Geschichte
Initiallehrgang – 1. Tag
Initiallehrgang – 2. Tag
Weitere Informationen
Geschichte Atemwegsmanagement |
| Vor genau einem Jahr, am 01. April 2005, haben sich zehn Rettungsassistenten, Studenten des Studiengangs „Rescue Engineering“, Studenten der Humanmedizin und Notärzte in Hamburg zusammengefunden, um den Verein „Basic Trauma Life Support Germany e.V.“ zu gründen. Die Gründungsmitglieder kannten sich teilweise bereits seit vielen Jahren aus der Notfallmedizin und kamen in zahlreichen Gesprächen sowie durch Analyse der wissenschaftlichen Datenlage zu einem Ergebnis:
„Auch rund 50 Jahre nach Einführung eines organisierten Rettungsdienstes in Deutschland versterben immer noch Patienten oder erwerben eine Behinderung, weil Rettungskräfte nicht immer optimal auf diese Einsätze vorbereitet werden.“
Trotz vieler guter Ansätze gab es in Deutschland im Jahr 2005 immer noch kein einheitlich strukturiertes und evidenzbasiertes Ausbildungsprogramm für die medizinische Versorgung Schwerverletzter Menschen. Dabei gibt es seit 1982 ein solches Programm in den Vereinigten Staaten von Amerika, welches weltweit bereits in 25 Ländern erfolgreich Anwendung in der Ausbildung von Rettungskräften findet: „Basic Trauma Life Support“.
Genau ein Jahr nach Gründung des Vereins haben Florian Kühl (Vorsitzender) und die Mitglieder des Vereins BTLS Germany e.V. das Ausbildungsprogramm 2006 nach Deutschland gebracht. Unter der Leitung von Sabina Braithwaite, MD, FACEP (Professorin für Notfallmedizin an der Universität Virginia) fand vom 27. März bis 1. April in Hamburg die Schulung der ersten deutschen Instruktoren statt. Als Abschlussprüfung gaben diese am 31. März und 01. April den ersten öffentlichen BTLS- Kurs in Deutschland, unter Supervision der amerikanischen Kollegen.
Initiallehrgang – 1. Tag Patientenuntersuchung |
| Ab 7.30 Uhr ist „sign-in“. Jeder Lehrgangsteilnehmer gibt seinen ausgefüllten Pre-Test (Selbstkontrolle) ab und erhält Namensschild, Kursplan und weitere Informationen ausgehändigt.Pünktlich um 8.00 Uhr beginnt die theoretische Unterrichtseinheit für den ersten „Basic Trauma Life Support Advanced Lehrgang“ in Deutschland. In einer kurzen Begrüßung durch Florian Kühl (Vorsitzender von BTLS Germany e.V.) werden die amerikanischen Instruktoren vorgestellt: Sabina Braithwaite (MD, FACEP), Robert „Rob“ Braithwaite (Flight-Paramedic) und Edward „Fish“ Fisher (Paramedic und Feuerwehrmann).
Anschließend geht es unmittelbar mit dem Unterricht der Lehrbuch-Lektionen los. Da alle Lehrgangsteilnehmer bereits im Vorwege das Lehrbuch durcharbeiten müssen, dienen die theoretischen Unterrichtseinheiten vorwiegend der Rekapitulation und zur Klärung der offenen Fragen dazu. Entsprechend zügig geht es durch die Power- Point- Präsentation. Einheitlich strukturierte Folien mit praktischen Beispielen erleichtern es stets, einen roten Faden zu erkennen. Da dieser erste Kurs komplett in englischer Sprache gelehrt wird, stellt das Tempo hier und da doch mal eine kleine Herausforderung an die Konzentrationsfähigkeit dar. Da die Inhalte aber weitestgehend vom Lehrbuch bekannt sind, ist auch dies durchaus machbar und eine interessante Erfahrung. Die späteren öffentlichen Kurse werden selbstverständlich in deutscher Sprache durchgeführt.
