während meiner Famulatur in Schweden sammeln. Eine Reise durch Thailand, Kambodscha, Vietnam und Myanmar zeigte mir, wie interessant und vielseitig die asiatischen Kulturen sind. Daher fiel meine Wahl auf Singapur – ein asiatisches Land mit einer faszinierenden Kultur und zugleich einem hohen Standard im Gesundheitssystem. Das Singapore General Hospital (SGH) ist mit etwa 1.400 Betten das größte Krankenhaus in Singapur und bietet nicht nur eine große Bandbreite unterschiedlicher Erkrankungen, sondern auch modernste Therapiemöglichkeiten.
Organisatorisches Singapur Skyline |
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Etwa neun Monate vorher begann ich, mich zu bewerben. Da einige Landesprüfungsämter die Immatrikulation an der Universität wünschen, muss man sich über die dortige Universität, die National University of Singapore, bewerben. Ist dies nicht erforderlich, kann man sich auch direkt am Krankenhaus, also z.B. am Singapore General Hospital (SGH), in dem ich arbeitete, bewerben. Am SGH hat man die Möglichkeit, für 8, 12 oder 16 Wochen zu arbeiten. Ich war vom 17.08.2009 bis 04.12.2009 in diesem Hospital.
Zunächst sollte man das Onlineformular ausfüllen - und dann heißt es warten. Frau Pushpa, die zuständige Ansprechperson, sandte mir zunächst per e-Mail die Zusage. Auf der Internetseite der Universität sind dann alle weiteren Unterlagen aufgeführt, die für eine erfolgreiche Bewerbung unverzichtbar sind. Das eine oder andere erforderliche Dokument erwies sich dabei als schwierig zu organisieren. Benötigt werden eine Bescheinigung für das „Personal Protective Equipment“ (PPE), eine Bescheinigung über die Immatrikulation an der Heimatuniversität sowie eine Bescheinigung über die Teilnahme an einem Notfallkurs. Der „International Draft“ konnte bei der Ärzte und Apothekerbank bestellt werden. Nachdem man alle Unterlagen an Frau Puspha geschickt hat, muss man nur noch auf die schriftliche Zusage warten. Es werden keine Studiengebühren erhoben.
Des Weiteren muss man noch ein spezielles Visum organisieren. Etwa einen Monat vor Beginn des PJ bekommt man eine Nummer, mit der man sich für „SOLAR“ (Student's Pass Online Application & Registration) registrieren kann. Bei der Registrierung fielen 30 Dollar und für das Erstellen weitere 60 Dollar an. Mit dem Studentenpass kann man beliebig oft und ohne Probleme aus Singapur aus und wieder einreisen.
(Anm. d. Red.: Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man sich im Vorfeld rechtzeitig bei der jeweiligen Botschaft des entsprechenden Landes nach den aktuellen Einreisebestimmungen erkundigen. Hierbei sollte man unbedingt erwähnen, dass man sich nicht zu Urlaubszwecken, sondern zu einer medizinischen Tätigkeit im Rahmen seines Medizinstudiums im betreffenden Land aufhalten wird.)
Wenn man zeitlich flexibler ist, kann man mit der Lufthansa für 407 Euro nach Singapur und zurück fliegen. Die meisten anderen Famulanten/PJ‘ler haben etwa um die 600 Euro gezahlt. Da ich von Singapur aus weiter nach Tasmanien geflogen bin, hatte ich natürlich einen anderen Preis.
Hepatitis A, B, Tetanus, Diphterie sind generell empfehlenswert.
Durch die Schweinegrippe bedingt, nahm das Schwesternwohnheim zur Zeit meiner Bewerbung keine ausländischen Studenten auf. Generell kann man aber dort wohnen. Ich habe über die Internetseite „share-accomodation“ (siehe „Weiterführende Links“) eine private Wohnung für Singapur gefunden. Von anderen Studenten hörte ich, dass es in Singapur über das Internet viele Betrüger gebe - also Achtung!
Ich hatte eine Haftpflichtversicherung und eine Auslandskrankenversicherung. Ferner habe ich eine private Berufsunfähigkeitsversicherung.
