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4. USA (USMLE Step 1) - Oktober 2006

Für den Sommer 2006 hatte ich mir viel vorgenommen. Reguläre Arbeitszeiten im Krankenhaus und parallel hierzu die Vorbereitung auf ein ausländisches Examen, das ganz nebenbei auch noch eine nicht unerhebliche Prüfungsgebühr nebst weiteren Kosten mit sich bringen würde. Und ein schöner Sommer sollte es trotz allem dennoch sein. Ich nahm die Herausforderung an.

Gründe, das USMLE zu absolvieren
Anmeldung zur Prüfung
Vorbereitungen
Literaturempfehlungen
Ablauf der Prüfung
Meine persönlichen Tipps
Fazit

Gründe, das USMLE zu absolvieren

Jeder Student, der sich nach dem Physikum gefragt hat, „Wo stehe ich denn nun im nationalen bzw. internationalem Vergleich mit meiner Physikumsnote (alte AO) bzw. mit meiner Note vom Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (neue AO)?“, kann sich durch das „United States Medical Licensing Examination“ USMLE eher einschätzen lernen. Das USMLE ist ein international vergleichbares Examen, d.h. jemand der in Kapstadt einen Score von 88 erreicht hat, ist ebenso gut, wie seine Kollegen aus London, Tokio, Boston oder Heidelberg mit demselben Score.

Mit dem Hintergrundwissen, dass deutsche Ärzte in Bezug auf Ihre Arbeitszeit verhältnismäßig wenig Einkommen beziehen, ermutigte es mich, mich für das USMLE anzumelden, um später einmal die Möglichkeit zu haben, besser zu verdienen.

Für eine Famulatur oder ein PJ- Tertial verlangen die amerikanischen Universitäten nicht immer das USMLE Step 1, aber wer es hat, bei dem erhöht es die Chancen, bei der Bewerbung beachtet zu werden. Nicht jeder Chefarzt in den USA kann etwas mit einer Physikumsnote bzw. mit der Note vom Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung anfangen. Dafür weiß jeder, was 220 bzw. 88 Punkte im Step 1 bedeuten.

Nicht nur für den ausländischen Markt ist ein USMLE gut. Bei der Bewerbung im Inland, z. B. an einer Universitätsklinik, kann ein ausländisches Staatsexamen Eindruck schinden, da es der Beweis ist, dass sich der Student/Arzt einerseits in einer Fremdsprache austauschen kann und er andererseits über den deutschen medizinischen „Tellerrand“ hinausschaut.

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Anmeldung zur Prüfung

Ich habe das United States Medical Licensing Examination USMLE Step 1 am 09.10.2006 in München abgelegt.

Zuerst muss man sich über die Internetseite der Educational Commission for Foreign Medical Graduates (ECFMG) (siehe Weiterführende Links) für einen Step innerhalb eines drei Monate langen Zeitraumes anmelden. Danach eine Immatrikulationsbescheinigung von dieser Seite ausdrucken, welche vom Dekan der eigenen Medizinischen Fakultät unterschrieben werden muss und nach Philadelphia per Luftpost gesendet werden soll. Dort wird die Bewerbung erst nach Eingang von Geld, die Prüfungsgebühr beträgt ca. 690$ plus 150$ Deutschlandzuschlag, und Immatrikulationsbescheinigung bearbeitet. Ca. vier Wochen später erhält man einen Brief mit Zugangscode für die Internetseite von „Prometric“/Testcenter (siehe Weiterführende Links), bei denen man sich einen Termin und einen Ort - in Deutschland Frankfurt, Berlin, München und Hamburg - innerhalb des vorher angegebenen Zeitraumes von drei Monaten auswählen kann und wenn man Glück hat, einen passenden Termin an seinem gewünschten Ort erhält.

Weitere Infos zur Prüfung findet man zudem unter der Internetseite zu den USMLE (siehe Weiterführende Links) .

