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Forschen in Südkalifornien – PCR im Paradies! Die Erfahrung, knapp ein Jahr im Ausland zu leben, ist etwas, das ich jedem empfehlen würde. Ich habe während meiner Zeit in San Diego eine Menge gearbeitet und trotzdem viel Freizeit gehabt. In einer solchen Umgebung kann Forschen viel Spaß machen! Motivation
Bewerbung
Laborsuche & Finanzierung
Visum & Anreise
Leben in San Diego, CA
San Diego / Südkalifornien
Die Arbeit im Labor
Fazit
Motivation Gut gelaunt im Labor in Kalifornien |
| Mit Beginn der Doktorarbeit stellte ich mich immer mehr der Frage, ob die Forschung nicht auch eine Zukunftsperspektive sein könnte. Parallel dazu bestand natürlich auch der Wunsch, “irgendetwas im Ausland” zu machen. Dieses Ausland sollte die USA sein, was Erasmus schon einmal ausschloss. Famulatur und PJ waren mir vom zeitlichen Rahmen zu knapp und von den finanziellen Fördermöglichkeiten her zu begrenzt.
Auf der Suche nach Programmen zum “prä-graduellen” Forschen stieß ich auf das „BioMedicalExchangeProgram“. Teilnehmern dieses Programms sollte ein Kontakt bzw. Labor in den USA und gegebenenfalls ein Stipendium des DAAD vermittelt werden. Zudem besteht ein großes Netzwerk ehemaliger BMEP‘ler, die einem später bei Jobs, PJ in den USA usw. behilflich sein können.
BewerbungFür die Bewerbung beim BioMedicalExchangeProgram (BMEP) benötigt man zwei (englischsprachige) Empfehlungsschreiben von Hochschullehrern. Hier kann man den Doktorvater, den Seminarleiter aus der Vorklinik oder irgendeinen anderen Professor/Privatdozent fragen. Hier kann sich Fachschaftsarbeit auszahlen. Man kennt dann häufig ein paar nette Profs, die gerne dazu bereit sind.
Weiterhin muss man einen „Letter of Motivation“ in Englisch schreiben, in dem man auf etwa einer Seite erklärt, warum man gerne ein Jahr in den USA forschen möchte. Hinzu kommen dann noch ein Lebenslauf und ein Bewerbungsformular.
Sind die Unterlagen akzeptiert, wird man zu einem Interview eingeladen. Hier wird man vom Leiter des Programms und ein bis zwei ehemaligen BMEP‘lern zu Motivation und allgemeinen Dingen befragt. Das Gespräch findet zum Teil auf Englisch statt. Ich hatte mir schon im Vorfeld ein Labor in den USA gesucht und das war kein Problem, denn so musste ich nicht mehr „vermittelt“ werden.
Laborsuche & Finanzierung Mein Labor im Burnham Institut |
| Ein geeignetes Labor zu finden, ist einfacher, als man denkt. Dies gilt allerdings nur dann, wenn man seine Finanzierung, also seinen Lebensunterhalt, selbst mitbringt. Man sollte dahingehend planen und hat, wenn man erst einmal drüben ist, im Verlauf immer noch die Möglichkeit, nach Geld zu fragen.
Die „Pis“ ( Principle Investigator, Arbeitsgruppenleiter) haben in der Regel genügend Mittel und unterstützen einen fleißigen Studenten gerne. Dies geschieht dann allerdings nicht in Form eines Gehaltes, denn das würde einen Arbeitsvertrag erfordern und eventuell Visumsprobleme verursachen. Das Zauberwort hier heißt „reimbursement“ - die Entschädigung. Man kann Euch nicht bezahlen, Euch aber alle möglichen Rechnungen begleichen. Ich habe mir zum Beispiel einen nicht ganz billigen Flug in die Heimat bezahlen lassen.