Chirurgie Teams  National Cancer Centre |
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Im Singapore General Hospital besteht die General Surgery aus sechs „Subteams“:
- Vascular Surgery
- Breast Surgery
- Head and Neck Surgery and Surgical Oncology
- Upper Gastrointestinal and Laparoscopic Surgery and Trauma
- Hepatobiliary and Trauma Surgery
- Transplant Surgery and Hepatobiliary Surgery
Jedes Team kann generell alle Fälle operieren. Die „Consultants“ der einzelnen „Subteams“ sind jedoch spezialisiert, sodass sie und die „Registrars“ primär Operationen in ihren Fachgebieten durchführen. Darüber hinaus sind die meisten Teams nochmal in zwei Unterteams unterteilt.
Zu Beginn des Tertials kann man wählen, in welches Team man gehen möchte und wie lange. Man wird einem “Supervisor”, in den meisten Fällen einem “Registrar”, zugewiesen. Jedes Team besteht aus “Senior Consultants”, “Consultants”, “Associate Consultants”, “Registrars”, “Medical Officers” (MO) und “House Officers” (HO). Die Medizinstudenten von Singapur in ihrem letzten Jahr sowie Medizinstudenten im 3. Jahr sind auch in den Teams anzutreffen.
Alltag in der Klinik Singapore General Hospital Museum |
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Generell ist die Personalsituation von der Schwesternseite her sehr gut, viele Spezialisierungen und etliche administratorische Hilfen erleichtern den Ärzten die Arbeit. Trotzdem sind die Arbeitszeiten der Ärzte sogar noch länger als in Deutschland und die Ärzte arbeiten sieben Tage/Woche bei 15 Urlaubstagen pro Jahr.
In Singapur gibt es ebenso wie in Deutschland eine medizinische Grundversorgung, wobei viele zusätzliche Untersuchungen vom Patienten extra bezahlt werden müssen. Eine große Anzahl an Patienten wendet sich aus diesem Grund zunächst der traditionellen chinesischen Medizin zu, sodass man später im Krankenhaus Erkrankungen in weit fortgeschrittenen Stadien sieht.
Jede Woche finden folgende regelmäßige Aktivitäten statt:
- Montag 7.30 Uhr: Röntgenbesprechung
- Dienstag 7.30 Uhr: Große Visite oder Trauma Lecture
- Mittwoch 7.30 Uhr: House Officer oder Medical Officer Teaching
- Donnerstag 7.30 Uhr: Journal Club
- Freitags 7.00 Uhr: Morbidity & Mortality Meeting
Montags, donnerstags und freitags beginnen die Tage meist mit obigen Aktivitäten. Die Teilnahme am Teaching dienstags oder mittwochs war abhängig vom Team, meistens begannen aber die Visiten ab 7.30 Uhr. Die HOs, MOs oder Studenten sind meist schon früher auf der Station, um sich auf die Visite vorzubereiten, aber als „elective“ ist es ausreichend, um 7.30 Uhr zur Visite zu kommen. Die Woche ist generell so aufgeteilt, dass zwei Operationstage für elektive Operationen geplant sind, ein Tag Ambulanz, ein Tag Tumourboard, ein Endoskopie-Tag und ein Bereitschaftsdiensttag. Natürlich finden täglich Notoperationen oder weitere Operationen statt, da die zwei OP Tage meist nicht ausreichend sind.
Die Medizinstudenten der National University of Singapore (NUS) oder der privaten Medizinuniversität (Duke) erhielten viele “lectures“, “tutorials“, “approachs“ etc. Es war unglaublich spannend, an diesen teilzunehmen, da man schnell den theoretischen Hintergrund wiederholte, praktische Tipps für Untersuchungstechniken etc. erhielt und vor allem in den Genuss von problemorientiertem Unterricht und „bedside teaching“ kam. Die Ausbildung der Medizinstudenten ist deutlich klinischer orientiert als in Deutschland, da die Studenten die drei klinischen Jahre überwiegend auf den Stationen verbringen. Theoretischen Unterricht erhalten sie durch oben genannte „lectures“. Die Studenten nehmen sich viel mehr Zeit, um eigenständig Patienten aufzusuchen, zu untersuchen und die Patienten anschließend einander oder dem Consultant vorzustellen.
