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Schon immer wollte ich ein Semester meines Studiums im Ausland absolvieren. Die Frage war nur, wann vielleicht der günstigste Zeitpunkt dafür sein würde. Diesen habe ich für mich gefunden und zudem mit Lyon eine tolle Stadt. Und was die medizinische Ausbildung betrifft? Ich sollte herausragende Praktika bzw. „Stages“ erleben, aber auch weniger gute. Ein Auslandssemester in Lyon - Meine Beweggründe
Anreise
Unterkunft
Organisatorisches vor Ort
Das CAF
Das Studium
Leben in Lyon
Fazit
Ein Auslandssemester in Lyon - Meine BeweggründeVon September 2006 bis Februar 2007 verbrachte ich das 6.klinische Semester an der Universität Claude Bernard I in Lyon. Der Zeitpunkt, im letzten Semester vor dem PJ ins Ausland zu gehen, stand für mich schon länger fest. Meine Beweggründe? Man hat in diesem Semester die wichtigsten theoretischen Scheine zusammen und es sind nur noch wenige Praktika zu absolvieren.
Anreise Der Löwe von Lyon |
| Es gibt mehrere Möglichkeiten, um nach Lyon zu kommen. Einer der günstigsten ist wohl die Anfahrt mit dem Bus. Die Busgesellschaft“ Euroliners“ bietet eine preiswerte Option. Für 48.- Euro habt Ihr die Möglichkeit, mit viel Gepäck aus vielen Städten Deutschlands ans Ziel zu kommen. Wenn Ihr mit etwas weniger Gepäck unterwegs seid, gibt es bei Lufthansa sehr oft Angebote für 99.- Euro Hin- und Rückflug für die Strecke Lyon-Frankfurt. Es lohnt sich schon bis zu zwei Monate vorher zu buchen, da der gleiche Flug einen Monat später schon 499.- Euro kosten kann. Also rechtzeitig planen!
Am Flughafen von Lyon gibt es die Möglichkeit mit einem Pendelbus, dem so genannten „Statobus“ in die Stadt zu kommen. Dieser ist zugegeben teuer, fast 9.- Euro für eine Fahrt von knappen 20 Minuten, aber trotzdem sehr praktisch. Er kommt alle 20 Minuten und bringt Euch auch noch zu später Stunde noch Lyon.
UnterkunftEine WG von Deutschland aus zu finden, gestaltet sich ziemlich schwierig. Ich hatte daher ein Zimmer im Studentenwohnheim „Mermoz“ gemietet. Das Wohnheim liegt im 8. Arrondissement, was nicht gerade zentral ist. Die Anbindung ist aber relativ gut, da man mit der „D Linie“ in einer viertel Stunde in der Stadt ist. Die Metro fährt bis kurz nach Mitternacht. Aber keine Sorge, die Buslinie „pleine lune“ bringt Euch ab 1.00 Uhr bis 4.00 Uhr morgens von der Stadt sicher direkt vor die Wohnheimtore von „Mermoz“.
Um auf das Wohnheim zurück zu kommen, muss ich sagen, dass der einzige Vorteil dieses Domizils der unschlagbare Preis ist! Zieht man das Wohngeld ab, bezahlt man 98.- Euro.
Angesichts dieses Mietpreises, liegt es auf der Hand, dass man da manchmal beide Augen zudrücken muss. Mit dem 9 m² Zimmer kann man sich noch anfreunden, weniger mit der Küche - einem spartanisch eingerichteten Raum mit zwei Herdplatten und zwei Mikrowellen für 60 Leute. Lädt alles andere, als zum gemütlichen Kochen ein, aber man gewöhnt sich schließlich an alles. Auch die Sanitäranlagen des Wohnheimes waren so gegen das Wochenende hin eher in einem weniger ansehnlichen Zustand.
Wer in ein Studentenheim geht, um schneller Anschluss an die französischen Studenten zu finden, der irrt sich. Die lustige Geselligkeit, die man aus der Heimat kennt, ist hier weit gefehlt. Über ein flüchtiges“ Bonjour“ hinaus, kommt ein Gespräch mit den Mitbewohnern nur langsam in Gang. Also Geduld mitbringen.
Ein weiteres Manko ist der fehlende Kühlschrank! Es gibt aber oft die Möglichkeit, einen „second- hand“ Kühlschrank vom ausziehenden Nachbarn günstig zu ergattern. Für 6.- Euro im Monat gibt es auch die Verbindung zur Außenwelt: das Internet. Man kann von Glück reden, wenn es mal funktioniert, aber man ist froh, dass man es hat. Wer auf die Dauer von den eher campingähnlichen Wohnverhältnissen in „Mermoz“ Abstand gewinnen möchte, dem empfehle ich die Internetseite „Colocation“ (siehe Weiterführende Links). Auf diesem Wege kann man mit etwas Glück nette WGs finden, die dank des Wohngeldes auch bezahlbar sind.
