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Innere Medizin, Rikshospitalet, Oslo, Norwegen
(Diese Zeit kann ich nur als gelungen bezeichnen, 03.04. - 21.07.2006)

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Warum gerade Norwegen?
Bewerbung
Vorbereitungen
Die Medizinische Fakultät
Meine Arbeit in der Klinik
Land und Leute
Fazit

Warum gerade Norwegen?

Die Beweggründe für einen PJ- Aufenthalt in Norwegen reichen bei mir schon weit zurück. Vor etwa drei Jahren hatte ich begonnen, einen Norwegisch-Sprachkurs am Skandinavistik-Institut der Humboldt Universität Berlin zu besuchen – damals schon mit dem Hintergrund, mal eine Famulatur oder ein Teil des PJ dort zu verbringen.

An Norwegen reizt mich zum einen die Weite des Landes, zum anderen die hoch technisierten Lebensumstände, die die Norweger nicht daran hindern, ein sehr mit der Natur verbundenes Leben zu führen. Von besonderem Interesse ist dieses Land auch deshalb, weil weiterhin ein Mangel an qualifiziertem Personal im Gesundheitswesen besteht, so dass ich mir auch hinsichtlich einer späteren Tätigkeit als Arzt einen Eindruck verschaffen wollte.

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Bewerbung

Im Sommer 2004 machte ich eine Famulatur am St. Olavs Hospital in Trondheim. Kaum zurück, begann ich, an der Bewerbung für einen Platz im ERASMUS-Programm der Charité zu feilen. Leider war damals die Kooperation zwischenzeitlich auf Eis gelegt worden, da das Landesprüfungsamt (LPA) Berlin Probleme mit der Anerkennung machte, weil Norwegen kein EU-Land ist. Schlussendlich konnte man mir doch einen Austausch mit Oslo anbieten.

Meine Ansprechpartnerin war die Erasmus-Beauftragte der Medizinischen Fakultät in Oslo. Von ihr bekam ich dann Bescheid, dass man im Rikshospitalet in der Medisinsk Avdeling, Seksjon for Fordøyelsesykdomer (Gastroenterologie), Leiter Prof. Erik Schrupf, einen Platz für mich hätte. Eigentlich war geplant, den chirurgischen Teil des PJ im Ausland zu machen, aber wegen der o. g. Probleme kam es zu Verzögerungen, so dass ich den chirurgischen Teil in Berlin abriss und – da ich mein Wahlfach in Berlin ableisten konnte – somit also für den letzten Teil, das Tertial in Innere Medizin, nach Norwegen ging.

Alles in allem hat die Vorbereitung dann doch etwa ein Jahr gedauert, was sicher nicht notwendig ist. Dies erlaubte aber eine gute Planung aller anderen Dinge wie etwa Auszug, Examensplanung, Urlaub etc.

Das LPA Berlin lässt übrigens nur PJ- Teile an Krankenhäusern der Universität Oslo und Bergen zu – insofern ist es angeraten, sich erst mal zu erkundigen, ob sich ein PJ an einem anderen Krankenhaus überhaupt lohnt bzw. anerkannt wird. Deutsche PJ’ler als Turnusärzte anzustellen und zu bezahlen ist nicht mehr üblich, denn mittlerweile gibt es mehr als genug Bewerber auf diese begehrten, zentral zugeteilten Stellen, die in etwa mit dem früheren AiP vergleichbar sind. In Berlin muss unbedingt eine Äquivalenzbescheinigung nach dem Aufenthalt vom Erasmus-Büro gegen gestempelt werden, um beim LPA anerkannt zu werden!

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Vorbereitungen

  • Aufenthaltsgenehmigung
Als Gaststudent in Norwegen muss man sich, sofern man eingeschrieben wird wie ich, polizeilich melden und erhält nach ca. 10 Wochen eine Aufenthaltsgenehmigung. Damit darf man dann auch 20 Stunden pro Woche arbeiten und sie gilt für die Zeit des Aufenthaltes. Wer nicht immatrikuliert wird, hat sicherlich auch keine Probleme, sich länger als drei Monate (als Tourist) aufzuhalten. Als EU-Bürger reicht zur Einreise der Personalausweis.
  • Impfungen/Versicherungen
Andere Schutzimpfungen als in Deutschland sind in Norwegen nicht notwendig, also sollte man diese noch einmal überprüfen. In Norwegen wird noch immer gg. TBC geimpft, insofern kann es sein, dass man einen dort Tine-Test durchführen muss (ich nicht). Wichtig ist aber, dass man einen (negativen) MRSA-Test mitbringt, der nicht älter als drei Wochen sein darf, ansonsten bekommt man keinen Zugang zum Krankenhaus, bis Keimfreiheit nachgewiesen ist, und das kann schon mal ein paar Tage dauern!

