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Chirurgie, Kreiskrankenhaus Rotenburg, Rotenburg an der Fulda, Hessen
(Nach zahlreichen Auslandsaufenthalten doch für Deutschland entschieden, 14.09.2004)

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Kreiskrankenhaus Rotenburg an der Fulda
Chirurgie
Aufgaben des Assistenzarztes
Warum Deutschland? Warum Chirurgie?
Rotenburg an der Fulda in Waldhessen
Fazit

Kreiskrankenhaus Rotenburg an der Fulda

Rotenburg an der Fulda ist eine kleine Stadt mit ca. 15.000 Einwohnern, die aber ein Kreiskrankenhaus mit einem relativ großen Einzugsgebiet hat. Das Kreiskrankenhaus Rotenburg an der Fulda (www.kkh-rotenburg.de) gehört zum Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf, der alleiniger Gesellschafter ist und bei dem ein Großteil der Krankenschwestern Mitglieder sind.

Das Haus hat 185 Betten, wovon 75 chirurgisch, 76 internistisch, 16 gynäkologisch und 18 diabetologisch (Belegbetten) sind. Dies ist derzeit im Wandel, da im Rahmen der Einweihung eines Neubaus, zum 50. Geburtstag des Hauses, sich weitere Belegärzte im Krankenhaus mit ihren Praxen niederlassen. Hinzukommen werden ein Neurochirurg, Orthopäde, HNO-Arzt, Radiologe und eine Handchirurgin. Der Radiologe hat ein MRT mit ins Haus gebracht, so dass sich das diagnostische Spektrum erweitert hat.

Ab Mitte Oktober werden die Chirurgie und Radiologie in die neuen Räume umziehen. Für die Chirurgie bedeutet dies eine modern eingerichtete Ambulanz und OP-Säle, was ein Fortschritt für Personal und Patienten sein wird. Der Altbau soll dann nach und nach saniert und ebenfalls umstrukturiert werden.

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Chirurgie

Die Chirurgie behält ihre drei Stationen, grob eingeteilt nach „Bauchstation“, „Pflege- und Knochenstation“ und eine Station für Ambulante Patienten und Kurzzeitlieger. Die Abteilung betreibt Viszeral-, Unfall- und Gefäßchirurgie. Eine sehr interessante Sparte ist auch die septische Chirurgie. Hierzu gehört die postoperative Behandlung in der Wundsprechstunde, die zweimal pro Woche durch die speziell ausgebildeten Krankenschwestern abgehalten wird.
Weitere Sprechstunden sind die Gefäß-, Knie- und BG-Sprechstunde.

Die Aufgabengebiete der Chirurgie sind nicht getrennt, so dass die Assistenten an allen Operationen teilnehmen, sowie auch unterschiedlichstes Patientengut auf den Stationen und in der Ambulanz haben. Dies bedeutet für den Anfang der Assistenzarztzeit eine Flut von Information, die man zu bewältigen hat, je länger man aber dabei ist, desto angenehmer wird das abwechslungsreiche Patientengut. Hilfreich beim Erlernen der unterschiedlichen Behandlungsmethoden ist ein abteilungsinterner Leitfaden, der über die wichtigsten Behandlungskonzepte informiert.

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Aufgaben des Assistenzarztes

Prinzipiell gibt es einen Ausbildungsplan, der entsprechend der neuen Weiterbildungsordnung aufgebaut ist und versucht, die drei Jahre Weiterbildungsermächtigung optimal auszunutzen. Demnach soll man zunächst das Handwerkszeug, wie die Stationsarbeit und allgemeine Diagnostik und Differentialdiagnostik, erlernen und hinzukommend sich im operativen Bereich auf Metallentfernungen und Abszeßinzisionen spezialisieren. Des Weiteren sollte man in dieser Zeit die Kurse für Sonographie ablegen und den Strahlenschutzkurs beginnen.

Im zweiten Jahr erwarten einen sechs Monate chirurgische Ambulanz und Notfallaufnahme, das Auseinandersetzen mit dem BG-Verfahren, sowie der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung und dem ambulanten Operieren. Des Weiteren erlernt man natürlich die Indikationsstellung bezüglich ambulanter und stationärer Chirurgie, sowie auch die Durchführung der postoperativen Behandlung.

