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Anglo German Medical Society
(Die Deutsch-Englische Ärztevereinigung)

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Ein Beitrag zur europäischen Einigung
Working in Britain - Induction Course 2004
Working in Britain - Induction Course 2003

Ein Beitrag zur europäischen Einigung

Die deutsch-englische Ärztevereinigung (Anglo-German Medical Society, AGMS) wurde 1959 gemeinsam von englischen Ärzten, die im britischen Militärkrankenhaus in Münster stationiert waren und deutschen Medizinern aus Münster gegründet. Zunächst sollte die Vereinigung dazu dienen, Kollegen zu treffen, Fälle zu besprechen und Erfahrungen auszutauschen. Darüber hinaus sollten die durch den Zweiten Weltkrieg abgekühlten Beziehungen zwischen Deutschen und Engländern verbessert werden.

Fanden die Treffen zunächst unregelmäßig in Münster statt, wurden ab 1960 jedes Jahr dreitägige Konferenzen in Deutschland oder Großbritannien veranstaltet. Seitdem werden regelmäßig neben rein fachlichen Themen gesundheitspolitische Fragen, Organisation der verschiedenen Gesundheitssysteme und die jeweilige Medizinerausbildung diskutiert. Die AGMS versteht sich als Forum, das das Verständnis zwischen Briten und Deutschen fördern möchte. Durch die regelmäßigen Treffen soll ein Netzwerk aufgebaut werden, das Ärzten den Einstieg in das fremde Land erleichtert und ermöglicht, mit Anderen Erfahrungen auszutauschen.

Die Organisation fördert die Bewerbung junger Mediziner nach Deutschland oder Großbritannien. Eine Zeitlang im englischsprachigen Ausland zu arbeiten, ist ein wichtiger Karrierebaustein. Zudem profitieren gerade Deutsche, Österreicher oder Schweizer mit einem sehr theoretischen Studium von der exzellenten klinischen Ausbildung in Großbritannien. Leider nutzen bislang wenig Engländer die Möglichkeit, nach Deutschland zu gehen. Viele Länder des Commonwealth sind attraktiver für junge englische Ärzte, da die dortigen Gesundheitssysteme mit dem englischen vergleichbar sind und die Barriere einer fremden Sprache nicht besteht. Trotzdem sind die Mitglieder der AGMS optimistisch, dass in Zukunft der Austausch nicht als „Einbahnstraße“ gesehen wird. Durch Famulaturen, Treffen von Pflegepersonal, Ärzten und medizinischen Hochschulen soll ein beidseitiger Austausch ermöglicht werden.

Die AGMS möchte berufliche und private Kontakte zwischen Deutschland und Großbritannien fördern und somit ihren Beitrag zur europäischen Einigung leisten.

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Working in Britain - Induction Course 2004


„Oh, that´s Pimm´s. One of the most famous English longdrinks”
„Oh, That’s Pimm’s“

Skeptisch betrachtet der junge Arzt das Getränk, das ihm die junge Frau in die Hand gedrückt hat. Eine braune, perlende Flüssigkeit mit Eis, einer Zitronenscheibe und einem Stück Gurke als Deko. „What´s that?“, erkundigt er sich bei der Engländerin. „Oh, that´s Pimm´s. One of the most famous English longdrinks”. Skeptisch nimmt der Deutsche einen Schluck. Gar nicht schlecht, sehr erfrischend, nicht zu süß. Der Longdrink wird aus dem Softgetränk Pimm´s, Limonade, „ein bisschen“ Gin und Cointreau, Zitrone und Borretsch gemixt, verrät ihm die nette Engländerin. Der junge Deutsche spürt jetzt schon, wie ihm der Drink zu Kopf steigt. Doch die drei älteren Engländer neben ihm haben schon ohne erkennbare Nebenwirkungen das zweite Glas geleert. Es gibt wohl noch einiges, an das man sich in Großbritannien gewöhnen muss…

Induction Course 2004

Um das zu lernen, nahm der junge Mann am Einführungskurs der deutsch-englischen Ärztevereinigung (AGMS) teil, der wie jedes Jahr Anfang August in London stattfand. Zum fünften Mal vermittelten Mediziner und Fachleute jungen Medizinstudenten und Ärzten, die nach England gehen wollen, was anders ist im englischen Krankenhausalltag, gaben Tipps und Tricks für den Stationsalltag und lehrten Grundlagen im medizinischem Englisch. In drei Tagen lernten die deutschen Mediziner, wie man Anamnesen in England durchführt und dokumentiert, wie man sich englischen Patienten gegenüber verhält und den Fall seinem „ registrar“ (Oberarzt) vorstellt.