Natürlich benötigt man eine anständige Auslandskrankenversicherung, die die volle Zeit abdeckt (und nicht nur z.B. wie bei einer Kreditkarte für die ersten sechs Wochen nach Einreise gilt).
  • Anreise
Ich flog mit „Germanwings“ für knappe 70 € retour, hatte allerdings auch schon ein halbes Jahr zuvor gebucht. Vorsicht: Germanwings, die von Berlin, Düsseldorf und Hamburg aus fliegen, wirbt mit Preisen ohne Steuern, Kerosinzuschlag und „Servicegebühren“! Billige Flüge gibt es auch bei „Norwegian“, dem norwegischen Billigfluganbieter. Sie fliegen von Berlin, Hamburg, München und Köln/ Bonn. Natürlich fliegen auch SAS und Lufthansa von den meisten deutschen Großflughäfen.

Vom Flughafen „Gardermoen“ gibt es viele Möglichkeiten, nach Oslo hinein zu kommen. Er liegt ca. 55 km vom Zentrum entfernt, eine Taxifahrt kostet ca. 700 NOK (fast 100 €) und liegt damit außerhalb des realistischen Budgets. Andere Möglichkeiten sind der Flughafenzug (siehe Weiterführende Links), der in gut 20 Minuten am Hauptbahnhof steht (85 NOK für Studenten). SAS hat einen Bus, der die Hotelroute in Oslo abfährt (80 NOK für Studenten), „NOR-WAY“ unterhält eine Reihe von Linienbussen, die vom und zum Flughafen fahren (siehe Weiterführende Links).
  • Unterkunft
Mir wurde von der Universität schon vor Anreise angeboten, einen Platz in einem der Wohnheime zu reservieren, aber da ich Ende März anreiste und das Frühlingssemester dort am 1. Januar losgeht, sah ich davon ab. Meine Idee war eh, in einer – am besten –norwegischen WG unterzukommen, um die Sprache noch zu verbessern, denn erfahrungsgemäß bedeuten Wohnheime oft einen Haufen Studenten aus aller Welt, was eigentlich nur dem Englisch Sprechen weiterhilft. Dies stellte sich aber aufgrund der saftigen Zimmerpreise und des Mangels an Angeboten nach ein paar Tagen, die ich übrigens im „Anker Hostel, Storgata (Sentrum)“ verbrachte (nicht weiterzuempfehlen!), als hoffnungslos heraus, so dass ich doch noch mal beim „SIO“ (studentsamskipsnaden i Oslo/Studentenwerk: siehe Weiterführende Links) anfragte.

Diese halten für Studenten der Universität in Oslo drei Wohnheime bereit: „Sogn“, „Bjerke“ und „Kringsjå“. Bjerke liegt ziemlich weit weg von Universität und Krankenhaus in einer nicht sehr attraktiven Gegend. Kringsjå ist ein nicht sehr hübsch anzuschauender Haufen von 70er-Jahre-Architektur, liegt aber dafür ziemlich nah am Campus und – sehr schön – direkt im Wald, dahinter kommen erstmal nur ein See und Bäume. Hauptproblem: wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat man einen ziemlich schweißtreibenden Heimweg!

Das „Sogn Studentby“, wo ich mich einquartierte, liegt vier Minuten mit dem Rad vom Rikshospitalet entfernt, auch zum Campus ist es nicht weit. Der Weg ins Zentrum ist mit 20 Minuten mit dem Rad auch noch vertretbar, die Nahverkehrsanbindung ist gut (T-bane, Bus). Hier bekommt man sicherlich im August nur sehr schwer einen Wohnplatz, da es aus o.g. Gründen auch unter Norwegern sehr beliebt ist. Ich kam aber etwas zeitlich versetzt, daher konnte ich ein Zimmer haben. Das Dorf ist etwas älter, aber eigentlich ganz schön hergerichtet. Die meisten Wohnungen haben fünf Zimmer, ein WC, ein Bad und eine Küche. Einige Zimmer haben eigenes Telefon und Internetzugang. Telefon heißt in diesem Falle aber, dass man zwar angerufen werden kann, aber selbst nur innerhalb der Universität Anrufe machen kann. Man zahlt ca. 2.000 NOK/ Monat (270 €) für alle Kosten, zusätzlich muss man noch die Waschmaschinen bezahlen.