Je nach Ausgangslage kommen zur Finanzierung des Aufenthaltes verschiedene Wege in Frage. Oftmals kann über das Programm ein DAAD-Stipendium organisiert werden, das 300-400 Euro pro Monat beträgt. Alternativ kann man sich an der eigenen Universität um ein Doktorandenstipendium bemühen, so es „drüben“ denn um die Doktorarbeit geht, oder andere Institutionen wie z.B. die Boehringer-Ingelheim Stiftung anschreiben.
All dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass man in der Regel nur eine Teilfinanzierung erhält. Ihr solltet etwas Geld gespart haben, Unterstützung von den Eltern bekommen o.ä. Je nach Zielstadt und Dollarkurs braucht man 500-1.000 Euro im Monat.
Visum & AnreiseFür das Forschungsjahr in den USA benötigt Ihr ein „J-1 Visum“. Das Visum selbst ist hierbei das geringste Problem. Um es zu erhalten, braucht Ihr zunächst das sogenannte „DS-2019“. Dies ist ein Formular, das Eure Gastinstitution ausfüllen und schicken muss. Da man mit dem Ausstellen dieses Formulars für Euch bürgt, müsst Ihr in der Regel ein paar Sachen wie Euer Einkommen während der Zeit und z.B. eine Krankenversicherung nachweisen. Hier müsst Ihr hart am Ball bleiben, denn die Zeit geht sehr schnell vorbei und bevor das „DS-2019“ nicht da ist, könnt Ihr keinen Termin bei der Botschaft vereinbaren.
Für das Visum müsst Ihr etwa 200 Euro einkalkulieren. Zum einen kostet es selbst Geld, die Terminvereinbarung kostet Geld (ja, wirklich!) und eine weitere Gebühr fürs „Department for Homeland Security“ kommt noch dazu. Details findet Ihr auf der Seite der amerikanischen Botschaft.
Für den Flug sollte man sich überlegen, ob man in jedem Fall einmal zwischendurch nach Hause fliegen wird, oder ob man die ganze Zeit drüben bleiben möchte. Da es keine Flugtickets mit einem Rückflug in 10-12 Monaten gibt, kann es sich lohnen, die Gültigkeit des Tickets auf ein Jahr zu verlängern. In diesem Fall kann man – je nach Airline – relativ günstig nach ca. einem halben Jahr umbuchen. Fliegt man ohnehin zwischendurch nach Hause, erübrigt sich dies natürlich. Zwei Einzelflüge sind in der Regel die teuerste Variante, daher vorher gut informieren!
Leben in San Diego, CA Meine Unterkunft in San Diego |
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Ab hier wird’s „Südkalifornien-spezifisch“, denn nicht alles ist auf andere Städte in den USA so übertragbar!
Da es in San Diego eigentlich kein ernst zu nehmendes, öffentliches Transportsystem gibt, solltet Ihr Euch zügig um ein Fahrzeug bemühen. Für die ersten Tage solltet Ihr ein günstiges Hotelzimmer und einen Mietwagen haben - beides zu finden z.B. über die Internetseite „Kayak“ (siehe „Weiterführende Links“). 14 Tage sollte man hier durchaus einplanen. Wohnungs- und Fahrzeugsuche können schneller gehen, es kann aber auch wirklich zwei Wochen dauern. Zum Fahren reicht der deutsche Führerschein, den man, entgegen häufig anderer Angaben, hier die ganze Zeit verwenden kann.
Wenn Ihr unter 25 seid, solltet Ihr nicht zu den großen Verleihern gehen, denn diese verlangen dafür saftige Zuschläge. Hierfür gibt es zum Beispiel „Dirt Cheap Car Rental“, die super Angebote für Studenten haben und keinen Zuschlag verlangen. Man fährt dann nicht das neueste Auto, aber dies braucht man auch nicht. Ist man über 25, kann es sich lohnen, das Auto schon von Deutschland aus zu buchen, da man sich dann nicht um eine ausreichende Versicherung kümmern muss und es oftmals günstiger ist. Mietet man vor Ort, muss man darauf achten, Haftpflicht („Liability“), Vollkasko („Collision weaver“) und eine Versicherung gegen unterversicherte Fahrer („uninsured driver“) zu bekommen. Ich kenne auch Leute, die auf diese Versicherungen verzichten, aber mir wäre das zu heiß – auch wenn das den Mietpreis ungefähr verdoppelt.