1. Tag

Auch in diesem Jahr fand der erste Tag im alten Saal des Rathauses in Degenham (Ostlondon) statt. Nach den ersten Vorträgen über den National Health Service, über bürokratische Regeln und Vorschriften als Mediziner in Großbritannien hatten sich die 60 Teilnehmer eine Pause und eine Erfrischung verdient. Gestärkt mit delikaten Schnittchen und beschwingt durch Pimm´s lauschten die Teilnehmer der Ansprache der Bürgermeisterin von Degenham. „We need you here in Great Britain, we have a lack of doctors!“ – was gibt es Schöneres zu hören für angehende oder fertige deutsche Ärzte? „Mich haben die Grußworte des Mayor of Barking and Dagenham sehr berührt, gaben sie uns doch nicht nur das Gefühl in England willkommen zu sein, sondern auch wirklich benötigt zu werden“, erinnert sich der Allgemeinmediziner Dr. G. W., der schon seinen Umzug nach Großbritannien plant. Für ihn und 14 weitere praktische Ärzte gab es bereits am Freitagvormittag die Möglichkeit, verschiedene Praxen zu besuchen und sich mit den Kollegen zu unterhalten. Die meisten waren daher bereits am Freitagmorgen angereist, um diese Möglichkeit wahrzunehmen.

Nach weiteren Ansprachen, vielen Danksagungen und Ehrungen kam endlich die erlösende Einladung der Bürgermeisterin, sich doch in den Nebenraum zu begeben, wo bereits das Essen wartete. Entgegen vieler Vorurteile der englischen Küche gegenüber war die kulinarische Versorgung auch in diesem Jahr wieder von besonderer Qualität. Ein Bufett mit vorwiegend indischen Köstlichkeiten, das es mit jedem 3 Sterne-Restaurant aufnehmen konnte. Bei gutem englischem Bier oder kühlem Weißwein lernte man sich kennen, tauschte Erfahrungen aus oder konnte Fragen an die jederzeit zu einem Gespräch bereiten Tutoren stellen. Bequem wurden die müden Teilnehmer später in ihre Unterkunft in der University of East London gefahren. Für viele ein ungewohntes, aber einmaliges Erlebnis: Die Zimmer der futuristisch anmutenden Universität sind in bunten, zylinderförmigen Häusern untergebracht und liegen nicht einmal 20 m neben der Themse. Doch die meisten konnten ihre Umgebung kaum mehr registrieren und fielen – sei es wegen Pimm´s, dem guten Essen oder der vielen Vorträge – todmüde ins Bett.

2. Tag

Am nächsten Tag wurden die Teilnehmer aktiv gefordert. Nach einigen Vorträgen, in denen „ history taking“ (Anamnese) und „ clerking patients“ (Patienten aufnehmen) mit beachtlicher schauspielerischer Leistung der Tutoren erklärt wurde, mussten die Teilnehmer selbst üben. In Workshops mit wenigen Teilnehmern simulierten die Tutoren Fälle, die die deutschen Mediziner zu lösen hatten. „Besonders die „on call“ Situationen waren sehr realistisch“, findet M. S., die zurzeit ihr praktisches Jahr absolviert und plant, ab nächsten Sommer auf der Insel zu leben. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass man das so real und intensiv üben kann!“ G. W. erinnert sich besonders gerne an die simulierten Fälle in der surgery: „Sehr berührt hat mich die Frau mit ihrem armen kranken Jamie. Ich hoffe wirklich, dass es ihm wieder gut geht!“ Der Einsatz der Tutoren als „Patienten“ war dabei so real, dass die Teilnehmer häufig dachten, einen „echten“ Kranken vor sich zu haben. „Die Tutorin A. V. verhielt sich in ihrer Rolle als Patientin einmal so zickig, dass ich sie nie als wirkliche Patientin haben möchte!“, erzählt G. W. Besuchte man die workshops, hatte man mitunter tatsächlich das Gefühl, in einer echten Praxis zu sein.

