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Erasmusstudium, University of Kuopio, Finnland
(Mein Semester in Kuopio - mit die beste Zeit meines Studiums!, 01.09. - 31.12.2008)

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Finnland - das schweigsame Land im hohen Norden. Rentierherden, Tannenwälder, zahlreiche Seen und wenig Menschen - gleichzeitig ein hoch technologisches Land mit florierender Wirtschaft, der Metropole Helsinki und einer ausgezeichneten Bildungspolitik.

Gerade diese scheinbaren Widersprüche machten mich neugierig auf Finnland, und so nutzte ich im Wintersemester 2008/2009 die Gelegenheit, mit dem ERASMUS-Programm von September bis Ende Dezember an der University of Kuopio zu studieren. Zu dieser Zeit befand ich mich im neunten Fachsemester, es gab daher auch noch genug Kurse, die ich noch nicht gemacht hatte und somit in Finnland machen konnte.

Vorbereitungen
Mein Studium an der Universität
Unterkunft und Finanzielles
Kuopio und Umgebung
Kontakte
Fazit

Vorbereitungen


University of Kuopio
Da ich mit dem ERASMUS-Programm nach Finnland gegangen bin, hatte ich mich vorher über das Auslandsamt meiner Heimatuniversität für das Programm beworben. Auch bei einem selbstorganisiertem Aufenthalt sollte man ungefähr ein Jahr im Voraus anfangen, sich zu bewerben.

Da Finnland zur EU gehört, reicht ein Personalausweis aus. Da man aber von dort aus bequem Ausflüge nach z.B. Russland (Visumspflicht) machen kann, empfiehlt sich auch die Mitnahme des Reisepasses.

Ich bin sehr günstig mit einem Flug von Frankfurt nach Helsinki und von dort aus weiter nach Kuopio angereist, man kann aber auch von Helsinki aus den Zug nehmen. Da nur 20kg Gepäck erlaubt sind, sollte man nur das Nötigste einpacken. Im Winter wird es sehr kalt, um die -10°C oder kälter, und so hatte ich Winterstiefel, eine warme Jacke, eine Skihose für Skiausflüge und warme Unterwäsche dabei. Diese Sachen kann man auch sehr günstig in Finnland kaufen, also wer sie noch nicht hat, kann sie problemlos vor Ort kaufen.

Je früher man den Flug buchen kann, desto günstiger wird es. Insbesondere wenn der Rückflug um Weihnachten und Neujahr liegt, kann es sonst recht teuer werden. Um Versicherungen sollte man sich ebenfalls rechtzeitig kümmern.

Wenn man in Finnland Medizin studiert, muss man eine Reihe von Untersuchungen vorher machen, man bekommt aber im Vorfeld eine Liste von der Universität. So musste ich ein Röntgen-Thorax (wegen Tuberkulose), einen MRSA-Abstrich Nase und Rachen, eine Salmonellen Stuhlprobe, eine allgemeine körperliche Untersuchung, einen Hepatitis Test und einen Impfnachweis für Hepatitis B abgeben.

Ansonsten hatten sich meine weiteren Vorbereitungen darauf beschränkt, dass ich mich im Internet schlau gemacht und mir den „Baedecker“ Reiseführer für Finnland gekauft habe. Der „Baedecker“ hat schöne Bilder in Farbe und viele interessante Infos auch zu Geschichte, Kultur und Essen. Ich kann jedoch auch den „Lonely Planet“ - Reiseführer empfehlen, da dieser doch mehr Tipps hat, die für ein Studentenbudget geeignet sind.

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Mein Studium an der Universität


Im Neurologie Kurs
Die University of Kuopio ist eine der wichtigsten Universitäten des Landes und besonders spezialisiert auf die Bereiche Medizin und Gesundheitswesen. Es werden für diverse Studienrichtungen viele Kurse auf Englisch für Austauschstudenten angeboten, so auch in Medizin. Es gibt hierbei Kurse, die im Herbstsemester angeboten werden und Kurse, die dann im Frühjahr laufen. Auf der Homepage der Universität findet man aktuelle Informationen.

Begonnen hat mein Studienaufenthalt mit einer Einführungswoche, die man mit den anderen Austauschstudenten aller Fachrichtungen zusammen hatte. Uns wurde die Uni vorgestellt, die Stadt gezeigt und wir haben viele nützliche Informationen erhalten. Wenn man wollte, hat man auch einen finnischen Studenten als Tutor zur Seite gestellt bekommen. Ich habe dies als sehr hilfreich und angenehm empfunden. Meine Tutorin war eine gleichaltrige Medizinstudentin, die mit mir viel Organisatorisches erledigt hat und mit der ich mich privat auch mal auf einen Kaffe treffen konnte.