Organisatorisches vor Ort Lyon |
| Eure erste Anlaufstelle ist das Büro für internationale Angelegenheiten an der Fakultät „Granche Blanche“ und die dortige Ansprechperson für ausländische Studenten.
Für die Einschreibung benötigt Ihr folgende Unterlagen:
- Studienbescheinigung, Studentenausweis
- Impfbuch
- Bescheinigung einer bestehenden Berufshaftpflichtversicherung (zuerst die eigene Universität fragen)
- Personalausweis, Pass
- Fotos
Weiterhin braucht Ihr eine Haftpflichtversicherung, die so genannte „Responsabilité civile“, die Ihr fürs Wohnheim braucht. Manchmal gibt es ein Studenten-Paket bei einer Bank und wenn Ihr sowieso ein Konto eröffnen wollt, gibt es für Studenten spezielle Angebote, wobei Ihr dann bei der Eröffnung eines Kontos ein „all-round“ Versicherungspaket bekommt. Ich würde Euch die „Credit Lyonais“ empfehlen. Diese Bank hat bereits viel Erfahrung mit ausländischen Studenten und ist bei Kündigungen sehr kulant.
Um ein Konto zu eröffnen, benötigt Ihr folgende Unterlagen:
- Personalausweis
- Carte de Résidence
- Studienbescheinigung der französischen Universität
Das CAFUm das „Caisse d'Allocations Familiales“ CAF, das so genannte Wohngeld zu erhalten, benötigt Ihr einen Mietvertrag oder die Bescheinigung des Studentenwohnheims. Der Antrag, den man benötigt, ist auf der Internetseite der CAF (siehe Weiterführende Links) zu finden. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, die Unterlagen auszudrucken, dann klickt Euch durch, druckt sie aus und gebt die Papiere bei der CAF ab. Damit erspart Ihr Euch lange Wartezeiten, da das Büro am Anfang des Semesters sehr überlaufen ist.
Ihr benötigt folgende Unterlagen für das CAF:
- Kopie des Personalausweises
- Ausgedruckten Antrag auf Wohngeld
- Mietvertrag bzw. Wohnheimsbescheinigung
- Euren Kontonachweis
Das StudiumDas Studium besteht aus dem „Stage“, Praktikum am Vormittag im Krankenhaus, und einzelnen Modulen, thematische Vorlesung am Nachmittag. Die „Stages“ dauern meist drei Monate und sind oft sehr überlaufen.
Was das medizinische Französisch angeht, ist es zu Anfang etwas schwer, da es viele Abkürzungen gibt, die nicht der internationalen Nomenklatur entsprechen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten gewöhnt man sich allerdings ziemlich schnell daran, da im Allgemeinen die lateinischen Fachbegriffe verwendet werden.
Wie auch in Deutschland, gibt es in Lyon Praktika, die sehr empfehlenswert sind und wiederum andere, die, auf den Punkt gebracht, ihre Zeit nicht wert sind. Hier gebe ich Euch eine kleine Liste der „Stages“, die sich wirklich lohnen: - Dermatologie bei Professor Thomas
Hier lernt und seht Ihr viel von der Dermatologie! Sehr nettes Ambiente! - Ophtalmologie bei Professor Burillon
Eines der besten Praktika! Ihr bekommt die ganze Bandbreite der Augenheilkunde gezeigt, könnt im OP dabei sein und nehmt teil an der Konsultation. Abgesehen davon, ist die Dame unglaublich herzlich! - Neurologie bei Professor Broussolle
Dies war wohl eines der besten Praktika in meinem gesamten Studium! Ihr lernt unheimlich viel, werdet einbezogen und kriegt sehr viel erklärt! Spätestens nach dem Praktikum habt Ihr ihn bestimmt ins Herz geschlossen.
Die etwas weniger guten Praktika: - Pediatrie bei Professor Cochat
Hier heißt es nur Akten sortieren und einräumen. Mit Medizin hatte dieses Praktikum nur wenig zu tun. Meiner Meinung nach, pure Zeitverschwendung. Ich war auf der Hepato-Gastro, Station S4! Ich hoffe sehr, dass die Studenten auf anderen Stationen etwas mehr lernen konnten! - Chirurgie viscérale bei Professor Tissot
Sehr überfülltes „Stage“! Da wir sehr viele waren, war der Lerneffekt nicht sehr groß und die Möglichkeiten aktiv einbezogen zu werden, dementsprechend gering. Trotz allem hat man sich bemüht, uns etwas zu zeigen, was bei der Anzahl der Studenten sicher nicht leicht war.
