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Chirurgie, Tygerberg Hospital, Kapstadt, Südafrika
(Wertvoll für meine berufliche und persönliche Weiterentwicklung, 16.10.2006 - 28.01.2007)

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Mein Ziel: Chirurgie in Südafrika. Ich versprach mir, viele bei uns eher seltene Krankheitsbilder, z.B. Stich- und Schussverletzungen etc., zu sehen, aber auch, Einblick in ein außereuropäisches Gesundheitssystem zu gewinnen und zu lernen, wie man Menschen auch mit geringen finanziellen Mitteln adäquat behandeln kann. Laut Erfahrungsberichten von deutschen Studienkollegen sind die Ärzte dort sehr jung, kompetent und engagiert. Es fände viel Unterricht am Patientenbett („bedside teaching“) statt und es würde viel Eigeninitiative erwartet, was natürlich ganz und gar meinem Wunsch entsprach.

Mein Entschluss: Chirurgie- Tertial in Südafrika
Wechsel von Universität/Lehrkrankenhaus vor Ort
Vorbereitung und Bewerbung
Tygerberg Hospital
Meine Tätigkeit am Hospital
Unterkunft und Finanzielles
Südafrika
Freizeit
Mein Fazit

Mein Entschluss: Chirurgie- Tertial in Südafrika


Camps Bay mit Sicht auf die Berge
Bei der Planung meines Praktischen Jahres, war mir schnell klar, dass ich mein Chirurgie- Tertial im Ausland verbringen wollte, da dies in Südafrika meines Erachtens gegenüber deutschen Lehrkrankenhäusern den Vorteil mit sich bringt, bereits als PJ- Studentin die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten aktiv einbringen zu können. Aus Erzählungen von Kommilitonen, die ebenfalls in Kapstadt einen Teil ihres PJ verbracht hatten, ging weiterhin hervor, dass man im Gegensatz zu der hoch entwickelten deutschen Apparatemedizin in Südafrika nicht nur viel mehr Wert auf die manuelle Untersuchung legt, sondern auch selbst tatkräftig bei Operationen mithelfen darf.

Ferner wurde mein Interesse für das Land Südafrika bereits früh geweckt, sei es durch Reportagen im Fernsehen, Erzählungen von Bekannten und Literatur. So faszinierte mich zunehmend die Kultur, Tradition, Natur und jüngste Geschichte dieses Landes. Neben den beruflichen Erfahrungen, die ich durch die Arbeit in der Chirurgie machen würde, war ich besonders auf die interkulturellen Begegnungen sowohl mit Patienten und Arbeitskollegen, als auch außerhalb des Krankenhauses gespannt.

Durch meinen Aufenthalt in Südafrika erhoffte ich mir ferner, meine englischen Sprachkenntnisse zu vertiefen und mir im Hinblick auf das medizinische Vokabular den für den Klinikalltag notwendigen Wortschatz anzueignen. So wollte ich mir die Möglichkeit offen halten, später auch im englischsprachigen Ausland als Ärztin beruflich tätig werden zu können.

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Wechsel von Universität/Lehrkrankenhaus vor Ort

Aus oben genannten Gründen bewarb ich mich schon Anfang des Jahres 2004 um einen Chirurgieplatz in Kapstädter Krankenhäusern. Nach nur kurzer Zeit hatte ich mehrere Zusagen und entschied mich - vorerst - für das „Eerste River Hospital“ in der gleichnamigen Stadt, weil unter anderem die beiden Verantwortlichen für die südafrikanischen wie auch ausländischen Studenten stets sehr bemüht waren, was mein Kommen und Arbeiten in diesem Krankenhaus betraf. Diese Entscheidung hatte ich jedoch schon am ersten Arbeitstag bereut, da ich dort auf ein so zahlreiches Kollegium - zehn deutsche Studenten auf ca. 30 Betten mit zwei Chirurgen und einem OP - getroffen bin.