Mein Studium in Finnland habe ich durchweg als sehr positiv und lehrreich empfunden. Ich hatte verschiedene Blockkurse gewählt: Klinische Chemie, “Infectious disease” (also angewandte Mikrobiologie, Infektiologie und Immunologie), “Pulmonary diseases” und Neurologie mit anschließender Neurochirurgie. In den Kursen waren wir meist vier bis zehn Studenten und der Unterricht fand auf Englisch statt. Bücher und Materialien wurden meist von den Dozenten gestellt oder wir konnten sie aus der Bibliothek ausleihen. Von der Universität aus hat man auch ein Kontingent von ungefähr 200 Ausdrucken, wenn man mehr drucken will, muss man mehr bezahlen.

Im zweiwöchigen “Infectious disease” Kurs hatten wir neben der Vorlesung auch immer Fallbeispiele als Hausaufgabe mitbekommen und diese dann am nächsten Tag gemeinsam mit unserem Dozenten besprochen. Hierbei haben wir uns hauptsächlich auf die in Europa üblichen Erreger beschränkt, jedoch auch wichtige Tropenerkrankungen wie Malaria behandelt.

In Klinischer Chemie setzte sich der zweiwöchige Blockkurs zusammen aus Vorlesung und praktischen Kurstagen, in denen wir dann die Theorie in die Praxis umgesetzt haben, z.B. haben wir unser eigenes Blut im Labor und unter dem Mikroskop untersucht.

Im einwöchigen “Pulmonary disease” Kurs haben wir uns hauptsächlich mit Asthma und dem Lungenemphysem beschäftigt und nach der Vorlesung regelmäßig Patienten auskultiert sowie Röntgenbilder analysiert.

Besonders die Kurse Neurologie (zweiwöchig) und Neurochirurgie (einwöchig) waren sehr praxisorientiert. So hatten wir in Neurologie immer eine Vorlesung zum jeweiligen Thema, dann Studentenreferate und anschließend sind wir auf Station gegangen, um unter Anleitung der Dozenten eine körperliche neurologische Untersuchung vorzunehmen. Oft waren in den Seminaren auch Patienten, die dann vom Dozenten vorgestellt und untersucht wurden. In der Neurochirurgie hatte man ebenfalls die Gelegenheit, für einen Tag in den OP zu gehen. Ich konnte dabei eine sehr interessante Resektion eines Hirntumors ansehen.

Insgesamt kann ich sagen, dass die finnischen Dozenten sehr engagiert und freundlich sind. Das Studium ist praxisorientierter als in Deutschland und die Klausuren beschränken sich mehr auf wichtiges Grundlagenwissen als auf abgehobene Spezialfälle. Klausuren werden nicht mit Multiple Choice sondern in Essay-Form geschrieben, wobei man mehr als genug Zeit zum Schreiben hat. Ist man schon weiter im Studium, kann man im Universitätskrankenhaus auch PJ und praktische Kurse machen.

Für Medizinstudenten ist eine eigene Sekretärin zuständig. Mit dieser trifft man sich am Anfang des Aufenthaltes und kann Fragen stellen sowie das gewählte Kursprogramm besprechen.

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Unterkunft und Finanzielles

Gewohnt habe ich, wie die meisten anderen finnischen und ausländischen Studenten, im Studentenwohnheim, das von der Firma KUOPAS betrieben wird. Es gibt hierbei verschiedene Wohnheime zur Auswahl. Ich wohnte in „Pankkola“, das den kürzesten Weg zur Universität hat - zu Fuß acht Minuten bergab gehen. Man wohnt dort in einer Art dreier-WG mit gemeinsamer Küche und Bad, für mehr Geld bekommt man aber auch Einzel- Apartments. Das Zimmer ist möbliert und kostet so 250€ pro Monat, hierbei ist Strom, Wasser und Internet inklusive, für einen kleinen Aufpreis (ca. 10€) kann man auch Bettdecke und Kopfkissen bekommen. Einmal pro Woche ist die Sauna im Wohnheim umsonst, hierbei wird nach Männern und Frauen getrennt. Das Wohnheim ist sauber und recht ruhig, bei Problemen schickt die Firma KUOPAS schnell jemanden vorbei.

Für Wohnbedarf bietet das Studentensekretariat der University of Kuopio einen netten Service an. Für 35€ erhält man ein „Erste-Hilfe-Set“ mit den wichtigsten Dingen wie Bettwäsche, Kochutensilien und Geschirr. Bei Rückgabe bekommt man 25€ wieder. Ansonsten kann man in den Second Hand-Shops im Stadtzentrum sehr günstig von Kochgeschirr über Kleidung bis Möbel einkaufen.

Die Lebenshaltungskosten in Finnland sind ansonsten etwas teurer als in Deutschland, Lebensmittel kosten so z.B. ein wenig mehr. Unschlagbar ist die Mensa, in der man für 1,80€ ein Hauptgericht, Salat, Brot, Wasser und Saft/Milch bekommt.