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Vorbereitungen

Ich hatte meinen Prüfungstermin auf Anfang Oktober gelegt. Im Sommersemester 2006 belegte ich Innere Medizin, wobei ich begleitend die Grundlagen wiederholte, z.B. bei Gastrologie: Embryologie, Anatomie und Physiologie von Magen-Darm-Trakt. In den Semesterferien August und September famulierte ich tagsüber und nachmittags/abends konnte ich lernen. Klingt nach einem harten Programm für die Sommermonate, ließ sich aber erstaunlicherweise gut mit einem Segelurlaub und genügend anderer Freizeit aushalten. Man sollte sich allerdings vorher eine grobe Zeiteinteilung machen, um eventuelle Lernverzögerungen besser abfedern zu können. Zusammenfassend sind es ca. 2-3 Stunden werktags und samstags/ sonntags jeweils 6-8 Stunden (mit einigen Ausnahmen) gewesen.

Man sollte mindestens zwei Monate halbtags oder fünf Wochen ganztags als Vorbereitung einplanen. Ich würde, wie bereits erwähnt, die halbtags Variante empfehlen, da sich somit noch Famulatur, Familie, Ferienjob, Schwimmbad o. ä. vereinigen lassen und ein späteres Verstärken des Lernens möglich ist.

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Literaturempfehlungen

1. Klassiker und must have: „First Aid for the USMLE“ ; McGraw Hill Verlag

In diesem Buch sind auch viele Bücher und Internetadressen zum Nachlesen und Bearbeiten von Fallbeispielen – „clinical vignettes“ - mit jeweiliger Bewertung und Kosten aufgelistet.

2. Kaplan´s USMLE Step 1 Qbook; Manley - 850 „clinical vignettes“

Ohne ein „Qbook“ oder einen Internetzugang zu Übungsfragen sind die Prüfungen kaum zu meistern. Das wäre so, als würde man ohne Kreuzen von Altklausuren Physikum bzw. den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung machen wollen. Die Amerikaner veröffentlichen - im Gegensatz zu Deutschland - niemals ihre Prüfungsfragen. Dies wird auch durch Androhung eines Ausschlusses von dieser und jeder weiteren Prüfung und Strafrechtlicher Verfolgung bei bewiesener Veröffentlichung unterstrichen. Notizen, die man sich während der Prüfung macht, müssen abgegeben werden und werden an Ort und Stelle vernichtet.

Die Internetseiten „usmleasy“ und „kaplanmedical“ (siehe Weiterführende Links) sind beliebte „Internet-based question banks“, die allerdings ebenfalls ihren Preis haben, so z.B. 279$ für drei Monate. Es würde sich lohnen einen Zugang zu holen, wenn man sich in einem Freundeskreis von zwei oder drei Studenten zusammen auf die Prüfung vorbereitet. Dies spart Kosten und man motiviert sich gegenseitig beim Lernen.

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Ablauf der Prüfung

Beginn der Prüfung ist meist um 8.30 Uhr. Es empfiehlt sich, bereits um 8.00 Uhr anwesend zu sein, da sobald die Prüfungsteilnehmer vollzählig sind, die Prüfung schon früher beginnen kann. Sollte man nach 8.30 Uhr am Prüfungsort eintreffen, so kann man nicht zugelassen werden. Dies liegt im Ermessen des Prüfungsaufsichtsführenden. Nach 9.00 Uhr wird man definitiv nicht mehr zugelassen und das Geld der Anmeldungsgebühr muss teilweise, wenn nicht sogar ganz, erneut bezahlt werden.

Zur Prüfung benötigt man seinen Personalausweis - besser Reisepass - und den orangefarbigen Prüfungszulassungscodezettel. Des Weiteren sollte man sich Essen plus Getränke mitnehmen. Hier muss jeder für sich entscheiden. Man bekommt ein Schließfach für die Wertsachen. In den Prüfungsraum selbst darf man nur seinen Personalausweis, den orangefarbigen Zettel und den Schlüssel vom Schließfach mitnehmen, d.h. keinen Haustür- oder Autoschlüssel, Wasser, Handy, Brillenetui, Geldbeutel, Kaugummi, Taschentücherpackung, Taschenrechner, Schreibzeug etc.. Schreibunterlagen werden gestellt; gerechnet wird im Kopf. Ich selbst hatte eine Ermahnung bekommen, weil ich während der Prüfung meinen Pullover ausgezogen und über die Stuhllehne gelegt hatte. „Ich sollte meinen Pullover angezogen lassen oder ihn in der Pause im Schließfach einsperren!“ wurde mir mit freundlichem, aber sehr bestimmtem Ton gesagt. So nebenbei erwähnt: das Personal bei „Prometric“ bzw. seinen Testcentern spricht ausschließlich Englisch!