Meine Mitbewohner stellten sich jedoch schnell als etwas schüchterne, junge Studentinnen bzw. als ein kontaktscheuer Uni-Angestellter heraus, was dazu führte, dass ich praktisch alleine wohnte. Zudem waren ab Mitte Juni Ferien, in denen fast keiner im Wohndorf lebte. Ich bin nicht der erste, der diese Erfahrung gemacht hat und kann hier nur betonen, dass man dies nicht persönlich nehmen darf. In diesen Wohnheimen leben fast alle Studenten – oft während des ganzen Studiums – und bekommen jedes halbe Jahr mindestens einen neuen Mitbewohner, oft ausländische Studenten. Vielen geht dabei wohl die Lust abhanden, sich weiter auf andere einzulassen. Außerdem ist die Regel in Skandinavien, dass man sehr nett behandelt wird, aber Freundschaft daraus noch lange nicht wachsen muss.

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Die Medizinische Fakultät


Rikshospitalet Oslo
Die UIO (Universität in Oslo) ist die größte Universität des Landes, jedes Semester kommen dort 800 ausländische Studenten zum Studium hin, entsprechend international ist alles gestaltet. Englisch ist eine Art zweiter Sprache dort, aber kann man Norwegisch, so stößt man auf noch freundlichere Gesichter!

An die Medizinische Fakultät sind mehrere Krankenhäuser angebunden, die den Studentenunterricht gewährleisten: Das „Rikshospitalet“ (seit ca. einem Jahr mit dem „Radiumhospitalet“, der Krebs- und Strahlenklinik in Norwegen fusioniert), „Aker“ und „Ullevål Sykehus“ und soweit ich weiß auch „Bærum Sykehus“, was aber schon in der „Fylke Akershus“, also in einem anderen „Bundesland“ liegt.

Das Rikshospitalet liegt genau neben dem Fakultätsgebäude am nördlichen Stadtrand, dahinter geht im Grunde gleich die „Nordmarka“ los, das nördliche Waldumland Oslos. Es ist das Krankenhaus in Norwegen, nicht das größte, aber das bekannteste, denn es ist auf vielen Gebieten Kompetenzzentrum, z. B. ist es das einzige Krankenhaus, das Transplantationen durchführt (die Ärzte müssen auch zu den Explantationen hinfliegen). Es gibt alle vorstellbaren Abteilungen, aber alle sind von eher geringer Größe, so hat z. B. die Innere 75 Betten (ohne Herz- und Lungenerkrankungen und Rheumatologie). Die Akutaufnahme ist Königshausmitgliedern, Parlamentsabgeordneten und Regierungsmitgliedern sowie Ausländern in Oslo ohne festen Wohnsitz (Touristen) vorbehalten, d. h. dass ein Großteil der Aufnahmen elektiv erfolgt, wenn auch oft Verlegungen aus kleineren Krankenhäusern kommen, die mit dem Fall nicht mehr weiterkommen. Das Krankenhaus sieht sich v. a. als Forschungskrankenhaus, was sich in den Publikationen widerspiegelt mit etwa 30 Erstautorenschaften im ersten Halbjahr 2006 aus der Inneren Abteilung (!) und viele der Ärzte haben nebenfinanzierte Stellen, d. h. sie sind ein Teil der Zeit freigestellt, um Datenbanken aufzufrischen und Studien zu entwickeln, aber v. a. den Kontakt mit Kollegen zu pflegen.

