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London – gerade für mein drittes Tertial war diese Stadt genau richtig. Das Praktische Jahr am St. Mary’s Hospital zu erleben, einer Klinik, die sich durch hochspezialisierte, qualitative und innovative Medizin auszeichnet, stellte sich als die für mich perfekte Mischung aus Förderung, Forderung und freier Tagesgestaltung heraus. Wo sind denn die Briten hier in London?
St. Mary’s Hospital London
Meine Arbeit in der Klinik
Bewerbung
Unterkunft & Tipps
Mein Fazit
Wo sind denn die Briten hier in London?  Londoner Flair |
| Die Mixtur aus historischer, kultureller, royaler oder monumentaler Vielfalt, gepaart mit einer modernen, vibrierenden, jungen Szenemetropole fasziniert mich an London. Für mich gibt es deshalb kaum eine bessere Chance, sich in diese Gesellschaft zu integrieren, als dort zu arbeiten. Londons Flair mit seinen roten Bussen, der königlichen Familie und seiner „Cup-of-Tea-Mentalität“ hat mich schon länger in seinen Bann gezogen. Deshalb hatte ich mein drittes Tertial genutzt, um mich selbst davon zu überzeugen, inwiefern solche Klischees der Wirklichkeit entsprechen. Doch mein altes Schulbuch hatte mir damals in der Mittelstufe tatsächlich die Wahrheit erzählt: London ist Multikulti!
Ein typischer blasshäutiger, rothaariger Engländer mit einer Tüte „Fish'n Chips“ in der Hand ist gar nicht so einfach zu finden. Hätte ich es zeitweise nicht besser gewusst, hätte ich mein Wohnviertel während meines PJ in London mitten auf den Balkan eingeordnet. An den Duft der Wasserpfeifen gewöhnt man sich schnell und auch „Baklava“ gibt es in Massen. Und mitten im schönsten Türkei - Feeling hört man dann auch wieder jede Menge indischer Klingeltöne. Denn auch die meisten Ärzte in der Klinik stammen aus Indien.
Im Nachhinein bin ich wirklich erstaunt, wie oberflächlich das Bild war, das ich in einem vorherigen Urlaub von London mitgenommen hatte. Nichtsdestotrotz hat es mir wieder viel Spaß gemacht, ein zweites Mal alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern, denn den „Big Ben“ kann man sich auch ein neuntes oder zehntes Mal ansehen. Und wer länger Zeit in London verbringt, hat die einmalige Gelegenheit, ausgiebig über seine typischen Märkte zu schlendern. Am „Borough-Markt“ kommt wirklich jedes Schlemmermäulchen beim Probieren sämtlicher Köstlichkeiten in Hochstimmung und wer im fast skurrilen „Camden Town“ noch nicht genügend Kleidung für jeden Geschmack gefunden hat, der kann spätestens bei der Kette „Primark“ soviel Modekleidung kaufen wie er tragen kann.
Übrigens ein absolutes Muss für jeden touristisch interessierten PJ‘ler: Wer nicht aus London herausgekommen ist, hat England noch nicht gesehen! Essen bei „Jamie Oliver“ oder doch lieber auf „Harry Potter's“ Spuren in Oxford wandeln, eine Bootstour in Cambridge, die gigantischen Klippen bei „Beachy Head“, Brighton, Isle of Wight oder Stonehenge ... es gibt so viele wunderschöne Ecken in Tagesausflug - Reichweite. Und dort findet man im Übrigen auch die typischen Briten!
St. Mary’s Hospital London Gedenktafel: Fleming – Entdecker des Penicillin |
| Die Kardiologie im St. Mary‘s Hospital in London bietet modernste Strukturen im Bereich der kardiologischen Elektrophysiologie, modernste Ausstattung im Bereich der Kathetertechnik, transösophagealen Echokardiographie oder Stressechokardiographie und in besonderem Maße spezielle Interventionsmöglichkeiten im Bereich angeborener Herzfehler und Anomalien sowie einhergehender Rhythmusstörungen.
Das St. Mary´s Hospital gehört zu den zehn größten Kliniken Englands und zeichnet sich durch hochspezialisierte, qualitative und innovative Medizin aus. Dass Prince William und Harry in eben dieser Klinik zur Welt kamen, ist für mich als kleinen Royal-Fan natürlich ein besonderes Highlight.