Zum Prüfungsablauf:

  • 15 min Tutorial (skip if familiar)
  • 7 hours 60-minute question blocks
  • 45 minutes break time (include time for Lunch)

Da es sich um eine am Computer durchgeführte Prüfung – „computer based test“ (CBT) - handelt, gibt es zuerst eine 15 Minuten lange Einführung in das Testsystem mit allen Funktionen. Diese Einführung kann man überspringen, was dazu führt, dass man diese 15 Minuten zusätzlich zu der Pausenzeit angerechnet bekommt. Dies passiert ebenfalls mit den restlichen Minuten, wenn man einen Fragenblock vor 60 min beendet.

Das Testsystem sollte jedem bereits vorher bekannt sein, da man mit dem Anmeldungscode für die Prüfung eine CD mit 150 Übungsfragen und Tutorial zugeschickt bekommen hat. Überspringt man das Intro, so startet der erste von sieben Frageblöcken. Nun hat man 60 min Zeit, um 50 Fragen zu beantworten. Diese Zeit reicht ohne Probleme. Sollte man sich mit einer Antwort nicht sicher sein, so sollte man die Frage markieren, um später vor dem Ende des Blocks nochmals zu ihr zurückzukehren und seine Wahl zu überdenken. Bleibt man bei einer Frage länger als 60 sek., so erscheint eine Warntafel, um zu vermeiden, dass man sich an einer Frage aufhängt und die Zeit davonläuft. Sind 58 Minuten vorbei, so erscheint ebenfalls ein „Popup“, welches das Ende des Blocks in zwei Minuten ankündigt. Spätestens jetzt sollte man mit allen Fragen durch sein und alle offenen Fragen schnellstens - notfalls auch durch raten - ankreuzen, denn bei 60 min schließt der Block sofort und alle nicht beantworteten Fragen sind automatisch falsch.

Danach erscheint ein neues Fenster, in dem man auswählen kann ob man nun eine reguläre Pause machen möchte oder ob der nächste Block geöffnet werden soll. Wenn man eine Pause machen möchte, stellt man den Computer auf den Pausemodus, nimmt seinen Personalausweis, den orangefarbigen Zettel und Schlüssel, um sich dann an der Leitstelle mit Uhrzeit und Name aus- und später wieder mit Personalausweis einzutragen. Wie lange man Pause macht, ist einem selbst überlassen. Man sollte aber nicht vergessen, dass, wenn man sich einmal angemeldet hat, dann läuft die Gesamtzeit von acht Stunden stetig weiter.

Nach der Pause erfolgt ein erneuter Login am Computer und weiter geht es. Es ist ein bisschen wie in einem Überwachungsstaat - sehr bürokratisch, ordentlich, überkorrekt. Ist ein neuer Block geöffnet, so empfiehlt es sich, auch diesen zu beenden. Es gibt die Möglichkeit einen Block zwischendrin zu unterbrechen, dies wird allerdings als unerlaubte Pause gewertet und als solche auch in den Akten vermerkt. In wie weit dies Auswirkung auf die Bewertung hat, kann ich nicht sagen, aber man wird dadurch vom „Beaufsichtigungspersonal“ sicherlich nicht gerade freundlicher behandelt.

Der Prüfungsraum erinnert einwenig an einen „Pferdestall“. Jeder „Test taker“ hat seinen eigenen Arbeitsplatz mit Computer, Schreibunterlagen und Ohrenschutz. Rechts und links ist dieser Arbeitplatz von einer nicht durchsichtigen Wand begrenzt. Somit kann niemand in der Prüfung vom Nachbar gesehen bzw. gestört werden. Wer allerdings denkt, dass man auch von den Aufsehern nicht beobachtet werden kann, der hat nicht an die Spiegel und Überwachungskameras über jedem Arbeitsplatz gedacht. Das Personal sitzt in einer Leitstelle, wohin jede Kamera ihr Bild überträgt. Zusätzlich läuft das Personal auch mal im Prüfungsraum auf und ab.