Knapp eineinhalb Stunden später die erste Pause - „7 minutes break - we start at 9:23“. Wie sich sieben Minuten später herausstellt, war diese präzise Angabe durchaus ernst gemeint. Was zunächst vielleicht etwas ungewohnt pedantisch erscheinen mag, macht methodisch/didaktisch aber durchaus Sinn - es entstehen keine überflüssigen Pausen, man bleibt im Stofffluss und am Ende des Tages ist auch pünktlich Feierabend. Nur durch eine strenge und gut organisierte Zeitplanung lässt sich die Fülle an Programm in den zwei Tagen durcharbeiten.
Nach den Unterrichtseinheiten Umgang mit Blut, Infektionsschutz, Ersteinschätzung der Einsatzstelle, Patientenuntersuchung, Atemwegsmanagement, Schock, Thorax- und Abdominalverletzungen, Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen sowie Extremitätenverletzungen ist um 13.00 Uhr Mittagspause.Pünktlich um 14.00 Uhr geht es mit dem Training an den „skill-stations“ weiter. An insgesamt sechs Praxisstationen werden im Rotationsverfahren, je 40 Minuten lang, die entscheidenden Einzelmaßnahmen der präklinischen Traumaversorgung geübt. Die auf rund 350 qm verteilten Trainingsräume ermöglichen dabei einen störungsfreien Ablauf. Dabei kommen auf einen Ausbilder maximal drei Lehrgangsteilnehmer:- Patientenuntersuchung und schnelle Rettung aus Fahrzeugen
- Patientenuntersuchung und Schienung von Frakturen
- Patientenuntersuchung und Helmabnahme
- Atemwegsmanagement
- Erweitertes Atemwegsmanagement und Koniotomie
- Zentrale und periphere i.v.-Zugänge, intraossäre Zugänge und Thoraxentlastung
Gerade das Training der schnellen und strukturierten Patientenuntersuchung ist der entscheidende Unterschied zur bisherigen Ausbildung der Versorgung von verletzten Menschen in Deutschland. Der Untersuchungsablauf nach BTLS ist darauf ausgelegt, als erstes lebensbedrohliche Störungen zu erkennen und wenn möglich sofort zu beseitigen. Wenn dies, wie im Fall innerer Blutungen, außerhalb der Klinik nicht möglich ist, wird so schnell wie möglich der Transport ins Krankenhaus eingeleitet („load and go“). Dabei soll die Versorgungszeit vor Ort <10 Minuten betragen.
In Deutschland beträgt die präklinische Versorgungszeit von Traumapatienten nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) durchschnittlich 72 Minuten1! Dabei sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei perforierenden Verletzungen mit Blutungen aus parenchymatösen Organen pro drei Minuten um ein Prozent2.
Maßnahmen, die nach der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage nicht die Überlebensrate des Patienten verbessern, sollen nach BTLS- Empfehlung erst auf der Fahrt ins Krankenhaus getätigt werden (z.B. i.v.-Zugänge und Infusionen), um eine dringend nötige operative Versorgung nicht zu verzögern.Für die Ausbildung der Einzelmaßnahmen stehen jeweils hochwertige Trainingsgeräte zur Verfügung. So zum Beispiel ein künstlicher Brustkorb, an dem alle Schritte einer Thoraxentlastungspunktion durchgeführt werden können. Bei erfolgreicher Punktion strömt, wie in der Realität, Luft aus der Punktionskanüle aus. Ähnliche funktionelle Trainingsgeräte gibt es unter anderem für zentrale und periphere Venenzugänge, intraossäre Zugänge, für das Atemwegsmanagement und die Koniotomie. Das zur Verfügung stehende Verbrauchsmaterial ist mehr als großzügig bemessen, so dass jeder Teilnehmer ausgiebig seine praktischen Fertigkeiten trainieren und optimieren kann.