Zudem hat die Medizinische Fakultät des Imperial College London einen sehr guten Ruf in England. Geht es nach den dort Lehrenden, sogar ebenbürtig mit der nahe gelegenen Oxford University. Darüberhinaus hat das Imperial College London auch einige Nobelpreis Träger hervorgebracht. Zum Beispiel hat Fleming in einem etwas klein geratenen Kämmerchen in dieser Klinik nicht nur das Penicillin, sondern auch dank eines Schnupfens das Lysozym entdeckt.
Meine Arbeit in der Klinik St. Mary’s Hospital in London |
| Gerade für mein drittes Tertial war London genau richtig. Das Praktische Jahr in dieser Klinik stellte sich als die für mich perfekte Mischung aus Förderung, Forderung und freier Tagesgestaltung heraus. Grundsätzlich sah der Stundenplan vor, dass ich morgens mit auf die Visite gehe und danach jeden Tag in ein anderes Department wie „Cath lab“, Echokardiographie, EKG, Herzchirurgie, Belastungs-EKG in der „Rapid Assessment Unit“ reinschnupperte.
Montagnachmittag wurden meist kliniknahe Vorlesungen gehalten, die das Wort interaktiv nun wirklich einmal verdienen und einen ganz nebenbei aber auch mit typisch britischem Humor amüsieren. Egal wann und in welcher Abteilung ich aufgetaucht bin, es war wirklich jeder äußerst bemüht, mich ganz selbstverständlich und vor allem von sich aus an seinem Wissen teilhaben zu lassen. Insbesondere das neu errichtete "Catheter Lab" hatte mein Interesse geweckt, in dem ich ganz neue Interventionen wie eine „TAVI“ (Transcatheter Aortic Valve Implantation) oder ein "mitral clipping" verfolgen konnte. Auch auf dem Gebiet der Elektrophysiologie ist diese Abteilung nicht nur gut ausgestattet, sondern dank Dr. Davies auch international im Zuge der Ausbildung begehrt.
Nachdem es für die Studenten dieses Colleges üblich war, immer wieder ein bis zwei Stunden die Bibliothek zu nutzen, hatte auch ich die Chance, mich immer ein wenig über die klinisch-theoretischen Grundlagen der Kardiologie oder die speziellen Anwendungen auf den Abteilungen zu informieren und mich sogar auch schon ein wenig aufs Examen vorzubereiten. Und bei allem blieb nachmittags sogar noch genügend Zeit zum „Sightseeing“ übrig.
BewerbungKontakt zu einem englischen „Consultant“ in Großbritannien aufzunehmen, stellt sich insofern geringfügig schwerer dar, da das NHS System (National Health Service) nur sehr zurückhaltend Namen oder Emailadressen des Personals angibt. Mir hat der Internetauftritt der Klinik, insbesondere der Trailer auf der Homepage, recht gut gefallen und ich habe deshalb einfach auf gut Glück einen Brief mit Anschreiben und Lebenslauf an die Kardiologie geschickt.
Ausgerechnet mitten in London und mit einer derartigen Bewerbung auf Erfolg zu stoßen, fand ich schon sehr unrealistisch, aber so kann man sich täuschen. Mein Consultant war von Anfang an äußerst freundlich und schleuste mich ins „Pre-Work-Experience-Program“ ein. Dies stellte sich nach meinem anfänglichen Misstrauen, ob sie wirklich verstanden hatten, dass ich schon eine kleine Zeitlang studiere, als beiderseitiger Vorteil heraus. Die Abteilung erhielt nämlich für mich einen Förderbetrag durch die Stadt und ich sparte mir die, wenn auch geringe Studiengebühr von 100 Pfund / Monat bei trotzdem vollem Studentenstatus (d.h. Zugang zur Fakultät, Bibliothek- und Internetbenutzung, kostenlose Schwimmbadbenutzung ...).
