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Die Tropenmedizin gewinnt in Deutschland immer weiter an Bedeutung. Mehr und mehr Menschen unternehmen private Fernreisen, gleichzeitig nimmt die internationale Migration beständig zu. Langzeitaufenthalte im Ausland werden für eine zunehmende Anzahl von Arbeitnehmern normal. Der Hintergrund
Die Ursache
Die Symptome
Der HintergrundWeltweit sind etwa 400 Millionen Menschen mit Bilharziose infiziert. Die Erkrankung tritt vor allem in Afrika, Asien und Südamerika auf. Mit 85% der Fälle ist Afrika unterhalb der Sahara am meisten betroffen.
Die UrsacheBilharziose, auch Schistosomiasis genannt, wird durch Saugwürmer (Trematoden) verursacht. Der Lebenskreislauf dieser Saugwürmer umfaßt mehrere Stadien. Zerkarien vermehren sich in Süßwasserschnecken, gelangen ins Wasser und dringen durch die unversehrte Haut in den Körper des Menschen ein. Dabei können sie eine Hautreizung auslösen, die sogenannte Zerkariendermatitis (swimmers´ itch). Das Schistosomulum dringt entlang des lymphatischen Systems zum rechten Herzen und von dort in die Lunge vor. Der Aufenthaltsort im Körper hängt von der Art des Erregers ab. Schistosoma haematobium siedelt sich im Blasenplexus an und schwemmt von dort täglich bis zu 3000 Eier in das blasennahe Kapillarsystem ab. Bei der Blasenbilharziose kommt es zu einer entzündlichen Veränderung der Blasenschleimhaut. Symptome sind Dysurie, Pollakisurie und Hämaturie. Sekundärinfektionen, Veränderungen der Ureteren und Nierenschädigung können die Folge sein.
Schistosoma mansoni hält sich in den Mesenterialgefäßen auf und schwemmt Eier in das darmnahe Kapillarsystem aus. Schistosoma haematobium kann bis zu 24 Monate im Körper persistieren, bevor Krankheitszeichen auftreten. Über Entzündungsreaktionen gelangt ein Teil der Eier in das Lumen von Darm bzw. Harnblase. Von dort werden sie über den Urin bzw. den Stuhl erneut ausgeschieden.
Im Wasser schlüpfen aus den Eiern sogenannte Miracidien, welche innerhalb weniger Stunden die für ihre weitere Vermehrung essentielle Schnecke finden müssen.
Die SymptomeDie Inkubationszeit für Schistosoma mansoni beträgt etwa 2-3 Wochen. Bei der Darmbilharziose kommt es durch chronische Entzündung zu Schleimhautveränderungen. Diarrhoe, okkulte Blutung, exsudative Enteropathie und fibrotische Wandverdickungen können die Folge sein.
Schistosoma japonicum kann sich sowohl im blasennahen, als auch im darmnahen Blutsystem absiedeln.
Das Katayama Syndrom ist eine Komplikation der Schistosomiasis. Es tritt insbesondere bei Infektion mit Schistosoma japonicum auf. Es handelt sich um ein akut fieberhaftes Krankheitsbild aufgrund der Heranreifung einer großen Zahl adulter Parasiten in der Lunge. Intermittierendes Fieber, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Oberbauchschmerzen, Hepatosplenomegalie, trockener Husten, breiiger Durchfall, Leukozytose mit Eosinophilie sind typische Zeichen.
Über Jahre hinweg ausgeschwemmte Eier, welche zum Teil das Kapillarsystem durchwandern, bestimmen langfristig die Pathologie. Es kommt zu einer chronischen Entzündungsreaktion, die zu einem Granulom führt. Die Bilharziose ist eine Präkanzerose und führt entsprechend der Parasitenart zu einem Karzinom der Blase oder des Kolon.
Eine schwerwiegende Komplikation ist die hepatolienale Bilharziose. In die Leber abgeschwemmte Eier führen zu einer Verengung der Pfortader mit konsekutiver portaler Hypertension. Durch hämatogene Verschleppung der abgelegten Eier ist prinzipiell eine Beteiligung aller Organe möglich. Die Symptomatik ergibt sich in Abhängigkeit von der Lokalisation.
Dr. med. Olaf Förster
Der Autor ist Gründer der "Medizinischen DirektHilfe in Afrika e.V." und ist zur Zeit als Arzt in Südafrika taetig.
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