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Meine Arbeit in der Klinik


Rikshospitalet Innenansicht
Die Zeit im Rikshospitalet kann ich nur als gelungen bezeichnen. Ich hatte ziemlich bald das Gefühl, zur Abteilung zu gehören. Ich traf mich vorher einmal mit dem Sektionschef der Gastroenterologie, um ein paar Dinge zu besprechen. An meinem ersten Tag bekam ich eine Zugangskarte und einen eigenen Schreibtisch bei zwei anderen Ärzten der Station im Zimmer mit eigenem PC. Außerdem besorgten sie mir eine Kennung für das Diktieren von Journalen und Codes für die Software, um z. B. Laborwerte abzurufen. Wir waren drei Oberärzte, drei Assistenten plus drei weitere, die das Gastrolab betreuten, also hauptsächlich Kolo- und Gastroskopien und ERCP durchführten.

Ein normaler Tag sah so aus:
Um 7.50 Uhr fand die Frühbesprechung der ganzen Abteilung mit Besprechung der akuten und interessanten Neuzugänge der Sektionen statt. Gegen 8.00 Uhr war dann die Röntgenbesprechung der Patienten vom Vortag oder Bilder von Patienten, die zur 2nd opinion verlegt werden sollen. Um 8.30 Uhr folgte die Prävisite mit einer Krankenschwester; Besprechung aller Neuaufnahmen, Laborbefunde, einliegender Patienten, Bericht über Konsultation ggf. anderer Abteilungen etc. Im Grunde der interessanteste Teil des Tages, der gerne mal eineinhalb Stunden dauern konnte!

Um 9.00 Uhr war dann die Visite. Hierbei gehen die Assistenzärzte zu Patienten, die sie aufgenommen haben. Die am Vortage aufgenommenen werden von den Oberärzten begrüßt. Es ist keine Runde wie in Deutschland, bei der sich ein ganzer Tross von Ärzten durch den Flur schiebt, sondern jeder Arzt visitiert ca. drei Patienten – meistens sind sie eh schon länger bekannt auf der Station. Ab ca. 9.30 Uhr ist der Beginn der Neuaufnahmen. Z. T. kamen 28 Patienten pro Woche, was wirklich eine Menge ist. Dazu muss man aber bedenken, dass wie o. g. ein Großteil geplant kommt und selten schwer krank ist und intensive Therapie benötigt. Auf der Gastroenterologie im Rikshospitalet sind dies v. a. Leber- und Gallenwegserkrankungen sowie Karzinoide. Herauszustreichen ist die primär sklerosierende Cholangitis; etwa 30 Prozent der Patienten auf der Station hatten diese seltene Erkrankung, die oft mit IBD (Colitis ulc.) vergesellschaftet ist und eigentlich immer zur Lebertransplantation führt. Auch die transplantierten Patienten werden in der Inneren Medizin nachverfolgt.

Die Mittagspause wird eigentlich immer im Rahmen eines „møte“ durchgeführt, d. h. einer Besprechung, sei es Sektions- oder Abteilungsbesprechung mit Vortrag, Treffen mit der Pathologie und Vorführen der Biopsien und Zytologien oder mit der Psychosomatik. Am Freitag ging man gemeinsam in die Kantine. Dieser Tag war sowieso meistens anders, da es nur wenige elektive Aufnahmen gab, dafür aber viele Epikrisen geschrieben werden mussten.

Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin, Patienten aufzunehmen, d. h. die Anamnese und eine gründliche internistische Untersuchung durchzuführen. Danach erfolgte eine kurze Vorstellung an einen der Assistenzärzte, Eingangsbefund („journal“) diktieren, Kurve erstellen, überprüfen, welche Untersuchungen angemeldet sind und welche weiter nötig sein könnten, Blutabnahmen bestellen (werden in Norwegen von MTAs durchgeführt) und am nächsten Morgen bei der Prävisite den Patienten vorstellen. Der Rest obliegt leider den „echten“ Ärzten, das Wesentliche wird aber sowieso in der Prävisite gemeinsam besprochen. Interessant war diese insofern, dass in der Sektion immer das Bestreben herrschte, alle alles wissen zu lassen und stets zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen. Natürlich hatte der Sektionsleiter immer das letzte Wort, aber die Ärzte arbeiteten meist schon seit mehreren Jahren mit einigen Patienten, die auch sehr in die Therapie eingebunden waren.