Leben in Lyon Typische Hausfassade in Lyon |
| Was die Freizeitgestaltung angeht, hat Lyon wirklich viel zu bieten. Obwohl Lyon eine Großstadt ist, findet man sich recht schnell zurecht. Besonders schön ist die „Presq’ile“, hier ist der typische französische Flair allgegenwärtig. „Vieux Lyon“ ist ein Stadtteil aus der Renaissance und gehört wohl zu den etwas touristischeren Orten der Stadt. Hier gibt es aber die besten Crêpes.
Hat man Lust auf etwas Natur, so ist der „Parc de la Tête d’Or“ genau das richtige Ausflugsziel. Hier gibt es einen Botanischen Garten, einen Zoo und einen See, auf dem man im Sommer Tretboot fahren kann. Nach Aussagen der Lyonnaiser, ist dies der größte Stadtpark Europas. Aber überzeugt euch selbst!
Der Stadtteil „Croix Rousse“, auf einem Hügel gelegen, ist mit seinen Kneipen und Cafés ein Treffpunkt für junge Leute. Ein kleiner Geheimtipp für Jazzliebhaber und Freunde von Live-Musik ist der „Hot-Club“. Hier treten fast jeden Abend, im urigen Ambiente eines Weinkellers, Musiker aus aller Welt auf.
Einer großen Beliebtheit erfreuen sich auch die so genannten Tanzboote auf der Rhône
Hier kann man auf Booten wie dem „Sirius“, der „Marquise“ und vielen anderen bis in den Morgengrauen das Tanzbein schwingen oder auch nur gemütlich ein Gläschen trinken. Wer sich der kulinarischen Seite zuwenden möchte, dem empfehle ich die „Rue Mercière“. Hier befindet sich ein Restaurant neben dem anderen. Ihr habt also die Qual der Wahl. Wer nur ein schönes Café sucht, wird hier ebenfalls fündig. In einer Seitenstraße, der „Rue de la Monnaie“, liegt die „L’Epicerie“ - ein unglaublich süßes Café mit noch süßeren Köstlichkeiten! Wer unbedingt darauf beharrt, die gewöhnungsbedürftige Lyonnaiser Küche auszuprobieren, dem sei empfohlen, dies in „Vieux Lyon“ zu tun. Hier findet sich ein „Bouchon“ neben dem anderen.
Lust auf Kino? Im „Institut Lumière“ findet man für besonders studentenfreundliche 3.- Euro eine interessante Auswahl an ausländischen Filmen, alten Klassikern und vielen Themenabenden …
Einen guten Überblick, was so kulturell gerade aktuell ist, bietet der „Petit Bulletin“. Ein Format wie der „Frankfurter Fritz“, informiert über sämtliche kulturelle Veranstaltungen der Woche. Von großem Nutzen ist auch der „Petit Paumé“. Ein kleines Buch, das einmal im Jahr erscheint und alle Restaurants, Discos und Kneipen der Stadt aufführt und bewertet.
Wer sich etwas sportlicher betätigen will, dem bietet der Uni-Sport eine breite Auswahl. Denkt daran, Euch rechtzeitig anzumelden, beliebte Kurse sind schnell überfüllt! Die Nähe Lyons zu den Bergen schafft im Winter die Möglichkeit, in die umliegenden Skigebiete zu fahren. Schon ab 35.- Euro könnt Ihr einen Tag im Schnee verbringen. Inklusive Skipass, Busfahrt und einer kleinen Stärkung. Infos findet man unter der Internetseite „Skimania“ (siehe Weiterführende Links).
Lyons günstige Lage erlaubt es, innerhalb kurzer Zeit in die Schweiz, Genf ist z.B. nur eineinhalb Stunden von Lyon entfernt, oder an das Mittelmeer zu fahren. Mit dem TGV ist man zudem in eineinhalb Stunden in Marseille! Wer unter 25 Jahre alt ist und vorhat, viel Zug zu fahren, dem sei die Karte „12-25“ zu empfehlen. Diese Karte kostet 50.- Euro und erlaubt Euch, ein Jahr lang die Bahntickets 50 Prozent billiger zu kaufen.
Fazit Cathédrale von Saint-Jean |
| Das Semester in Lyon war für mich eine unvergessliche Zeit. Die Stadt ist wirklich schön und bietet sehr viele Freizeitmöglichkeiten. Abgesehen davon, hat man hier die Chance, viele Leute unterschiedlicher Nationalitäten kennen zu lernen. Wer also mit dem Gedanken spielt, nach Lyon zu gehen, dem sei gesagt, dass es bestimmt eine gute Wahl ist!
Was die „Stages“ angeht, ist es Glückssache, ob Ihr etwas lernen könnt oder nicht! Aber spätestens jetzt wisst Ihr, was sich lohnt und was weniger gut ist!
H., B.
Frankfurt am Main, Februar 2007 |