Autos wie Wohnungen findet man am besten auf „craigslist“ (siehe „Weiterführende Links“). Das ist DIE Seite für alle möglichen Privatgeschäfte und ist um Dimensionen umfangreicher als Zeitungen o.ä.
Habt Ihr ein Auto gefunden, fast wichtiger als die Wohnung, denn Ihr wollt ja nicht ewig per Mietwagen zu den Wohnungsangeboten fahren, geht es an die Versicherung. Mit dem deutschen Führerschein gab es 2007 nur einen Anbieter - „progressive“ (siehe „Weiterführende Links“). Hier könnt Ihr auch als Ausländer vergleichsweise günstig eine Versicherung bekommen. Bei allen anderen braucht Ihr eine „Californian Drivers Licence“ und die bekommt Ihr nicht sofort.
Wohnungen solltet Ihr Euch genau ansehen, das allgemeine und vor allem das Hygieneniveau sind oftmals weit unter deutschen Standards. Je nachdem, wie weit Ihr fahren wollt, sollten Zimmer zwischen 400 und 800 Dollar kalt - ohne „Utilities“=Nebenkosten - zu haben sein.
In jedem Falle solltet Ihr Euch eine „Social Security Number“ besorgen. Hiermit könnt Ihr später z.B. einen Führerschein machen oder einen „Bank Account“ eröffnen. Die zuständigen Behörden findet man schnell via Google.
Alkohol in der Öffentlichkeit, im Auto (auch als Beifahrer!) oder am Strand ist verboten und dies wird recht streng gehandhabt. Für Bars etc. müsst Ihr immer Euren Reisepass dabei haben, der Personalausweis gilt nicht. Alternativ könnt Ihr einen Führerschein machen, der in den USA den Personalausweis quasi ersetzt. Diskussionen am Eingang von Clubs bringen nichts, ohne „ID“ kommt Ihr nicht rein – egal wie alt Ihr seid oder ausseht.
Eine Mitgliedschaft im „Triple A“ („AAA, America Automobile Association“) lohnt sich. Für ca. 50 Dollar im Jahr werdet Ihr bei Pannen kostenlos abgeschleppt und bekommt in vielen Hotels etc. Rabatt.
San Diego / Südkalifornien Blick auf San Diego Downtown |
| San Diego nennt sich selbst nicht umsonst „America's finest city“. Das Wetter ist praktisch immer gut! Regen gibt es an ca. 10 Tagen im Jahr, die tiefsten Temperaturen sind im Dezember/Januar bei etwa 5°C nachts. Richtig heiß wird es ebenfalls nur selten, so dass praktisch jeden Tag 15-25° sind, das ganze Jahr über! Zusammen mit der stets milden Brise vom Pazifik und den damit praktisch nicht existenten Allergenen ist Südkalifornien wettermäßig sicher eine der besten Gegenden der Welt.
Die Leute hier sind zwar etwas oberflächlich, aber sehr freundlich. Man ist immer entspannt und locker. An der Ampel hupt keiner, wenn es nicht sofort losgeht und passiert mal etwas Unschönes, regt man sich gar nicht erst auf. Als Deutscher ist das vielleicht zuerst etwas befremdlich, mit Hilfe des Wetters passt man sich aber sehr schnell diesem Lebensstil an und begreift schnell, welch hohe Lebensqualität man hier hat.
Kulturell hat die Stadt sicher etwas zu bieten, ist aber natürlich kein Vergleich zu den großen Städten der Ostküste oder San Francisco. Es gibt Theater, „Partyviertel“ und natürlich diverse Shopping-Malls. Museen sind eher spärlich vorhanden und nicht sehr gut. Herausragend ist indes der San Diego Zoo und natürlich „Sea World“ – ein Muss!