Für die 15 Fachärzte und 15 Assistenten hatte sich das AGMS-Team in diesem Jahr etwas Besonderes überlegt: „Wir haben zum ersten Mal eine Gruppe nur für Mediziner in der Weiterbildung und Fachärzte eingeplant“, erklärt Dr. Marcus Simmgen, Spezialist Registrar in London. „Diese Ärzte haben unserer Erfahrung nach viele Fragen administrativer Natur, beispielsweise die Anerkennung als Facharzt innerhalb der EU. Auf solche Fragen können wir in der großen Gruppe nicht genügend eingehen.“

Nach mehrstündigen intensiven Anamnesegesprächen, Nachfragen, Ausfragen und Diskussionen hatten sich Teilnehmer und Tutoren ein ausgiebiges „ chill out“ verdient. Auf dem Sportgelände des Veranstaltungsortes, der Firma Aventis, konnte man Fußballspielen, Joggen, Spazierengehen oder einfach nur im Gras sitzen, ein kühles Bier trinken und dem Sonnenuntergang zuschauen. Interessierte wurden von kundigen Briten in die Geheimnisse des Cricket-Spielens eingeführt und konnten sich darin üben. Doch die Regeln bleiben für viele Deutsche ein Geheimnis. „Ich habe immer noch nicht verstanden, wie das geht!“ ärgert sich D. S., Allgemeinmediziner aus Braunschweig. „Ich werde wohl den Kurs nächstes Jahr wieder belegen müssen, damit ich es endlich lerne“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Sport macht hungrig – nachdem die Sonne untergegangen und das Cricketfeld in der Dämmerung versank, fanden sich auch die letzten Cricketbegeisterten zum Abendessen ein: Wieder köstliches Essen, bei dem auch die in Großbritannien häufigen Vegetarier nicht vergessen wurden. Diskussionen und Gespräche wurden bis weit in die Nacht fortgesetzt und bei dem einen oder anderen Bier im Wohnheim beendet. Am Sonntagmorgen beugten sich daher einige Teilnehmer mit deutlichen Rändern unter den Augen über ihre Kaffetasse. „Einzig negativ am Kurs fand ich meine persönliche Konditionsschwäche am Sonntag Morgen“, erzählt G. W. „Aber es hat sich jede Minute gelohnt.“ Schnell wurden die Teilnehmer jedoch wach, denn nun sollten sie lernen, wie man einen Lebenslauf auf Englisch verfasst und seine Karriere plant. Nachmittags standen noch einmal „ workshops“ auf dem Programm, deren Ergebnisse die jungen Mediziner später präsentierten.

Fazit

Am späten Nachmittag war das Wochenende voller Informationen, Gespräche und Kontakte zu Ende. „Der Kurs hat alle meine Erwartungen erfüllt“, resumiert Dr. J. R., der plant, als Senior House Officer (SHO) nach Großbritannien zu gehen. „Die Abläufe in den britischen Krankenhäusern, Stellenbewerbung, viele Infos und Literaturhinweise – ich fühle mich jetzt richtig gut vorbereitet! Besonders hat mir gefallen, dass der Kurs auf Englisch ist.“ Einige Teilnehmer arbeiten inzwischen schon auf der Insel, manche haben eine Stelle in Aussicht. „Mein Arbeitgeber in Deutschland lässt mich erst zum Jahresende gehen“, erzählt D. S. „Er sagt, ich spiele einfach zu gut Cricket…“

Dr. Felicitas Witte

Mannheim, September 2004

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Working in Britain - Induction Course 2003

Windsor-Knoten?!