Um meinen Kollegen nicht auf den Füßen herumzutreten und von meinem Südafrikaaufenthalt auch beruflich so weit wie möglich zu profitieren, entschloss ich mich daher, möglichst schnell einen Platz in einem andren Lehrkrankenhaus zu bekommen. Somit ging ich schon am nächsten Tag persönlich in die Verwaltung des „Tygerberg Academic Hospitals“ und bewarb mich dort um einen Platz in der Allgemeinchirurgie (General Surgery). Weil es jedoch schon etliche Studenten gab, dieses „department“ ist immer voll ausgebucht, hat man mir einen Platz in der plastischen Chirurgie angeboten.

Einen Tag später begann ich also mit meiner neuen Arbeit und hatte somit von der University of Cape Town zur University of Stellenbosch gewechselt. Auch was die Unterkunft betraf, hatte ich großes Glück, da man mir vorübergehend ein kleines Appartement in der „Ärzte- Lodge“ anbot, bis in der „International students lodge“ (Studentenwohnheim) ein Zimmer frei wurde. Die Verwaltungsgänge - Einschreibe- und Studiengebühren, Studentenkarte, etc. - hatte ich drei Tage später erledigt und konnte mich somit auf meine Arbeit im Krankenhaus konzentrieren.

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Vorbereitung und Bewerbung

  • Zeitlicher Vorlauf
Man sollte sich möglichst frühzeitig, meist werden zwei Jahre im Voraus empfohlen, um einen Platz kümmern, da man sonst nicht unbedingt in der gewünschten Fachrichtung arbeiten kann. Für manche Universitäten bzw. Krankenhäuser braucht man einen Sprachnachweis. Für meinen ursprünglichen Platz im „Eerste River Hospital“ brauchte ich dies allerdings nicht. So weit ich mich erinnern kann, genügte es, Englisch bis zum Abitur gelernt zu haben.

Den Flug sollte man früh genug buchen, um einen günstigen Tarif zu bekommen. Meist wird empfohlen, mit South African Airways, Lufthansa oder British Airways zu fliegen. Man sollte sich auch im Klaren sein, dass offiziell nur 20kg genehmigt sind. Das reicht im Endeffekt für zwei Hosen und ein paar T-Shirts. Am Flughafen sagte man mir dann jedoch, dass bis zu 25kg möglich gewesen seien. Man sollte sich also erkundigen, wie viel Gepäck man wirklich haben darf, was u.U. von einer Fluggesellschaft zur anderen variieren sein kann.

Unmittelbar vor meiner Abreise hatte ich mir viele Filme auf Englisch angeschaut, um wieder in die Sprache reinzukommen und mir außerdem einen Südafrika-Reiseführer gekauft, um mich etwas in die Kultur, Land, etc. einzulesen...
  • Literaturempfehlungen
Hier würde ich den Sprachkurs „Medical English” von Peter Gross, 5.überarbeitete Auflage von Thieme empfehlen. Auch der „Baedaecker“ Südafrika-Reiseführer leistet gute Hilfe.
  • Sprache
Ich muss gestehen, dass mir vor meiner Reise nach Südafrika nicht bewusst war, dass „Afrikaans“ im Alltag - nicht nur im Umgang mit den Patienten, sondern auch mit dem Pflegepersonal - eine so wichtige Rolle einnimmt. Ich hatte eher Glück, da meine Kollegen vor allem auf Englisch gesprochen haben, was aber auf anderen Stationen und „departments“ nicht der Fall gewesen sein soll und die Visiten zum Bedauern der deutschen Studenten anscheinend fast ausschließlich in Afrikaans stattfanden und somit nur ein geringer Lerneffekt verzeichnet werden konnte.

Wenn man sicher gehen will, dass das Personal Englisch spricht, sollte man sich lieber im „Groote Schuur Hospital“ in Cape Town bewerben, da dort auch die Vorlesungen auf Englisch stattfinden!
  • Visum
Am besten sollte man sich bei der für das jeweilige Bundesland zuständigen Südafrikanischen Botschaft nach den benötigten Formularen erkundigen. Man braucht auf alle Fälle, mit oder ohne Visum, einen gültigen Reisepass. Dieser muss sogar noch eine Weile länger als der geplante Aufenthalt gültig sein.

