|
„Ich würde es jederzeit wieder machen. Es war eine einmalige Zeit!“ So fiel mein Fazit nach acht Wochen PJ in New York aus. Aber zurück zur Ausgangslage. Mein Ziel war es gewesen, einfach einmal in einem fremden System zu arbeiten, das amerikanische Gesundheitssystem kennen zu lernen, zu sehen, wie US-Ärzte arbeiten und meine Kenntnisse in „Medical English“ zu verbessern. All dies ist mir definitiv gelungen. Meine Wahl – USA, New York
Vorbereitungen
Unterkunft
Finanzielles
Tagesablauf Abteilung Gastroenterologie
Vorlesungen und Fortbildungsveranstaltungen
Freizeit
Mein Fazit
Meine Wahl – USA, New York Die Freiheitsstatue - Herzlich Willkommen in den USA |
| Seit Beginn meines Studiums stand für mich fest, einen Teil meines Praktischen Jahres im Ausland zu verbringen. Meine Wahl fiel mir nicht besonders schwer, da es für mich immer schon ein großer Wunsch war, einmal in den USA zu arbeiten und zu leben. Als ich dann noch von einem befreundeten Arzt den Tipp bekam, mich doch über das Mount Sinai Hospital in New York zu informieren, stand mein Entschluss fest.
Aufgrund der Tatsache, dass ich mich sehr für die Innere Medizin und hier speziell für die Gastroenterologie interessiere, entschied ich mich, acht Wochen meines Innere Tertials dort zu verbringen. Dies hatte zwei Gründe. Zum einen wollte ich mit der englischen Terminologie der Gastroenterologie vertraut werden und zum anderen hat das Mount Sinai Hospital auf dem Gebiet der Gastroenterologie einen hervorragenden Ruf.
Außerdem hatte ich bereits gehört, dass das Lehrsystem in den USA allgemein praxisorientiert und sehr studentenfreundlich sei. Auch das sog. „bedside-teaching“ war mir ein Begriff. Der Aufenthalt dort würde eine ausgezeichnete Gelegenheit bieten, zwei unterschiedliche westliche Medizinsysteme direkt miteinander vergleichen und zudem das Leben in der wohl bekanntesten Metropole der Welt kennenlernen zu können.
Und so setzte ich mich an den Computer und begann den etwas langwierigen Prozess einer Bewerbung in die USA.
Vorbereitungen Blick vom Central Park auf das Mount Sinai Hospital |
|
Das Wichtigste für die ersten Schritte der Bewerbung ist die Internetseite des Mount Sinai Hospitals, um sich dort zum Kapitel „foreign students“ durchzuarbeiten. Hier sind im Grunde alle Schritte recht gut erklärt und man kann sie relativ gut einzeln abhaken, da dieses Krankenhaus reichlich Erfahrung mit ausländischen Studenten hat, wie sich auch bei meinem Besuch zeigen sollte. Trotzdem empfehle ich wärmstens, mit dem Bewerbungsprozess mindestens ein Jahr vor dem geplanten Aufenthalt zu beginnen, weil erfahrungsgemäß doch immer wieder kleinere Lästigkeiten auftauchen.
Hier eine kleine Liste, der für die Bewerbung nötigen Unterlagen (alles auf Englisch!):
- Ein komplett ausgefüllter Bewerbungsbogen (auszudrucken auf der Homepage des Mount Sinai Hospitals )
- 300$, am besten in Form von Traveler checks (wird bei Ablehnung nicht rückerstattet)
- Ein vom Haus- oder Betriebsarzt ausgefülltes sog. „Medical Status Formular“ (ebenfalls auf der Homepage des Mount Sinai Hospitals auszudrucken)
- Seit neuestem wird auch der Nachweis einer Grippeimpfung und einer Impfung gegen H1N1 verlangt.