„ Könnte der junge Kollege bitte mal nach vorne kommen?” Der Angesprochene dreht sich Hilfe suchend um, doch genau er ist gemeint. „Könnten Sie mir mal demonstrieren, wie man eine Krawatte bindet? Aber bitte mit Windsor-Knoten.“ Der zukünftige AiP’ler geht nach vorne, verknotet etwas unbeholfen beide Enden der Krawatte, doch letztendlich sitzt der Knoten da, wo er hingehört. „Well done“, sagt Referent Dr. Thomas Hellwig von der AGMS und entlässt ihn auf seinen Platz.   Wie man eine Krawatte korrekt bindet, ist nicht das Einzige, was man können sollte, wenn man vorhat, als Mediziner nach Großbritannien zu gehen. Obwohl die Chancen, als junger Arzt in Deutschland eine Stelle zu bekommen, so gut sind wie lange nicht, entscheiden sich viele Mediziner, für einen Teil ihrer Ausbildung oder für immer nach England zu gehen.

Ärztemangel in England

Bis Ende des Jahres werden mehr als 1.000 ausländische Ärzte gesucht. Zurzeit arbeiten etwa 3.000 deutsche Ärzte in Großbritannien. Der Bedarf an ausländischen Ärzten, vor allem Allgemeinmedizinern, ist groß: „Die britische Regierung will das Gesundheitssystem bis zum Jahre 2010 grundlegend reformieren“, berichtet Claudia Huber vom britischen Generalkonsulat in Düsseldorf, „Es sollen mehr Studienplätze geschaffen und mehr Krankenschwestern und Ärzte eingestellt werden.“ Dieses sind vor allem Fachärzte, doch auch HOs („Junior House Officer, AiP’ler) und SHOs („Senior House Officer“, Assistenzärzte) werden dringend gesucht. „Wir brauchen Ärzte aus dem Ausland, denn es dauert zu lange, eigene Ärzte für den erhöhten Bedarf auszubilden“, erklärt der Intensivmediziner und Beauftragte des National Health Service (NHS) Dr. Steven Atherton. „Wir suchen bis Ende 2004 mehr als 1.000 Ärzte aus dem Ausland.“ Neben guten Stellenaussichten locken vor allem eine fundierte klinische Ausbildung und eine freundliche Arbeitsatmosphäre mit flachen Hierarchien deutsche Ärzte an.

Die Vorteile, als Mediziner nach England zu gehen, sind groß, doch die ersten Tage in einem fremden Land können nicht nur wegen gewöhnungsbedüftigem englischem Essen und Dauerregen anstrengend sein: Sprachprobleme mit Patienten und Kollegen, Unkenntnisse über das britische Gesundheitssystem, unbekannte Medikamentennamen, Bürokratie und Formalitäten führen zu Unsicherheit und dem Gefühl, mit allem überfordert zu sein.

Als deutscher Arzt in England

Sprachliche Schwierigkeiten sind das Geringste. Genau so ging es Dr. Christian Herzmann, als er 1999 sein praktisches Jahr (PJ) in Leeds begann. „Ich fühlte mich in den ersten Tagen ziemlich verloren“, erinnert sich der 31-jährige Assistenzarzt. „Vieles, was für meine Kollegen selbstverständlich war, musste ich mir erst mühsam abgucken und erarbeiten. Dabei waren die sprachlichen Probleme mit den vielen Abkürzungen noch das Geringste.“ Aus Neugier besuchte er damals zusammen mit seinem Komillitonen Dr. Thomas Hellwig die 40. Jahrestagung der deutsch-englischen Ärztevereinigung (Anglo German Medical Society, AGMS) in Nottingham. Thomas Hellwig hatte in London ähnliche Erfahrungen gemacht wie Christian Herzmann. Eines Abends, bei einem guten „ Pint of Guiness“ hatten die beiden engagierten Mediziner die Idee, einen Kurs für angehende deutsche Ärzte zu veranstalten. „Wir wollten nachfolgenden deutschen Ärzten die Angst vor der Fremde nehmen und den Einstieg in das britische Gesundheitssystem erleichtern“, erinnert sich Christian Herzmann. „Warum sollte jeder die gleichen Fehler machen, wenn man von den Erfahrungen anderer profitieren kann?“