Welche Punktzahl - „Score“ - sollte man erreichen und wie schneiden amerikanische Studenten ab? Man sollte mindestens über 80 - besser über 85 - Punkte holen. Warum sollte sich ein amerikanischer Chefarzt entscheiden, einen Deutschen mit schlechtem Ergebnis einzustellen, wenn dieser sicherlich nicht so gut englisch spricht wie ein US Student.

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Meine persönlichen Tipps

Man sollte sich so früh wie möglich mit den Fragen beschäftigen. Lernt man acht Wochen nur mit dem Buch und beginnt drei Wochen vor der Prüfung mit den Fallbeispielen, so wird man sich sehr schnell fragen, was man in den letzten Wochen überhaupt getan hat. Meiner Meinung nach sind die Fragen aus dem „Qbook“ zwar sehr schwer, treffen leider aber auf einige der vielen Fragen im Examen zu. Man sollte sich beim USMLE Step 1 nicht auf die deutschen Hammerfächer Anatomie, Physiologie und Biochemie konzentrieren, sondern sich klinische Fälle, Genetik und vor allem Pharmakologie reinziehen.

Meine Lieblingsfrage aus der Übungsfragensammlung: Ein Patient wird für eine Operation in der Anästhesie mit einem Muskelrelaxans eingeleitet. Zur Aufrechterhaltung der Narkose wird der Atemluft ein flüchtiges Narkosemittel beigemischt. Daraufhin erhöht sich die Körpertemperatur und der Patient wird zunehmend kreislaufinstabil. Über welchen biochemischen Mechanismus wirkt das Antidot? Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch „First Aid for the USMLE“ eine sehr gute Lernbasis ist, aber nur eine Basis. Es sei denn, man kennt jede Seite komplett ohne Einschränkung!

Warum sollte man diese Prüfung ablegen bzw. wer sollte dies tun? Jeder, der seine Chancen auf eine Famulatur bzw. PJ Stelle erhöhen will, sollte und zwingend jeder, der eine Assistenzarztstelle in den USA übernehmen möchte, muss das USMLE ablegen.

Wann ist der beste Zeitpunkt im Studium, den Step abzulegen? Ich würde empfehlen, den Step 1 nach dem Semester Innere Medizin abzulegen, da sich ein Großteil der Fragen klinisch - viel Pathophysiologie und angewandte Pharmakologie - orientiert und man ohne Vorbildung einen deutlich höheren Lernaufwand hätte.

Und die Kosten der Prüfung? Die Prüfungsgebühren liegen - je nach Dollar Kurs - bei ca. 690-700 €. Wenn man die Lehrbücher, Anfahrt und eventuell Übernachtung am Prüfungsort mit einbeziehen will, kommen noch einmal ca. 300 € dazu. Zu möglichen Förderungen bzw. finanziellen Unterstützungen kann ich leider keine Angaben machen. Ich habe mir dieses Examen durch einen Nebenjob finanziert.

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Fazit

Wenn man überlegt, dass ich im Sommer 2006 neben den regulären Arbeitszeiten im Krankenhaus auf ein ausländisches Staatsexamen gelernt habe und trotzdem noch einen sehr schönen Sommer gehabt habe, so kann ich nur sagen, dass es sich für mich, trotz der Kosten, gelohnt hat.

Dennoch muss von vorne herein klar sein, dass sich so ein Examen nicht einfach aus dem Ärmel schütteln lässt. Dies bedeutet dann auch, dass ein Arbeits- und Lerntag gut und gerne 14 Stunden beträgt; und nach einem langen und anstrengenden Semester sich abends wieder vor die Bücher zu setzen, ist nicht jedermanns Sache.

P., J.
Heidelberg, Dezember 2006

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