Bewerbung und Vorbereitung
Unterkunft und Organisatorisches
Semesteranfang
Studium an der Universität Zürich
Anerkennung
Lebenshaltung und Kosten
Leben in Zürich
Fazit
Bewerbung und VorbereitungEin Studienjahr mit Alpenblick in der „little big city“! In Zürich zu studieren, war für mich eine wunderbare Erfahrung mit dem Prädikat: Traumstadt!
Für mich begann das Auslandsstudium mit einer relativ unkomplizierten, wenig zeitaufwendigen Vorbereitung im April 2003. Die Medizinische Fakultät der Universität Hamburg hatte eine Kooperation mit der Universität Zürich. Somit musste ich mich nur formlos in Hamburg mit Lebenslauf und Foto bewerben, der Rest war ziemlich easy.
Unterkunft und OrganisatorischesZur Zimmersuche flog ich Anfang September mit einem billig Flieger von Köln nach Zürich, wo ich relativ preisgünstig im City Backpacker Hotel „Bieber“ übernachtete. Vorab hatte ich mir über diverse Homepages einige Besichtigungstermine für WGs organisiert, so dass ich vor Ort nicht noch viel telefonieren musste (Handy „natel“, prepaidcard „sunrise“). Aushänge waren noch an der ETH Polyterasse und der Uni Mensa. Um einen Wohnheimplatz sollte man sich schon 3-5 Monate vorher kümmern.
Ich selbst habe im Kreis 4 in einer 3er WG gewohnt. Es war ein absoluter Glücksgriff. Mit zwei weiteren Deutschen, einer Schauspielstudentin und einem BWL’ler, hatten wir eine Jugendwohnung, die mich dann auch nur 450 sFr im Monat kostete - in grandioser Lage. Es war zufällig grad die erste Wohnung, die ich mir angesehen hatte und den Mietvertrag konnte ich auch noch vor Abflug unterschreiben. Viele meiner Freunde hatten in Wohnheimen gewohnt, wo immer etwas los war und viele Leute kennen zu lernen waren, was sicherlich auch eine Alternative wäre.
Wer frisch oder früh in Zürich eintrifft und noch keinen UniAccess besitzt, der hat trotzdem die Möglichkeit, ins Internet zu kommen und zwar über PCs vor der ETH-Bibliothek (H-Stock, ETH-Hauptgebäude) und in der Mediziner Bibliothek hinter dem Universitätsspital (USZ).
Das Erasmus-Stipendium wird anders als beim Austausch mit andern EU-Ländern vom Gastland Schweiz (Universität Zürich) ausgezahlt und beträgt derzeit 220 sFr./Monat. Es wird für 10 Monate gewährt und soll eine Art Unterstützung für Fahrtkosten und Studienmaterialien sein. Mit dieser Bescheinigung geht man zur Universitätskasse, wo einem das Stipendium bar nach folgendem Schlüssel ausgezahlt wird: 50% zum Wintersemester, 40% zum SoSe und 10% nach Ausfüllen eines Online-Abschlussberichts.
SemesteranfangDen Semesteranfang erwartete ich natürlich mit Spannung und einer gewissen Nervosität, interessante neue Leute kennen zu lernen und eine spezielle Ungewissheit zu spüren. Der erste Tag an der Uni war wirklich gut organisiert. Alle Erasmusstudenten wurden zu einem Informationsvormittag eingeladen, bei dem es um die wichtigsten Infos über das Studium, die Versicherung und um die Meldung beim Kreisbüro ging. Und das Wichtigste - die Auszahlungsbescheinigung des ersten Teils des Stipendiums und der Studentenausweis „Legi“. Danach sind wir mit dem Medizinergrüppchen ins Dekanat gegangen, um Herrn Dr. Gerke zu begrüßen und unsere Stundenpläne abzuholen.
Auf der Homepage des „Erasmus Student Network“ (esn) gab es alle Party- und Veranstaltungsinformationen. Die nehmen einen wirklich an die Hand und erleichtern einem das Wohlfühlen und den Zugang zu den anderen Erasis ungemein - sehr „lässig“! Über die regelmäßig stattfindenden Erasmus Partys und Ausflüge ergaben sich schnell nette internationale Kontakte und in den klinischen Kursen lernte ich dann auch die Schweizer Medizinerkollegen (sehr hilfreich siehe hier auch Fachverein Medizin „FVmed“, eine Organisation von Studenten für Studenten der medizinischen Fakultät der Universität Zürich) näher kennen, auch wenn hier der Kontakt nie so eng war wie zu den anderen Erasis. Insgesamt war es aber kein Problem, nette Leute kennen zu lernen. Auf viele Schweizer muss man allerdings „aktiv“ zugehen! Es blieb aber natürlich auch noch genügend Zeit für Ausflüge und Skifahren, was ja auch mit zu einem Erasmusjahr dazugehört. Hier kann ich nur empfehlen, viele der Erasmusaktivitäten mitzunehmen: Citytrips, Skitouren sowieso, Eurodinner etc.