Einführungskurs für deutsche Mediziner in England

Infos, Praxis und viel Spaß – dies alles sollte ein Kurs verbinden. Die Mitglieder der AGMS waren zwar skeptisch, sagten aber ihre Unterstützung zu. Noch während ihres PJ organisierten Christian Herzmann und Thomas Hellwig zusammen mit Dr. Annika Müller, die in England studierte und daher das englische Ausbildungssystem von der Pieke auf kannte, den ersten induction course. Das Seminar fand bereits im folgenden Jahr statt – mit großem Erfolg. „Zwei Wochen vor dem Kurs wollten wir das Ganze absagen, weil wir nur zehn Anmeldungen hatten“, erinnert sich Christian Herzmann. „Die Rahmenbedingungen waren sehr einfach: Die meisten kamen mit Schlafsack und Isomatte und abends gab es Pizza, die wir selbst holen mussten. Aber die Teilnehmer haben gemerkt, dass wir mit Leidenschaft dabei waren. Es hat allen großen Spaß gemacht.“

Das Engagement der jungen Mediziner hat die älteren Mitglieder der AGMS überzeugt. Jedes Jahr im August findet seitdem ein dreitägiger „ induction course“ statt. Inzwischen sind es über vierzig Teilnehmer, die sich mit Vorträgen, Workshops und praktischen Übungen auf den Arbeitsalltag in England vorbereiten. Schlafsack und Isomatte braucht keiner mehr mitzubringen. In diesem Jahr waren die jungen Mediziner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Unterkünften der University of East London untergebracht: Kein Luxushotel, aber zweckmäßig und praktisch. „Die Unterkunft war mal was ganz anderes“, fand Dr. N. K., die ab April als SHO in London arbeiten wird. „Die Zimmer waren wie kleine Kajüten mit Bullaugen – ich habe mich wie auf einer Kreuzfahrt gefühlt!“

Doch nicht nur die Unterbringung hat der angehenden Psychiaterin gefallen: „Der Kurs hat meine Erwartungen übertroffen. Wir lernten das englische Gesundheitssystem kennen, konnten Kontakt zu englischen und deutschen Ärzten knüpfen und bekamen viele praktische Tipps. Durch den Kurs freue ich mich noch mehr auf England und fühle mich richtig gut vorbereitet.“ Dr. A. Z., der seit kurzem als HO in Norfolk arbeitet, haben vor allem die Workshops begeistert. „Es wurden typische Arbeitstage durchgespielt. Das hat mir meine Unsicherheit genommen und ich fühlte mich in den ersten Tagen viel souveräner.“ Besonders gefallen hat dem jungen Österreicher ein Workshop, in dem der Umgang mit englischen „ nurses“ gelehrt wurde: „Eine Tutorin spielte eine absolut nervige Stationsschwester und simulierte einen Anruf während eines Nachtdienstes. Wir sollten lernen, wie wir antworten sollen und wie wir unnötiges Aufstehen vermeiden können. Jetzt im Krankenhaus merke ich, dass es keinesfalls übertrieben war, sondern dass englische Schwestern wirklich so penetrant sein können.“

Für Initiator Christian Herzmann sind die Workshops ein ideales Mittel, um die Teilnehmer auf den Alltag in einem englischen Krankenhaus vorzubereiten. In Kurzvorträgen werden in einem ersten Teil zunächst Grundkenntnisse über den englischen Stationsalltag, über den Umgang mit Patienten und Kollegen vermittelt. In Kleingruppen sollen die angehenden Ärzte danach das Gelernte in praktischen Übungen umsetzen. „Jeder muss aktiv an den Workshops teilnehmen“, erklärt Christian Herzmann, „Wir konfrontieren die Teilnehmer mit echten Situationen aus dem Stationsalltag: Mal muss einer als Dienstarzt eine Notfallsituation meistern, die Teilnehmer müssen Patienten aufnehmen und dem Dienstälteren vorstellen. Dabei machen die Tutoren als Patienten oder Oberärzte es den zukünftigen Ärzten nicht immer einfach: Mal spricht ein ,Patient’ mit einem unverständlichen nordenglischen Akzent, mal will der ,Oberarzt’ alles über das Krankheitsbild mit sämtlichen Differenzialdiagnosen wissen, mal gilt es, einen völlig verwirrten ,Patienten’ zu befragen.“