Meistens nahm ich ein bis zwei Patienten auf, versuchte mir dabei auch gerne, welche heraus zu suchen, die noch nicht bekannt in der Abteilung waren oder seltenere Erkrankungen hatten (die PSC gilt für mich jetzt nicht mehr als selten!). Dies erforderte immer eine genauere Anamnese und Untersuchung, und in dieser Hinsicht konnte ich einiges lernen und nicht zuletzt auch die Sprache erheblich verbessern. Ich begann mit den Aufnahmen nach etwa zwei Wochen, die ersten zwei schaute - und hörte vor allem - ich noch zu. Besonders in meinen letzten Wochen (Juli) wurde offensichtlich, dass ich einen Beitrag zur Arbeit leisten konnte, denn in dieser Ferienzeit war der Patientenstrom kaum geringer (ca. 20/ Woche), aber nur noch ein Ober- und ein Assistenzarzt auf der Station. Somit fühlte ich mich später auch einigermaßen unabkömmlich, was in den ersten zwei Monaten nicht der Fall war. Trotzdem war meistens am frühen Nachmittag Schluss, da ich nichts mehr helfen konnte.

Ich hatte somit genug Zeit zum Nachlesen, Email-Schreiben etc., ging aber mitunter während des Semesters (bis Mitte Juni) zu einigen Vorlesungen der Inneren Medizin, zu denen mich die Studenten auf der Station mitnahmen. Sie gehen im letzten Semester durch verschiedene Abteilungen der Inneren und Chirurgie und müssen dabei in drei Wochen einige Journale aufnehmen. Ab 11.30 Uhr haben sie frei und können zu Vorlesungen gehen, die am Nachmittag stattfinden. Diese waren auch immer ganz gut besucht und behandelten ein Thema meist am Beispiel eines Patienten. Saß man weit genug vorne, hatte ich kein Problem, die Dozenten zu verstehen, mit den Patienten hatte ich hingegen häufiger mal meine Sorgen.

Mitunter gab es auch Interessantes im Gastrolab zu sehen, beispielsweise Doppelballon-Enteroskopien oder Patienten mit ausgeprägten IBD-Befunden. Am Morgen warf ich meist einen Blick auf die Liste der Patienten, die dort untersucht wurden, so dass ich mir auf den Rechnern schon einmal ggf. Vorbefunde durchlesen konnte. Meist versuchte ich, auch zu endoskopischen Untersuchungen der Patienten zu gehen, die ich am Tage zuvor aufgenommen hatte.

Fazit: Ich fühlte mich gut angenommen und als Teil des Teams, wenn ich mir auch häufiger etwas mehr Integration in den Alltag gewünscht hätte wie z. B. Epikrisen diktieren oder Patienten alleine betreuen. Sprachlich wäre dies sicherlich kein großes Problem gewesen. Aus dem Bereich der Inneren Medizin habe ich viele seltene Entitäten gesehen und wenig Gewöhnliches (Ulcus ventriculi, Refluxkrankheit etc.), daher ist der Effekt auf die klinische Ausbildung sicherlich begrenzt. Was aber wirklich hilfreich war, ist die genaue klinische Untersuchung, die doch häufiger mal unbekannte Befunde brachte. Vor allem hat mir imponiert, welche Systematik norwegische Studenten bei Anamnese und Untersuchung entwickeln – dies bleibt sicher verankert. Ich hatte jedoch auch meine Freiheiten, d. h. ich konnte mich immer ungefragt am Nachmittag entfernen oder auch mal – als Freunde und Familie zu Besuch kamen – ein paar freie Tage nehmen.

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Land und Leute


Man fährt Fahrrad
Oslo ist bekanntlich die Hauptstadt Norwegens, und als solche kann sie natürlich schon mit Einigem aufwarten – es ist aber baulich leider die unattraktivste Hauptstadt Europas, die ich bislang gesehen habe. Die ehemalige Altstadt ist so oft abgebrannt und in den letzten Jahrzehnten mit Neubauten zugestellt worden, dass von Altstadt eigentlich keine Rede mehr sein kann. Sehenswert ist aber die „Akershus Festning“ mit schönem Blick auf den Hafen, die „Carl Johan Gate“ mit ihren vielen Geschäften und das Königliche Schloss an deren Ende auf einem Hügel. In der „Vigeland-Anlage des Frognerparks“ mit ihren über 250 Statuen muss eigentlich jeder Oslo-Besucher einmal gewesen sein, und auch die Holmenkollen Sprungschanze, im Grunde Wahrzeichen der Stadt, ist einen Trip wert, um einen tollen Blick über Oslo zu bekommen.