Dass man zwei Drittel des Jahres im Pazifik baden und Wellensurfen lernen kann, muss sicher nicht extra erwähnt werden. Aber auch das Umland hat viel zu bieten. Man kann in den Bergen wandern oder klettern gehen, Weingüter besuchen (sehr empfehlenswert!) oder auch mal einen Ausflug ins nur zwei Stunden entfernte Los Angeles unternehmen. Auch San Francisco ist in einem Tag zu erreichen, dann sollte man aber auch etwas bleiben (gut 800km Anfahrt...).
Kulinarisch bietet San Diego eine Menge. Man kann hier sehr gut italienisch, mexikanisch und asiatisch essen und sich dem US-typischen „FastFood“ gut entziehen. Überhaupt lebt man hier gesund und es ist kein Problem, einen tollen Salat zu bekommen - was in anderen Bundesstaaten durchaus anders sein kann.
Die Arbeit im Labor Das Burnham Institute for Medical Research in La Jolla |
| Ich war bei Barbara Ranscht im Burnham Institut for Medical Research in La Jolla, was ca. 20 km nördlich von San Diego, direkt am Ozean ist. Die Kollegen in meinem Labor, ja im ganzen Institut, waren ausgesprochen nett und auch hier dominiert der gelassene, „laid-back“ Lebens- bzw. Arbeitsstil. Fast täglich gab es Vorträge zu spannenden Forschungsthemen, eine gute Cafeteria, sprich Mensa, und viele Angebote „drum herum“ wie Fußballspiele, spezielle Englischkurse und „AfterWork-Events“.
Ein normaler Arbeitstag begann für mich um 9.30 Uhr, wobei die Zeiten letztlich einem selbst überlassen blieben. Einige Kollegen kamen erst mittags, andere um 7.00 Uhr morgens. Nicht selten muss man sich beim Forschen auch nach den Experimenten richten, die bestimmte Inkubationszeiten haben.
Innerhalb „meines“ Projektes gab es verschiedene Zwischenziele, die ich selbstständig - natürlich mit vielem Nachfragen - geplant und die entsprechenden Experimente durchgeführt habe. Western Blots, Immunhistologie, die Kultivierung von cerebellären Hirnschnitten aus Mäusen und viele andere Methoden lernte ich kennen.
Oft war ich tagelang mit „Troubleshooting“ beschäftigt, wenn mal etwas nicht klappte und die Motivation sank. Irgendwie ließen sich die meisten Probleme aber lösen und das gute Wetter gab mir jeden Morgen neue Kraft zum Weitermachen. Auch die Kollegen halfen immer weiter, wenn mal nichts mehr ging. Am Ende hatte ich mein erstes Projekt, die Charakterisierung eines neuen Antikörpers, erfolgreich abgeschlossen.
Das zweite Projekt, die Untersuchung der Ubiquitinierung eines bestimmten neuronalen Proteins, wurde leider nicht ganz fertig. Dennoch habe ich viel gelernt und würde es jederzeit wieder tun!
Fazit Die La Jolla Shores |
| Ich habe während meiner Zeit in San Diego eine Menge gearbeitet und trotzdem viel Freizeit gehabt. In einer solchen Umgebung kann Forschen viel Spaß machen!
Die Erfahrung, knapp ein Jahr im Ausland zu leben, ist etwas, das ich jedem empfehlen würde. Was am Anfang utopisch erscheint, ist letztlich nur eine etwas größere Menge Papierkram. Probleme jedweder Art geht man hinterher lockerer an bzw. schätzt die Dimensionen anders ein. Man lernt viel von den Kaliforniern: Die Freundlichkeit, die Entspanntheit, die Unkompliziertheit.
Andererseits lernt man auch Dinge hier zu Hause viel mehr zu schätzen: Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und natürlich das gute Essen. Man kennt hinterher sozusagen das Beste beider Welten. Für mich ist die amerikanische Westküste eine Art zweite Heimat geworden. Falls sich die Gelegenheit böte, würde ich sicher noch einmal ein paar Jahre „rübergehen“ - dann allerdings nach San Francisco!
B., M.
Berlin, Juni 2009 |