Unterkunft & Tipps Camden Town: Shopping – Eldorado für alle |
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Leider konnte mir das College auch nach mehrfachen Anfragen an verschiedenen Stellen keine Studentenunterkunft zur Verfügung stellen. Aber einen Blick auf die Homepage des Colleges zu werfen, wäre es für eventuell folgende PJ’ler trotzdem wert. Eine Unterkunft in Zentral London kann teils schwierig zu finden und vor allem teuer sein. Nachdem das Krankenhaus aber sehr zentral in der Nähe des Hyde Parks gelegen ist und ich schließlich nach der Arbeit mehr Zeit mit Sightseeing als mit U-Bahn-Fahren verbringen wollte, wünschte ich mir auch eine Wohnung in der Zone 1 oder 2. Die preiswerteste Lösung ist wohl ein „Flatshare“ (Homepage siehe „Weiterführende Links“). Allerdings sollte man im eigenen Interesse selbst gut selektieren und viele seriöse Engländer scheuen auch davor zurück, einen Untermieter zu akzeptieren, den sie vorher nicht treffen können. In vielen Studentenwohnheimen kann man während der Semesterferien (ab Ende Mai) ein Zimmer zur Zwischenmiete übernehmen. Einige internationale Studentenwohnheime haben auf mich einen recht netten Eindruck gemacht. Oft ist das Essen inbegriffen, man kann angeben, mit wie vielen Personen man bereit wäre, ein Zimmer zu teilen. Vom sozialen Aspekt her sind diese Wohnheime sicher zu empfehlen. Allerdings ist London von den Mietpreisen her ein teures Pflaster und mir persönlich ist aufgefallen, dass es für zwei Monate relativ schwierig ist, eine nicht allzu horrend teure Unterkunft zu finden. Für die "long term" - Konditionen muss man meist ein ganzes Semester oder zumindest drei Monate bleiben. Außerdem muss man sich um einen Platz im Studentenwohnheim bewerben und erhält die Zu- oder Absage relativ kurzfristig. Folgende Unterkünfte haben bei mir einen ganz netten Eindruck hinterlassen: - International Lutheran Student Centre / The Augustana Centre 30, Thanet Street
- City YMCA London, 8 Errol Street, London EC1Y 8SE
- Lee Abbey International Students’ Club, 57-67 Lexham Gardens, Kensington, W8 6JJ
- International Students’ House, 229 Great Portland Street London W1W 5PN, (Homepage siehe “Weiterführende Links”)
Wer gerne Kontakt zu Engländern knüpfen möchte, für den wäre eventuell auch eine Gastfamilie eine Idee (Homepages siehe „Weiterführende Links“). Dieser Abschnitt ist aus einem bestimmten Grund etwas ausführlicher geraten, denn ich hoffe damit die Suche nach einem Zimmer für andere Studenten etwas zu erleichtern. Ich persönlich war anfangs nämlich sehr geschockt über die Kosten eines Zimmers in London. Umso dankbarer war ich folglich auch über die finanzielle Entlastung durch das Allianz- Reisestipendium. ( Weitere Infos zu den Reisestipendien der Allianz). Flüge nach London sind bekannter Weise sehr günstig zu erwerben. Lufthansa fliegt zum Beispiel von München aus dreimal täglich für ca. 100.- Euro. Wer zeitlich flexibel ist, kann aber auch weit günstigere Flüge zu weniger günstigen Tageszeiten erwerben. Mit etwas Glück z.B. bei Air Lingus für 50.- Euro hin und Rückflug. Nur ein kleiner Tipp meinerseits: Das U-Bahn Ticket von Heathrow Airport in die Innenstadt kostet mit der „Oyster Card“ nur 2,40 Pfund, wobei Bus und Bahn von den anderen Flughäfen Luton / Gatwick aus um die 15.- Pfund kosten. Sollten also die Flüge ungefähr gleich teuer sein, ist es wohl einfacher und günstiger, von Heathrow aus zu fliegen.
Mein Fazit Big Ben – Wahrzeichen Londons |
| Insgesamt kann ich allen eventuell noch Unentschlossenen nur zu einem PJ in London raten, denn für mich war es an dieser Klinik die perfekte Mischung aus Teaching, Freiraum zum Nachlesen und Freizeit.
Wer allerdings viel praktisch arbeiten möchte, sollte doch darauf achten, einen größeren Anteil des PJ in Deutschland zu absolvieren. Denn Blutentnahmen, Aufnahmen oder Punktionen gehören in England einfach nicht routinemäßig zu den Aufgaben eines Studenten. Doch das mag manch einer auch als Vorteil sehen.
Insgesamt hatte ich zwei sehr schöne Monate in London und wünsche jedem nachfolgenden PJ‘ler viel Glück bei der Bewerbung.
W., J. Stipendiat/-in der Allianz Privaten Krankenversicherungs-AG
Regensburg, Juli 2009
Weitere Infos zu den Reisestipendien der Allianz |