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Transplantationschirurgie, John Radcliffe Hospital, Oxford, Großbritannien
(Was zählt, ist das Team, 06.02. - 02.04.2006)

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Das Krankenhaus
Zu meiner Arbeit
Oxford
Fazit

Warum gerade nach Oxford?


Worcester College Oxford
Die University of Oxford ist der Klassiker der europäischen Geschichte, mit alterwürdigem Campus, den berühmtesten Bücher in den tollsten Bibliotheken wie „Bodleian Library“ und „Radcliffe Camera“ und dazu das sagenhafte „Oxford University Museum of Natural History“, in dem Alices Dodo ausgestellt ist. Daneben die 39 offiziellen universitären „colleges“ und sieben „private halls“, die man alle mit dem Studentenausweis, den man umsonst bekommt, besichtigen kann. Zu erwähnen ist z.B. das „Christ Church College“, in dessen „hall“ Harry Potter gedreht wurde, aber das Bauwerk an sich dazu ermuntern sollte, sich zum „formal dinner“ einladen zu lassen.

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Bewerbung

Nachdem ich mehrfach Absagen bei den regulären Bewerbungsverfahren der englischen Austauschprogramme erhalten hatte, beschloss ich, einen anderen Bewerbungsweg zu wählen. Man hat wohl in England, so mein Eindruck, ein ernsthaftes Problem mit unserem PJ, da es nicht so recht in ihren Ausbildungsverlauf passt. Der Absagegrund lautet oft: „You are too advanced“ – nicht zu verstehen die Briten. Die beste Idee ist aus meiner Sicht, sich an einen Eurer Professoren zu wenden und nach Englandkontakten und Empfehlungen zu fragen, denn dann umgeht man die universitäre Bürokratie und landet wesentlich entspannter im Königreich.

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Das Krankenhaus

Das Stammgelände ist das sog. John Radcliffe Hospital („Jay aR“). Daneben gibt es die Radcliffe Infirmary (Onkologie) und das Churchill Hospital. Es komplettiert das JR mit seinen Schwerpunkten Urologie, Niere, Palliativmedizin und dem Transplantationszentrum.


Zu meiner Arbeit

Ich war zu Gast bei Professor Peter Friend oder liebevoll einfach nur Prof. genannt. Er leitet die gesamte Viszeralchirurgie und ist daneben noch Chef des Transplantationszentrums. Derzeit werden Niere und Pankreas transplantiert, demnächst kommen wohl Darm und Leber hinzu. Der monatliche Durchschnitt liegt bei ca. 20-25 Nieren und 8-10 Pankreas.

Die „transplant ward“ hat derzeit neun Betten, allesamt Intensivplätze, und wird gerade weiter ausgebaut. Die Ärzte verstehen sich als Transplantationsmediziner, das heißt, das gesamte Präoperative und der „follow up“ sind in einer kompetenten Hand und man bekommt Gelegenheit, alle Bereiche zu durchkämmen.

Für die Station sind zwei SHOs („senior house officer“ – Assistenzärzte) zuständig, Du als PJ’ler sowie 4-5 „registrars“ (Ärzte in der Facharztweiterbildung) und natürlich alle möglichen „transplant consultants“ (Oberärzte). Der „älteste“ seiner Art ist jeweils der Ranghöchste. Die täglichen Aufgaben beginnen mit den nicht erledigten Blutabnahmen und der Visite, bei der Zeit für Fragen und Lehre ist. Dann teilen sich die „registrars“ auf die Ambulanz auf, die SHOs auf Station und OP, und man selbst auf alle drei. Abhängig vom jeweiligen Bereich arbeitet man sich insbesondere in die Nierenphysiologie ein, die immunsuppressive Therapieregime, erlernt Strategien bei unklaren Infektionen nach Transplantion, betreibt Intensivmedizin - und lernt wirklich viel.