Man kann kostenlos bei der „Nordea-Bank“ ein Konto eröffnen und erhält dann ebenfalls eine finnische Bankkarte. Zusätzlich sollte man etwas Geld mitnehmen für die vielen Studentenausflüge, die angeboten werden. So bin ich z.B. für unter 200€ nach Lappland gefahren oder habe einen Ausflug nach Stockholm gemacht. Sehr teuer ist jedoch der Alkohol. Man kann im Supermarkt nur Bier und Cidre kaufen und Hochprozentigeres muss man im „Alko-Shop“ kaufen. Weggehen, ist ohne Getränke ungefähr so teuer wie bei uns - außer in Helsinki, da kostet allein der Eintritt mindestens 10€.

In meinem Fall wurde der Aufenthalt durch das ERASMUS-Stipendium finanziell unterstützt. Die Höhe der Unterstützung ist von Uni zu Uni verschieden, ist aber meist nur eine Finanzierungshilfe.

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Kuopio und Umgebung


Auf Besichtigungstour - Der Dom in Helsinki
Kuopio ist mit rund 90.000 Einwohnern die achtgrößte Stadt in Finnland, aber für deutsche Verhältnisse eine recht kleine Stadt. Es bietet sich an, ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen, da Busfahren sonst recht teuer wird. Zu Fuß braucht man ansonsten ca. 45min zu Fuß in die Innenstadt. Kuopio ist sehr weit ausgebreitet, immer wieder sind kleine Wälder oder Seen zwischen den Stadtteilen. Die Universität liegt direkt am See und das Wohnheim am Wald, sodass man die ganze Zeit in der wunderschönen Natur Finnlands unterwegs ist.

In Ostfinnland ist die Landschaft geprägt von unzähligen Seen und Nadelwäldern und man kann spazieren gehen sowie auf dem Markt im Herbst frische Preiselbeeren und Pilze kaufen. Im Winter ist es oft recht dunkel, aber von November an liegt Schnee und hellt die Umgebung auf. Am berühmten „Puijo“-Aussichtsturm befinden sich auch eine Skisprungschanze, ein Ski Hang und eines der größten Langlaufgebiete Finnlands.

Da Kuopio eine große Universität hat, gibt es auch viele Clubs und Kneipen. Ich persönlich kann zum Weggehen das “Grand Virtanen” empfehlen und für Konzerte das “Henry’s”, hier laufen wenig Austauschstudenten herum.

Ansonsten kann man die Zeit auch nutzen, ein paar andere Ecken von Finnland kennen zu lernen. Lappland, nördlich des Polarkreises, ist faszinierend, mit Kälte, Polarlichtern, Rentieren und tollen Skigebieten. Helsinki ist auch einen Ausflug wert, insgesamt aber ein recht teures Pflaster.

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Kontakte

An der University of Kuopio gibt es sehr viele Austauschstudenten, sodass man schnell eine große Menge an unternehmungslustigen, netten Menschen kennenlernt. Es gibt auch viele Partys, gemeinsames Kochen, Kino etc. - man fühlt sich also nicht allein.

Ein bisschen einfallsreicher muss man jedoch sein, wenn man auch ein paar finnische Studenten finden möchte, da diese meist in anderen Kursen sitzen. Wenn man einen finnischen Tutor hat, ist schon der erste Schritt getan. Ich war auch im Chor der Universität, wir haben finnische Lieder gesungen und ich habe so viele nette Leute kennen gelernt. Die meisten Finnen sprechen sehr gutes Englisch, ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass ein paar finnische Worte das Eis brechen und die Menschen gesprächiger machen. Hierbei kann ich den Finnisch Kurs der Universität empfehlen. Die Finnen sind schon recht zurückhaltend und schüchtern, jedoch sind sie auch sehr freundlich als auch hilfsbereit und tauen nach einiger Zeit sichtbar auf.

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Fazit


Finnland – ein Wintermärchen
Für mich war das Semester in Kuopio mit die beste Zeit meines Studiums. Ich habe fachlich viel gelernt, besonders, was das Praktische angeht und zudem mein Englisch verbessert. Die Betreuung durch die Dozenten war sehr intensiv und die Lernatmosphäre angenehm. Man konnte ohne Stress lernen und hatte das Gefühl, richtig viel aus den Kursen mitnehmen zu können.

Gleichzeitig habe ich viele nette Leute aus allen möglichen Ländern kennen gelernt. Es war sehr spannend, vier Monate in Finnland zu leben und dabei die finnische Kultur und Sprache näher kennen zu lernen. Zudem habe ich dadurch viel über mich selbst gelernt und wichtige Erfahrungen gemacht.

Alle die überlegen, im Studium nach Finnland und besonders nach Kuopio zu gehen, kann ich nur ermutigen: Es ist wirklich eine einmalige, schöne und lehrreiche Erfahrung - viel Spaß!

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L., A.
Hannover, Januar 2009
News-Alarm