Leider hieß es, nach dem Wintersemester schon wieder Abschied zu nehmen von vielen neuen Freunden, die Zürich nur ein halbes Jahr gebucht hatten.
Studium an der Universität ZürichGemäß meiner Kurse, die ich in Hamburg im 3. und 4. klinischen Semester hätte absolvieren müssen, habe ich meine Kurse gemäß dem 4.Studienjahr in der Schweiz gewählt. Von Oktober 2003 bis Juli 2004 war ich an der medizinischen Fakultät der Universität Zürich eingeschrieben. Das medizinische Dekanat in Zürich war sehr kooperativ, denn dort konnte man auch noch kurzfristige Wünsche in der Kursplanung ändern.
Das Studium war vor allem viel praxisorientierter. Sogar für die Vorlesungen lohnte sich das frühe Aufstehen – zusätzlich auch um Kontakte zu knüpfen, Freunde zu treffen und Kaffee zu trinken. Die Motivation der Dozenten, die Vorlesungen werden überwiegend von Chef- und Oberärzten durchgeführt, überträgt sich schnell auf die Studenten, so dass sogar die freiwilligen Vorlesungen vormittags gut besucht sind. An U-Kursen, die immer nachmittags stattfanden und großzügige Fehlzeiten hatten, kann ich in jedem Fall Gynäkologie, Innere, Psychiatrie, Dermatologie und Kinder empfehlen.
Auch an Zürich ging eine Studienreform nicht vorbei, man sollte sich also um die neuen Studienverläufe im Vorfeld informieren. In der Klinik kann man Kurse aus dem 4. und dem 6. Studienjahr belegen. Unser PJ ist das Wahlstudienjahr (WSJ) in der Schweiz und findet dort im 5. Jahr statt. Die Nachweise für die Kurse wurden am Ende des Kurses in das Testatheft eingetragen und unterschrieben. Die Dozenten bringen einem wirklich etwas bei und man sollte sich auch nicht scheuen, das Angebot, den Unterricht auf hochdeutsch zu halten, anzunehmen, denn gerade zu Anfang ist „Mundart“ nicht immer so leicht verständlich.
AnerkennungZur Wahl der einzelnen Kurse sollte man sich vorher an seiner Heimat Universität informieren, welche U-Kurse („Bedside-Teaching“) man in welchen Fächern belegen sollte. Das Dekanat in Hamburg vergleicht die Semesterwochenstunden, die man z.B. im Kinder U-Kurs in Zürich gehabt hat mit den Vorgaben aus Hamburg. Es wird entschieden, ob man Prüfungen nach zu holen hat bzw. die Semesterwochenstunden aus Zürich ausreichen. In Zürich ist es wichtig, dass man sich alle Vorlesungen und Kurse/Seminare testieren lässt. Das heißt, man lässt sich seine Teilnahme auf einem Laufzettel zum Ende des Semesters mit der Unterschrift eines Dozenten bestätigen, was völlig problemlos ist. Hier ist Herr Dr. Gerke auch eine sehr kooperative Hilfe.
Das Dekanat der medizinischen Fakultät in Hamburg ist sehr hilfsbereit und erkennt normalerweise großzügig die in Zürich erbrachten Studienleistungen an. Schließlich hat man etwas Gutes getan, ein Jahr im Ausland zu studieren, hat viel gelernt und neue, ungewisse und großartige Erfahrungen gesammelt. Somit wird wert darauf gelegt, dass mit einem Auslandsaufenthalt keine Nachteile entstehen sollen.
Lebenshaltung und KostenLebensmittel sind bis auf wenige Ausnahmen deutlich teurer als in Deutschland. Dies gilt insbesondere für Gemüse, Milchprodukte, Wurst- und Fleischwaren sowie alkoholische Getränke. Billig sind dagegen Zigaretten und Brot, was man üblicherweise im Supermarkt kauft. Die Auswahl ist groß, Vollkornbrotvarianten gibt es aber nur wenige. Von den Supermärkten ist „Coop“ der teuerste - hat allerdings auch die beste Auswahl an Markenprodukten. „Migros“ ist einer der „billigeren“ Supermärkte mit nur gesunden Schweizer Produkten, also kein Alkohol und keine Zigaretten. Daneben ist aber fast immer ein „Denner“ oder ein „Pick Pay“. Dies sind Dicounter ähnlich wie „Lidl“ oder „Penny“ in Deutschland.