Für einen Auslandsaufenthalt, der kürzer als drei Monate ist, braucht man kein Visum zu beantragen, da in diesem Falle ein gültiger Reisepass ausreicht. Da ich allerdings für vier Monate nach Südafrika einreisen wollte, musste ich ein Visum beantragen. Dies hatte ich ca. drei Monate vor meinem Abflug getan und mein „study permit“ schon drei Wochen später erhalten. Man muss sich aber vorher schon frühzeitig darum kümmern, denn für den Antrag braucht man so einiges an Unterlagen - u.a. Röntgenthorax, Vermögensnachweis, Zusage des Krankenhauses im Ausland, Führungszeugnis, etc. Ich habe 52.- Euro für das „study permit“ bezahlt, hinzukommen allerdings noch die Portokosten für den ganzen Briefwechsel. Man muss sogar zuerst einen formlosen Antrag mit Zusage des Krankenhauses in Südafrika stellen, den man dann, sofern man aus Baden-Württemberg kommt, nach München an die Südafrikanische Botschaft schickt.

Hier die Anschrift:
Südafrikanisches Generalkonsulat
Sendlinger-Tor-Platz
80336 München
Tel: 089 231 163-0
  • Impfungen, geforderte ärztliche Untersuchungen
Röntgenthorax und ärztliche Untersuchung sind erforderlich, um zu bestätigen, dass der Visumantragsteller gesund ist.

Zu den üblichen Impfungen (Hepatitis A und B, Polio, Tetanus, etc.) sind keine weiteren notwendig – also keine Gelbfieberimpfung, da Kapstadt außerhalb des Endemiegebietes liegt!
  • Notwendige Versicherungen
Eine Auslandskrankenversicherung, die weltweit versichert, ist notwendig. Meine Krankenversicherung, die AOK Ortenau, tat dies leider nicht, und da ich für mehr als 45 Tage im außereuropäischen Ausland war, konnte ich mich nicht für 10.- Euro bei der Sparkasse oder AOK zusätzlich versichern, sondern musste eine Extraversicherung abschließen.

Was die Haftpflichtversicherung betrifft, so sollte man sich erkundigen, ob die jeweilige Versicherungsgesellschaft auch im außereuropäischen Ausland versichert. Manche Leute empfehlen auch eine Reise- und Gepäckversicherung, die ich jedoch nicht abgeschlossen hatte.

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Tygerberg Hospital


Campus Tygerberg Hospital
Das Tygerberg Academic Hospital, das zur Universität von Stellenbosch gehört, hat 1.899 Betten, wovon 300 Betten zum „Tygerberg Children’s hospital“ gehören. An der Klinik arbeiten 536 Ärzte und 1715 Angestellte des Pflegepersonals. Es sind so gut wie alle Fachrichtungen vertreten: Allgemeinchirurgie und untergliederte Fachrichtungen wie Orthopädie, Augenheilkunde, etc. Hinzu kommen Innere Medizin mit Subdisziplinen wie Kardiologie, Nephrologie, Geburtshilfe und Gynäkologie. Das Tygerberg Hospital ist ferner die leitende Traumatologie- Einheit des westlichen Kaps.

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Meine Tätigkeit am Hospital

Auf jeden Fall darf man wesentlich mehr praktisch tätig werden als in deutschen Krankenhäusern. Meist gilt die Devise, dass man all das machen darf, was man sich zutraut!

  • Plastische Chirurgie (4 Wochen)
Die ersten vier Wochen war ich in der Plastischen Chirurgie, wo es mir gut gefallen hat. Die Ärzte sind dort nett, auch wenn sie sehr oft in Afrikaans reden - selbst wenn ausländische Studenten anwesend waren. Ich fand es sehr interessant, die plastische Chirurgie, im Gegensatz zum deutschen Pendant, nun mehr von der rekonstruktiven Seite zu erleben.