Nach einem Tag voller Vorträge, praktischer Übungen, Seminare und Workshops war selbst der engagierteste Teilnehmer erschöpft. Abschalten und Austoben konnten die Teilnehmer abends bei einem umfangreichen Sportangebot. Wem nicht nach Cricket, Football oder Fitness war, relaxte am Rande des Spielfeldes mit einem Pint in der Hand und plauderte mit Teilnehmern oder Tutoren.

Extraprogramm für angehende Allgemeinärzte

Nicht nur den Umgang mit zukünftigen Patienten lernten die Teilnehmer des AGMS-Kurses. Wer in England arbeiten möchte, sollte über die Grundlagen des englischen Gesundheitssystems Bescheid wissen. Vor- und Nachteile des National Health Service und die Konsequenzen für die Gesundheitsversorgung der Patienten wurden ebenso besprochen wie die Rolle des Allgemeinarztes („General Practitioner“, GP) in der primären Gesundheitsversorgung. Für Teilnehmer, die den Facharzt für Allgemeinmedizin bereits in der Tasche haben und planen, sich auf der Insel niederzulassen, waren diese Informationen besonders wichtig. Für angehende GPs haben die Initiatoren spezielle Workshops konzipiert, in denen die Ärzte GP-Praxen in London besuchen, sich vor Ort informieren können und persönliche Erfahrungen zu hören.

Auch wer vorhat, sich als Facharzt in England niederzulassen, möchte vielleicht nicht immer in England bleiben. Was für Schwierigkeiten und Probleme für „Rückkehrer“ auftauchen, berichtete eindrucksvoll Dr. E. B., der nach Jahren in England nun als Chirurg in Olpe arbeitet. „Als ich in England gearbeitet habe, brauchte ich mich kaum um Papierkram zu kümmern“, erzählt der Chirurg. „Nun bin ich mehrere Stunden in der Woche mit administrativer Arbeit beschäftigt. An die verschiedenen Verschlüsselungssysteme musste ich mich erst gewöhnen.“ Persönliche Informationen und Erfahrungen weiterzugeben sind nach wie vor eines der Hauptziele des „ induction course“.

Die ersten Tage in England werden für jeden trotz des induction course ungewohnt sein. Angst vor dem Anfang sollte jedoch keiner haben. Auch mangelnde Sprachkenntnisse sollten keine „Entschuldigung“ sein, sich nicht in England zu bewerben. „Bei meinem ersten Bewerbungsgespräch hat mich der consultant gefragt, ob ich mir denn zutraue, hier zurechtzukommen, da mein Englisch ziemlich rostig sei“, erinnerte sich Dr. Marcus Simmgen schmunzelnd in seinem Vortrag über Karriereplanung. „Die Stelle habe ich aber trotzdem bekommen.“ Kontakte knüpfen und mögliche Arbeitgeber finden, konnten die Teilnehmer nicht nur auf der zwischen den Vorträgen stattfindenden „ Career Fair“, sondern auch im persönlichen Gespräch mit Referenten und Tutoren bei gutem Essen in abendlicher Runde – und hierfür brauchte man nicht einmal eine Krawatte anzulegen.

Weitere Informationen über den induction course und die AGMS bei www.agms.net. Dort oder bei oliver.koch@agms.net kann man das Handbuch „Arzt in Großbritannien“ anfordern, herausgegeben von Dr. Oliver Koch. Auszug aus dem Inhalt: NHS – Weiterbildungsstruktur in Großbritannien, Anerkennung der Zeit im Ausland – Tipps zur Jobsuche – Tipps zum Berufsstart – Finanzen – Anamnese und Untersuchung auf Englisch – Britische Medikamente – Abkürzungen – Literatur und Adressen

Dr. med. Felicitas Witte

Mannheim, Mai 2004

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