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"Wem nichts zu schwer ist, dem gelingt alles." Dies sagt ein nepalesisches Sprichwort und beschreibt damit auf ganz eindrückliche Weise das Leben und die Menschen in einem der höchstgelegenen Länder der Erde. In dieser 147.000 km² großen Region zwischen Indien und China gibt es weitaus mehr als „Achttausender“ und tibetische Teppiche. Es ist in vielerlei Hinsicht ein Land der Extreme und so stellen sich auch dem Gesundheitswesen und der Entwicklungshilfe ganz landestypische Herausforderungen.
Ich möchte Ihnen die Arbeit von Nepalmed e.V. vorstellen und Sie einladen, die Medizin auf dem Dach der Welt einmal näher zu betrachten. Nepal
Gesundheitssystem in Nepal
Nepalmed e.V. – Projekte und Engagement
Nepal Langtang- Team Camp und Kinder der örtlichen Schule |
| In Nepal leben 27 Millionen Menschen etwa 75 verschiedener ethnischer Gruppen, es werden 50 verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen. Das Land beherbergt alle Vegetations- und Landschaftsformen und erstreckt sich über 800 km vom Nordwesten nach Südosten. Auf einer Horizontaldistanz von 200 km Breite reicht es von 60 m über dem Meeresspiegel im südöstlichen „Terai“ bis auf eine Höhe von 8.850 m auf dem Gipfel des „Sagarmatha“ (Mt. Everest).
Zwischen Tibet und Indien entstand ein einzigartiger Vielvölkerstaat, der trotz der starken politischen, religiösen und kulturellen Einflüsse aus dem Norden und Süden stets sein eigenes Gesicht wahrte und über viele Jahrhunderte aus den unterschiedlichen Strömungen neue Impulse für die kulturelle, politische und gesellschaftliche Entwicklung für ganz Asien formte. Doch Nepal hat in seiner langen Geschichte auch immer wieder unter Diktaturen und wirtschaftlicher Not leiden müssen, es gehört derzeit laut Weltbank mit einem pro Kopfeinkommen von 292 US Dollar pro Jahr zu den „LDC“, den „Least Developed Countries“.
Der Aufbau einer Mehrparteiendemokratie seit den 1990´er Jahren ist durch stetige Rückschläge geprägt. Als sich im Jahre 2001 durch einen Anschlag die Machtverhältnisse in Nepal änderten, eskalierte die Situation und der seit Beginn der 90´er Jahre schwelende Konflikt zwischen Maoisten und Regierung weitete sich zum Bürgerkrieg aus. Erst im April des vergangen Jahres gelang nach monatelangen blutigen Auseinandersetzungen, Generalstreiks und anschließenden mehrwöchigen friedlichen Demonstrationen ein Friedensabkommen.
Eine Industrialisierung des Landes ist schwierig. Die Industriestandorte im „Terai“ und „Kathmandu Tal“ beherbergen Zucker-, Zigaretten-, Streichholz-, und Zementfabriken. Metallverarbeitende Betriebe und andere moderne Branchen siedeln sich langsam an. Erschwert werden diese Bestrebungen durch die mangelhafte Infrastruktur, so gibt es beispielsweise nur wenige große Straßen, welche das Land weitreichend erschließen. Eisenbahnverbindungen gibt es nur im „Terai“. Auch der Ausbau des Telekommunikationsnetzes wird durch die geographischen Bedingungen erschwert.
Der Tourismus gilt nach wie vor als eines der Hauptstandbeine der nepalesischen Wirtschaft. Doch der seit dem vergangenen Jahrhundert durch den wachsenden Touristenstrom immer stärker - Nepal war nie Kolonie - zunehmende Einfluss der "entwickelten Welt" hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und Ökologie des Landes.