Rotation durch verschiedene Teams Bei der Visite |
| Ich bin durch verschiedene Teams rotiert, das zusätzliche „Teaching“ zu obigem ist stark vom Supervisor abhängig! Es gibt Professoren, „Registrars“, „Medical Officer“ oder „House Officer“, die einen kaum wahrnehmen. Andere kümmern sich unglaublich toll um einen, erklären sehr viel und sorgen stets dafür, dass man etwas lernt, interessante Fälle sieht und Patienten vorstellt. Die Patientenvorstellungen wurden besprochen, Verbesserungstipps und Hinweise gegeben, und es wurde geübt, Röntgen- bzw. CT-Bilder zu beschreiben. Sowohl fachliche als auch sprachliche Feinschliffe wurden gegeben.
Als besonders positiv sollen folgende genannt sein:
Team 1: Tan Seck Guan („Senior Consultant“) - er ist mit Herzblut dabei und liebt es zu lehren. Der beste Professor! „Registrar“ Glenn Tan
Team 2: Chew Min Hoe („Registrar“)
Team 3: Prof. Koong Heng Nung nahm sich Zeit für privaten Einzelunterricht und sorgte dafür, dass man viel lernt und eigene Patienten betreute. Auch kam es vor, dass man zum nächsten Tag ein Minireferat vorbereiten musste. Prof. Soo Khee Chee ist der „Dr. House“ von Singapur. Bei ihm sieht man ganz ausgefallene und komplizierte Fälle. Er fragt sehr viel, zeigt aber auch sehr viel Anatomie während der OP und bittet stets um „Hilfe“ durch die ausländischen Studenten - auch wenn schon drei eigene Assistenten am Tisch stehen. Tan Hiang Khoon (“Senior Consultant”).
Team 4: Goh Yaw Chong (“Consultant”)
Team 6: Vincent Tan (“Registrar”), Ong Boon Hean (Medical Officer), Teo Jin Yao (Medical Officer), Tay Xian Khing Kenny (Medical Officer).
Allerdings ist zu beachten, dass HOs, MOs und „Registrars“ die Teams und Abteilungen wechseln, sodass es in wenigen Wochen schon andere Teamzuordnungen geben kann.
Nach dem morgendlichen Programm ging es dann zur Visite. Hier liegen nicht alle Patienten der Chirurgie eines Teams auf einer Station, sondern im ganzen Krankenhaus verteilt. Dadurch lief man mal in einer Visite durch fünf Blocks, um alle Patienten zu visitieren, da unterschiedliche Versicherungsmöglichkeiten unterschiedlich gut ausgerüstete Zimmer ermöglichen, d.h. 12- Bett Zimmer mit Ventilator versus Einbettzimmer mit Fernseher und Klimaanlage. Anschließend gab es meist erst mal Frühstück, und danach konnte man entweder in die Ambulanz, zur Endoskopie, in den OP, zur Tagesschirurgie oder man blieb auf Station. Oder man erhielt Unterricht oder konnte mit den übrigen Studenten bzw. alleine einzelne Patienten erneut ansehen und untersuchen etc.
Das wichtigste allerdings ist das Handy! Immer und überall klingelt das Handy, da es hier kein Piepersystem gibt. Egal ob im Patientengespräch in der Ambulanz oder während der OP - das Handy ist dabei. Über das Handy hielt man ständig Kontakt mit dem „Supervisor“ oder wurde von den Studenten über neue „lectures“ informiert oder traf sich zum Mittagessen. Essen gibt es für 2-3 Euro im „Kopitiam“, einer großen Cafeteria Kette, oder im „Housemen“. Meist hat man die Wahl zwischen Nudeln mit Fleisch, Reis mit Fleisch, Gemüse und Tofu. Es gibt viel Obst und leckere Säfte.
Im OP konnte man entweder am Tisch assistieren oder zuschauen, was bei langen OPs die angenehmere Variante war. Man kann ziemlich nah an den sterilen Tisch, der Abstand ist definitiv geringer als bei uns in Deutschland, oder man konnte alternativ das „OP-Kino“ genießen. In einigen OP-Sälen sind nämlich in die Haupt-OP-Lampe Kameras eingebaut und da diese Lampe stets auf das OP-Gebiet leuchtet, konnte man perfekt am Flachbildschirm die OP verfolgen.