Zudem wartet Oslo mit vielen Museen auf. Die bekanntesten sind wohl das „Munch-Museum“, die Wikingerschiffe, die „Fram“ (Fridjof Nansens Polarschiff), das „Oslo Bymuseum“, das „Folkemuseum“ und das in diesem Jahr wiedereröffnete „Ibsen-Museum“ – der vor 100 starb. Immer einen Besuch wert ist auch der Stadtteil „Frogner“, zum einen wegen der vielen Botschaften in riesigen Villen, zum anderen auch wegen der Boutiquen-Meile des „Bogstadvei“. Auch „Grünerlöcka“ mit vielen netten Ecken und Straßencafés hat ein angenehmes Flair. Es empfiehlt sich, trotz der Höhenunterschiede in der Stadt, sich ein Fahrrad zu beschaffen, ich hatte meines mitgebracht, denn Oslo ist nicht sehr groß und man kommt tatsächlich viel schneller voran als mit dem ÖPNV, der zwar vorhanden, aber teuer ist. Ein Tagesticket kostet aber nur 60 NOK und kann an einem verregneten Tag gute Dienste leisten. Außerdem ist ab 0.30 Uhr Schichtende, danach fährt nichts mehr. Am Wochenende gibt es jedoch ein paar Nachtbusse, die für 50 NOK fahren.

Die Einwohner Oslos wissen, wie sie sich das Leben schön machen können. Es gibt einen Haufen netter Cafés und Kneipen und jeden Abend sind irgendwelche Konzerte. Der Haken an der Sache: Oslo ist seit Jahreswechsel die teuerste Stadt der Welt (!), noch vor Tokio. Natürlich verdienen die Norweger auch viel Geld und zahlen hohe Steuern, aber als Gaststudent hat man es dort oft etwas schwerer. Es gibt kaum Billigprodukte in den Supermärkten, billiges Gemüse und Obst kann man in Grönland und „Tøyen“ (östlich des Hauptbahnhofes) kaufen. Für einigermaßen günstige Feiern kann man auf Studentenclubs - in den Studentendörfern oder auf dem Campus - zurückgreifen, wo ein Bier nur ca. 5 € kostet. Ansonsten gilt in Oslo das, was beim Leben in Norwegen Prämisse sein sollte: Raus aus der Stadt!

Die Schönheit Norwegens besteht sicherlich nicht in den paar größeren Städten, die nicht sonderlich charmant sind, sondern in der Natur dazwischen. Im Winter ist natürlich Skifahren das Gebot der Stunde, ob Alpin oder Langlauf. Die ersten Loipen (beleuchtet!) beginnen in Oslo und durchziehen das ganze Umland. Zum Alpin fahren bietet sich z. B. die „Telemark“ an, das „Norefjell“ liegt etwa eine Stunde Autofahrt entfernt. Im Sommer ist v. a. Wandern in der „Oslo- oder Bærummarka“ sehr beliebt, wahlweise natürlich auch mit Campen, das nach dem großartigen Allmannsretten (auch in Schweden gültig) überall auf öffentlichem Gelände erlaubt ist. So erschließt man häufig Gegenden, in denen einem niemand begegnet, obwohl es nur 15 km von Oslo entfernt ist. Der norwegische Touristenverein „DNT“ (Siehe Weiterführende Links) hat 200.000 km Wanderwege in Norwegen ausgeschildert! Es gibt einige sehr gekannte Touren, wie z. B. der „Besseggen-Pass“ im „Jotunheimen Nationalpark“, den Weg zum „Preikestolen“ am „Lysefjord“ oder die 4-Tagestour durch den „Rondane Nationalpark“. Tagestouren kann man gut nach „Fredrikstad“, „Kongsberg“ oder auch „Lillehammer“ machen, natürlich am schnellsten immer mit dem Auto. Dabei sollte man bedenken, dass ein Tempolimit von 100 km gilt, die man aber selbst auf den größten Straßen, den Europastraßen (etwa mit Bundesstraßen zu vergleichen) selten fahren kann, da Kurven, Anstiege und LKW im Wege sind.