Untersuchungen wie Sonographie (Sono-Abdomen, Kompressionssonographie), Doppler, Rekto- und Proktoskopie gehören zum Ambulanzalltag.

Der Ambulanzdoktor hat auch die Möglichkeit, an der Wundsprechstunde mit deren modernen Wundmanagement teilzunehmen, woraus man für die später wieder folgende Stationsarbeit seinen Nutzen ziehen kann. Insgesamt werden aber alle Assistenzärzte einer Sprechstunde fest zugeteilt, in der sie dann mitarbeiten sollen.

Erwartet wird, dass man die Kurse der Sonographie und des Strahlenschutzes zu Ende bringt, und auch seinen Notarztschein macht.

Ab dem dritten Lehrjahr sollte man die Stationsleitung übernehmen und viel operieren.

Der Ausbildungsplan ist logisch aufgebaut, jedoch ist die Anzahl der Assistenten in einem kleinen Haus begrenzt, weshalb man im ersten Jahr Dinge aus dem dritten Ausbildungsjahr erlernt und umgekehrt. Häufig heißt es „Learning by doing“, der Spruch „See one, do one, teach one“ ist unter Assistenten auch geläufig. Allerdings hat das kalte Wasser, in das man hin und wieder geworfen wird, auch den Vorteil, dass man schnell lernen muss, wenn man seine alltägliche Arbeit verantwortungsvoll erledigen will und man sich in kurzer Zeit Kenntnisse über ein breites Spektrum der Chirurgie aneignen kann.

Der Assistentenalltag auf den Stationen sieht ungefähr wie folgt aus:

  • Stationsvisite (kurz und knapp, ggf. mit Verbandsvisite)

  • Frühbesprechung in großer Runde (Stationsneuigkeiten, Röntgenbilder)

  • Anschließende DRG-Besprechung mit der Kodierfachkraft (Optimierung der DRG-Verschlüsselungen im Einzelfall)

  • OP

  • Stationsalltag (ggf. Verbandsvisite, Patientenaufnahme, Briefdiktat für die Entlassungen am Folgetag, Computerdokumentation)

  • Nachmittagsvisite

  • Nachmittagsbesprechung (OP-Plan mit Fallbesprechung, Therapieregime, Entlassungen für den folgenden Tag, Stationsneuigkeiten, Röntgenbilder)
Je länger man dabei ist, desto besser lässt sich dieser grobe Plan auch einhalten. Eine Überstunde pro Tag ist meist unvermeidbar und gelegentlich sind es auch mehr. Diese werden allerdings von übergeordneten Einheiten des Hauses als selbstverständlich angesehen...

Von den Assistenzärzten wird eigenverantwortliches Arbeiten erwartet. Bei den Besprechungen sollte man auch eigene Vorstellungen zum Therapieregime einbringen. Der Umgang mit Chef- und Oberärzten ist kollegial. Fragen und Probleme können meist vor Ort, spätestens aber in der Besprechung gelöst werden. Ein sehr angenehmer Aspekt dieses Hauses ist, dass die Dienstwege kurz sind und man jeder Zeit kompetente fachliche Auskunft auch von den anderen Fachdisziplinen bekommen kann, was sich im Alltag sehr positiv auswirkt und auch zum eigenen Lernerfolg beiträgt.

Interne Fortbildungen werden in unregelmäßigen Abständen abgehalten. Es gibt aber auch Möglichkeiten, mit besonderen Vorrichtungen das Endoskopieren zu üben und ähnliches. Die Voraussetzung dafür ist wie bei allem: Eigeninitiative.

Die Bereitschaftsdienste belaufen sich bei voller Besetzung auf ca. fünf Stück pro Monat. Derzeit ist der Notarztdienst an die Bereitschaftsdienste gekoppelt, was bisweilen zu frustrierenden Bedingungen für alle Beteiligten führt. Eine Trennung dieser Dienste wäre wünschenswert.