Nach einer kurzen Nachbesprechung und Auswertung des Pre-Test ist der erste Ausbildungstag dann um 18.30 Uhr beendet.
Initiallehrgang – 2. Tag Prüfung |
| Auch am zweiten Tag geht es pünktlich um 8.00 Uhr los. In der ersten Hälfte des Vormittags werden die weiteren theoretischen Kenntnisse vermittelt: Verbrennungen, schwangere Traumapatientinnen und Verletzungen im Kindesalter stehen auf dem Unterrichtsplan.
Anschließend geht es an die Umsetzung in die Praxis. Falldarsteller simulieren dabei echte verletzte Patienten. Durch den Einsatz professioneller realistischer Unfalldarstellung sehen die Verletzungen täuschend echt aus. Spätestens jetzt stellt sich heraus, ob die gelernten Untersuchungsabläufe und Maßnahmen verstanden wurden und beherrscht werden. Auch beim Training der verschiedenen Fallbeispiele entsteht durch das bewährte Rotationssystem kein Leerlauf - alle Teams sind kontinuierlich gefordert und üben ihre Einsatzabläufe für die praktische Prüfung.
Nach der Mittagspause findet der letzte Unterrichtsblock statt. Dabei geht es um verletzte geriatrische Menschen und den Umgang mit Patienten, die unter dem Einfluss von Drogen stehen.Ab 15.00 Uhr wird es Ernst. Zuerst die schriftliche Prüfung - 33 Fragen, 60 Minuten Zeit. Nur wer mindestens 86% der Fragen richtig beantwortet, kann bei einer sehr guten praktischen Leistung und persönlicher Eignung selbst Instruktor werden. Danach wird jedes Dreier-Team an drei verschiedenen Prüfungsstationen mit unterschiedlichen Unfallszenarien geprüft. Jeder Teilnehmer wechselt dabei von Station zu Station die Rolle im Team.
Um 17.15 Uhr hat die Ungewissheit ein Ende - die gute Vorbereitung des Kurses und das Üben der Abläufe hat sich gelohnt: alle Teilnehmer des Lehrgangs haben die Voraussetzung zum Instruktorlehrgang erfüllt.
In Gesprächen mit anderen Teilnehmern wird unisono festgestellt: Der BTLS- Kurs hat die positiven Erwartungen noch weit übertroffen. Die Lehrmethoden, der gut organisierte Ablauf und die Inhalte der Ausbildung sind vorbildlich durchdacht und werden dem Anspruch an eine wissenschaftlich evaluierte, zeitgemäße Versorgung von Traumapatienten gerecht.
Bei BTLS geht es nicht um die Vermittlung subjektiver Erfahrungen und Einzelmeinungen, sondern es handelt sich um ein evidenzbasiertes Ausbildungsprogramm, welches bereits in 25 Ländern weltweit erfolgreich eingesetzt wird.
Weitere Informationen Instruktoren |
| Nach der Akkreditierung durch die Mutterorganisation „International Trauma Life Support“ kann BTLS Germany e.V. in eigener Verantwortung Lehrgänge durchführen. Dafür sollen existierende Bildungseinrichtungen als Trainingzentren lizenziert werden.
Der Kurs ist durch die Landesärztekammer Hamburg akkreditiert und wird als ärztliche Fortbildung mit 26 CME- Punkten bewertet.
Weitere Informationen auf unserer Homepage (Siehe Weiterführende Links!)
Quellen:
1)Bericht über die Unfallmedizinische Tagung Mainz 2004, Bezugnahme auf Deutsches Traumaregister der DGU
2)Journal of Trauma 2001 (Clark)
Es folgt der Bericht zum Instruktorenlehrgang mit erstem öffentlichem BTLS- Kurs.
Patrick Weinmann, Stellvertretender Vorsitzender BTLS Germany e.V.
Hamburg, April 2006
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