Die Arbeitszeiten waren von ca. 7.45 Uhr bis 16.00 Uhr täglich. Montags, dienstags und freitags war OP. Mittwochs und donnerstags stand „Clinic“ (Ambulanz) auf dem Programm.
Hier eine grobe Auflistung der Tätigkeiten im Einzelnen. Montags ging es in den OP. Der Chefarzt operierte und der Oberarzt bzw. die Assistenzärzte assistierten. Wir als Studenten schauten nur zu. Meist waren es „komplizierte“ und seltene OPs. Dienstags und freitags stand ebenfalls OP auf dem Plan. Wir Studenten waren oft 2. Assistenz. Es handelte sich um Brustreduktionen und –augmentationen, aber auch Brustrekonstruktionen nach Tumorexzision, Hauttransplantationen, Kieferbrüche, Vulvarekonstruktion, Kiefer-Gaumenspalten, Polydaktylie etc.

Mittwochs und donnerstags hieß es dann „outpatient clinic“ (Ambulanz): Kelloidbehandlung mittels Kortikoidinjektion, Beurteilung von Kieferbrüchen, Beurteilungen von Notwendigkeit einer Brustreduktion, Nachkontrolle von Operationen, Behandlung von Mandibularfrakturen mittels Drähten zwischen den Zähnen. Unsere Aufgabe war es oftmals, diese Drähte wieder zu ziehen.
Donnerstagnachmittags war dann die „Kleine Chirurgie“ an der Reihe: selbstständige Entfernung von Kelloiden, Zysten, aber auch Melanom- und Basaliomexzision.
  • Traumatologie (8 Wochen)
Die tägliche Visite in der Traumatologie fand morgens zwischen 8.00 Uhr und 11.00 Uhr statt. Die Aufgabe der Studenten bestand dabei darin, Blut abzunehmen, Thoraxdrainagen zu ziehen, Röntgenbilder zu besorgen... An manchen Tagen unterrichtete der leitende Oberarzt danach die Studenten („tutorial“). Sofern man dann nicht „on call“ war, d.h. Schichtdienst von entweder 8.00-20.00 Uhr oder die Nacht von 20.00 Uhr-8.00 Uhr, hatte man den restlichen Tag frei. Die Häufigkeiten der Schichten hing von der Anzahl der Studenten ab. Wenn südafrikanische Studenten da waren, hatte man meist nur eine Schicht am Wochenende. Ich arbeitete jedoch oftmals fünf Schichten die Woche, da wir nur drei ausländische Studenten waren, da die Südafrikaner Ferien hatten, und wir uns somit die 14 Schichten der Woche teilen mussten, was aber natürlich sehr lehrreich war, da man somit in das Ärzteteam voll integriert war.

Wenn man eine Tagschicht unter der Woche hatte, reichte es meist aus, dem diensthabenden Chirurgen seine Handynummer zu geben. Dieser rief dann an, sobald er Hilfe im OP brauchte. Am Wochenende und während der Nachtschichten sollte man eigentlich die ganze Zeit an der „Traumafront“ - Ort, wo die Patienten aufgenommen und „beurteilt“ werden - sein, da es dort meist viel zu tun gab – so z.B. Blutabnahmen, Blutgasanalysen, Nähen, Thoraxdrainagen legen, Patienten mit untersuchen, Verbände anlegen, etc. Sobald der Chirurg Assistenz im OP brauchte, rief er an oder kam vorbei und „orderte“ einen ab. Man sah hier meist Schuss- und Stichwunden, aber auch viele Auto-, Motorrad- und Fußgängerunfälle. Viele Verletzungen waren auf die Trunkenheit der Patienten zurückzuführen. Nicht selten überqueren Betrunkene in Südafrika die Autobahn und werden dann von Autos angefahren. Knochenbrüche wurden aufgenommen, geröntgt und dann an die Orthopäden weitergegeben. Medizinische Notfälle landen gleich in der Inneren Medizin.

Im OP fanden hauptsächlich Laparotomien statt, da oftmals nach Stich- und Schussverletzungen Darmschlingen, die Leber oder andere Bauchorgane verletzt waren und rekonstruiert werden mussten. Manchmal fanden auch Hauttransplantationen, Laparoskopien, Tracheotomien, u. Ähnliches statt. Bei Ärztemangel in anderen Fachbereichen, z.B. in Abdominaler Chirurgie oder Herz-Thorax-Chirugie, kam es auch mal vor, dass die Sudenten aus der Unfallchirurgie dort assistieren durften.