In den Sommermonaten August und September war das Singapore General Hospital voll von deutschen Studenten, neben einigen PJ‘lern füllten vor allem die Famulanten die Teams. Mit Semesterferienende wurde es dann etwas ruhiger. Die Ärzte waren selber sehr erstaunt, dass es in diesem Jahr eine regelrechte Flut von Deutschen gab.
Die Sprache Regelverstoß kann teuer werden – „Singapore is watching you“ |
| Generell ist Englisch Hauptlandessprache, allerdings braucht man ein paar Tage, um sich in das eher „Singlish“ einzuhören. Ein „th“ kann nicht ausgesprochen werden, sehr oft wird ein „la“ angefügt. „Can-can“ und „ok-la“ sind die häufigsten Worte, die man hört.
Des Weiteren sprechen viele Asiaten sehr leise und zu Beginn meines PJ-Tertials gab es aufgrund der Schweinegrippe noch die Maskenpflicht, sodass einige Worte „genuschelt“ und kaum erkennbar verschwammen. Aber man gewöhnt sich an das „Singlish“ und ertappt sich manchmal dabei, auch ein „–la“ anzuhängen. Vor allem ältere Patienten sprechen hingegen chinesisch oder malaysisch, doch meist sind Familienangehörige oder Schwestern zur Übersetzung dabei.
Das Leben außerhalb der Klinik Foodcourts und Nightlife in Chinatown |
| An jeder Ecke gibt es für wenig Geld etliche „Foodcourts“, z.B. „Lau Pa Sat“, sodass man nie selber kochen muss. Das Essen ist sehr günstig (2-3 Euro), die Wohnung hingegen dafür teurer (375 Euro/Monat, mit Klimaanlage). Eine Klimaanlage ist vor allem in den Sommermonaten ein echtes Muss!
In Singapur kann man etliche Stadtviertel wie z.B. „Chinatown“, „Little India“ und „Kampong Glam“ erkunden, in Naturreservaten wandern, an „Clarkes Quay“ den Innenhafen und die Skyline genießen. Zudem gibt es etliche Bars und Restaurants, den „Singapore Flyer“ (Riesenrad) sowie riesige Shoppingmalls. Besonders sehenswert sind der Botanische Garten, der Zoo und der Vogelpark „Jurong Bird Park“. Am Wochenende kann man von Singapur aus sehr gut in die umliegenden Städte reisen. Ab November beginnt allerdings die Regensaison, sodass einige Resorts auf Inseln schließen.
Mögliche Reiseziele, die gut am Wochenende zu bereisen sind, wären: Kuala Lumpur, „Melakka“, „Tioman“, „Penang“, „Langkawi“, „Perhentian Island“, „Johor Bahru“ - alles in Malaysia. Hinzu kommen Jakarta, Bali (Indonesien), „Angkor Wat“ (Kambodscha), Bangkok (Thailand), Saigon (Vietnam), Hong Kong und Macau.
Singapur ist eine sehr sichere Stadt, mit einer extrem niedrigen Kriminalitätsrate, und Verstöße gegen geltende Gesetze werden hart bestraft. So darf man beispielsweise in der U-Bahn weder essen noch trinken, seinen Kaugummi nicht auf den Boden werfen oder als Raucher nur eine offene Schachtel Zigaretten mitführen.
Mein Fazit Singapur bei Nacht |
| Ich bin unglaublich froh, das PJ in Singapur absolviert haben zu können und bedanke mich herzlichst dafür, dass mich die Allianz Private Krankenversicherungs-AG und Stethosglobe.de bei dieser tollen Erfahrung unterstützt haben.
Der Vergleich des singapurischen Systems mit dem deutschen System mit seinen Vor- und Nachteilen hat mir persönlich und medizinisch viele neue Eindrücke und Ideen ermöglicht. Ich würde jederzeit wieder nach Singapur gehen!
K., M. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Tasmanien/Australien, Dezember 2009
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