Oben beschriebenes Problem mit meinen Mitbewohnern - das eigentlich keines war, weil es sie im Grunde nicht gab - hat mein Bild von Norwegern schon nachhaltig geprägt, wobei ich schon vorher einige kannte und auch noch andere kennen gelernt habe. Man kommt mit Norwegern generell gut aus, der Großteil spricht sehr gut Englisch, freut sich aber wirklich darüber, wenn man Norwegisch mit ihnen spricht. Die Sprache ist nicht sonderlich schwer, aber es reicht sicherlich nicht, es erst vor Ort u lernen, um genug kommunizieren zu können. Man wird überall freundlich bedient und hat nie das Gefühl, man stehle ihnen die Zeit. Ins Private geht es aber nur sehr zögerlich, man kommt selten über den beruflichen Kontakt hinaus. Zwar wurde ich pro forma einmal auf ein Bier mit Kollegen eingeladen, habe aber nicht den Eindruck gehabt, dass dies meinetwegen geschah. Darüber hinaus hatte ich zu Kollegen außerhalb des Krankenhauses eigentlich gar keinen Kontakt, abgesehen von Gesprächen über Gott und die Welt während der Arbeitszeit. Eine gute Idee war aber, mir gleich nach Ankunft einen Sprachpartner zu suchen, der tatsächlich ähnlich gut deutsch sprach wie ich, um ein bisschen Norwegisch auch außerhalb des Krankenhauses zu üben. Allerdings trafen wir uns nur ca. alle drei Wochen, aber dies bis zum Ende.

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Fazit


Spätabendsonne auf 1000m
Alles in allem ist Norwegen ein tolles Land, ein Traum für Familien und eine Paradies für Arbeitnehmer. Natürlich arbeiten auch viele hart, doch die Entlohnung ist entsprechend. Die Natur und das Outdoorleben zeichnen Norwegen aus und sollten eigentlich bei einem Aufenthalt dort immer im Vordergrund stehen, wenn es um Freizeitaktivitäten geht.

Das Arbeiten im Krankenhaus hat mir Spaß gemacht, war aber aufgrund des übersichtlichen Patientenpools tatsächlich irgendwann Routine und dann auch langweilig, zumal mein Aufgabenbereich sehr eingeschränkt war, wenn auch nicht ohne Herausforderungen.

Was mir die Zeit etwas schwer machte, war die Tatsache, dass ich an Norweger selbst kaum herankam und eigentlich nur ausländische Freunde dort hatte, von ein paar Ausnahmen abgesehen. Zudem ist Oslo wirklich nicht der Nabel der Welt und man fühlt sich ohne Auto doch immer wieder an die Stadt gebunden, die nicht sehr viel zu bieten hat. Ein weiteres Manko sind die unverschämt hohen Lebenshaltungskosten und die hohen Preise von eigentlich allem, was einen in Sachen Mobilität (Zug-/Bus fahren) einschränkt. Auch außerhäusiges Feiern kostet gerne mal 1.000 NOK am Abend – Geld, das man sich doch gerne für andere Dinge aufhebt.

Wer seine Zukunft als Arzt nicht in Deutschland sieht und sich vorstellen kann, in einem im Winter sehr dunklen Land zu leben, der sollte Norwegen immer in Betracht ziehen. Zwar sind die Chancen nicht mehr so gut, einen Platz als Turnusarzt zu ergattern, wer aber nach oder im Laufe seiner Facharztausbildung viel Geld verdienen möchte, hat gute Möglichkeiten, einen guten Job zu bekommen, zugegebenermaßen meist in den eher dünner besiedelten Gebieten.

Eine Anmerkung noch: Auch wenn die Norweger noch so gut Englisch und oft auch ausreichend gut Deutsch sprechen, der Schlüssel zu einem Land ist die gemeinsame Sprache. Innerhalb der Abteilung ist Englisch natürlich kein sonderliches Problem, aber Menschen sind oft nicht in der Lage, ihre Beschwerden und Erkrankungen in einer anderen Sprache zu formulieren, und gerade Kranken haben damit noch größere Probleme. Deshalb empfehle ich jedem, eine Basis an Norwegisch vor den Aufenthalt zu legen, auf der sich schnell aufbauen lässt, insbesondere wenn man darauf besteht, dass bei der Arbeit alle Norwegisch mit einem sprechen.

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B., P.
Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Berlin, August 2006

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