Es hat mir so gut in der Traumatologie gefallen, dass ich nicht nur, wie die zu Anfang geplanten zwei Wochen „ausgeholfen“ habe, sondern verlängert und schlussendlich acht Wochen mitgearbeitet habe und derzeit sogar stark am Überlegen bin, ob ich später nicht in der Notfallmedizin arbeiten möchte. Ich bin demnach überzeugt, dass ich sehr viel gelernt habe, theoretisch und auch praktisch, und muss sagen, dass ich mich sehr wohl und voll in das Ärzteteam integriert gefühlt habe und die Arbeit dort nur weiterempfehlen kann!
  • Herz-Thorax-Chirurgie (3 Wochen)
Der Arbeitstag begann um 7.30 Uhr. Man traf sich dann im „tea room“ oder direkt auf Station, um die Visite zu machen. Danach ging es dann meist gleich in den OP. Es wurden viele Tuberkulose-Lungen, aber auch jede Menge Bypässe operiert. Meist durfte man 1. Assistenz sein und bei den Bypass- OPs mit dem Freipräparieren der Beinvene (V. saphena magna) helfen und danach selbständig die Beine zunähen (tiefe Schichten und Hautnaht), aber auch das Nähen von Muskeln durfte ich machen - vor allem nach Thorakotomien. Weiterhin wurden Herzklappenersatz, Dekortikationen von (meist TBC) Lungen, Lobektomien, Aneurysmen, Lungenbiopsien, Pleurodesen, Pleurektomien, Pneumektomien, Pectus carinatum, Myxomentfernung, Oesophagusoperationen etc. durchgeführt.

Die Ärzte dort sind sehr jung, motiviert und lassen einen viel selbst machen. Es hat mir auch dort sehr gut gefallen, so dass ich auch dieses Mal meinen „Aufenthalt“ um eine Woche verlängert habe. Auch die Anästhesisten in diesem OP waren sehr nett und wollten einem so viel wie möglich beibringen. Sie ließen mich u.a. intubieren und zeigten mir transoesophageale Herzultraschalluntersuchungen.
  • „Burns unit“ (Verbrennungseinheit) (1 Woche)
Der Arbeitstag begann hier um 7.45 Uhr auf Station. Montags und freitags fand dann eine multidisziplinäre „ward round“ statt, an der die Oberärztin, Assistenzärzte, Schwestern, Psychologen, Sozialarbeitern, etc. teilnahmen. Es wurde dann das weitere „Vorgehen“ bei der Patientenbehandlung (psychologische Hilfe, Reintegration nach Unfällen, etc.) besprochen. Die Stationsarbeit für die Ärzte besteht hauptsächlich im intensivmedizinischen Management, das hieß u.a. Zentrale Venenkatheter legen, Patienten in- und extubieren, Flüssigkeitsmanagement, Beatmungs-, Säure-Basen-Haushaltskontrolle, etc.

Am Dienstag und Mittwoch fanden halbtags Operationen statt, donnerstags ganztags und am Freitag dann wieder die oben erwähnte „ward round“. Die Ärzte, mit denen ich zusammengearbeitet habe, sind wie eigentlich überall sehr nett und hilfsbereit und wollen den Studenten, so viel wie möglich an Theorie vermitteln.

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Unterkunft und Finanzielles

Wenn man im Tygerberg Hospital arbeitet, kann man, sofern man sich frühzeitig darum kümmert, in der „International students lodge“ (Studentenwohnheim) auf dem Campus wohnen. Man erhält dann ein Zimmer für 500 Rand (ca. 55 Euro) die Woche in einer „unit“ von 4 bis 8 Studenten mit Bad und Küche. Man kann dann das Fitnessstudio und anderes Sportprogramm, Internetzugang, Bibliothek, etc. kostenlos nutzen und ist ca. 5min Fußweg vom Krankenhaus entfernt.

Die deutschen Studenten anderer Krankenhäuser wohnten meist zu viert oder fünft in einem kleinen Haus oder einer Wohnung.