- Ein Empfehlungsschreiben des Studiendekans und weitere etwaige Empfehlungsschreiben
- Lebenslauf (hier besonders wichtig die Emailadresse)
Da ich beabsichtigte, in den USA zu arbeiten, war selbstverständlich ein Visum nötig. Hierbei handelt es sich um ein sog. „F1-Visum“, was wohl speziell für Studenten gilt. Dieser ganze Prozess ist der aufwändigste, kann aber leider erst eingeleitet werden, wenn die Bestätigung vom Krankenhaus angekommen ist. Dies ist aber leider erst zwei Monate vor Abflug der Fall. Da heißt es einfach, Nerven bewahren und Geduld haben. Aber ich kann jeden beruhigen, man schafft es definitiv. Auch hier wird man gut durch die einzelnen Schritte geleitet, sollte sich aber jede Email ganz genau durchlesen.
Ein sehr guter Tipp ist es auch, wenn man zum US-Konsulat geht, nichts in den Taschen zu haben, speziell keine Handys!
UnterkunftDas Mount Sinai Hospital in New York bietet für seine ärztlichen Mitarbeiter und Studenten die tolle Möglichkeit, in direkter Nachbarschaft zur Klinik an der Upper East Side von Manhattan zu wohnen und das noch zu einem für NY vernünftigen Preis. Allerdings braucht man hierfür etwas Glück, was ich hatte, allerdings erst im zweiten Anlauf, denn diese Unterkünfte sind heißbegehrt und fast immer ausgebucht.
Ich wohnte in einem geräumigen 2-Zimmer Appartement mit einem weiteren Studenten und in der letzten Woche sogar allein. Für 900 $ pro Monat wohnte ich in bester Lage zur Klinik, zur U-Bahnstation und zum Central Park. Man hat eine Küche mit Kühlschrank, Herd und Ofen, im Zimmer einen Schrank, ein „Kingsize-Bed“ und einen Schreibtisch. Allerdings gibt es sonst nichts - keine Töpfe, kein Geschirr, kein Bettzeug etc., also alles selbst mitnehmen.
Ich hatte zusätzlich noch das Glück, eine Wohnung mit Internetzugang zu bekommen, sogar umsonst. Im Keller stehen Waschmaschinen und Trockner gegen Gebühr zur Verfügung und in nächster Nachbarschaft gibt es zahlreiche Reinigungen.
Eine weitere Möglichkeit unterzukommen, bieten private Unterkünfte. Um diese muss man sich aber komplett selbst bemühen. Diese Wohnungen sind komplett eingerichtet und bieten auch Koch- und Waschmöglichkeiten, allerdings sind sie deutlich teurer als die des Krankenhauses.
Finanzielles
- Visum: 99,65 €
- Anmeldung Medical School: 300 $
- Flug: ca. 670 € direkt nach New York JFK
- Unterkunft/Monat: 900 $
- Immatrikulation für zwei Monate: 1.000 $
- Lebensunterhalt: deutlich teurer als in Deutschland (momentan aber sehr guter Wechselkurs!)
Glücklicherweise wurde ich mit einem durch die Allianz Private Krankenversicherungs- AG zur Verfügung gestellten Reisestipendium unterstützt. Hierfür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken. ( Weitere Infos zu den Reisestipendien der Allianz)
Tagesablauf Abteilung Gastroenterologie Mount Sinai Hospital |
| An meinem ersten Arbeitstag erhielt ich eine kleine Einführung in das vom Krankenhaus benutzte Patientenverwaltungsprogramm. Dieses ist sehr veraltet und basiert noch auf DOS, ist aber gut zu handhaben. Die gesamten acht Wochen war ich dem „consult-service“ zugeteilt, dessen Aufgaben die Betreuung von Patienten anderer Abteilungen mit gastrointestinalen Beschwerden sowie die funktionelle Diagnostik und Therapie (Koloskopien, Gastroskopien, ERCP) sind. Meine Hoffnung, auch in die anderen Abteilungen wie z.B. der Leber oder der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu kommen, wurden leider nicht erfüllt, da man sich für diese extra bewerben muss, was aus den Bewerbungsunterlagen leider nicht ersichtlich ist. Hier heißt es also aufgepasst, was man genau will!