Eine stetig wachsende Bevölkerung und beginnende Industrialisierung gefährden die einzigartige Natur der Himalaya Region und führten beispielsweise aufgrund des steigenden Energiebedarfs zur massiven Abholzung der Bergwälder. Verheerende Erdrutsche zur Regenzeit in jedem Jahr sind die Folge. Die geographischen Extreme, die kulturelle Vielfalt, der Bürgerkrieg, die Umweltzerstörung und der wachsende Einfluss des "Westens" wie auch Indiens und Chinas stellen besondere Herausforderungen an die Menschen in Nepal, ihre Gesellschaftsstrukturen und im besonderen Maße auch an das nepalesische Gesundheitssystem.
Gesundheitssystem in Nepal Transport - AmpPipal Hospital, District Gorkha |
| Bisher haben nur 10 Prozent der Bevölkerung überhaupt Zugang zu medizinischer Hilfe. Der Katastrophenschutz und Präventionsmaßnahmen sind unzureichend und schwierig umzusetzen.
Die Lebenserwartung bei Geburt beträgt für Männer und Frauen 61 Jahre. Wovon Männer 52 Jahre und Frauen 51 gesund erleben. 7,4 Prozent der Jungen und 7,9 Prozent der Mädchen sterben vor dem fünften Lebensjahr. Haupttodesursachen in Nepal sind akute Atemwegserkrankungen, Enzephalitis, Meningitis, Septikämie und Durchfallerkrankungen (Typhus, Cholera, Ruhr, u.a.). Schätzungen zufolge sind 50 Prozent der Kinder unterernährt.
Viele dieser Erkrankungen können mit einfachen Maßnahmen verhindert oder geheilt werden. Doch die Umsetzung umfassender Präventionsprogramme und die Einrichtung eines flächendeckenden Versorgungsnetzes sind aufgrund der geographischen und gesellschaftlichen Bedingungen schwer, die Patienten müssen derzeit oft stunden- oder tagelange Wege bis zum nächsten Gesundheitsposten in Kauf nehmen. Ein ökonomisch sinnvoller Ausbau des Krankenhauswesens ist daher ebenso notwendig wie die Ausbildung und Ausrüstung von CMA, Krankenschwestern und Hebammen, die ambulant arbeiten. Eine funktionierende Infrastruktur ist dabei unabdingbar, sodass eine enge Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Spezialisten unterschiedlichster Fachgebiete notwendig ist, um beispielsweise Straßen so zu konzipieren, dass sie auch während der Regenzeit passierbar sind, eine permanente Telekommunikation möglich ist oder große Krankenhäuser die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Rettungsflugdiensten im Katastrophenfall haben.
Auch ist nicht allen Kasten im gleichen Maße Zugang zum Gesundheitssystem möglich, sei es aus finanziellen oder kulturellen Gründen. Gerade in diesem Kontext ist die Arbeit der nepalesischen wie auch internationalen „NGOs“, den Nichtregierungsorganisationen, von großer Bedeutung. Durch die gezielte Unterstützung und das „empowerment“ armer und benachteiligter Bevölkerungsgruppen versuchen sie dieses Ungleichgewicht zu mildern. Das traditionell große politische Engagement und die Förderung unabhängiger Entscheidungsträger in Nepal, seien es Bürgermeister, Dorfälteste, Ärzte, Ingenieure Journalisten, Unternehmer oder Handwerker, geben wichtige Impulse für Veränderungen aus den eigenen Ressourcen des Landes heraus.
Nepalmed e.V. – Projekte und Engagement Visite am AmpPipal Hospital |
| Nepalmed e.V. widmet sich nun seit sieben Jahren dem Aufbau des Gesundheitswesens in Nepal. Am 30. August 2000 wurde der Verein in Grimma (Sachsen) von 13 Medizinern und Geisteswissenschaftlern nach mehreren Reisen und Arbeitseinsätzen in Nepal gegründet. Zweck des Vereins ist die Unterstützung nepalischer Aktivitäten zur Förderung des Gesundheitswesens, der Volks- und Berufsausbildung, der Belange von Frauen, der Erziehung, Wissenschaft, Forschung, Kultur und Wirtschaft.
Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Alle unsere Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Zurzeit sind wir europaweit etwa einhundert Mitglieder. Wir finanzieren uns ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden und operieren dadurch nur mit einem knappen Budget. So gut wie jeder Euro geht in die Projektarbeit. Die Kosten für Papier, Porto und ähnliches werden meist privat von den Mitgliedern getragen. Nepalmed e.V. ist beim Amtsgericht Grimma ins Vereinsregister (VR 768) eingetragen, als gemeinnützig vom Finanzamt anerkannt und konnte ein Vereinskonto (Sparkasse Muldental Grimma, Konto 1010052086, Bankleitzahl: 86050200) einrichten.
Derzeit unterstützt Nepalmed sechs Krankenhäuser und Gesundheitsposten in unterschiedlichen Teilen Nepals, leistet finanzielle Beiträge zu Fonds zur Behandlung der Ärmsten, organisiert und finanziert Präventionsprogramme und regelmäßige Camps unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen in unseren Partnerkrankenhäusern und erhebt epidemiologische Daten im Rahmen mehrerer Studien zur Versorgungsforschung in Nepal. Zudem werden nepalesischen Ärzten Praktika in Deutschland vermittelt und organisiert. Hinzu kommen die Finanzierung der Aus- und Weiterbildung von CMAs und anderen Mitarbeitern des Gesundheitswesens in Nepal sowie die Vermittlung von Ärzten und Studenten aus ganz Europa nach Nepal. Programme im Katastrophenschutz sind noch in der Planungsphase.
Der Verein arbeitet eng mit anderen „NGOs“ in Nepal (PHECT, United Mission to Nepal, Mandala Welfare Society u.a.) und Deutschland (DNG e.V., Interplast Germany e.V., Förderkreis Zahngesundheit Mittelfranken e.V., Nepalkinderhilfe e.V., Nepal- Hilfe Aachen e.V. u.a.) zusammen. Wir halten regelmäßigen Kontakt zu den deutschen und nepalesischen Botschaften sowie relevanten Ministerien und Institutionen. Wir sind sehr glücklich, den Honorarkonsul Nepals in Köln und Vorsitzenden der Deutsch-Nepalischen Gesellschaft, Herrn Ram Pratap Thapa, 2002 als Mitglied in unseren Verein aufgenommen zu haben.
Nepalmed e.V. möchte den Menschen in Nepal helfen, aus eigener Kraft ein auf ihre Bedürfnisse und Wünsche angepasstes Gesundheitssystem aufzubauen, sie in allen Fragen des gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens aus medizinischer Sicht beraten und für sie neue Kontakte zu anderen Fachrichtungen knüpfen (Landwirtschaft, Energieversorgung etc.).Wir sehen unsere Arbeit als Hilfe zur Selbsthilfe. Das „KMH“ und „PHECT“ sind Beispiele für von sehr engagierten Nepali selbst aufgebaute Organisationen. Wir versuchen den Menschen zu helfen, für sich zufrieden stellende und menschenwürdige Lebensbedingungen zu schaffen und die einzigartige Kultur und Natur Nepals zu erhalten.
Auch in diesem Jahr suchen wir medizinisches Fachpersonal aller Professionen und Fachrichtungen für unsere Arbeit in Nepal und Europa und vermitteln Studenten Famulaturen. Ich möchte Sie herzlich einladen, uns nach Nepal zu begleiten, mit uns zu arbeiten und dieses außergewöhnliche Land und seine Menschen kennen und schätzen zu lernen!
Nähere Informationen zu unseren Projekten und Nepalmed e.V. sowie unsere Kontaktadresse erhalten Sie auf unserer Homepage (siehe Weiterführende Links). Auf den Internetseiten der Deutsch-Nepalischen Gesellschaft, des Nepalischen Honorarkonsulates Köln, der Deutschen Botschaft in Nepal sowie des Auswärtigen Amtes (siehe Weiterführende Links) finden Sie viel Wissenswertes über Nepal.
Vielen Dank an Stethosglobe und die Allianz Private Krankenversicherung für Ihre Unterstützung.
Sylvia Janich
Leitung Forschung Nepalmed e.V.
Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit Nepalmed e.V.
Dresden, Juni 2007
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