Unheimlich erfahren sind auch die „consultants“, allen voran Dr. Anil Vaidya. Und ihnen liegt am Herzen, Dir etwas mit auf den Weg zu geben. Das geht über die stationäre Arbeit bis hin zum OP. Sie nehmen sich die Zeit, komplizierte OP-Techniken weiterzugeben, lassen Dich nicht abtreten, bevor Du genauso nähst wie sie. Man bekommt Gelegenheit, unter Aufsicht den „back-table“ zur Organaufbereitung zu übernehmen. Laufen einmal keine Transplantationen, so ist im normal chirurgischen Programm genug Gelegenheit für Betätigung.

Absoluter Höhepunkt sind die „retrievals“, meistens nachts um 1.00 Uhr, aber für ein Erlebnis der besonderen Art ist eine kleine Reise quer durch Großbritannien zur Organentnahme mehr als spannend. Und daneben lehrreich….

Wer denkt, es geht hier nur ums Arbeiten, hat das unheimlich tolle Team, das dahinter steht, übersehen. Hat übersehen, dass, wenn sich die Zeit ergibt, man gemeinsam ins Pub zum Essen geht, mit dem Vorteil im teuren England, dass der Ranghöchste immer die Rechnung übernimmt, und man sich nur blamiert, wenn man selber ein Bier ausgeben möchte. Dies ist zwar nur ein kleines, unwesentliches monetäres Detail, aber es gibt einem das gute Gefühl dazuzugehören, respektiert zu werden, und auch ein wenig honoriert zu werden, für das, was man erlernt und anwendet.

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Oxford


Musical Oxford
England ist ein Land, das sich als große Insel sieht, und nicht als Teil der EU. Es ist bekannt für furchtbares Essen und feinen „five o’clock tea“. Zum Frühstück gibt es „black tea, egg and beans“. Wer dies nicht mag, für den gibt es ansonsten in jedem Supermarkt Marmelade, Toastbrot und rindfleischfreie Wurst.


Zum Klima ist zu sagen, es ist oft regnerisch bewölkt, manchmal scheint aber auch die Sonne – eben typisch englisches Wetter.

Und man versteht es zu feiern. Da Oxford eine studentische Stadt ist, findet man fast alles, von der Cocktailbar bis zum Kellerklub. Daneben gibt es immer wieder zahlreiche college Feste. Zu empfehlen sind die „Pubs“ an der „Cowley Road“. Nicht zu empfehlen dagegen, ist britisches Bier, das diesen Namen eigentlich nicht verdient. Aber man findet in jedem Supermarkt sowie den meisten Bars (≠ Pub) spanische und indische Biersorten, die das Leben erträglich machen.

An dieser Stelle noch ein Tipp zum Essen: neben sagenhaften indischen und Thai-Restaurants findet sich im Stadtteil „Headington“, meiner Meinung nach, mit „Yummi“ der beste Chinese der Welt ausserhalb Chinas.

Zum Preisniveau ist zu sagen, dass dies wohl mit das teuerste PJ-Tertial überhaupt ist - und Ihr seid noch nicht in London gewesen. Hinzu kommt die Miete. Die Unterkunft des Krankenhauses liegt bei ca. £300, darunter wird man nichts bekommen. Das Geld ist immer relativ schnell weg.

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Fazit

Wer die Briten als steifes unfreundliches Inselvolk in Erinnerung hat, wird eines besseren belehrt. England ist zu einer völlig multikulturellen Gesellschaft herangewachsen und begegnet Eurem Interesse mit höchster Aufrichtigkeit. Jeder hier war bemüht, einem neben dem Gewöhnlichen noch das absolute Sahnehäubchen beizubringen.

Was zählt, ist das Team, und dieses ist so stark wie sein schwächstes Glied. Diesen Wandel in einer Gesellschaft, die lange als steif und egozentrisch galt, was man durchaus noch finden kann, wenn man möchte, wird man nicht vergessen. Und man wird noch häufig in einem langen Berufsleben darauf zurückgreifen müssen.

Es war ein tolles Tertial.

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F., J.
Regensburg, Juli 2006
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