Wenn man seine Mahlzeiten nach den Aktionen der Supermärkte richtet, kann man schon ein paar Franken sparen. Die „Migros“ im Hauptbahnhof und der „Coop“ im Bahnhof Stadelhofen haben auch Samstag und Sonntag bis 20.00 Uhr geöffnet. Die Preise sind hier nicht höher als anderswo.
Ansonsten kann ich eindringlich die Second-Hand-Läden, die „Brockenhäuser“ empfehlen - für Möbel, CDs, Klamotten und vieles praktisches mehr. Ich hatte mir dort einen relativ günstigen „old school“ Schrank gekauft. Es gibt sie in großer Zahl z.B. an der „Hardtbrücke“ und an der „Josefstrasse“. Im Sommer gibt es außerdem Flohmärkte am „Bürkli“- und am „Helvetiaplatz“. Am Helvetiaplatz hatte ich selbst auch im Sommer öfter einen Stand und konnte somit noch einige Franken dazu verdienen. Ab 5.30 Uhr kann man eine Nummer ziehen und wird in dieser Reihenfolge ab 7.00 Uhr stürmisch auf den Platz gelassen, im Kampf um die besten Plätze. Allerdings benötigt man einen B-Ausländerausweis, den man per Zufall bei der Meldung bekommt oder man leiht sich einen bei Freunden. Es wird pro m² bezahlt, für einen kleinen Stand ca. 12 sFr.
Des Weiteren hatte ich auch als Sitzwache im „Balgrist Spital“ gearbeitet, wo man 28sFr pro Stunde verdient. Einfach dort anrufen und arbeiten. Das Geld bekommt man an der Spitalskasse auch sofort ausgezahlt. Im USZ ist es auch möglich zu Arbeiten, dort sind aber nur begrenzte Sitzwacheneinstellungen, aber trotzdem immer probieren.
Es gibt mehrere Mensen. Die zwei größten sind die Uni-Mensa und die Mensa Polyterrasse (ETH). Beide unterscheiden sie sich nicht großartig. Das Essen ist wirklich tiptop, wird auf Tellern serviert und bar bezahlt. Aber immer die „Legi“ mitbringen, denn sonst gibt es keinen Studententarif. Die größte Auswahl hat man an der Uni-Mensa (derzeit 5,40 Fr. für die meisten Menüs). Es gibt immer ein vegetarisches Essen, Pasta, Salatbuffet, Wok und Grill. Pasta ist prima, denn davon, wie auch bei den Menüs, kann man sich nachnehmen. Wasser ist immer gratis dazu aus Wasserspendern mit Lichtschranke - high tech. Ein absoluter Tipp ist die „BQM Bar“ an der Polyterasse - chillige Musik mit einem traumhaften Blick über Zürich, von Studenten für Studenten.
Erreichbar ist Zürich mit dem Flugzeug, „Air-Berlin“ und „Germanwings“ - sind derzeit die Billigflieger, die von Deutschland aus fliegen. Die Schweiz ist das Land der Bahnfahrer. Das dichte Streckennetz, der hohe Zugtakt, Pünktlichkeit und immer freie Plätze sind Balsam für DB geplagte Zugfans ... Wer hier öfters unterwegs ist oder ab und zu mal nach Hause fährt, für den lohnt sich das „Halbtax“, die Schweizer Bahncard: 50% auf alle Preise und allen Strecken und auch Ermäßigungen im Zürcher Stadtverkehr. Sie kostet 150 sFr. und gilt ein Jahr. Für Skifahrer/Boarder mit Halbtax gibt’s übrigens ganz gute Pauschalangebote (Bahn und Skipass). Wer 99 sFr. drauflegt und unter 26 Jahre ist, kann das „Gleis 7“ dazu erwerben und fährt ab 19.00 Uhr abends bis Betriebsschluss umsonst (außer im Zürcher Stadtnetz), was auch in S-Bahnen gilt. Innerhalb Zürich gibt es S-Bahnen, Straßenbahnen „Trams“ und Busse. Die Einzelfahrt kostet 3,60 sFr., da lohnt sich schnell das Monats-Verbundbillett (derzeit 50 sFr. Für Studenten). Ein Semesterticket existiert nicht.
Zürich gehört zu den teuersten Städten der Welt. Wer sparsam ist bzw. isst und nicht jeden Abend plant wegzugehen, kann mit etwa 700 sFr./Monat plus Miete hinkommen. Nicht eingerechnet sind darin Monatskarte und Bücherkosten, Wochenendtrips und Heimfahrten. Speziell im ersten Monat benötigt man sicher deutlich mehr Geld, da man zusätzliche Ausgaben für Kautionen, Anmeldegebühren und evtl. neue Möbel hat.