Der ganze Südafrikaaufenthalt hat mich ca. 3.000 Euro gekostet - alles inklusive, d.h. Flug, Studiengebühren, Unterkunft, Essen, Freizeit und 12 Tage Urlaub am Schluss, etc. Im Einzelnen war dies zunächst die Einschreibegebühr in Höhe von 3.500 Rand, die dann aber den Internetzugang, Bibliothek, Fitnessstudio, etc. beinhaltete. Hinzu kamen die wöchentlichen Studiengebühren von 270 Rand. An Kosten für die Unterkunft fielen, wie schon erwähnt, 500 Rand die Woche an.

Außerdem sollte man ein Auto kaufen (20.000 bis 30.000 Rand) und dann eine Versicherung abschließen, die insgesamt ca. 1.200 Rand für vier Monate kostet oder ein Auto mieten für ca. 100 Rand am Tag. Viele Studenten haben eines zu zweit oder dritt geliehen und mit den gleichen Freizeitinteressen stellt dies auch kein großes Problem dar.

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Südafrika


Townships (slums)

  • Eindrücke
Die Südafrikaner sind im Allgemeinen sehr aufgeschlossen, herzlich und hilfsbereit. Man muss allerdings unterscheiden. So sind die meisten Menschen, die in Kapstadt wohnen, Farbige, weit weniger Schwarze und eine Minderheit wird von den Weißen gebildet. Man merkt die Nachwirkungen der im Jahre 1994 zu Ende gegangenen Apartheid noch deutlich. So gibt es immer noch Stadtviertel, die hauptsächlich von Farbigen oder nur von Weißen bewohnt sind. Ebenso kann man sich in manchen Supermärkten als Weiße sehr einzigartig und deshalb eher komisch und leider auch unsicher vorkommen.

Ich hatte oft das Gefühl, dass es ein (herzliches) Miteinander auf der Arbeit zwischen Ärzten und Pflegepersonal, wie ich es aus europäischen Krankenhäusern kannte, nicht gibt. Die Ärzte sind fast nur weißhäutig und die Schwestern bzw. Pfleger fast ausschließlich Farbige oder ein paar Schwarze. Oft hatte ich den Eindruck, dass die Farbigen uns nur widerwillig als „Vorgesetzte“ akzeptierten. Nicht nur einmal musste ich mir an den Kopf werfen lassen, dass ich doch aus Deutschland und deshalb – automatisch - reich sei! In Südafrika steht die weiße Hautfarbe demnach immer noch für Reichtum oder zumindest Wohlstand. Erklären bringt da meist nur wenig.

Worüber ich sehr gestaunt habe, war die Tatsache, dass es sehr viele Christen in Kapstadt oder generell in Südafrika gibt, zumindest habe ich etliche kennen gelernt.

Ich habe während meines Aufenthaltes viele Freundschaften geschlossen, vermisse sie sehr und würde am liebsten sofort wieder hinfliegen! Auf jeden Fall will ich irgendwann noch einmal nach Südafrika, gerne um zu arbeiten, aber wenn dies nicht möglich sein sollte aufgrund der politischen Situation, denn Schwarze werden bei der „Jobverteilung“ stark bevorzugt, dann wenigstens um Urlaub zu machen!
  • Zu beachtende Sicherheitsaspekte vor Ort
Man sollte nie - weder alleine noch in einer Gruppe - außerhalb des Campus oder im Einkaufszentrum durch die Gegend laufen, da die Kriminalitätsrate sehr hoch ist. Viele Touristen werden ausgeraubt. Auch wenn es schlimm klingt und eher traurig ist, es sagen zu müssen, aber man beginnt, jeden nicht-weißen Südafrikaner als potentiellen Kriminellen zu betrachten. Also Vorsicht! Auf Taschen, Geldbeutel, Schmuck, etc. aufpassen und versuchen, nie mit einem „Rucksack“ spazieren zu gehen, da man sich sonst sofort als „reicher“ Tourist „outet“!

Außerdem sollte man, selbst wenn man im Auto sitzt, ob fahrend oder stehend, dieses von innen abschließen und möglichst nicht die Fenster offen lassen. Besonders aufgepasst an Ampeln. Nachts darf man, insbesondere als Frau, über rote Ampeln fahren, sofern man vorher geschaut hat, dass kein Gegenverkehr oder Ähnliches kommt. Es ist zwar schade, aber das Auto ist das Fortbewegungsmittel Nummer Eins. Wer Fahrrad fährt oder zu Fuß unterwegs ist, riskiert nicht nur überfallen zu werden, sondern auch sein Leben. Die Arbeit in der Traumatologie bestätigte dies leider: angefahrene Passanten, etc.