Das Team bestand normalerweise aus zwei Assistenzärzten, sog. „Fellows“ (Assistenzarzt ab dem 3. Ausbildungsjahr), einem Fach-/Oberarzt und je nachdem ein bis drei Studenten. Die Tage unterschieden sich im Ablauf meist nicht deutlich. Alle Tage bis auf Montag und Mittwoch begannen um ca. 7.30 Uhr mit einer Morgenbesprechung, in der entweder über interessante Fälle oder aktuelle Studien gesprochen wurde.
Danach ging es um ca. 8.15 Uhr los mit Untersuchungen (Gastro- und Koloskopien) oder dem Erfüllen von Konzilanträgen. Hierzu muss ich leider sagen, dass im amerikanischen System ausländischen Studenten nicht allzu viel zugetraut wird und amerikanische Studenten deutlich bevorzugt behandelt werden, wenn es um die Zuteilung von Aufgaben geht. Hier heißt es, Geduld bewahren und sich durchsetzen. Außerdem ist das Arbeiten im Vergleich zu Deutschland deutlich uneffektiver und unproduktiver. Es gibt viele Leerlaufzeiten, in denen man auf Untersuchungen oder Konzile warten muss, aber trotzdem andere Aufgaben in den Nachmittag verschoben werden, weil der zuständige „Attending“ (Fach- bzw. Oberarzt) nicht greifbar ist. Dadurch kann ein Arbeitstag sehr lang werden. Es kann schon mal vorkommen, dass man bis 20.30 Uhr an der Klinik verweilt und sich dann überlegt, wie das passieren konnte. Aber normalerweise ist der Arbeitstag gegen 17.30 zu Ende.
Es gab zwei unterschiedliche Arten der Oberarztvisite. Diese fand meistens gegen 15.00 Uhr statt. Zum Einen die ganz normale Oberarztvisite, in der dem „Attending“ jeder Konzilpatient vorgestellt wird, wobei dies vornehmlich die Aufgabe der Studenten ist - mit Ergänzung durch die Assistenzärzte. Zum Anderen gab es in nicht ganz regelmäßigen Abständen sog. „Teaching Rounds“, in denen einem sehr erfahrenen Beleg- oder Oberarzt (sog. „Teaching-Attending“) ein einzelner besonderer Fall vorgestellt wird. Danach wird ca. eine Stunde über diesen Fall geredet und der Oberarzt stellt Fragen zum Krankheitsbild und zur weiteren Vorgehensweise. Hier bietet sich auch die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen.
Das so viel gelobte „Bedside-Teaching“ fand in meiner Abteilung leider nicht statt, wurde jedoch durch diese „Teaching-Rounds“ und die zahlreichen kleinen Vorlesungen bzw. Fallvorstellungen zumindest zum Teil ersetzt. Im Allgemeinen kann man sagen, dass in den USA mehr Wert auf theoretische Aus- und Weiterbildung gelegt wird. So werden ehemalige Ärzte des Krankenhauses, die jetzt niedergelassen oder im Ruhestand sind in die Ausbildung der Studenten und v.a. der Assistenten integriert und geben ihre Erfahrung sehr engagiert weiter.
Praktisch gesehen, darf man sich von New York nicht viel erwarten. Bis auf Patienten untersuchen und Aktennotizen bzw. Konzilscheine ausfüllen, ist den Studenten nichts erlaubt. Da bietet Deutschland schon wesentlich mehr. Aber wenn man Glück hat und gute Assistenzärzte und Oberärzte erwischt, kann man doch das eine oder andere bei der Weiterbehandlung von Patienten lernen.