Leben in ZürichDie „Zürcher“ lieben vor allem ihren Sommer, was ich als hauptberuflicher Wintersportler dann auch erst im Sommer so richtig verstanden habe: Baden im See mit Alpenblick, Freiluftkino, Kaffeetrinken auf dem „Üetliberg“, Chillen am Zürichhorn, Klettertouren in der Nähe, Radtouren im „Züriumland“...
Die Uni Zürich bietet zusammen mit der ETH ein reichhaltiges Sportangebot an. Vor allem Skilager im Winter und Segelkurse im Sommer gehören zu den Highlights. Verantwortlich für den Uni Sport ist der „ASVZ“ (akademischer Sportverband Zürich), der jeweils zu Semesterbeginn auch eine kleine Broschüre herausgibt, in der das komplette Angebot aufgelistet ist. Die wichtigsten Sportstätten befinden sich unter der Polyterrasse (ETH) und in „Fluntern“ auf dem „Züriberg“. Hier sind die meisten Angebote kostenlos, vielfach muss man sich aber 30 min vorher anmelden z.B. fürs Spinning. Krafträume sind für jeden mit „Legi“ zugänglich und in Fluntern auch am Wochenende geöffnet.
Weggehen heißt in der Schweiz „in Usgang go“ und hier kann Zürich seine Trumpfkarte ausspielen. Es ist für wirklich jeden etwas dabei. Und ganz gleich für was man sich entscheidet, man wählt immer das Beste tagesaktuell in den „20min“, der kostenlosen Minimalzeitung für Zürich, die morgens an jeder Tramhaltestelle ausliegt.
Das Schauspielhaus Zürich hat zwei Spielorte: „Pfauen“ und „Schiffbauhalle/Box“. Studentenkarten gibt’s ab 12 sFr. aufwärts, super last minute Preise für die besten Plätze zehn Minuten vor Vorstellungsbeginn. Außerdem gibt es noch weitere kleinere Theater mit unregelmäßigen Aufführungen und Preisen, wo ich besonders das Theater an der „Sihl“, der Schauspielschule empfehlen kann.
In den Clubs geht es hier wie in Hamburg nicht vor 23.00 Uhr los. Am Wochenende sind Eintrittspreise von 15 sFr und mehr allerdings nicht selten. Die Kinos zeigen immer die aktuellsten Filme im Original mit deutschen und französischen Untertiteln. Preise liegen zwischen 15-18 sFr. Wer bei Credit Suisse ein Konto hat, kann günstiger gucken. Montags ist Kinotag für 12 sFr. Auch an Uni und ETH gibt es immer wieder Filmvorführungen mit Programmkino. Im Sommer heißt es dann speziell Augen auf: Es gibt zahlreiche Open-Air-Kino Events. Erasmus Partys finden meist einmal im Monat im „StuZ“ (Studentisches Zentrum) statt. Diese sollte man auf keinen Fall verpassen, denn hier lernt man neue Leute kennen und hat auch sonst jede Menge Spaß. Neben den wie bei uns üblichen Fachschaftspartys gibt es bei den Zürcher Studis noch was ganz Spezielles: die Kantonsfeste, also z.B. „Basler“ oder „Bündner Fescht“, Tessiner Party etc., jeweils veranstaltet von Studenten aus den entsprechenden Kantonen.
Noch ganz wichtig! Man begrüßt sich offiziell mit „Grüezi“, ansonsten hallo, „ciao“, „hoi“. Mädels werden mit Wangenküsschen begrüßt - dreimal, links beginnend.
FazitSowohl, was das Studium angeht, als auch das Leben und Feiern mit den Leuten dort, sind meine Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen worden. Und Zürich gilt nicht umsonst als eine der Städte mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Höhepunkte waren für mich stets die Erasmusaktivitäten (Ski- und Wanderwochenende, Radtouren, Stadtbesichtigungen, Partys), die dank der tollen Organisation von Schweizer Seite aus realisiert werden konnten. Und ich denke, wer fast ein Jahr lang Abwechslung in Studium und Alltag genossen hat, der kommt auch gerne und zufrieden wieder zurück. Nun gilt es die Kontakte nach Zürich, Prag und Locarno zu pflegen, denn es ist solch eine Bereicherung, sich von den einheimischen Freunden das Nachbarland zeigen zu lassen.
Wer sich für Zürich entscheidet, wird es nie vergessen und immer wiederkommen!
W., H.
Hamburg, März 2005 |