Auf dem Campus kann man sich zum Glück sicher fühlen. Doch auch den Schrank und das Zimmer schließt man besonders an den Tagen sorgfältig ab, an denen die Zimmer gereinigt werden, um ein Verschwinden von Wertsachen aber auch von Obst und Gemüse oder Kosmetiksachen (!) zu verhindern.

Es wird im Übrigen empfohlen, Kopien von allen wichtigen Unterlagen wie Visum, Reisepass, Bankkarten, Flugtickets etc. anzufertigen und diese dann in einfacher Ausgabe bei einem Ansprechpartner zu Hause in Deutschland und außerdem Kopien sicher bei sich im Ausland aufzubewahren.

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Freizeit


Waterfront
Man hat ohne Zweifel in Kapstadt einen hohen Freizeitwert. Angefangen von den Stränden, den Möglichkeiten, wandern zu gehen (Naturreservate, Berge), über sportliche Aktivitäten, bis zu Besuchen in Museen und Botanischer Garten, Bootsfahrten etc., kann man so ziemlich alles machen, was das Herz begehrt. Auch Touren wie Namibia-Reise, Krüger National Park besuchen, die berühmte „Garden route“ - eine 5 bis 10tägige Fahrt mit Zwischenstopps an der Südküste entlang - viele Tierparks, sportliche Aktivitäten wie Strandreiten, Elefantenreiten, „Canopy Tours“ („von Baum zu Baum springen“), „Bungee-jumping“ und vieles mehr, sind gut möglich.

Außerdem stellt die Tatsache, dass man hier auf dem Campus mit ca. 60 ausländischen Studenten in der „Students Lodge“ zusammenwohnt, einen großen Vorteil dar, was die Wochenend- und auch Abendplanung betrifft, da praktisch ständig irgend jemand Pläne hat, denen man sich dann anschließen kann. Ich hatte mich zusätzlich in einem Leichtathletikverein in „Parow“ (Tygerberg Athletic Club) eingeschrieben und trainierte somit täglich mit südafrikanischen Sportskollegen im Stadion, welches ca. 15 min mit dem Auto entfernt war.

Außerdem bin ich sonntags in die Campusgemeinde „Shofar Christian Church“ gegangen und traf mich einmal wöchentlich mit andren Studenten der Gemeinde in einer Kleingruppe, worauf ich mich immer sehr gefreut habe. Dies und mein tägliches Training, was einen sehr großen Teil zu meiner Integration beigetragen hat, hätte ich auf keinen Fall missen wollen.

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Mein Fazit


Cape Point
Man kann sagen, dass ich wirklich viel Glück mit meinem ganzen Aufenthalt hatte. Schon die Tatsache, dass ich zu Beginn, als ich noch ohne Unterkunft war, bei einer südafrikanischen Familie wohnen durfte, deren Sohn ich in Taizé, Frankreich, kennen gelernt hatte, war ein großes Geschenk, da ich somit das südafrikanische Familienleben, die Kultur, etc. kennen lernen durfte. Auch an Weihnachten hatte ich somit Familienanschluss und durfte schöne Festtage weit weg von meiner eigenen Familie verbringen.

Alles in allem betrachtet bin ich somit fest davon überzeugt, dass mein Studienaufenthalt in Südafrika und speziell die Arbeit in der Chirurgie und Traumatologie des Tygerberg Academic Hospitals sowohl für meine berufliche als auch persönliche Weiterentwicklung von erheblichem Nutzen war und noch sein wird.

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M., C.
Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Freiburg, April 2007

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Special: Stipendiaten berichten aus Afrika
Famulatur in Serekunda, Gambia
Famulatur in Oshakati, Namibia
Famulatur in Awka-Etiti, Nigeria
PJ in Kapstadt, Südafrika
PJ in Durban, Südafrika
StipendiatInnen: 03.12.2007 Bekanntgabe!
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