Vorlesungen und FortbildungsveranstaltungenWie oben schon kurz erwähnt, finden an den meisten Tagen kleine Vorlesungen und Fallbesprechungen statt. So gab es jeden Dienstag von 12.00 bis 13.00 Uhr eine Pathologiebesprechung, in der die interessantesten Biopsieergebnisse der vergangenen Woche erklärt wurden. Außerdem fand meist mittwochs eine kleine Fortbildung durch den ehemaligen Chef der Abteilung für chronisch entzündliche Darmerkrankungen statt und freitags in der Früh gab es eine längere Fortbildung über aktuelle Entwicklungen und Studien in der Gastroenterologie.
Freizeit Blick vom Dach des Hospitals über den Central Park Richtung Downtown Manhattan |
| Wie man sich selbstverständlich vorstellen kann, bietet New York unendlich viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Natürlich sind die meisten davon nicht umsonst und leider auch nicht billig. Aber hierfür gibt es eine einmalig tolle Institution am Mount Sinai Hospital, das sog „Recreation Office“. Hier kann man als Klinikmitarbeiter ein Angebot von zahlreichen Eintrittskarten und Gutscheinen z.B. für Restaurants zum Sonderpreis nutzen. Es gibt hier von Eintrittskarten für die meisten Sehenswürdigkeiten, über Musicaltickets, bis hin zu diversen Sportevents so ziemlich alles um bis zu 50 Prozent billiger. Also dort unbedingt vorbeischauen!
Aber auch einfach nur in dieser einmaligen Stadt zu leben, den Alltag einer solchen Metropole zu erleben oder einfach nur im Central Park zu joggen, ist Entertainment genug. Die Einkaufsmöglichkeiten für z.B. Klamotten sind hier quasi unbegrenzt. Neben der riesigen Menge an Geschäften gibt es auch zwei gigantische „Outlet Malls“ in ca. 50 km Entfernung. Einfach mit ein paar Leuten zusammentun und ein Auto mieten! Ein Besuch lohnt sich hier auch deshalb unbedingt, da der Euro im Moment so günstig zum Dollar steht.
Mein Fazit Blick vom Dach des Hospitals über den Central Park auf die Upper West Side |
| Mein achtwöchiger Aufenthalt in New York hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Zwar habe ich, um ehrlich zu sein, von meinen praktischen Kenntnissen her nicht sonderlich profitiert, aber ich konnte einige theoretische Dinge dazulernen. Außerdem war mein Hauptziel, das amerikanische Gesundheitssystem kennen zu lernen, zu sehen, wie US-Ärzte arbeiten und meine Kenntnisse in „Medical English“ zu verbessern. All dies ist mir definitiv gelungen und auch für meine persönliche Weiterbildung und Weiterentwicklung war dieser Aufenthalt ein großer Erfolg.
Ich habe viele Studenten aus den USA und aus anderen Ländern kennen gelernt und einige neue Freundschaften geschlossen. Was für mich allerdings besonders wichtig war, ist der Vergleich zwischen unserem Lehrsystem in Deutschland und dem in den USA. Ich habe gesehen, dass man, zumindest was die Lehre angeht, bei uns in Deutschland doch noch einiges verbessern kann. Aber ich muss ehrlich sagen, dass auch das US-System von uns lernen kann, was Effektivität und Produktivität angeht.
Ich möchte jedem Medizinstudenten nahelegen, für ein paar Monate ins Ausland zu gehen und den eigenen Horizont zu erweitern. Man darf sich nicht die Neuerfindung der Medizin vorstellen, aber einfach einmal in einem fremden System gearbeitet zu haben, andere Kulturen und Mentalitäten kennen zu lernen, bringt einen unheimlich weiter.
Ich würde es jederzeit wieder machen. Es war eine einmalige Zeit!
W., M. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Regensburg, November 2009
Weitere Infos zu den Reisestipendien der Allianz |