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Warum Deutschland? Warum Chirurgie?

Nach zahlreichen Auslandsaufenthalten habe ich mich für Deutschland entschieden, da ich es für wichtig erachte, das Basiswissen der Medizin in meiner Muttersprache zu erwerben und mir gleichzeitig mit einer Grundausbildung in Deutschland die Türen für den hiesigen Arbeitsmarkt offen zu halten. Und zu guter Letzt bin ich hier aufgewachsen und musste doch feststellen, dass ich Deutschland als meiner Heimat auch verbunden bin. Dies schließt aber einen späteren Arbeitsplatz in einem anderen Land nicht aus!

Ich habe mich für die Chirurgie erst im letzten Tertial meines Praktischen Jahres entschieden. Dies habe ich in Belém, Brasilien absolviert. In Brasilien werden die Studenten in den Klinikalltag mit eingebunden, so dass sie eine realistische Vorstellung von der späteren Arbeit in der Fachdisziplin erhalten. Aus diesem Grund habe ich mich dann gegen meinen langjährigen Wunsch, Gynäkologin zu werden, und für die Chirurgie entschieden.

Die Facharztausbildung in Deutschland darf man dann leider nicht mit der in Brasilien vergleichen, da hier vieles langsamer läuft, was bei den Vorerfahrungen dann auch mal zu Frust führen kann. In Brasilien ist natürlich auch ein viel größeres Patientengut vorhanden und die Möglichkeit, verklagt zu werden, sehr gering, was in der Assistenzarztzeit zu ganz anderen Bedingungen führt. Im Rahmen dieser vorübergehenden Frustrationen kommen natürlich auch immer mal wieder Überlegungen auf, ob eine andere Facharztausbildung für mich geeigneter wäre - bisher aber ohne überzeugendes Ergebnis.

In Rotenburg an der Fulda hatte ich mich beworben, da die Stelle für Chirurgie sehr ansprechend im Ärzteblatt ausgeschrieben war. Durch ein Telefonat erhielt ich sofort einen Termin für ein Bewerbungsgespräch, zu dem die Unterlagen mitzubringen waren. Das Bewerbungsgespräch verlief in einer angenehmen Atmosphäre mit dem Chefarzt Dr. Neff und hatte den sofortigen Abschluss eines Arbeitsvertrages zur Folge. Auf alle weiteren Bewerbungen an anderen Kliniken, die ich gleichzeitig geschrieben hatte, erhielt ich erst 3-6 Wochen später eine Antwort.

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Rotenburg an der Fulda in Waldhessen

Rotenburg ist ein kleines Fachwerkstädtchen mit 15.000 Einwohnern in der Mitte von Waldhessen, ca. eine dreiviertel Stunde jeweils von Kassel und Fulda entfernt. Bis Erfurt ist es auch nur eine gute Stunde.

Die Gegend ist ländlich und für eingefleischte Großstädter nur bedingt zu empfehlen. Hier sollte man ein gewisses Faible für die Natur und Spaß am Fahrradfahren, Wandern oder ähnlichem haben. Kollegen haben aber auch schon Paragliding in der Rhön und Wasserskifahren in Kirchheim ausfindig gemacht, allerdings mit dementsprechenden Fahrtzeiten.

Ausgesuchte kulturelle Veranstaltungen finden in dieser Gegend auch statt, man muss sich nur rechtzeitig informieren! Ich war erstaunt, wie viel Rotenburg und Umgebung trotz der Größe bietet und habe für mich die passenden Angebote zur Freizeitgestaltung gefunden, so dass ich mich hier wohl fühle.

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Fazit

Die Arbeit am KKH Rotenburg macht Spaß. Da es ein kleines Haus ist, arbeitet man mit allen Abteilungen und insbesondere auch abteilungsintern mit Schwestern und Ärzten in einer familiären Atmosphäre zusammen, was vieles erleichtert. Der Neubau wird die Arbeitsbedingungen insbesondere in der Ambulanz und im OP verbessern, so dass eine Stelle in der Chirurgie erst recht sehr empfehlenswert ist.


D., U.
Rotenburg an der Filda, September 2004
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